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Die Basler Physiogeographie und Landschaftsökologie zwischen 1975 und 2005 was war, was ist, was kommt?
Christoph Wüthrich
Vor dem Hintergrund der anstehenden Neubesetzung des Lehrstuhles für Physiogeographie und Landschaftsökologie thematisiert dieses erweiterte Editorial die Entwicklung der Landschaftsökologie von den Wurzeln der Landschaftsforschung im deutschen Sprachraum bis hin zum modernen transdisziplinären Umweltfach. Dabei werden einige wichtige Stationen der Basler Landschaftsökologie beleuchtet und es kann gezeigt werden, wie sich die Rahmenbedingungen weltweit und in Basel kontinuierlich verändert haben. Speziell erwähnt werden die Internationalisierung der Forschungsanstrengungen im Umweltbereich, die enorme Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitungswerkzeuge (z. B. GIS und Fernerkundung) und die Globalisierung der wissenschaftlichen Informationen. Die Basler Landschaftsökologie ursprünglich eher regional ausgerichtet und sehr standortbezogen von Einzelforschern betrieben hat sich in den dargestellten 30 Jahren stark gewandelt und setzte daher neue Schwerpunkte (internationale Vernetzung, stärker spezialisierte Forschungsansätze, transdisziplinäre Projekte). Die Zukunft wird eine noch stärkere Zusammenarbeit der Umweltfächer bringen, teilweise unter dem Zwang reduzierter Budgets und anderweitiger Schwerpunktsetzungen (für Basel “Life Sciences”). Da jedoch in den kommenden Jahrzehnten weltweit von noch dichter besiedelten Landschaften ausgegangen werden kann, schliesst der Artikel mit dem Fazit, dass die Physiogeographie der Zukunft erst recht mit der realen Landschaftsforschung und -lehre verbunden bleiben muss, da die Landschaftsökologie als Spezialwissenschaft für die Erfassung, Überwachung und Bilanzierung von Prozessen in realen Landschaften über ein breites Methodenspektrum (Kartierungen, GIS, Simulations- und Prognosemodelle, experimentelle Feldforschung, Fernerkundung etc.) sowie über die nötige Nähe zu gesellschaftlichen Fragen und Prozessen verfügt.
Physiogeographie und Landschaftsökologie als raumbezogene Mensch-Umwelt-Forschung
Uta Steinhardt
Die 2004 erschienene Neuauflage des “Kosmos Entwurf einer physischen Weltbeschreibung” von Alexander von Humboldt (Humboldt 2004) gibt Anlass, die Wurzeln der Physischen Geographie und Landschaftsökologie aufzuspüren und darzulegen, welchen Weg die Geographie und die sich aus der (Physischen) Geographie und Biologie (insbesondere der Botanik) entwickelnde Landschaftsökologie nahm. Es wird deutlich, dass sowohl die Aussagen Humboldts als auch seine Art der Annäherung an die Landschaft bis heute nichts an Aktualität eingebüsst haben.
Vor diesem Hintergrund werden grundsätzliche Überlegungen zum Stand und zu Perspektiven der Physiogeographie und Landschaftsökologie angestellt, die die Stellung des Faches mit seinen Möglichkeiten und Grenzen verdeutlichen.
Multifunktionale Landschaften. Zum Verständnis einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung
Marion Potschin
Die Planung und Gestaltung multifunktionaler Landschaften erfordert nicht zuletzt die Kenntnis der Werte, die den ökologischen Leistungen einer Landschaft von der lokalen oder regionalen Bevölkerung beigemessen werden. Eine nachhaltige Landschaftsentwicklung wird sich nämlich nur verwirklichen lassen, wenn die ökologischen Funktionen der Landschaft mit den Ansprüchen der Gesellschaft in Einklang gebracht werden können. Die Identifikation dieser Vielfalt an Funktionen und ihr Zusammenwirken ist daher eine wichtige Aufgabe von Wissenschaft und Planung. Einen Beitrag dazu soll das “Modell einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung” liefern. Es projiziert die Landschaftsentwicklung in die absehbare Zukunft unter Beachtung der ökologischen Grenzen von Funktionen. Diese ökologischen Grenzen hängen von der Eigendynamik der Ökosysteme und den menschlichen Ansprüchen ab. Damit sind sie variabel und beeinflussbar und bestimmen letztlich den Grad der Nachhaltigkeit in der Landschaftsentwicklung. Die Planung nachhaltiger Landschaftsentwicklung ist demzufolge nur in alternativen Entwicklungspfaden denkbar in Szenarien, die jeweils massgeblich durch die ökologischen Grenzen der Funktionen bestimmt werden.
