GEOGRAPHISCH - ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

SOCIETE DE GEOGRAPHIE ET
D ETHNOLOGIE DE BALE

seit 1923 - depuis 1923

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39/3 1998: 75 Jahre Geographisch - Ethnologische Gesellschaft Basel (Jubiläumsnummer )

75 Jahre Geographisch - Ethnologische Gesellschaft Basel

Dieter M. Opferkuch 

Aus dem Bedürfnis, einer wachsenden Zahl von Interessierten Fachleuten und Laien Erkenntnisse aus den Gebieten der Geographie und Ethnologie zu vermitteln, wurde 1923, wenige Jahre nach Schaffung des Lehrstuhls für Geographie, die Geographisch - Ethnologische Gesellschaft (GEG) Basel gegründet. Nach einem anfänglichen Hoch sank die Mitgliederzahl während des 2. Weltkriegs, stieg dann aber in der Zeit der Hochkonjunktur bis auf über 600 und liegt 1998 bei 542. Eine erste Grundlage der Gesellschaftstätigkeit bilden seit jeher Vorträge zu aktuellen Themen aus Geographie und Ethnologie. Ihre zweite Aufgabe sieht die Gesellschaft in der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Zeitschrift "Regio Basiliensis" (seit 1959) und der drei wissenschaftlichen Reihen der Basler Beiträge zur Humangeographie, Physiogeographie und Ethnologie sowie des 16-bändigen Exkursionsführers für die Region und des "Korrespondenzblatts". Als Drittes bietet die GEG alljährlich zahlreiche Exkursionen, Kurzreisen und Reisen in die Regio, nach Europa und Überesse an. Ermöglicht wurden und werden all diese Aktivitäten durch den unermüdlichen Einsatz vieler Freiwilliger vor und hinter den Kulissen.. 


Physiogeographie an der Universität Basel

Hartmut Leser 

Der Beitrag stellt die Physiogeographie als eines der beiden grossen Teilgebiete der Geographie vor, ebenso die Grundidee des Geographischen Ansatzes in der Mensch-Raum-Umwelt-Betrachtung. Diesen Gedanken nahm die Basler Physiogeographie auf und stellte ihn in den Mittelpunkt ihres Theorie- und Forschungsverständnisses. Bevor es soweit war, wurde die Geographie in Basel länderkundlich und geomorphologisch gewichtet. Dies war der grossräumige, geomorphogenetische Ansatz. Schon mit Hugo Hassinger, einem der Gründerväter der GEG, wurde jedoch vermehrt auf Anthropogeographie gesetzt. Mit den jeweiligen Lehrstuhlinhabern wechselten zwar die regionalen Schwerpunkte, nicht jedoch das Gewicht der Länderkunde und der Allgemeinen Geographie. 

Ab 1974 gab es zwei Geographie-Lehrstühle, die bewusst einen gemeinsamen, fachlich integrativen Studiengang anstrebten und einen heute in der Grundstruktur noch gültigen Lehrplan entwickelten. Die Physiogeographie hat sich, abgesehen von der Breite in der Lehre, bei der Forschung vor allem auf den Stoff- und Wasserhaushalt in der Landschaft konzentriert. Dabei waren Bodenerosion und Bodenschutz zentrale Themen. Sie stellten auch die Verbindungen zu Praxis und Anwendern sicher. Auch bei den neuen Lehrstühlen Meteorologie (1990) und NLU-Biogeographie (1995) wurde darauf geachtet, die Nebenfachausbildung als Bestandteil der Geographie zu sehen und Methodiken anzubieten, welche die Geographieausbildung diversifizieren. Dass in diesen - ebenfalls "physischen", also naturwissenschaftlichen - Abteilungen auch eigene Forschungswege gegangen werden, ist selbstverständlich. Die Lehre, speziell auch in Physiogeographie, profitiert von den beiden Nebenfachausbildungen und umgekehrt. Sie tragen, ebenso wie die Humangeographie, zu einem holistisch-geographischen Weltverständnis bei.


Humangeographie an der Universität Basel

Rita Schneider-Sliwa 

Der Beitrag behandelt die Humangeographie als Teilgebiet der Geographie, das das Mensch-Raum-Umwelt-Verhältnis von der sozial- und geisteswissenschaftlichen Seite aus betrachtet. Der integrative Ansatz der Humangeographie, zu dem der Basler Geograph H. Hassinger massgeblich beitrug, wird als Ergebnis einer Paradigmenakkumulation der Humangeographie dargestellt, die das Verständnis vom Mensch-Umwelt-System schrittweise erweiterte und neue Methoden für dessen Untersuchung lieferte. Dabei entwickelte sich die Humangeographie von einer landeskundlich-beschreibenden Disziplin zu einer analytischen, welche die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen und Beziehungsgefüge hinter den sichtbaren räumlichen Merkmalen des Raumes untersucht. Der integrative Ansatz der Humangeographie wird exemplarisch verdeutlicht. 

Nach Überlegungen zur Disziplingeschichte geht der Beitrag auf die gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte und Arbeiten des Lehrstuhls für Humangeographie/Stadt- und Regionalforschung ein. Diese liegen in den Bereichen Stadtstrukturforschung, Raumplanung, Regionale Wirtschaftspolitik, Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Wirtschaftsförderung und Stadt-Marketing sowie Ökologische Stadtentwicklung. Das Projekt "Strukturdatenatlas beider Basel" und weitere Arbeiten werden skizziert.


Das Ethnologische Seminar der Universität Basel 1998. Ein Rückblick und Ausblick 

Meinhard Schuster 

Nach 49 Jahren akademischen Unterrichts durch Wissenschaftler des damaligen Museums für Völkerkunde wurde 1963 das Ethnologische Seminar von A.Bühler gegründet. Im Blick auf die vielfältigen Interessen und die späteren beruflichen Chancen von immer mehr Studierenden wurde das Lehrangebot sowohl in regionaler wie in sachthematischer Hinsicht stets breit gehalten, obgleich der pazifische Raum (insbesondere Papua New Guinea), das westliche und nördliche Südamerika sowie seit 1990 West- und Ostafrika Schwerpunkte bilden. Die ethnologische Feldforschung wird ebenso betont wie die interdisziplinäre Vernetzung auch über die Fakultätsgrenzen hinaus. 


Ethnologische Forschung am Museum der Kulturen Basel

Christian Kaufmann 

Die ethnologische Forschung am Basler völkerkundlichen Museum (Museum der Kulturen Basel) hat auf der Basis der Arbeiten der Gründergeneration einen stärkeren Aufschwung erlebt als anderswo, worum uns heute ausländische Kollegen beneiden. Ob diese Vielfalt trotz notwendiger Spezialisierung erhalten bleibt, muss sich erst noch entscheiden. Dazu beitragen kann die internationale Vernetzung des Museums und der daran tätigen Personen; notwendig sind aber auch weitere Erfolge im Süd-Nord-Dialog zwischen Wissenschaftlern sowie zwischen Institutionen, den europäischen Museen einerseits und den in den Aufgaben des Erhaltens von Kulturgut vergleichbaren Institutionen, die in den Ursprungsgebieten der Sammlungen tätig sind, anderseits. Erst diese wissenschaftlichen Vorleistungen schaffen die Basis für eine kontinuierlich erfolgreiche Ausstellungspolitik.