Nr. 51/2

Nr. 51/2

Aktuelle physiogeographische Forschung

Die aktuelle physiogeographische Forschung am Geographischen Institut der Universität Basel beschränkt sich nicht nur auf die Region. Basler Physiogeographinnen und Physiogeographen sind auch in der übrigen Schweiz, in Europa wie auch in Übersee tätig. Dabei ist – wie das vorliegende Heft der REGIO BASILIENSIS zeigt – eine breite thematische und methodische Ausrichtung erkennbar. Die Erforschung von Prozessen, welche in der Natur unter den verschiedensten Einflussgrössen ablaufen, hat nach wie vor nicht an Aktualität eingebüsst.

 

 

 


Entwicklung der Landschaftszerschneidung im Hochrheintal. Darstellung und Auswertung für die Jahre 1930, 1955, 1980 und 2005

Matthias Bleile

Als Landschaftszerschneidung wird die Fragmentierung von zusammenhängenden Ökotopen durch anthropogen erstellte Strukturen mit Barriereeffekt – wie beispielsweise Verkehrsbauten – bezeichnet. Hauptfolgen sind neben einer beeinträchtigten Erholungseignung für Menschen die Einwirkungen auf Wildtierpopulationen, für deren Artenverlust die Landschaftszerschneidung eine namhafte Ursache ist. Mithilfe der Methode der effektiven Maschenweite wurde die Zunahme der Fragmentierung des Hochrheintals dargestellt und ausgewertet.


Anwendung hochauflösender Geländemodelle. Identifikation von Quellgebieten und Abflussflächen in landwirtschaftlich genutzten Zonen von Riehen und Bettingen

Alexandra Wegmüller-Gerber

In den Basler Landgemeinden Riehen und Bettingen sind viele landwirtschaftlich genutzte und angrenzende Siedlungsflächen durch Oberflächenabfluss gefährdet. Da unbearbeitete Geländemodelle oftmals nicht die wahre Hydrologie der Oberfläche abbilden, wurden entsprechend ergänzte Geländemodelle entwickelt und getestet. Mit Hilfe von hochauflösenden hydrologisch “wahren” Geländemodellen wurden Abflusswege in gefährdeten Gebieten simuliert. Dabei wurden die Auswirkungen von Anpassungen in Rasterauflösung und die Eignung von verschiedenen Algorithmen zur Berechnung des Oberflächenabflussweges untersucht. Anhand der optimierten Modelle können bessere Prognosen für die unter normalen Umständen zu erwartenden Abflusswege erstellt werden.


Archive der Landdegradierung. Alpinspektionsberichte als Quelle für die Rekonstruierung von Landnutzung und Landdegradierungsprozessen im Urserntal

Chatrina Caviezel

Die mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft einhergehende veränderte Art und Intensität der Nutzung sowie der sich abzeichnende Klimawandel erhöhen die Verwundbarkeit alpiner Böden gegenüber Massenbewegungsprozessen und Degradierung. Anhand der Analyse von Alpinspektionsberichten wurde die Frequenz der Massenbewegungen für das Urserntal zeitlich und räumlich auf jährlicher Basis von 1950 bis 2000 rekonstruiert. Die Analyse zeigt eine Zunahme der Ereignisse seit 1970 sowie eine ungleichmässige zeitliche und räumliche Verteilung der Massenbewegungen. Der Vergleich der Landnutzungsgeschichte und der Niederschlagstrends weist darauf hin, dass der Wandel in der Landwirtschaft neben der Zunahme an extremen Regenereignissen die Häufigkeit von Massenbewegungen beeinflussen kann.


Die Verschiebung der Waldgrenze im Kananaskis Country, Kanada. GIS-basierte Analyse des Waldgrenzökotons durch den Vergleich von Ortho- und Luftbildern

Tobias Providoli

Mit der Hilfe von Luft- und Orthobildern von 1949 und 1999 wurde in dieser Studie die Waldgrenze in einem Gebiet im Kananaskis Country in den kanadischen Rocky Mountains untersucht. Das Ziel war es, die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Waldgrenze auszumachen und vor allem die mögliche Wirkung von Klimaerwärmung und Oberflächenprozessen zu unterscheiden. Die Ergebnisse zeigten, dass nicht alle Zunahmen der Waldbedeckung auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, sondern auch auf die nach Waldbränden folgende Sukzession.


Einbezug der Abfolge von Niederschlag und Austrocknung in die Bestimmung der Bodenerodibilität

Nikolaus J. Kuhn & Wolfgang Fister

Ein Hauptlimitierungsfaktor bei der Vorhersage ereignisbasierter Bodenerosionsraten ist die fehlende Einbeziehung kurzzeitiger Interaktionen zwischen Boden und Klima. Aufgrund des komplexen Zusammenwirkens und der hohen zeitlichen Variabilität von Niederschlag, Oberflächenabfluss und Austrocknung – in Abhängigkeit von den vorhandenen Bodeneigenschaften – erscheint die Entwicklung von physikalisch-basierten Bodenerosionsmodellen sehr unwahrscheinlich. In dieser Untersuchung wurden die Auswirkungen der Interaktion zwischen Boden und Klima auf die flächenhaft wirkende Erosion im Zwischenrillenbereich (sog. Interrill-Erosion) anhand von zwei Böden aus Mexiko untersucht und eine prozessbasierte Matrix für die Bestimmung von kurzzeitigen Schwankungen der Bodenerodibilität entwickelt. Die Matrix ermöglicht eine qualitative Abschätzung der Variabilität der Bodenerodibilität in einem gegebenen Boden-Klima Regime. Sie kann dazu verwendet werden, geeignete Erosionsereignisse für die Kalibrierung von Erosionsmodellen auszuwählen und die Unsicherheiten bei der Vorhersage von Ereignissen zu bestimmen.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch