Donnerstag, 18. Oktober 2012

Handelsnetzwerke - Schottischer Whisky und chinesische Turnschuhe: Globalisierte Handelsnetzwerke in einer namibischen Gesellschaft

Handelsnetzwerke - Schottischer Whisky und chinesische Turnschuhe: Globalisierte Handelsnetzwerke in einer namibischen Gesellschaft

Professor Dr. Gregor Dobler

Institut für Ethnologie der Universität Freiburg

Europäische Länder waren lange Zeit daran gewöhnt, die wichtigsten Handelspartner ihrer ehemaligen Kolonien in Afrika zu sein. Der wirtschaftliche und politische Aufstieg einiger Länder des Südens und die weltweite Flexibilisierung von Produktionsstandorten haben hier zu einem teilweise radikalen Umbruch geführt. Neue Akteure etwa aus China, Indien, Pakistan, Brasilien oder Dubai spielen heute eine weit wichtigere Rolle für den Handel mit Konsumgütern in Afrika als die ehemaligen Kolonialmächte.

Der Vortrag beschreibt diese Entwicklungen anhand einer Grenzstadt im Norden Namibias. Oshikango ist der wichtigste Ort an der Grenze zwischen Namibia und Angola. Nach dem Ende des jahrzehntelangen Krieges in Angola ist die Stadt zu einem Depot im Grenzhandel in das ölreiche Nachbarland geworden. Der Grenzhandel führte zu einem beispiellosen Boom, der Händler aus der ganzen Welt in diese kleine Stadt brachte und sie stark wachsen liess. Da die Stadt quasi aus dem Nichts entstanden ist, bietet sie ein ideales Untersuchungsfeld, um die Bedingungen heutiger globaler Warenströme sichtbar zu machen.

Mit Hilfe von vier Güterketten in vier Ländern der Welt stellt der Vortrag verschiedene Varianten internationalen Handels nach Afrika dar. Brasilianische Wohnzimmermöbel, von pakistanischen Händlern verkaufte Gebrauchtwagen aus Japan, chinesische Turnschuhe und schottischer Whisky stehen für vier verschiedene Handelsnetzwerke. Der Vortrag zeigt ihre jeweilige Organisation auf und stellt dar, wie gering der Anteil Europas an diesem neuen Handel geworden ist.

Über diese Darstellung beschreibt der Vortrag die Rolle von Netzwerken im heutigen globalen Handel. Sie sind, so seine These, flexibler strukturiert und mobiler als zu Zeiten klassischer Netzwerktheorien. Wo globale Akteure aktiv werden und von ihrer jeweiligen Organisationsform profitieren können, entscheidet sich immer stärker durch Entscheidungen auf der globalen Ebene, die ihnen selbst nicht zugänglich sind. An unterschiedlichen Orten der Welt werden dadurch Bedingungen geschaffen – und wieder zerstört –, die für eine Organisationsform ideal sind. Migrationsnetzwerke werden dadurch weniger dauerhaft und mobiler. Das gefährdet vor allem die Verknüpfung der Netzwerke mit den lokalen Wirtschaftsstrukturen und führt letztlich dazu, dass Profite in stärkerem Masse in die Herkunftsländer abfliessen.

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