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Werner Gallusser Leben und Werk. Ein Interview mit dem Jubilar anlässlich seines 80. Geburtstages von Dieter Opferkuch
Dieter Opferkuch
Anlässlich des 80. Geburtstags von Werner A. Gallusser, Ordinarius für Humangeographie an der Universität Basel 19741994, nennt der Jubilar in einem Gespräch wichtige Fixpunkte seines Lebenswegs und umreisst Kernelemente der von ihm vertretenen Aktualgeographie. Das Elternhaus vermittelte ihm demokratische Haltung und soziales Engagement. Vor dem Hintergrund starker Affinität zu naturwissenschaftlichen Themen erscheint ihm für das Verständnis und die Erklärung von Raumentwicklung das menschliche Handeln entscheidend. Entsprechend entwickelte er seinen Forschungsansatz innerhalb der Humangeographie: Die aktualgeographische Analyse erfasst Dynamik und Strukturen bestehender räumlicher Erscheinungen und erlaubt, potenzielle Entwicklungen abzuschätzen.
Das Berufsbild der Geographen
Hartmut Leser
Absolventen des Fachstudiums Geographie arbeiten überwiegend in der Praxis. Die Ausbildungsqualität wurde durch praxisnahe Studienpläne mit generalistischem Aspekt sichergestellt. Die im Angebot verankerten theoretischen und methodischen Fachgrundlagen gewährleisteten dies. Die Praxis zog Berufsgeographen nicht nur wegen der Sach- und Methodenvielfalt, sondern zusätzlich vor allem wegen der Raumbezogenheit der Ausbildung den Mitbewerbern vor. Mit dem Bologna-System wurden die Gewichte in der Ausbildung verschoben eher weg von der Geographie. Dies lässt schon heute einen Qualitätsverlust in der Geographieausbildung konstatieren. Er kann nur dann kompensiert werden, wenn man mit den Zielen von Bologna ernst macht aber das geht nur mit deutlich erhöhtem Geldmitteleinsatz. Das Fach Geographie selber sollte sich nicht in stark diversifizierten und wenig fachbezogenen Masterabschlüssen verzetteln, die nur dem Namen nach noch Geographie sind.
Vom Erosionsforscher zum Leiter einer Umweltbehörde
Daniel Schaub
Der Schritt von der Forschung zum amtlichen Umweltschutz ist hinsichtlich der Arbeitsorganisation gross, vom inhaltlich-fachlichen Bereich her gibt es weniger Differenzen. Mit den heutigen Rechtsgrundlagen hat sich der Umweltschutz in der Schweiz auf hohem Niveau etabliert, was die Möglichkeit gibt, konstruktive Lösungen zu finden. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen meiner Ansicht nach in der Ausbildung in den Universitäten zur Vorbereitung auf den späteren Einsatz in der Praxis.
Umweltberatung Von der Uni in den freien Markt
Daniel Rüetschi
Nach dem Studium von Biologie und Geographie wurde der Autor während seiner Dissertation am Geographischen Institut der Uni Basel vor neun Jahren Teilhaber eines kleinen Umweltberatungs- und GIS-Büros. Seine Erfahrungen zeigen, dass das Geographiestudium eine gute Ausgangsbasis für ein eigenes Geschäft im Umweltbereich ist. Doch dies reicht nicht: Wirtschaftliche Kenntnisse müssen nachgeholt werden. Zudem sind ein gutes Netzwerk sowie Offenheit und Engagement wichtig.
Informationen für Öffentlichkeit und Verwaltung: Eine Geographin leitet das Statistische Amt Basel-Stadt
Madeleine Imhof
Die Arbeit in einem statistischen Amt ist ausserordentlich abwechslungsreich und reicht von der Erhebung der Daten über die Erstellung von Studien bis zur Herausgabe von Publikationen. Geographinnen und Geographen bringen durch die methodische und thematische Breite ihres Fachs beste Voraussetzungen dafür mit.
Ortsplanung: Geographisches Fachwissen und Fingerspitzengefühl sind gefragt
Katrin Bauer
Die Autorin studierte in Basel Geographie. Heute arbeitet sie bei der Gemeindeverwaltung Reinach/BL und ist dort hauptsächlich zuständig für die Ortsplanung. Sie führt ein fünfköpfiges Team, bringt Umweltschutz- und Energieanliegen in die Gemeinde ein und entwickelt gemeinsam mit dem Technischen Verwalter die Ortsplanung. Dabei sieht sie die grösste Herausforderung in der Kommunikation zwischen den Projektbearbeitern, den politischen Gremien und der Bevölkerung. Rückblickend hätte sie sich für ihr Studium mehr Kurse in Projektmanagement und Präsentationstechnik gewünscht.
Der Beruf des Kreisplaners. Als Geograph im Amt für Raumplanung des Kantons Basel-Landschaft
Oliver Stucki
Die Raumplanung hat für eine haushälterische Nutzung des Bodens und eine geordnete Besiedlung des Landes zu sorgen. Art und Mass der Nutzung jeder einzelnen Landfläche werden in der Regel durch die Gemeinden öffentlich-rechtlich festgelegt. Der Kreisplaner steht den Gemeinden dabei als beratende und unterstützende Ansprechperson zur Verfügung. Zudem prüft er die Planungen auf ihre Rechtmässigkeit. Für diesen Beruf bietet das Geographiestudium bezüglich Interdisziplinarität, ganzheitlichem Ansatz und räumlichem Vorstellungs-vermögen ideale Voraussetzungen, welche mit spezifischer Weiterbildung vertieft werden können.
Als Geograph in der internationalen Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit
Karl Herweg
Die Arbeit in einer komplexen Entwicklungsproblematik bringt uns mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammen und erfordert zudem die Integration verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen, inklusive ihrer eigenen Kommunikationskulturen. Damit ist es eine sehr spannende und vielseitige Tätigkeit. Das eigene Studium bietet uns im besten Fall eine gute fachliche Grundlage, um in solchen Teams mitarbeiten zu können. Es bereitet aber nicht oder kaum auf z. B. die zunehmende Administration, Arbeitsorganisation (als Vorgesetzte) oder die Kommunikation in einem interkulturellen Umfeld vor, in dem eine persönliche Erfahrung erst aufgebaut werden muss. Arbeits- und Managementtechniken sind nicht expliziter Teil des Studiums, wir könnten sie uns aber schon während dieser Zeit aneignen. Die zwischenmenschlichen Bereiche können wir hingegen nicht planen. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass die Sozialkompetenzen (nicht nur) in einem interkulturellen Kontext mindestens so wichtig sind wie die fachlichen Kompetenzen, und sie entsprechend ausbauen.
Dr. h.c. Georges Bienz zum Gedenken
Dieter M. Opferkuch
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