GEOGRAPHISCH - ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

SOCIETE DE GEOGRAPHIE ET
D ETHNOLOGIE DE BALE

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45/1 2004: Industrie am Oberrhein im Umbruch

Industriestandort Regio TriRhena – Trends, Defizite, Perspektiven

Ernst-Jürgen Schröder

Trotz des inzwischen in allen Teilräumen der Regio TriRhena vorherrschenden tertiären Sektors und seines weiteren Vormarsches, bleibt die Industrie weiterhin ein raumprägendes Element und zeugt von hoher Entwicklungsdynamik. Fast alle Industriezweige zeigen eine überaus hohe Anpassungsfähigkeit gegenüber den neuen ökonomischen Herausforderungen der Globalisierung und bilden zunehmend die in der postfordistischen Ära typischen regionalen Netzwerke (Cluster) und Kompetenzzentren. Zudem tragen neue mittelständische Industriebetriebe in ausgesprochenen Wachstumsfeldern – häufig aus lokalen Existenzgründungen hervorgegangen – zur Modernisierung der Industriestruktur und der ökonomischen Erneuerung der Region bei.


Marketing für den Life Sciences Standort Basel           

Rolf Strittmatter

Im Rahmen der Globalisierung und Regionalisierung ökonomischer Realitäten sowie im Zuge des damit verbundenen internationalen Standortwettbewerbs gewinnen raumbezogene Marketingansätze immer mehr an Bedeutung. Die zielgerichtete Entwicklung und Vermarktung des räumlichen Marketingprojektes wird im Hinblick auf die je nach anvisierter Branche unterschiedlich wahrgenommene Attraktivität des Standortes zum Herzstück sowohl der regionalen als auch kommunalen Wirtschaftsförderung. Vor diesem Hintergrund steht im Mittelpunkt der nachfolgenden Analysen die Frage, inwieweit die Marketingaktivitäten potentieller Trägerinstitutionen des international renommierten Life Sciences Standort Basel einem einheitlichen und branchenspezifischen Marketingansatz folgen.


Traditionsbranche auf dem Rückzug. Der Umbruch in der elsässischen Textilindustrie

Rudolf Michna

Als Folge des international verschärften Wettbewerbs erlebt die Textilindustrie im Elsass seit mehreren Jahrzehnten einen erheblichen Rückgang der Betriebe und Beschäftigtenzahlen. Sie befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Während die lohnintensiven Produktionsstufen der Spinnereien und Webereien fast vollständig in Niedriglohn-Länder abwanderten, orientieren sich die noch verbleibenden Betriebe auf Nischenprodukte wie qualitativ hochwertige modische Kreationen und vor allem auf technische Textilien. Dieser Strukturwandel ist von einem wachsenden Einfluss auswärtiger Kapitalseigner begleitet. Regionale Initiativen zielen auf die Entwicklung neuer Technologien und Produkte sowie auf Marktforschung.

Résumé

Suite aux changements de la concurrence internationale, l’industrie textile d’Alsace subit, depuis plusieurs décennies, une véritable hémorragie des entreprises et des emplois. Elle se trouve entraînée dans un processus de restructuration dont la fin n’est pas encore prévisible. Pendant que les productions intensives en main-d’œuvre telles que la filature et le tissage sont délocalisées vers les pays à bas niveau des coûts de salaire, les entreprises encore existantes s’orientent vers des produits de mode à haute qualité et surtout vers les textiles techniques. La transformation de la structure de l’appareil de production se traduit par une diminution du poids des entreprises régionales. Des initiatives engagées récemment sur le plan régional visent le développement de nouvelles technologies et la formation nécessaire à la maîtrise des marchés nouveaux.


Rheinfelden (Baden): Perspektiven einer Industriestadt in Zeiten wirtschaftlichen Umbruchs

Bernhard Mohr

Rheinfelden (Baden), das seine Entstehung dem Bau des ersten Laufkraftwerks im Hochrhein (1898) und der Ansiedlung stromintensiver Grundstoffindustrie verdankt, hat sein wirtschaftsräumliches Gefüge in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt: hin zu einem breiteren Branchen- und Betriebsgrössenspektrum aufgrund von Fusionen, Ausgliederungen sowie Neuansiedlungen mittelständischer Unternehmen. Zugleich war die Altlastenproblematik zu lösen und eine passable Verkehrsinfrastruktur zu schaffen.


Innocel Innovations-Center Lörrach – Keimzelle für regionale Netzwerke und Innovationsmotor einer Region          

Diana Stöcker-Unnerstall

In Lörrach war die Krise der Textilindustrie und der damit verbundene Abbau von Hunderten von Arbeitsplätzen ausschlaggebend für die politischen Entscheidungsträger, ein Innovationszentrum zu etablieren. Seit Gründung des Innocel Innovations-Center Lörrach im Frühjahr 2000 sind rund 100 neue Arbeitsplätze entstanden. Weitere 120 Arbeitsplätze sind durch die Ansiedlung etablierter Unternehmen aus den Technologiefeldern Informations- und Biotechnologie im Innocel konzentriert. Momentan schaffen rund 40 Technologie- und Gründerzentren in Baden-Württemberg – zusammengefasst unter dem Begriff Innovationszentren – Arbeitsplätze in innovativen Branchen. Der Beitrag zeigt, dass ein Innovationszentrum mehr ist als eine Gewerbeimmobilie, in der zu attraktiven Konditionen Flächen vermietet werden.


Vom Textilzentrum zum Einkaufsparadies und zum kleinbetrieblichen Branchenmix – das Beispiel Weil-Friedlingen   

Jörg-Wolfram Schindler

Der Zusammenbruch der Textilindustrie zwischen 1970 und 1982 stürzte den Stadtteil Weil-Friedlingen in eine tiefe Krise, die sich in einer Verwahrlosung des Quartiers niederschlug. Durch den Ankauf zweier Textilareale (F.A.S. und Schwarzenbach) konnte die Stadt gegensteuern, die Wohn- und Versorgungsfunktion stärken sowie mit Factory-Outlet-Unternehmen und industriell-gewerblichen Dienstleistern neue Gewerbe ansiedeln. Vor allem Schweizer Firmen nutzen die Standortvorteile Friedlingens, wobei die gewollte Etablierung eines Künstler- bzw. Kulturzentrums auf dem Schwarzenbachareal und die damit entstandene ‘urbane’ Atmosphäre als ‘weicher’ Standortfaktor die Ansiedlung der meist kleinen bis sehr kleinen, auf High-Tech setzenden Betriebe begünstigte.