Donnerstag, 14. Februar 2013

Soziale Netzwerke - Globale Netzwerke arabischer Diaspora

Soziale Netzwerke - Globale Netzwerke arabischer Diaspora

Prof. Dr. Anton Escher

Geographisches Institut der Universität Mainz

Globale Netzwerke arabischsprachiger Bevölkerungsgruppen existieren aufgrund von Migration. Sobald Mitglieder ethnischer Gruppen in mehrere Länder aus- und/oder weiterwandern, kann eine kommunikativ verflochtene Diaspora entstehen. Der Vortrag stellt einen speziellen Typ globaler arabischer Netzwerke vor, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts von neuer Dynamik geprägt ist.

Die globalen arabischen Netzwerke können als Familien oder Clans beschrieben werden, die sich global auf viele Orte dieser Erde verteilen. Die technischen und politischen Rahmenbedingungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts begünstigen die Entwicklung und die Strategien dieser globalen Gemeinschaften und fördern den sozialen, ökonomischen und politischen Zusammenhalt der Migranten, die oftmals ihre Herkunft auf ein Dorf oder eine Region zurückführen. Aufgrund der vorliegenden empirischen Analysen kann man die These vertreten, dass die Identität der globalen Gemeinschaft über diesen gemeinsam geteilten Herkunftsort gestiftet wird. Nationalstaatliche Positionen, religiöse Institutionen und soziale Vereinigungen werden zum Wohle und zur Generierung der Welt-Dorf-Gemeinschaft in Wert gesetzt und sind zumeist strategisch verhandelbar.

Der Herkunftsort ist der fixe Punkt, der heilige Ort, der symbolische Handlungen ermöglicht und der die Mitglieder der Gemeinschaft definiert. Der Ort wird zum mentalen Zentrum der Gemeinschaft, die ihre «Niederlassungen» in aller Welt hat. Die Diaspora-Gemeinschaft agiert, wie aus segmentären Gesellschaften bekannt, quer zur nationalen Organisation und zu religiösen Institutionen. Im Rahmen dieser Struktur verwirklichen die Mitglieder Strategien, die zum Erhalt und zur Funktion der Gemeinschaft beitragen. Sie ermöglicht den Mitgliedern der Gemeinschaft pragmatische Strategien zum eigenen ökonomischen, sozialen und emotionalen Vorteil in einer durch Konkurrenz geprägten dynamischen Welt. Entwurzelung und Marginalisierung des Individuums finden nicht statt, sondern sein Territorium wird auf zahlreichen Feldern erweitert.

Verwandtschaftliche Bindungen und gruppeninterne Solidarität, individuelle Bildung und kollektive Erfahrung sowie sozialisierter Geschäftssinn tragen zur Funktion der globalen Netzwerke bei. Die räumlich über unterschiedliche Orte der Welt zerstreute Ethnie bildet (fast) eine kommunizierende und handelnde Einheit. Zentraler Ankerpunkt, gemeinsamer Knoten und geteilte Sehnsucht ist der Herkunftsort. Das globale Netzwerk der arabischen Diaspora ist auf die Identität von Familie, Dorf und Region gebaut.

Literaturhinweis:
Escher, A. (2008): The Arab American Way: The Success Story of an American Family from a Syrian Village in Global Diaspora. ※ American Studies Journal No. 52.

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