GEOGRAPHISCH - ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

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46/3 2005: Landschaftswandel und Landnutzungsprobleme im Jura

Wie viele Hochstammbäume sollen im Offenland stehen?
Simulationen der Kulturlandschaftsentwicklung in der Nordwestschweiz  

Karl Martin Tanner

Die Landwirte sind in der heutigen Zeit längst nicht mehr nur Nahrungsmittelproduzenten, sie sind auch für die Pflege von biologisch vielfältigen Flächen zuständig und bestimmen letztlich, ob eine Landschaftskammer lieblich oder verwüstet aussieht. Das Gesicht der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird in der Nordwestschweiz besonders stark von Hochstammbäumen geprägt. Von der Gesellschaft werden sie wegen ihrer ästhetischen Qualität geschätzt, nichtsdestotrotz von den Landwirten aber laufend aus ökonomischen Gründen dezimiert. In diesem Beitrag wird skizziert, in welcher Weise ästhetische Aspekte im Blick auf ihre Erhaltung künftig vermehrt eine Rolle spielen könnten.


Erlebnisraum Tafeljura: Von der Pro Natura-Idee zum lokal verankerten Projekt

Urs Chrétien

Schon 1997 hat Pro Natura Baselland die Grundzüge des Projekts “Erlebnisraum Tafeljura” erarbeitet. Dieses möchte den schleichenden Strukturwandel im Baselbieter Tafeljura aufhalten und strebt eine nachhaltige Entwicklung dieses wertvollen Gebietes an. Dabei sollen  der Bevölkerung sowie den Besuchern die Besonderheiten dieses Gebietes aufgezeigt werden. In einem längeren Prozess wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und weiteren interessierten Kreisen verbessert und weiterentwickelt. Im Frühling 2003 konnte es einer lokalen Trägerschaft übergeben werden. Verschiedene Teilprojekte im wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bereich wurden erfolgreich lanciert. Nun wird die Option einer Weiterentwicklung zu einem Regionalen Naturpark geprüft.


Naturschutz in der Kulturlandschaft – Praxistest einer Bewertungsmethode zur Erfassung des Zustands der Kulturlandschaft

Isabelle Ritschard

Die heutige Kulturlandschaft ist ein sehr komplexes Gebilde, das durch das Zusammenwirken von Mensch und Natur über Jahrhunderte entstanden ist und sich in einem stetigen Wandel befindet. Zur Erfassung und Bewertung der Landschaft gibt es unterschiedliche Methoden, diese beschränken sich aber meist auf einen kleinen Teilausschnitt der Landschaft. In der Diplomarbeit von Ritschard (2004) wurde ein von einer Vorgängerin entwickeltes Verfahren zur Erfassung und Bewertung des Zustands der Kulturlandschaft in der Praxis getestet. Das getestete Verfahren stellt einen ersten theoretischen Ansatz für die Integration von Naturschutz in der Kulturlandschaft dar.


Kartierung landwirtschaftlicher Nutzflächen im Kanton Aargau auf der Basis von Satellitendaten

Miriam Lähns

Die Abteilung für Umwelt des Kantons Aargau regte eine Diplomarbeit an, in der die Eignung von Satellitendaten für ein jährliches Monitoring der landwirtschaftlichen Nutzflächen untersucht werden sollte. Die monotemporalen Klassifikationen dreier während der Vegetationsperiode 2001 aufgenommenen Satellitenbilder ergaben für die landwirtschaftlichen Kategorien grösstenteils unzureichende Zuweisungsresultate. Wie andere Forschungsergebnisse zeigen, lässt sich durch eine Merkmalserweiterung mittels multitemporaler Auswertung die Zuweisungsgenauigkeit verbessern, doch müssen auch diese Ergebnisse für die genaue Differenzierung einer Vielzahl unterschiedlicher landwirtschaftlicher Nutzungsarten als zu ungenau bewertet werden.


Deponien im Jura. Bisherige Praxis, Auswirkungen auf die Umwelt, Perspektiven

Arthur Rohrbach

Deponien bildeten im letzten Jahrhundert die wichtigste (und billigste) Möglichkeit, der rasch wachsenden Abfallmengen Herr zu werden. Die damit verbundenen Probleme wurden vor allem aus Sicht des Gewässerschutzes zwar schon recht bald erkannt, doch benötigte der Sinneswandel hin zu einer Abfallbewirtschaftung auf naturwissenschaftlicher Basis einige Zeit. Heute bilden professionell geführte Deponien an wenigen, ausgewählten Standorten das Endglied einer längeren Abfallbewirtschaftungskette und entsprechen schon sehr weitgehend dem Ziel stabiler Endlager ohne langfristige Nachsorge.


Der Jura als Standort von Windkraftanlagen: Möglichkeiten und Grenzen

Robert Horbaty

Es gibt keine Technologie, die unsere zukünftige Energieversorgung alleine sicherstellen kann. Die Nutzung der Windenergie setzt auch bei uns wichtige Impulse für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung. Konkretisiert wird dies über die Produktion von Ökostrom im Bereich der Stromversorgung, über die Entwicklung von Anlagenkomponenten wie intelligente Rotorblätter oder Eissensoren im Bereich der Windenergieforschung und über den Aufbau eines eigentlichen Kompetenzzentrums für die Windenergienutzung im komplexen Terrain und unter rauen klimatischen Bedingungen. Windenergienutzung in der Schweiz ist dabei eine “jurassische” Angelegenheit. Würden Windparks allein an den zehn, auf die kantonalen Planungen gestützten Standorten dieser Region realisiert, könnten gegen fünf Prozent des Strombedarfs von Nyon bis Delémont mit einheimischer Windkraft erzeugt werden. Aufgrund von Einsprachen von fundamentalistischen Windkraftgegnern werden heute jedoch Projekte mit einem Investitionsvolumen von 45 Mio. CHF (davon ca. 40 % in der Region) und einer möglichen Stromproduktion von 28 GWh blockiert.