GEOGRAPHISCH - ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

SOCIETE DE GEOGRAPHIE ET
D ETHNOLOGIE DE BALE

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40/2 1999: Biogeographische Raumanalyse und Raumbewertung in Basel

Biogeographie und Ressourcenschutz: Grundlagen, Zielvorstellungen und Strategien im Natur-, Landschafts- und Umweltschutz

Peter Nagel

Am Beispiel des Regenwald-Magerrasen-Paradoxons wird gezeigt, dass in der aktuellen Naturschutzdiskussion eigentlich unvereinbare Naturschutzziele nebeneinander existieren, was in zahlreichen Zielkonflikten resultiert. Die aktuellen naturschutzrelevanten rechtlichen Instrumente basieren fast ausnahmslos auf älteren Ökosystemmodellen. Neuere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung der neben den Equilibrium-Elementen gleichermassen steuernden zufallsbedingten Dynamik. Ein Leitkonzept unter Berücksichtigung dieser Dynamik wird vorgestellt. Bei der Umsetzung von Naturschutzzielen sollten sozio-kulturelle wie naturwissenschaftliche Aspekte im Sinne einer interdisziplinären und regional-typischen Landschaftsbewertung berücksichtigt werden, aber bei der Begründung im Gegensatz zu der Vermischung in den Gesetzen klar getrennt werden.


Luftgütebestimmung in der Agglomeration Basel mittels Flechtenbiomonitoring

Thomas Graf, Wanaruk Saipunkaew

Die atmosphärische Schadstoffbelastung in Teilen der Agglomeration Basel wurde mit Hilfe einer Flechtenkartierung ermittelt. Zwischen März 1997 und Dezember 1998 wurde ein passives Biomonitoring durchgeführt. 295 Planquadrate mit 500m respektive 1000 m Seitenlänge teilten das Gebiet auf. 1520 Bäume wurden auf Flechtenbewuchs untersucht. Die Resultate liegen in Form einer Karte vor. Sie zeigt, dass weite Teile der Stadt Basel einer hohen bis sehr hohen Belastung ausgesetzt sind. Die Siedlungsgebiete im Umland weisen eine mässige bis hohe Belastung auf. Eine geringe Belastung ist vor allem in den Hügelgebieten wie St. Chrischona, Rütihard oder Adlerberg festzustellen. Die Trägerbaumauswahl hat in dieser Arbeit keinen Einfluss auf die Artenzahl und die Häufigkeit der Flechten.


Bioindikation klimaökologischer Verhältnisse durch phänologische Kartierungen in Basel

Daniel Jäger

Im Frühjahr 1998 wurde in Basel eine phänologische Kartierung mit Forsythien durchgeführt. 321 Planquadrate mit 250 m Seitenlänge teilten das Gebiet auf, in denen 969 Pflanzen kartiert wurden. Die dadurch gewonnenen Daten des Blühbeginns, welche in Kartenform vorliegen, wurden mit meteorologischen und stadtstrukturellen Parametern in Zusammenhang gebracht. Deutlich festzustellen ist eine Abhängigkeit des Eintrittstermins des Blühbeginns von der Temperatur und der Sonnenscheindauer. Eine räumliche Differenzierung innerhalb der Stadt lässt sich zwar feststellen, die Abhängigkeit von stadtstrukturellen Merkmalen ist jedoch nicht so deutlich ausgeprägt wie ursprünglich erwartet.


Bioindikation der Gewässerverhältnisse an der Birs mittels Emergenzfallen

Pascale Wermuth

An der Birs in Münchenstein (Kanton BL) wurde während zwei Jahren eine gewässerökologische Untersuchung durchgeführt, bei der Emergenzfallen auf der Wasseroberfläche ausgesetzt wurden. Die gesammelten Insekten der Gruppen Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Steinfliegen (Plecoptera) und Köcherfliegen (Trichoptera) wurden für die Berechnung des Saprobienindexes herangezogen, demzufolge die Birs als mässig belastet eingestuft wird (SI = 1.83). Parallel dazu geführte physikalisch-chemische Untersuchungen und Vergleiche mit der Literatur zeigen, dass die gewählte Methode für Fliessgewässer in der Grösse der Birs geeignet ist und als Ergänzung zu den Standardmethoden der Bioindikation in Fliessgewässern wertvolle Zusatzinformationen über das Schlüpfverhalten der Insekten liefert.


Potential zur Ausdehnung und Aufwertung städtischer Grünflächen? Erarbeitung von Umweltqualitätszielen für die Flora von Basel

Jessica Kohl

Eine Erarbeitung raumdifferenzierender Umweltqualitätsziele liefert quantitativ und qualitativ definierte Werte für die Ausdehnung und Aufwertung urbaner Grünflächen Basels. Der Ist-Zustand der Strukturparameter urbaner Teilflächen der Stadt Basel wurde anhand eigener Begehungen und Luftbildaufnahmen aufgenommen. Parallel dazu wurden die theoretischen Grundlagen für die Aufstellung eines Soll-Zustandes erarbeitet. Es hat sich herausgestellt, dass in der Stadt Basel ein erhebliches Entwicklungspotential besteht, was die Entsiegelungen von Freiflächen sowie Aufwertungen vorhandener Grünflächen betrifft.


Naturschutzpotential des Siedlungsraumes in Basel
Erfassung und Bewertung von Raumeinheiten nach stadtökologischen und naturschutzrelevanten Kriterien

Linda Setz

Mit der hier vorgestellten Arbeit wurde die Entwicklung eines effizienten Verfahrens zur Erfassung und Bewertung der Lebensraumausstattung des Siedlungsraumes für die Stadtnatur angestrebt. Der erarbeitete Synthesewert ergab sich aus einer schrittweisen Verbindung der naturschutzrelevanten Parameter zu Teilfunktionswerten, die im weiteren Verfahren zu den übergeordneten Funktionswerten Biotisches Potential, Ökofunktionaler Ausgleichswert und Gesellschaftlicher Wert aggregiert wurden. Mit der Berechnung des Naturschutzpotentials liess sich eine auf die Stadtnatur bezogene ökologische Raumgliederung erreichen, welche den Basler Siedlungsraum in elf Qualitätsstufen gliedert. Dadurch konnten Gunst- und Ungunstgebiete baublockscharf ausgeschieden werden, die Auswertungen in verschiedenen Planungsdimensionen (Ebene der Baublöcke, Quartiere und Stadtteile) zulassen. Im Vergleich zum bestehenden Basler Naturschutzkonzept wurde eine feinere Raumgliederung erzielt.


Die Käferfauna der Dachbegrünungen im Stadtgebiet von Basel
Erste Ergebnisse einer Untersuchung zur lokalen Bedeutung begrünter Dächer als Refugien und Trittsteine für Tiere im urbanen Lebensraum.

Andreas Kaupp

Im Jahr 1998 wurde auf drei begrünten Dächern in Basel mit einer Untersuchung der Käferfauna begonnen und bisher konnten 67 Arten nachgewiesen werden. Die Dachfauna ist durch xerothermophile Arten gekennzeichnet und weist Übereinstimmungen mit der Käfergesellschaft von Kiesbänken im Flussuferbereich auf. Damit kommt den Basler Dachbegrünungen eine mögliche Bedeutung als Trittsteinhabitate für die Rheinuferfauna zu, die im urbanen Raum, wo naturnahe Bereiche heute vollständig fehlen, auf Ersatzlebensräume ausweichen kann. Dadurch kann der Zersplitterung der uferbegleitenden Fauna in isolierte Teilpopulationen entgegengewirkt werden. Zwei der aufgefundenen Basler Dach-Arten gelten in der Schweiz als stark gefährdet (Amara tibialis, Nebria salina), während bei vergleichbaren Untersuchungen in anderen Städten meist nur häufige Arten nachgewiesen werden konnten. Dachbegrünungen haben in Basel ein bedeutendes Naturschutzpotential, da in erreichbarer Nähe der Dächer noch seltene Arten trockener Standorte leben, die ökologisch zur Besiedelung in der Lage sind. Die Untersuchung wird in diesem Jahr fortgesetzt.


Trinkwassergewinnung in bewaldeten und offenen Wasserstellen der Langen Erlen: Mikrobielle Aktivität und Biomasse im Boden

Daniel Rüetschi, Markus Schmid, Urs Geissbühler und Christoph Wüthrich

Das Trinkwasser von Basel wird v.a. mittels künstlicher Grundwasseranreicherung gewonnen. In den Langen Erlen wird dazu Rheinwasser in bewaldeten Wässerstellen versickert, wo das Wasser während der Bodenpassage mechanisch und biologisch gereinigt wird. Dieses System ist seit vielen Jahrzehnten in Betrieb und liefert eine sehr gute Grundwasserqualität. Identische Systeme finden sich kaum, so dass die Reinigungsprozesse während der Passage durch die ungesättigte Zone nur wenig erforscht sind. Mittels Messung der mikrobiellen Bodenaktivität und der mikrobiellen Biomasse als indirekte Indikatoren für die Reinigungsleistung untersuchten wir die biologischen Reinigungsprozesse in den Waldböden. Die Reinigung findet nicht nur, wie bisher angenommen, in den obersten Zentimetern der Bodenpassage, sondern auch in grösserer Bodentiefe (bis mindestens 1 m) statt. Die Reinigungsprozesse in diesen tieferen Schichten garantieren, dass die Grundwasserqualität auch im Winter konstant gut bleibt, wenn die Aktivität an der Bodenoberfläche temperaturbedingt geringer ist. Offene Wässerstellen mit Riedvegetation zeigen gleichwertige bis sogar leicht bessere Reinigungsleistungen als bewaldete und stellen gleichzeitig einen besseren Lebensraum für gefährdete, auentypische Pflanzen- und Tierarten dar.