GEOGRAPHISCH - ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL

SOCIETE DE GEOGRAPHIE ET
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39/2 1998: Struktur und Dynamik in der Agglomeration Basel

Städte unter neuen Rahmenbedingungen: Trends und Chancen  

Rita Schneider-Sliwa

Urbanisierungs- und Regionalentwicklungsprozesse werden gegenwärtig von völlig neuen Rahmenbedingungen beeinflusst, z.B. dem Standortwettbewerb der Städte um die Neuverteilung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften, Bevölke-rungsumschichtungen oder der „Neuen Armut“. Diese machen neue Planungsprozesse zur Abschwächung bestehender und neuer wirtschaftlicher Entwicklungsgefälle und gesellschaftlicher Polarisierung notwendig. Der Beitrag gibt einen kurzen Überblick über diese global-/exogen- und lokal-/endogen-determinierten Herausforderungen für die Stadtentwicklung und diesbezügliche Planungspolitik. Als Schlüsselansatz zur Lösung lokaler Stadtentwicklungsprobleme wird das Verständnis von der Dialektik zwischen globalen und lokalen Entwicklungen und Handlungsebenen gesehen. 


Wirtschaftswandel in der Nordwestschweiz:    Dynamik und wirtschaftsgeographische Aspekte  

Renato Strassmann und Oliver Standke

Dieser Artikel thematisiert die Dynamik der Beschäftigung, der Branchen sowie der Teilzeitarbeit in der Nordwestschweiz. Als Datengrundlage dienen Daten der Betriebszählungen von 1991 und 1995. Zur Analyse und Visualisierung kamen u.a. Geographische Informationssysteme (GIS) zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die allgemein zu beobachtenden Prozesse der wirtschaftlichen Transformation auch in der Nordwestschweiz abzeichnen.


Von der "A-Stadt" zur "A-gglomeration"?   Suburbanisierungs- und Counterurbanisierungsprozesse in Basel-Stadt und Basel-Landschaft  

Jens-Ulrich Nommel, Martin Sandtner und Christian Waffenschmidt

Die räumliche und zeitliche Veränderung von Bevölkerungsstrukturen ist ein entscheidender Faktor der Raumentwicklung und wird derzeit in schweize-rischen Städten im Zusammenhang mit der "A-Stadt-Entwicklung" diskutiert. Mittels der Kombination eine Clusteranalyse und der kartographischen Darstellung wird diese Dynamik der Bevölkerungsentwicklung im Raum Basel untersucht. Ziel ist es, ausgehend von der Suburbanisierung und der A-Stadt-Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten eine Tendenz hin zur "counterurbanization" und einer hier neu beschriebenen "Agglomerations-Entwicklung" aufzuspüren. Dabei werden die 89 Gemeinden der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft entsprechend ihrer Bevölkerungsentwicklung zwischen 1960 und 1996 in sechs Klassen eingeteilt. Durch Typisierung und räumliche Darstellung kann einerseits der Prozess der Suburbanisierung von den 50er bis in die 70er Jahre nachvollzogen, andererseits der sich abzeich-nende Übergang zur counterurbanization empirisch belegt werden.   
Die Erkenntnisse aus derartigen Untersuchungen liefern wichtige Grundlagen für die Raumplanung, zeigen sie doch Prozesse auf, die ein neues unerwünschtes Polarisationsgefälle entstehen lassen.


Innerstädtische Differenzierung und Wandel zentralörtlicher Strukturen in Basel am Beispiel der Freien Strasse   

Andrea Kampschulte  

Der fortschreitende Suburbanisierungsprozess sowie die allgemeinen Entwicklungstendenzen im Einzelhandel, die mit den Schlagwörtern „Textilisierung“ und „Filialisierung“ umrissen werden können, führen auch in Basel zu Attraktivitäts- und Funktionsverlusten der Innenstadt. Dieser Beitrag zeigt auf der Basis empirischer Untersuchungen potentielle Massnahmen struktureller und funktionaler Art zur Erhaltung bzw. Steigerung der Anziehungskraft der City auf.


Räumliche Veränderungen der Bevölkerungsstruktur.   Beispiele aus dem Basler Matthäus-Quartier  

Madeleine Imhof  

Die umfassende Analyse des Matthäus-Quartiers verlangt nach einer räumlich differenzierteren Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung. Mit der strassenzugsweisen, über 22 Jahre retrospektiv angelegten Untersuchung von Bevölkerungsdaten kann dies erreicht werden. Dabei wird deutlich, dass der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Matthäus-Quartier nicht etwa flächendeckend gleich hoch ist, sondern augenfällige Abweichungen sowohl im aktuellen Verteilbild als auch in der zeitlichen Entwicklung aufweist. Stigmatisierte Ausländerinnen und Ausländer wohnen immer häufiger an Prekär-, Schweizerinnen und Schweizer dagegen mehrheitlich an den Gunststandorten, abseits der grossen Hauptverkehrsachsen.  


