Armes reiches Land Äthiopien Donnerstag, 16. November 2006

Armes reiches Land Äthiopien

Dr. Karl Herweg

Centre for Development and Environment (CDE), Universität Bern

Fruchtbare Böden auf relativ jungem vulkanischen Gestein und Niederschläge, die z.T. zwei Ernten ermöglichen, machten das Hochland von Äthiopien zu einem landwirtschaftlichen Gunstraum. Zurzeit sind 85% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, die 45% des Bruttosozialproduktes und 90% der Deviseneinnahmen erwirtschaften. Das gesamte Land wird intensiv genutzt, und Schädigungen der Ressourcen Boden, Wasser, Pflanzen und Tiere sind die Folge. Auch der sekundäre Sektor hängt mit den Hauptprodukten Textilien, Leder, Früchten, Gemüse und Blumen überwiegend von der Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen und der Landwirtschaft ab.

Nachdem die sozialistische Regierung 1991 entmacht wurde und auch der ehemalige Ostblock keine nennenswerte Wirtschaftshilfe mehr bereitstellte, war Äthiopien zunehmend auf westliche Hilfe angewiesen. In diesem Zusammenhang wurde von Äthiopien eine folgenreiche Strukturanpassung gefordert. Der Dienstleistungsbereich gewann seit den 90er Jahren zwar langsam an Bedeutung, vor allem im Bereich Transport, Kommunikation und Tourismus. Aber die Entwertung der Währung führte zur Verringerung des Exporteinkommens. Die Handelsliberalisierung machte viele zuvor geschützte Betriebe unwirtschaftlich. Tausende Angestellte wurden entlassen, fanden jedoch keine Beschäftigung in anderen Sektoren. Der Verlust ihrer Kaufkraft stellt auch private Händler vor immense Probleme. Mittlerweile können viele Menschen in den Städten ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen. Der informelle Arbeitssektor gewinnt an Bedeutung. Welche Aussichten hat ein Land unter diesen Voraussetzungen? Gibt es Alternativen zur Landwirtschaft? Wo liegen Potenziale, wo liegen die Hemmnisse für die Entwicklung des Landes?

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