Nr. 51/3

Nr. 51/3

Planung und Angewandte Geographie

Da sich geographische Forschung mit den räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Realität in Stadt und Landschaft befasst, kann sie jenen Praxisbereichen zuarbeiten, die sich in Politik, Verwaltung, Planung und Wirtschaft mit Städten und Regionen befassen und diesen eine bessere Zukunft bringen sollen.

Die Heftlektüre zeigt, dass Geographie – wie manche andere Wissenschaften auch – eine Vielzahl von Bereichen bearbeitet, die Ergebnisse liefern, welche sich direkt in der Praxis umsetzen lassen. Dies ist vielen Studierenden Motivation und Hintergrund, warum sie dieses Fach überhaupt studieren. In der Geographie stehen die Chancen besonders hoch, dass die Ergebnisse einer Master- oder Lizentiatsarbeit direkt auf Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse in Verwaltung oder Politik Einfluss nehmen. Mögen sie dort auf fruchtbaren Boden fallen und einer weiteren Zersiedelung unserer Landschaften wirksam entgegentreten.


Zur Anwendung von Geographie

Hartmut Leser und Rita Schneider-Sliwa

Die Geographie befasst sich mit der Realität der Gesellschaft in Zeit und Raum. Damit ist sie jenen Praxisbereichen nahe, die sich in Politik, Verwaltung, Planung und Wirtschaft mit Städten und Regionen beschäftigen. Unter Beachtung der Theorien der Geographie werden aktuelle und künftige Raumentwicklungen untersucht und durch anwendungsgeeignete Ergebnisformen an die Praktiker herangetragen. Unter Bezug auf die in diesem Heft vorgestellten Ergebnis- und Projektberichte kann gezeigt werden, dass zwischen Bedürfnissen und Anforderungen der Praxis einerseits – vor allem der Raum- und Stadtentwicklung und deren Planungen – und fachgeographischen Forschungsergebnissen andererseits ein enger Zusammenhang besteht.


Überkommunale Raumplanung: Eine gemeinsame Industrie- und Gewerbezone im Naturpark Thal (Kt. Solothurn)

Thomas Löliger

Die Zersiedlung in der Schweiz schreitet rasch voran und wird seit Jahren von verschiedensten Seiten moniert. Eine wirksame Strategie dagegen wurde bis jetzt nicht gefunden. Die Region Thal im Solothurner Jura versucht ihren Beitrag zu leisten mit einer so genannten “Regionalen Arbeitsplatzzone” (RAZ). Vorerst zwei Gemeinden wollen auf einer gut erschlossenen Industrie- und Gewerbezone neue Betriebe ansiedeln und sowohl Aufwand wie Erträge teilen. Im Gegenzug verzichtet die eine Gemeinde auf eine Einzonung von eigenen Landreserven. Die Promotoren hoffen, dass sich weitere Gemeinden anschliessen.


Innenverdichtung vor Aussenentwicklung – Der Weg zu einem sparsamen Flächenverbrauch?

Jana Hartenstein-Janssen

Obwohl die Dringlichkeit der Eindämmung des Flächenverbrauchs auf jeder Ebene der Raumplanung in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt worden ist, kann derzeit keine Trendwende verzeichnet werden. In diesem Prozess ist die Rolle der Kommunen massgebend. Der vorliegende Bericht greift das Thema Flächenmanagement am Beispiel Verwaltungsgemeinschaft Lörrach-Inzlingen auf.


Struktur- und Ereigniskarten als Monitoringinstrumente. Das Beispiel “Gebäudeunterhalt” von Stadtentwicklung Basel Nord

Mathias Barmettler

Die Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt schuf im vergangenen Jahrzehnt zusammen mit dem Statistischen Amt ein Beobachtungsinstrument, um Strukturen und Prozesse in öffentlichen Räumen und in ausgewählten Gebieten zu erfassen. Die entsprechenden Informationen werden seither in Struktur- und Ereigniskarten festgehalten. Eine dieser Strukturkarten ist dem Unterhalt der Gebäudefassaden sämtlicher bewohnter Immobilien im Unteren Kleinbasel gewidmet. Die benötigten Daten wurden während mehrmonatiger Feldaufnahmen vom Autor erhoben, mit GIS kartographisch dargestellt und statistisch ausgewertet sowie in Expertengesprächen auf ihre Validität geprüft.


Sozialhilfe in Basel – Räumliche Strukturmuster und deren Dynamik

Remo Saner

Die gegenwärtig unvorteilhaften demographischen und wirtschaftlichen Entwicklungen setzen den Sozialstaat Schweiz und seine Institutionen unter Druck. Immer mehr Menschen geraten, z. T. trotz Arbeit, in Sozialhilfeabhängigkeit. Infolge von Arbeitsplatzabbau und selektiven Abwanderungen steigt in Städten die Gefahr räumlicher Konzentrationen von Armut. Der folgende Beitrag bietet eine Auswahl an Ergebnissen aus einer Masterarbeit, in der die räumlichen Strukturmuster von Sozialhilfeempfängern in Basel thematisiert wurden. Im Hinblick auf integrale Stadtplanung und soziale Integration stellt das Aufzeigen räumlicher Verdichtungen von Armut ein wichtiges Unterfangen dar.


Die Verbleibsquote von Absolventen der Universität Basel

Benjamin Wieland

Der Beitrag untersucht die Verbleibsquote von Absolventen der Universität und vergleicht sie mit den Werten der anderen elf Schweizer Universitäten. Weiter wird den zwei Fragen nachgegangen, in welche Regionen die abgewanderten Absolventen gezogen sind und ob es Fachbereiche gibt, welche stärker von Abwanderung betroffen sind als andere. Als Datengrundlage dient ein Fragebogen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2005 mit 277 Antworten. Die Befragung erfolgte durchschnittlich fünf Jahre nach Studienabschluss. Die Studie belegt eine relativ hohe allgemeine Verbleibsquote. Werden die einzelnen Fachbereiche getrennt betrachtet, so zeigen sich grosse Unterschiede: In Fächern, welche dem Profilierungsbereich “Kultur” zuzurechnen sind, ist die Verbleibsquote überdurchschnittlich hoch. Bei den “Life Sciences” sind grössere Wegzüge zu beobachten. Von den Absolventen der naturwissenschaftlichen Fächer sind fünf Jahre nach Abschluss nur noch etwas mehr als die Hälfte in der Arbeitsmarktregion Basel wohnhaft. Die tiefste Verbleibsquote weisen die Wirt¬schafts-wissenschaften auf.


Der Einzelhandel und Einkaufsbeziehungen in Grenzorten am Oberrhein

Marc Funk

Die zunehmenden Verflechtungen am Oberrhein haben zur Ausbildung eines trinationalen Wirtschaftsraumes mit hoher Standortattraktivität für Unternehmen und Personen geführt. Der grenzübergreifende Alltag der Bürger spielt sich überwiegend in den Bereichen Kultur, Freizeit und Einkaufen ab. Der Einzelhandel in den Grenzorten Kehl, Lörrach und Weil am Rhein profitiert von der räumlichen Nähe zu Strasbourg und Basel, einem in verschiedenen Sortimenten bestehenden Preisgefälle sowie der Lust der Nachbarn auf Spezialitäten und auf ein anderes Einkaufserlebnis. Für die Zukunft gilt es, die Kunden aus den Nachbarländern nicht nur durch Preisunterschiede, sondern vor allem durch strategische Stadtmarketingkonzepte dauerhaft zu binden.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch