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Landschaftsökologische
Forschungen in der Basler Region
Hartmut Leser
Die Landschaftsökologie ist ein multidisziplinärer Fachbereich, der von verschiedenen Wissenschaften und Praxisbereichen bearbeitet wird. Am Geographischen Institut Basel bestimmt die landschaftsökologische Forschung seit rund einem Vierteljahrhundert die Arbeit der Abteilung Physiogeographie. Wenn in diesem Heft einige Werkstattberichte vorgestellt werden, dann hat das zwei Perspektiven: Es wird gezeigt, welche Forschung aktuell betrieben wird, und wie sich die Methodik der landschaftsökologischen Arbeit weiterentwickelte. Der Artikel soll zugleich deutlich machen, daß landschaftsökologische Forschung nicht nebenbei betrieben werden kann, sondern methodisch und theoretisch sehr anspruchsvoll ist. Sowohl zur Methodik als zur Theorie der Landschaftsökologie lieferte das Geographische Institut in mehr als zwei Jahrzehnten überregional stark beachtete Beiträge.
Geoökologische
Probleme der Biodiversität im Faltenjura
Petra Ogermann und Christine Gasser-Ahmad
Bei Untersuchungen von zwölf extensiv bewirtschafteten Kalkmagerrasen und neun vieh- und forstwirtschaftlich genutzten Standorten im Faltenjura der Schweiz konnten Zusammenhänge zwischen der Pflanzendiversität und einigen Bodenfaktoren festgestellt werden. Die Beziehung zwischen der Pflanzendiversität eines Standortes und dessen Bodeneigenschaften, insbesondere dem pflanzenverfügbaren Nitrat, läßt sich mit einer quadratischen Kurve beschreiben, das heißt, die maximale Pflanzendiversität tritt bei mittleren (suboptimalen) Standortbedingungen auf. Einen weiteren wesentlichen Faktor für die Diversität stellt die kleinräumige Heterogenität vom Bodenmerkmalen dar, die auf den insgesamt sehr artenreichen Kalkmagerrasen-Standorten ebenfalls einer quadratischen Kurve folgt, dagegen auf den bewirtschafteten Flächen einen positiv linearen Zusammenhang zur Diversität aufweist. Wesentlich für die Biodiversitätsbetrachtung ist die ökosystemspezifische Bedeutung verschiedener Faktoren für die Artenveilfalt.
Skaleneffekte
- Ursache und Wirkung am Beispiel von Bodendaten und Pflanzenwachstum auf
einer Magerwiese bei Nenzlingen (Kanton Basel-Landschaft)
Boris Spycher und Andreas Birrer
Im Rahmen eines interdisziplinären Projektes zum Thema Biodiversität (Schwerpunkt Programm Umwelt Modul 3 Biodiversität) wurde auf einer Magerwiese bei Nenzlingen (Kanton Basel-Landschaft) Zusammenhänge zwischen Bodenmerkmalen und Pflanzenwachstum auf verschiedenen räumlichen Skalen untersucht. Die Beziehungen zwischen Bodenmerkmalen und Pflanzenwachstum änderten sich deutlich mit der Skala und erforderten für jede Skala eine differenzierte Betrachtung. Die Vernachlässigung von Skaleneffekten bei der Analyse von räumlich gemessenen Daten kann zu erheblichen Fehlinterpretationen führen.
Gelöster
und partikulärer Kohlenstoff als Indikator des Erosionsgeschehens
im Oberbaselbieter Tafeljura
Christoph Seiberth, Daniel Schaub und Christoph Wüthrich
Im Sommer 1996 wurde im Oberbaselbieter Jura der Austrag an organischem Kohlenstoff (POC und DOC) über den Vorfluter gemessen. Ziel war es, das Verhalten des organischen Kohlenstoffes im Landschaftsökosystem besser zu verstehen und den Gesamtverlust an hydrologisch ausgetragenem organischen Kohlenstoff auf Einzugsgebietsebene zu bilanzieren. Gleichzeitig wurde untersucht, ob durch Kohlenstoffmessungen im Vorfluter Rückschlüsse auf aktuelle Bodenerosion im Einzugsgebiet möglich sind. Die Resultate zeigen, dass das POC/DOC-Verhältnis während der Hochwasserwellen klare Rückschlüsse auf aktuelle Bodenerosion erlaubt. Obwohl der untersuchte Vorfluter hohe DOC- und POC-Konzentrationen zeigte, bleibt der hydrologische Austrag von Kohlenstoff im Vergleich zu anderen Verlustgrössen (z.B. Bodenrespiration) gering. Die eutrophierende Wirkung des organischen Kohlenstoffaustrages auf aquatische Ökosysteme darf hingegen nicht unterschätzt werden (off-site Schäden).
