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Ökologische Ersatzmassnahmen: Auslöser für die Revitalisierung von Fliessgewässern
Der Zusammenhang - Fachwissenschaft - Schule - Praxis - Öffentlichkeit
Beispiele aus der Region Basel/NW-Schweiz
André Schenker
Massnahmen zur Renaturierung von Fliessgewässern erfolgen aus unterschiedlichem Anlass. Ein seit über 10 Jahren wichtiger Auslöser für Revitalisierungsmassnahmen liegt bei ökologischen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen gemäss Art. 18 Natur- und Heimatschutzgesetz für nicht vermeidbare Beeinträchtigungen bei Bauprojekten. Diese Konstellation kommt beipielsweise bei UVP-pflichtigen Infrastrukturvorhaben zum Tragen und kann umfangreiche Rückbau- und Aufwertungsmassnahmen auslösen. Am Beispiel von drei Strassenprojekten aus der Nordwestschweiz werden bereits realisierte bzw. geplante Revitalisierungsmassnahmen vorgestellt.
Die Birs im Spannungsfeld zwischen ökologischen und sozialen Ansprüchen
Daniel Küry
Eine interdisziplinäre Untersuchung über die gesellschaftliche Wahrnehmung und die ökologischen Auswirkungen einer 500 m langen revitalisierten Strecke an der Birs in Münchenstein (Kanton Basel-Landschaft) ergab nur geringe Veränderungen der Makrozoobenthos-Gemeinschaften. Die Revitalisierung wurde jedoch von 76 % der Befragten als positiv beurteilt. Die Zustimmung bei denjenigen Leuten, die die Umgebung der Birs zur Naherholung aufsuchen, war signifikant höher als beim Durchschnitt der Befragten. Ein hohes Umwelt- und Naturbewusstsein zeigte hingegen keine entsprechend höhere Zustimmung. Diese überraschenden Resultate zeigen, dass bisher vernachlässigte Aspekte wie die Kommunikation zwischen den Umsetzern und der Bevölkerung sowie Fragen der Nutzung und der Wahrnehmung der Landschaft im Hinblick auf eine Akzeptanz von Massnahmen zur Gewässerentwicklung bei zukünftigen Konzepten berücksichtigt werden müssen.
Hochrheinrenaturierung im gesellschaftspolitischen Konfliktfeld
Arnold Gurtner-Zimmermann und Susanne Eder
Uferbereiche von Fliessgewässern in Agglomerationen stellen als stark genutzte Naherholungsgebiete einen Überschneidungsbereich vielfältiger Interessen und Nutzungsansprüche gesellschaftlicher Gruppen dar. Ökologische Erfordernisse konkurrieren mit der Forderung nach Erhalt und Aufwertung der Räume als Wohn- und Erholungsgebiete. Vor dem Hintergrund geplanter und z.T. bereits realisierter Renaturierungsmassnahmen an Rhein und Birs in der Agglomeration Basel werden in diesem Artikel die unterschiedlichen Nutzungs- und Bewertungsmassstäbe lokaler Nutzer- und Interessensgruppen dargestellt. Zudem wird beleuchtet, welche Netzwerke und Entscheidungsmechanismen auf (lokal-)politischer Ebene für die Realisierung von Renaturierungsprojekten wirksam sind.
Wiese-Revitalisierung: Führen die Veränderungen der Sohlenstruktur zu einer Trinkwassergefährdung?
Peter Huggenberger
Fluss-Revitalisierungsprojekte erzeugen Zielkonflikte. Am Beispiel der Wiese wird gezeigt, welche Funktionen von Flüssen wieder etabliert werden können. Gegen eine Revitalisierung der Wiese spricht die Gefährdung der Grundwasserqualität. Ist die Filterwirkung von Flusssohle, Uferbereich und Schotterkörper ausreichend gross, um bei unterschiedlichen Bedingungen, Mikroorganismen zurückzuhalten? Mit Experimenten konnten neue Erkenntnisse über die Prozesse an der Übergangszone Fluss-Grundwasser gewonnen werden. Die Konzentrationen an Mikroorganismen und Schadstoffen in der Wiese steigen bei starken Niederschlägen, infolge Mischwassereinleitungen im oberliegenden Siedlungsgebiet, um mehrere Grössenordnungen an und gefährden die wiesenahen Wasserfassungen. Die Resultate der bisherigen Modellrechnungen verdeutlichen, dass der Freiraum für die Wiese stromaufwärts nur vergrössert werden kann, wenn die Grundwasserdynamik in der Wieseebene bei unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen verstanden und bei der langfristigen Planung berücksichtigt werden kann.
Die Aktion HALLO BIBER!
Innerhalb von zehn Jahren will Pro Natura Baselland dem Biber die Tore in die Region Basel öffnen
Urs Leugger
Pro Natura Baselland hat sich mit der Aktion HALLO BIBER! das Ziel gesetzt, in den nächsten zehn Jahren die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückkehr des sympathischen Nagers in die Region Basel zu schaffen. Hierfür müssen einerseits Hindernisse, die sich ihm auf seinem Weg den Hochrhein hinunter in die Region Basel in den Weg stellen (z.B. Flusskraftwerke), bibergängig gemacht werden. Andererseits gilt es, seinen Lebensraum, natürliche und frei fliessende Flüsse und Bäche, zu erhalten bzw. wieder neu zu schaffen. Vorbereitende Untersuchungen haben gezeigt: Der Biber hat gute Chancen, die Region Basel wieder zu besiedeln. Er kann diese aber nur wahrnehmen, wenn ihm dabei geholfen wird.
Erholungsnutzung der Bachufer im hinteren Leimental: Einfluss auf die Ufervegetation
Hans-Peter Rusterholz und Bruno Baur
Naturnahe Gebiete in Ballungsräumen sind beliebte Naherholungsgebiete. Grosse Besucherzahlen können aber zu einer Übernutzung empfindlicher Lebensräume führen. In der vorliegenden Studie wurde der Einfluss der Erholungsnutzung (Spazieren, Picknicken/Spielen, Reiten, Biken, Joggen) und der Landwirtschaft auf Ufergehölze und Krautstreifen in sechs Bachabschnitten im hinteren Leimental untersucht. Im allgemeinen wies die Krautschicht nur geringe Trittschäden auf. Einzig in einem Abschnitt mit “wilden” Feuerstellen wurden mässige Schäden an Bodenvegetation, Strauch- und Baumschicht festgestellt. Die Studie zeigt, dass das beobachtete Ausmass der Erholungsnutzung an den meisten Bachabschnitten aus der Sicht des Naturschutzes tolerierbar ist. Dies bestätigen auch ökologische Zeigerwerte der Bodenvegetation. Hingegen scheint die intensive Bewirtschaftung angrenzender Agrarflächen an einigen Stellen die Krautstreifen entlang der Bachufer stark zu beeinflussen.
Revitalisierung und Trinkwasserschutz in der dicht genutzten “Wiese”-Ebene; Feuchtgebiete als Reinigungsstufe
Christoph Wüthrich, Urs Geissbühler und Daniel Rüetschi
Etwa 50 % des Basler Trinkwassers wird in der ehemaligen Auenlandschaft der “Wiese” durch Grundwasseranreicherung gesichert. Seit den 60er Jahren wird zu diesem Zweck vorfiltriertes Rheinwasser in die “Wiese”-Ebene gepumpt und der Kontakt von “Wiese”-Wasser zum Grundwasser wird auf ein Minimum begrenzt. Um genügend sauberes Wasser für Revitalisierungsmassnahmen in der Trinkwasserschutzzone der “Wiese”-Ebene bereitstellen zu können, wird in einem MGU-Pilotprojekt das Wasser des “Mühlenteich” (ausgeleitetes Wasser der “Wiese”) anstatt Rheinwasser in eine naturnahe, bewaldete Wässerstelle (“Stellimatte”) der städtischen Trinkwasserwerke zur Reinigung eingeleitet. Erste Resultate zeigen, dass das heutige “Wiese”-Wasser bezüglich trinkwassergefährdender Stoffe weniger Probleme verursacht, als ursprünglich befürchtet. Wegen der häufig auftretenden und sehr rasch anspringenden Trübungsschübe muss der “Mühlenteich” jedoch permanent überwacht werden. Durch die Verwendung von “Wiese”-Wasser, anstatt von vorfiltriertem Rheinwasser für die Grundwasseranreicherung wurde im nahen Brunnen 9 die Trübung vorübergehend etwas erhöht. Dieser Effekt ist inzwischen verschwunden und die bakteriologische Situation ist gegenüber der Situation nach Sturm Lothar sogar verbessert. Ein leichter Rückgang der Nitratbelastung kann auf verbesserte Denitrifikation durch die längeren Überstauphasen zurückgeführt werden. Man darf nach den vorliegenden Resultaten davon ausgehen, dass die Einleitung von “Wiese”-Wasser in die Wässerstelle im getesteten Rahmen (40 l/s) keine Probleme mit der Trinkwasserqualität verursacht. Die Reinigungseffizienz in der Wässerstelle “Stellimatte” kann erst nach Etablierung der Riedvegetation und nach Einrichtung grösserer Fliessstrecken beurteilt werden, obwohl bereits heute nach wenigen Metern Durchlauf verschiedene Wasserqualitätsparameter (O2, pH, DOC) deutliche und reproduzierbare Veränderungen zeigen.
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