Donnerstag, 14. November 2013 - 18:15 Uhr

Freilichtmuseum Ballenberg – Vom Bauernhausmuseum zur Vermittlung von Kultur und Tradition

Freilichtmuseum Ballenberg – Vom Bauernhausmuseum zur Vermittlung von Kultur und Tradition

Dr. Katrin Rieder

Wissenschaftliche Leiterin und Vorsitz der Geschäftsleitung des Schweizerischen Freilichtmusuems Ballenberg

Das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg ist als Museum für die Vermittlung der ländlichen Kultur der Schweiz aus der Schweizer Museumslandschaft nicht mehr wegzudenken und hat sich seit Jahren als einzigartige Institution auf nationaler Ebene positioniert. Auf Bundesebene wird das Freilichtmuseum Ballenberg als Kompetenzzentrum für die Vermittlung der Volkskultur wertgeschätzt.

Das Freilichtmuseum Ballenberg wurde 1978 eröffnet, um aus der gesamten Schweiz traditionelle ländliche Bauten samt ihren typischen Einrichtungen zum Wohnen, Leben und Arbeiten zu sammeln, zu erforschen und zu erhalten. Zunächst als «Museum für ländliche Haus- und Siedlungsformen» konzipiert, wurde das einzige Freilichtmuseum der Schweiz in den letzten Jahren zunehmend zu dem, was es heute ist: das nationale Museum zur Vermittlung der ländlichen Kultur.

Das Museum hat sich laufend erneuert und hat – zusätzlich zur Vermittlung von Architekturgeschichte und Hausforschung ein grosses Potenzial für die Vermittlung von Wohn-, Sozial- und Wirtschaftsformen in Bauernstand, Handwerk und Gewerbe. Dabei gilt es, das Leben und Arbeiten früherer Generationen zu vermitteln und Schattenseiten der Sozialgeschichte nicht auszuklammern. Die architektur-, wirtschafts-, alltags- und sozialhistorischen Themen des Freilichtmuseums bieten Anknüpfungspunkte zu unzähligen gesellschaftlichen und kulturellen Fragen der Gegenwart. Damit hat das Museum das Potential, eine dynamische Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu ermöglichen, es vermag Brücken in die Zukunft zu bauen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Neben der Darstellung von ländlich-bäuerlicher Alltagskultur (z.B. Brauchtum im Jahres- und Lebenslauf, Nahrungsmittelproduktion und Ernährung, Sprache, Tanz und Musik in der kulturellen Vielfalt der Schweiz, nachhaltiger Umgang mit lokalen Ressourcen, Bedeutung von Recycling in Vergangenheit und Gegenwart etc.) werden zukünftig verstärkt aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen, zeitgenössische Ansätze nachhaltiger Landwirtschaft (Tierhaltung, Gartenbau, nachhaltige Nutzung von Ressourcen) vermittelt und denkmalpflegerischer Umgang mit historischer Bausubstanz präsentiert. Der Gegenwartsbezug und der Ausblick in die Zukunft erfolgt hauptsächlich in jenen Themenbereichen, welche das Potenzial der historischen Erfahrung für neue, zukunftsträchtige Lösungsansätze (z.B. im Bereich Ökologie, Energie, Umgang mit Ressourcen etc.) aus der Geschichte erfahren lassen.

Die Bedeutung des Museums als Vermittlerin der ländlichen Kultur wird in den kommenden Jahren zunehmen, zumal ein zunehmender Anteil der Schweizer Bevölkerung den Bezug zur ländlich-bäuerlichen Kultur und zu traditionellen Formen der Landwirtschaft verliert. In diesem Sinn steht das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg vor grossen Herausforderungen in der Vermittlung: Wie kann die Bedeutung der Landschaft, der Landwirtschaft, der bäuerlichen Kultur und des traditionellen Handwerks einem Publikum vermittelt werden, das keine oder nur rudimentäre Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringt?

Die kulturelle Vermittlung stärkt das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Werte der ländlichen Kultur und für das kulturelle Erbe der Schweiz. «Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart verstehen, die Zukunft gestalten», das ist der Kerngedanke unserer Strategie. Ziel ist es, dem jüngeren, der ländlichen Kultur eher fernen Publikum die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des ländlich-bäuerlichen Lebens über thematische Ausstellungen, Hauseinrichtungen und persönlich vermittelte Geschichten nahe zu bringen und so das Museum einerseits als Lern- und Vermittlungsort, andererseits als Erlebnisort zu stärken. Die Fragen an die Vergangenheit sollen aus der Gegenwart formuliert werden und sich an den Spannungsfeldern der heutigen Gesellschaft orientieren. Durch das Erzählen von Geschichten über Menschen, ihre Lebensweise, ihr Arbeiten und ihr Zusammenleben soll der Zugang erleichtert, der Lerneffekt verstärkt und das Angebot zur Reflexion gesamtgesellschaftlicher Fragen erweitert werden.

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