Abschätzung
der Auswaschungsgefährdung unter Verwendung von GIS-Methoden Einzugsgebiet "Länenbachtal", Rothenfluh/BL)
Stefan Meier-Zielinski
Der Einfluss des Drainageleitungssystems im tonreichen Gebiet des Länenbachtal im Baselbieter Tafeljura ist sehr gross ( 50% des Gesamtabflusses). Dies ist das Ergebnis zahlreicher Messungen des Wasser- und Stoffhaushaltes im Untersuchungsgebiet. Die so gewonnenen Erkenntnisse wurden zur Entwicklung eines GIS-gestützten Auswaschungsgefährdungsmodells herangezogen. Auf Grund der Feldatenerhebungen kann das Modell als Planungsinstrument eingesetzt werden und bei vorhandener Datenlage auch in andere Einzugsgebiete übertragen werden. Das Modell erlaubt dem Landwirt die Lokalisation der besonders gefährdeten Bereiche auf seinen Ackerschlägen, unter besonderer Berücksichtigung der Drainageleitungen im Boden. Der Vergleich der GIS-gestützten Karten mit der vom Bodenkartierdienst FAP Reckenholz herausgegebenen Güllerisikokarte, die eine ähnliche Aussage erlaubt, gibt Anlass, über eine Überarbeitung dieser Karte nachzudenken, da dort der grosse Einfluss der Drainageleitungen gänzlich vernachlässigt wird.
Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in Fliessgewässer. Triazin-Untersuchungen mit ELISA (Enzym-Linked
Immunosorbent Assay) in einem ackerbaulich genutzten Einzugsgebiet des
Tafeljuras
Natalie Aschwanden
Es wurden Bachwasserproben am Ausgang eines Einzugsgebietes (EZG) im Tafeljura genommen und mit ELISA auf Triazine (Pflanzenschutzmittel) untersucht. Während des ganzen Untersuchungszeitraums (Sommer 1996) konnte Atrazin nachgewiesen werden. Die Atrazinkonzentration war während der Hochwasserereignisse höher als bei Basisabfluss, wobei ein Ereignis mit 79 % an der gesamten geschätzten Atrazinfracht (48 g = 0.7 % der Applikationsmenge) heraussticht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit konnte der Eintrag auf ein Erosionsereignis auf einer bachnahen Parzelle zurückgeführt werden. Dies, sowie die Korrelation der Atrazinfrachten mit den Schwebstofffrachten der einzelnen Hochwasser weist darauf hin, dass die Schwebstoffe ebenso wie das Atrazin mit dem Oberflächenabfluss von Ackerflächen ausgewaschen wurden. Die ELISA-Technik ist für die Anwendung bei landschaftsökologischen Untersuchungen durch ihre einfache Handhabung und ihre verhältnismässig geringen Kosten eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Methoden.
Eine
grossmassstäbige Methodik zur Aufnahme des Kulturlandschaftswandels.
Beispiel Nenzlingen und Les Breuleux
Claudia Walther
Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde eine praxisorientierte, einfach handzuhabende, Grossmassstäbige Methodik zur Aufnahme des Kulturlandschaftswandels (Bewertungsanleitung), gültig für den Jura entwickelt, ausprobiert und kritisiert. Sie führt mit Hilfe von einfach zu beschaffenden Unterlagen zu einem genügend genauen und aussagekräftigen Resultat über den Zustand der zu Klassen zusammengefassten Kulturlandschaftselemente heute und einem oder mehreren Zuständen früher.
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