Globale Agenden und lokale Gesellschaften in Nordwest-Namibia: Naturschutz, Energiegewinnung, Marktproduktion Donnerstag, 15. Februar 2007

Globale Agenden und lokale Gesellschaften in Nordwest-Namibia: Naturschutz, Energiegewinnung, Marktproduktion

Prof. Dr. Michael Bollig

Institut für Ethnologie - Universität zu Köln

Während insbesondere populäre Darstellungen der Region den Nordwesten Namibias als „old south-west“ darstellen und hervorheben, dass sich zumindest in dieser Region Mensch-Umwelt-Beziehungen über viele Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte nicht veränderten, sollen in dem hier beantragten Vorhaben, vor allem historische Brüche und der Wandel von Mensch-Umweltbeziehungen heraus gearbeitet werden. Ich möchte dabei insbesondere darstellen, wie globale Agenden der Modernisierung, des Artenschutzes und der Nachhaltigkeit auf die ländliche Gesellschaft des nordwestlichen Namibia wirken, wie diese Agenden lokal angeeignet werden und sich daraus lokale Institutionen entwickeln.

Ich werde dabei folgende thematische Bereiche ansprechen:
(1) Während die südafrikanische Verwaltung die Wirtschaft der Region durch flächendeckende Brunnenbohrungen in den 1960er und 1970er Jahre modernisieren wollte, möchte die namibische Regierung ähnliches durch Infrastrukturmassnahmen und einen Grossdamm am Kunene erreichen. Institutionelle Reaktionen der betroffenen Bevölkerung reichen von Institutionen des Weidemanagements um die neugeschaffenen Brunnen, bis hin zu auch global artikuliertem Widerstand gegen die Dammbaumassnahmen.
(2) Während noch um 1900 die Region für ihren Elefantenreichtum bekannt war und Elefanten möglicherweise noch vor dem Menschen als wichtigste Landschaftsarchitekten auftraten, wurde der Elefantenbestand zwischen 1900 und den 1970er Jahren fast ausgerottet. Erst durch die Arbeit international finanzierter NGOs und unter dem Label „Schutz des Wüstenelefanten“ erholten sich die Bestände seit etwa 1980. Im Rahmen der Schutzmaßnahmen wurde zudem mit dem Conservancy System ein neues Landrechtssystem eingeführt, dass grundlegend Zugangsrechte zu natürlichen Ressourcen fixiert.
(3) Die Vegetation der Region hat sich in den letzten fünfzig Jahren deutlich verändert. Dies berichten nicht nur Agrarexperten sondern auch lokale Beobachter, die eine massive Veränderung von perennierenden hin zu annuellen Gräsern feststellen. Durch NGOs eingeführt wird in grazing associations in mehreren Conservancies heute mit einer Form des Weidemanagements experimentiert, die als holistic range management in den Fachjournalen geführt wird und den internationalen Ruf hat, Nachhaltigkeit
mit hohen Besatzdichten zu vereinen.

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