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Städte im Zeichen von Auflösung und Nachhaltigkeit
Rita Schneider-Sliwa
Städte sind der wichtigste Lebens- und Erfahrungsraum der Weltbevölkerung. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Industrieländern und über 50 % in den Entwicklungsländern leben bereits in Städten. Unsere Gesellschaft ist eine städtische weltweit. Die Städte der Welt sind grösser als je zuvor, “Megacities” von 10 bis 20 Millionen Einwohnern sind auf jedem Kontinent ein Phänomen, das an Bedeutung rapide zunimmt. Waren es im 19. und frühen 20. Jahrhundert einzelne Industrien, welche zum Motor der volkswirtschaftlichen Wachstums wurden, so sind heute die Städte selbst die Triebkräfte der nationalen Ökonomien. Die grössten Metropolitanräume wachsen stetig, schaffen mehr Arbeitsplätze und produzieren mehr Güter und Dienstleistungen als ganze Volkswirtschaften. In den USA wird beispielsweise rund 80 % des Bruttoinlandproduktes in den Metropolitanräumen generiert. Städte aller Grössenklassen werden heute mit Bedingungen konfrontiert, die es so in der jüngeren Vergangenheit nicht gab: den Auswirkungen wirtschaftlicher und politischer Integration, politischer Wenden und Krisen, Bevölkerungsmigration und -umschichtungen, Rückbau des Sozialstaates, technologischem Wandel sowie gesellschaftlichem Wandel. Städte und ihr Umland müssen daher heute als komplexes, zusammenhängendes “System” verstanden werden mit einer bebauten und einer quasi natürlichen Umwelt, einer Gesellschafts-, Wirtschafts- und politischen Struktur sowie einer planerischen Kultur, die auf die von aussen wirkenden Faktoren reagieren, mit ihnen agieren oder ihnen wirkungsvolle Kräfte entgegen stellen können. Was in und mit unseren Städten geschieht, kann uns daher nicht gleichgültig sein. Vielleicht das wichtigste Merkmal, das Städte in hochentwickelten Ländern kennzeichnet, sind Dekonzentrationsprozesse und ihre soziodemographischen, wirtschaftlichen und räumlichen Auswirkungen. Diese Prozesse, ihre Folgewirkungen und Implikationen für Metropolitanplanung, Stadtmarketing und Städtevernetzung werden im Folgenden umrissen.
Grenzüberschreitende Raumplanung in der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB): Von einer Sektorenstadt zur grenzüberschreitenden Agglomeration
Hans-Georg Bächtold und Martin Huber
In der Region Basel besteht eine Zusammenarbeit über die Grenzen seit 40 Jahren, getragen insbesondere von der “Regio Basiliensis”. Bisher fehlte aber eine konzeptionelle behördliche Zusammenarbeit, die sich an gemeinsamen Zielen für die räumliche Entwicklung der stetig wachsenden, grenzüberschreitenden Agglomeration orientierte. Im Rahmen des INTERREG II-Projektes konnte ein gemeinsames Entwicklungskonzept erstellt werden. Anfangs 2002 kam es zur Gründung des Vereins zur nachhaltigen Entwicklung der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB). Mit Schlüsselprojekten, vor allem im Nordteil der Kernstadt Basel und zwischen Basel und Rheinfelden, erfolgt in den nächsten Jahren die Umsetzung finanziert mit zwei Millionen Euro aus dem INTERREG III-Projekt. Als weitere Herausforderung ist eine gemeinsame Strategie für die weitere Flächenentwicklung und Flächennutzung zu entwickeln und eine klare Zuweisung von Funktionen in den Teilräumen vorzunehmen.
Planen und Bauen in der deutschen Nachbarschaft der Agglomeration Basel: Das Beispiel Weil am Rhein
Klaus Eberhardt
Trotz des Vorhandenseins eines komplexen Planungsinstrumentariums brauchen Städte im Grenzgebiet zum benachbarten Ausland eigene Initiativen und Instrumentarien, um die zunehmend komplexer werdenden Verflechtungen der Siedlungsräume beidseits von Staatsgrenzen zu berücksichtigen. Der Antrieb für grenzüberschreitende Planung wird meist durch konkrete Projekte gebildet, die sich in den einzelnen Fachdisziplinen ergeben (z. B. Verkehr, Städtebau und Landschaftsplanung). Nach einer Phase der informellen Planungen werden für die künftigen Handlungserfordernisse auf Massnahmen bezogene Konzepte erforderlich, die im Idealfall nicht nur gemeinsam entwickelt, sondern auch in einem gemeinschaftlichen Problembewusstsein finanziert und durchgeführt werden müssen.