Identitätsfördernde Vermittlung von Rauminformationen.   Hintergründe und Konzept der Basler Quartierporträts   

Peter Schwendener und Madeleine Imhof  

Die Stadt Basel kämpft wie die meisten Schweizer Städte mit Abwanderungsproblemen. Verluste bei den Steuereinnahmen, aber auch Lebensqualitätseinbussen, bedingt durch Mehrverkehr, der zumindest teilweise auf die gestiegenen Pendlerzahlen zurückzuführen ist, sind die Folge. Die akuten Probleme haben die Städte zum Handeln gezwungen. Neben der Ursachenforschung zu den Wanderungsgründen verfolgt die Stadt Basel auch Strategien, die auf die Förderung der raumbezogenen Identität abzielen. Die Quartierporträts sind ein solches Projekt, welches am Statistischen Amt umgesetzt wird und zum Ziel hat, der interessierten Bevölkerung ihren unmittelbaren Lebensraum in gut verständlicher Weise näherzubringen und damit auch ihre Ortsbindung zu fördern.


Aktionsräume sozialer Gruppen und die Stärken und Schwächen eines Quartiers  

Patricia Rudolf von Rohr und Rita Schneider-Sliwa  

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bevölkerungsverlustes in Basel und der Überlegungen zur Attraktivitätssteigerung von Stadt und Quartieren befasst sich dieser Artikel mit Mobilität, speziell den Aktionsräumen von unterschiedlichen Sozialgruppen in zwei Basler Quartieren. Ausgehend von Überlegungen zu Raum-Wahrnehmung, „Image“ und der Mobilität von Sozialgruppen wurden Aktionsräume ärmerer und reicherer Gruppen mittels einer Umfrage ermittelt, um Sozialgruppenunterschiede innerhalb und zwischen Quartieren herauszustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass quartiersbezogene Unterschiede der Aktionsräume wichtiger sind als Sozialgruppenunterschiede. Aspekte der Quartiersstruktur üben also einen deutlichen Einfluss auf räumliche Wahrnehmung und diesbezügliches Verhalten aus. Dies ist insofern relevant als Quartierscharakteristika, das engere Wohnumfeld und nicht flächendeckende Wahrnehmungen zur Stadt hinter Wohnumfeldunzufriedenheit und damit hinter der Bevölkerungsabwanderung vermutet werden können.


Entwicklungen in der Agglomeration Basel - Resumé  

Rita Schneider-Sliwa  

Der Beitrag fasst Trends zusammen, die in den vorgehenden Arbeiten aufgezeigt wurden. Diese untermauern Erkenntnisse aus anderen regionalen Kontexten. Als Gesamtergebnis wird konstatiert, dass die Umschichtungsprozesse und Entleerungstendenzen, die sich in Bevölkerungsabwanderung, Arbeitsplatzverlusten oder Verlust urbaner Qualität und innerstädtischer Differenzierung äussern, langfristig und daher irreversibel sind. Daraus wird als eine Hauptaufgabe der Stadtentwicklungspolitik abgeleitet, die negativen Folgen von Prozessen, die nicht mehr aufzuhalten sind, zumindest abzufedern. Dies erfordert jedoch neuartige Konzepte, z.T. drastische Abkehr von althergebrachter Stadtentwicklungspolitik, ferner institutionalisierte Umverteilungsmechanismen.


Freizeit im Allschwiler Wald:    Konflikt zwischen Erholung und Erhaltung eines naturnahen Lebensraums?  

Claude Lesslauer, Hans-Peter Rusterholz und Bruno Baur  

Naturnahe Gebiete in städtischen Agglomerationen stehen unter einem grossen Nutzungsdruck durch Erholungssuchende. Am Beispiel des Allschwiler Waldes (Kanton BL) untersuchten Sozialwissenschaftler und Naturschutzbiologen die Konflikte zwischen Besucheraktivitäten und der Erhaltung eines naturnahen Lebensraumes. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass in stark besuchten Teilgebieten der Erholungsdruck die Regenerationskraft des Waldes übersteigt. Zur Erhaltung des naturnahen Waldes wird die Erstellung eines Richtplanes und Erholungskonzeptes vorgeschlagen, in welchem die Nutzung der Teilgebiete klar definiert werden.