Aspekte geographischer Umweltbewertung. Umweltziele und Indikatoren für ein nachhaltiges Flächenmanagement in Nordamerika und Deutschland
Rainer Glawion
An zwei regionalen Beispielen werden Bewertungsinstrumente für ein nachhaltiges Flächenmanagement vorgestellt, die in der Geographie entwickelt wurden.
In einem ersten Fallbeispiel (Kap. 2) werden Verfahren der Umweltbewertung in der topischen Flächennutzungsplanung für die Konfliktminimierung in stark belasteten Ökosystemen des temperierten Regenwaldes an der Pazifikküste der USA aufgezeigt. Ein zweites Fallbeispiel (Kap. 3) verwendet die anthropogen gesteuerte Prozessdynamik als Indikatorensystem für die Bewertung der Natürlichkeit von Ökosystemtypen in der chorischen Dimension. Mit diesem Verfahren werden ökologische Ausgleichs- und Regenerationsräume sowie agrarische und urban-industrielle Belastungsräume in Deutschland zum Zweck der Landschafts- und Naturschutzgebietsplanung identifiziert.
Prozessmodellierung in der Landschaftsökologie Modellanwendungen zum Boden- und Gewässerschutz
Rainer Duttmann
Die Modellierung von Landschaftsprozessen zählt mittlerweile zu den elementaren Bestandteilen der landschaftsökologischen Raumanalyse. Sie gestattet es nicht nur, Landschaftsprozesse flächendifferenziert auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen quantifiziert abzubilden, sondern Szenarien zu simulieren, mit denen Wirkungen menschlicher Eingriffe auf das Prozessgeschehen in der Landschaft vorhergesagt werden können. Als Werkzeuge der Umweltprognostik und des Umweltschutzes finden sie zunehmend Anwendung in rechnerbasierten Entscheidungsunterstützungssystemen. Das im Folgenden vorgestellte GIS-basierte Landmanagementsystem ist ein Beispiel für ein solches System, das für den Boden- und Gewässerschutz in Einzugsgebieten grosser und mittlerer Massstäbe konzipiert ist. Es dient als integrative Modellumgebung der räumlich differenzierten Erfassung und Abbildung landschaftshaushaltlicher Prozesse und Funktionen. Vor dem Hintergrund einer ökologisch optimierten Landnutzung und Landschaftsstruktur gestattet es zudem die Simulation unterschiedlicher Szenarien. Die dem Landmanagementsystem zugrunde liegenden Modelle, Schätz- und Bewertungsroutinen sind im Wesentlichen empirisch-statistischer Natur, die auf einen minimierten Umfang an Basisdaten zugreifen.
Landschaftsökologie und Schulgeographie: Eine gute Möglichkeit, der Umwelt näher zu kommen
Armin Rempfler
Die Ergebnisse der geographiedidaktischen Interessenforschung sind eindeutig: Umweltthemen sind bei Jugendlichen sehr beliebt. Das bedeutet für die Schulgeographie, sofern sie sich am Konstruktivismus orientiert, dass sie anspruchsvolle didaktische Aufbereitungsarbeit zu leisten hat. Für die Landschaftsökologie bedeutet dies, sofern das Fachgebiet noch stärker zum Geographieunterricht beitragen will, dass es sich auf seine ursprüngliche Absicht zurückbesinnen muss: Erforschung des Gegenstandes “Natur-Technik-Gesellschaft” in seiner ganzen Breite.
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