Metropolitanregion Basel aus geographischer Sicht - Zur bestehenden und künftigen Raumentwicklung am Südende des Oberrheingrabens
Hartmut Leser
Die Regio Basiliensis ist ein historisches Gebilde. Damit verbindet sich die Vorstellung eines städtischen Zentrums und seines räumlich begrenzten Wirtschaftsraumes. Allerdings hat sich vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Situation grundlegend gewandelt. Der Wirtschaftsraum wuchs über seine “alten” Grenzen, aber auch über die bestehenden politischen, hinaus und die Kernstadtentwicklung stagnierte. Weder die durch Grenzen gehemmte Administrationsaktivitäten noch die Planung konnten auf diese Dynamik “geographisch” reagieren. Die bereits vor fast zehn Jahren geäusserte Hypothese des permanenten Flächenwachstums der Agglomeration hat sich bestätigt, aber auch die Notwendigkeit einer Ringstadt-Entwicklung, die das Kernstück einer “Metropolitanregion Basel” sein muss. Die Metropolitanregion gliedert sich in eine engere und eine weitere. Letztere umfasst die beiden anderen Regionsschwerpunkte Mulhouse und Freiburg im Breisgau. Innovations- und Regelinstrument dafür hat die Verkehrs- und Freiflächenplanung zu sein, an der es jedoch immer noch mangelt.
Freiräume in der Trinationalen Agglomeration Basel ein vernachlässigtes Potenzial für die Erholung
Martin Sandtner
Öffentliche Freiräume in ausreichender Quantität und ansprechender Gestaltung sind ein wesentliches Kriterium der Wohnqualität. Zum Spazierengehen, die wichtigste freiraumbezogene Freizeitaktivität, ist ein guter visuell-ästhetischer Gesamteindruck der Landschaft entscheidend. Für die Trinationale Agglomeration Basel wurde eine flächendeckende Kartierung der Erholungseignung von Freiräumen im und ausserhalb des Siedlungskörpers erstellt. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die TAB einerseits attraktive Stadt- und Dorfkerne sowie Hügel- und Mittelgebirgslandschaften aufweist, andererseits aber weite Flächen eintönig und gesichtslos wirken. Um die Qualitäten zu erhalten und Defizitgebiete aufzuwerten, ist neben lokalen Massnahmen eine agglomerationsweite Freiflächenentwicklungsplanung nötig. Ein Signal, um den Wert wohnungsnaher Freiräume zu verdeutlichen, könnte die Einrichtung eines Regionalparks im Dreiländereck sein.
Internationales Regionenmarketing die “Schwesternstaaten” Basel-Stadt und Massachusetts
Rolf Strittmatter
Im Rahmen des internationalen Wettbewerbs der Regionen geht es im Hinblick auf eine positive Regionalentwicklung darum, das räumliche Marketingprojekt auf ausgewählten Märkten als Wirtschaftsstandort, Wissenschaftszentrum, Kulturmetropole oder Reisedestination strategisch zu positionieren. So verstanden, kann das Regionenmarketing andere raumbezogene Entwicklungsansätze insbesondere dann sinnvoll ergänzen, wenn sich die Regionen einerseits in Abgrenzung zu anderen Konkurrenzräumen eindeutig profilieren sowie andererseits ihre Marketingaktivitäten in Kooperation mit anderen Regionen erfolgen. Dabei ist zu beobachten, dass insbesondere Regionen mit gleich gelagerten Interessen und Strukturen dazu tendieren, die Kontakte und Austauschbeziehungen untereinander zu intensivieren. Vor diesem Hintergrund wird die im raumbezogenen Marketingkontext ebenso interessante wie spezielle Partnerschaft zwischen dem Schweizer Kanton Basel-Stadt und dem weltweit umworbenen US-Bundesstaat Massachusetts Gegenstand der nachfolgenden Ausführungen sein.
Institutionelle grenzübergreifende Initiativen in der EuroRegion Oberrhein
Christian J. Haefliger
Was als private Initiative in Basel begann, wurde im Laufe der letzten 40 Jahre zu einem trinationalen Mehrebenen-Netzwerk entwickelt. Zwar war der Ausgangspunkt die völlig “vergrenzte” Dreiländer-Agglomeration Basel, doch im Visier hatten die Pioniere das klassische Regio-Gebiet am südlichen Oberrhein, heute RegioTriRhena genannt. Feste Formen der Zusammenarbeit wurden aber zunächst weder im kleinsten Perimeter der Dreiländer-Agglomeration, noch im mittleren Perimeter der RegioTriRhena, sondern im Grossraum der EuroRegion Oberrhein auf staatlicher Ebene etabliert. Undurchsichtig und verwirrend erscheint das oberrheinische Netzwerk nur, solange nicht zwischen den definierten Raumschaften und den ihnen zugeordneten Gremien unterschieden wird und solange nicht erkannt wird, dass staatliche und kommunale Akteure unterschiedliche Kooperationsebenen beanspruchen wollen.
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