Donnerstag, 9. Januar 2014 - 18:15 Uhr

(Velo)Tour d'Afrique – 12 000 km zwischen Kairo und Kapstadt: Geographische Grenzerfahrungen quer durch den schwarzen Kontinent

(Velo)Tour d'Afrique – 12 000 km zwischen Kairo und Kapstadt: Geographische Grenzerfahrungen quer durch den schwarzen Kontinent

Dipl. Geograph Christian Seiler

Geoinformatiker bei ESRI Schweiz AG, Zürich

Die Tour d'Afrique ist mit 12‘000 Kilometern das längste Radrennen der Welt und führt von Kairo nach Kapstadt.  Die Veranstaltung ist der ultimative Test für Ausdauer, Beharrlichkeit und Flexibilität inmitten der schönsten Landschaften und verschiedensten Kulturen der Welt. Jeder Tag brachte neue und unerwartete Herausforderungen, Entdeckungen und Bekanntschaften.

Afrika vom Norden in den Süden in vier Monaten, durch zehn Länder, sowohl als Radrennen, als auch als Expedition – wird bezeichnet als die „Tour d’Afrique“. Die Tour startet in Kairo, die Megametropole Afrikas, mit 25 Mio. Einwohnern die grösste Stadt auf dem afrikanischen Kontinent und Herd der Demokratiebewegung im 2011. Die Tour endet in Kapstadt in Südafrika, die multikulturelle Stadt mit Menschen aus allen Teilen der Welt, wessen Vielfalt in der Gastronomie, Kultur, Sport, Wohnart und einigen weiteren Facetten zum Zuge kommt. Mit dieser epischen Nord-Süd-Durchquerung des Schwarzen Kontinentes werden nicht nur viel Schweiss und Kraft auf den mal besseren, mal schlechteren Strassen gelassen, sondern - Geographie pur - diverse Klima- und Vegetationswechsel erfahren.

Von der ägyptischen Januarkühle geht die Reise nach einer abenteuerlichen Überführung auf dem Nassersee per völlig überladener Fähre im bereits angenehm warmen und trockenen Sudanesischen Wadi Halfa weiter entlang dem Nil durch die Nubische Wüste. Etwas grüne Rastplätze entlang des Nils sorgen für etwas Abwechslung und eine willkommene Abkühlung in seinen braunen Kanälen. Spätestens aber nach dessen Hauptstadt Khartum erlebt man erste Grenzerfahrungen am eigenen Körper, wenn man in der Mittagshitze bei über 50°C durch die Halbwüsten Richtung Äthiopien pedalt. Nach dem drastischen Anstieg auf das äthiopische Hochplateau auf 2500m.ü.M. wird das Radeln angenehm kühl und die Vegetation wird grüner, dichter und vielfältiger. Südlich von Addis Abeba führt die Route entlang des Rift Valley und sinkt allmählich wieder etwas tiefer, was wieder höhere Temperaturen und allmählich wieder wüstenhaftere Vegetation bedeutet. Die berühmten Lavasteine im Norden Kenias bestimmen das Bild der Landschaft. Spätestens nach der Überquerung des Äquators wird die Natur wieder grüner und der Übergang von den Subtropen in die tropischen Gebiete wird durch den Feuchtigkeitsanstieg immer spürbarer. Spätestens mit der wunderbaren Fauna und Flora von Tansania und den paradiesisch erscheinenden Malawi und Sambia, wissen wir nun definitiv, was eine tropische Zone ist. Der Regen blieb in dieser Zone während dem Radfahren glücklicherweise aus, was für diese Jahreszeit eher unüblich ist. In Botswana, dem Land der Elefanten und der anderen Grosstiere, begegnet man dem prototypischen Afrika. Doch auch Namibia mit seinen unendlich weiten Graslandschaften, den Zebra-, Gnu- und Springboekherden und den majestätischen Sanddünen entlang der angrenzenden Wüste Namib, bieten unvergesslich schöne Momente. Der kurze Streckenabschnitt in Südafrika mit dem wilden Atlantik mit seinem Nebelband entlang der Küste auf der einen Seite, und schlussendlich die von weit her sichtbaren Tafelberge auf der anderen Seite, sind die Krönung dieser längsten Tour der Welt.

Trotz Wettkampfstress ist das Fahrrad das perfekte Verkehrsmittel, um ein Kontinent wie Afrika zu erkunden und zu begegnen – sowohl von aussen mit seiner einzigartigen Geographie als auch von innen mit dem Erleben der eigenen persönlichen Grenzerfahrungen. Meine Erlebnisse und Eindrücke dieser Tour - positive wie negative – berichte und diskutiere ich gerne am 9. Januar in Basel.

Weitere Informationen: ※ Tour d'Afrique Blog

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