Porrentruy
Porrentruy liegt auf 423 m ü. M., 21 km westnordwestlich des Kantonshauptorts Delémont. Die Stadt erstreckt sich in einer weiten Niederung beidseits der Allaine, am Nordfuss des Kettenjuras.
Mit 6626 Einwohnern (Ende 2007) ist Porrentruy bevölkerungsmässig die zweitgrösste Gemeinde des Kantons Jura. Die höchste Bevölkerungszahl wurde 1970 mit 7827 Einwohnern verzeichnet. Seither hat die Einwohnerzahl kontinuierlich abgenommen, insbeson-dere während der Rezession der 1970er Jahre.
Erstmals wird die Stadt 1136 unter dem Namen Purrentru erwähnt. Der Ortsname leitet sich vermutlich vom lateinischen pons Ragentrudis (Brücke der Ragentrud) ab. Ragentrud war die Gemahlin des 639 verstorbenen fränkischen Königs Dagobert. Andere Quellen führen die Herkunft des Namens auf Bruntrutum (wasserreicher Brunnen) zurück. Aus diesem Wortstamm entstand die deutsche Bezeichnung Pruntrut. Die Siedlung gehörte anfänglich zur Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard), bevor sie 1271 erstmals an das Fürstbistum Basel kam. Nachdem Porrentruy 1283 von den Burgundern eingenommen worden war, besetzte König Rudolf I. von Habsburg die Stadt und erzwang eine Rückgabe des Gebietes an das Fürstbistum. Im Umfeld der Reformation in Basel verlegte der Fürstbischof 1527 seinen offiziellen Sitz nach Porrentruy. 1792 eroberten französische Truppen die Ajoie (Elsgau).
Porrentruy wurde Hauptstadt der von Frankreich abhängigen „Raurakischen Republik“. 1815 wurde die Stadt auf Beschluss des Wiener Kongresses dem Kanton Bern als Kompensation für die 1803 "verlorene" Waadt zugesprochen. Mit der Entwicklung des Strassen-verkehrs sank aber die Bedeutung der Stadt wegen ihrer Randlage in der Schweiz, eine wirtschaftliche Stagnation setzte ein.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu immer grösseren Spannungen zwischen dem kleinen katholischen, französischsprachigen und dem grösseren protestantischen und deutschsprachigen Teil des Kantons Bern. Diese führten dazu, dass nach mehreren regionalen und eidgenössischen Abstimmungen am 1. Januar 1979 der französischsprachige Kanton Jura gegründet wurde. Sehr zum Verdruss der in der Ajoie ansässigen Bevölkerung wurde aber Delémont die Hauptstadt des neuen Kantons. 1988 erhielt Porrentruy den Wakkerpreis für die beispielhafte Pflege des historischen Zentrums.
Heute ist Porrentruy das regionale Wirtschaftszentrum der Ajoie. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich von der Agrar- zur Industriestadt. Traditionelle Industriezweige sind die Uhrmacherei, die Herstellung von Schuhen und die Textilindustrie.
Während des 20. Jahrhunderts kamen die Metallverarbeitung, der Werkzeugmaschinenbau, die Mikrotechnik sowie die Herstellung von Büromöbeln und elektronischen Apparaten hinzu. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze gibt es im Dienstleistungssektor, während die Landwirtschaft nur noch geringe Bedeutung hat. Die Erwerbstätigen verteilen sich wie folgt auf die drei Sektoren: 2 % im 1. Sektor, 48 % im 2. Sektor und 50 % im Dienstleistungssektor. Die Stadt ist Sitz zahlreicher wichtiger Institutionen, nämlich des kantonalen Gerichts, der Kantonsbibliothek, der Kantonalbank des Kantons Jura, des Kantonalen Amtes für Denkmalpflege und der Archive des ehemaligen Bistums Basel. Ferner verfügt Porrentruy über ein Regionalspital, das sich westlich der Stadt am Südhang der Tafeljurahochflächen befindet.
Auf der Rückreise lohnt sich ein Abstecher nach St. Ursanne auf eigene Faust: Saint-Ursanne liegt auf 440 m ü. M., 8 km südöstlich des Bezirkshauptorts Porrentruy und hat rund 660 Einwohner. Das historische Städtchen erstreckt sich im engen Tal des Doubs, zwischen den Juraketten des Lomont oder Mont Terri im Norden und des Clos du Doubs im Süden. - Am 30. März 1877 wurde die Eisenbahnstrecke GlovelierPorrentruy mit einem Bahnhof östlich von Saint-Ursanne eröffnet. Die schwierige Topographie in der Gegend von Saint-Ursanne erforderte die Anlage von fünf Tunnels und mehreren Brücken.
Saint-Ursanne besticht durch sein mittelalterliches Stadtbild. Die Stiftskirche - eine romanische Pfeilerbasilika mit einer Krypta unter dem Chor - stammt aus dem 12. bis 14. Jahr-hundert. Von der Abtei des 11. Jahrhunderts wurden Kapitelle und Teile des Nordportals in den Bau einbezogen. Das Südportal (um 1200) im Stil der burgundischen Romanik gehört zu den bedeutendsten Portalen dieser Stilrichtung in der Schweiz.