Donnerstag, 10. Januar 2013

Produktionsnetzwerke - Globale Produktionsnetzwerke in der Windenergie: Der Aufstieg chinesicher Unternehmen

Produktionsnetzwerke - Globale Produktionsnetzwerke in der Windenergie: Der Aufstieg chinesicher Unternehmen

Britta Klagge

Osnabrück

In nur zwei Dekaden hat sich die Windindustrie von einer durch Pioniere und KMU geprägten zu einer von großen multinationalen Konzernen dominierten Branche entwickelt. Mit einem weltweiten Kapazitätszuwachs von knapp 1'500 MW installierter Leistung (1990) auf über 200'000 MW (2011) gehört die Windindustrie zu den global am schnellsten wachsenden Industrien. Sie ist durch einen rasanten Internationalisierungsprozess und zunehmend globale Produktionsnetze geprägt. Neben gewachsenen Windenergieanlagenherstellern bzw. Zulieferunternehmen an den Pionierstandorten Deutschland und Dänemark hat sich im letzten Jahrzehnt der Branchenmix u. a. durch den Einstieg etablierter Energie- und Technologiekonzerne (z. B. GE Energy, Siemens) verändert und der Wettbewerb stetig zugenommen. Mit der räumlichen Expansion von Absatz- und Produktionsstandorten in den globalen Süden hat die Branche in jüngster Zeit eine Wachstums- und Entwicklungsdynamik entfaltet, in der chinesische Hersteller als neue Marktakteure der Windindustrie und ihrer globalen Produktionsnetze eine wachsende Rolle spielen.

Während noch zu Beginn des neuen Jahrtausends die zehn grössten Herstellerunternehmen alle aus den Industrieländern kamen, gehörten 2011 bereits vier chinesische Unternehmen zu den Top 10. In China stellen ebenso wie in anderen Ländern politisch-institutionelle Bedingungen wichtige Erklärungsfaktoren für die dynamische Branchen- und Standortentwicklung der Windindustrie dar. Die Gestaltung und Steuerung durch nationale politische Akteure beinhaltet neben der im Kontext von Klimapolitik verfolgten Förderung erneuerbarer Energien auch industrie- und handelspolitische Maßnahmen. Hierzu gehören neben den in vielen Ländern üblichen local content-Regeln die Unterstützung bzw. der staatlich gelenkte Aufbau einer nationalen Windindustrie sowie verschiedene Ansätze zur Förderung des Technologietransfers. Auch Tender-Verfahren, d. h. die öffentliche Ausschreibung und Vergabe von auszubauenden Kapazitäten, wurden genutzt, um einheimische Hersteller und vor Ort produzierte Windturbinen zu bevorzugen. Im Laufe dieser Entwicklung haben chinesische Hersteller technologisch aufgeholt und begonnen, mit eigenen Produkten neben den nationalen auch ausländische Märkte zu erschliessen. Mit dem Aufbau von global orientierten Produktions- und Forschungsnetzwerken stellen sie damit zunehmend auch ausserhalb Chinas eine Konkurrenz für die etablierten Hersteller aus den Industrieländern dar.

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