Mythos Klimakriege: Sehen wir am Horn von Afrika, was uns in Zukunft erwartet? Donnerstag, 11. März 2010

Mythos Klimakriege: Sehen wir am Horn von Afrika, was uns in Zukunft erwartet?

Prof. Dr. Benedikt Korf

Geographisches Institut der Universität Zürich

Die als Folge des globalen Klimawandels erwartete Verknappung von natürlichen Ressourcen wird, so unterstellt Harald Welzer in seinem neuen Buch „Klimakriege“, unweigerlich zu einer Ausweitung gewalttätiger Konflikte und zum Zusammenbruch fragiler Staaten in Afrika und anderen marginalen Regionen der Welt führen. Das Horn von Afrika und hier insbesondere Somalia werden oft als Beispiel angeführt, wie zunehmende Ressourcenknappheit und fragile Staatlichkeit zu Anarchie, Chaos und Gewalt führen. Somalia erscheint als Beispiel dafür, was wir in Zukunft in viel größerem Masse zu erwarten haben werden.

Neuere Forschungsarbeiten zeigen jedoch, dass der Zusammenhang zwischen Ressourcenknappheit und Gewaltkonflikten weniger eindeutig ist als von Welzer und anderen Beobachtern unterstellt. Eine fundierte Analyse der Konflikte am Horn von Afrika zeigt die komplexen Zusammenhänge sozialer, ökonomischer und politischer Faktoren, welche Gewaltkonflikte beeinflussen und staatliche Ordnungen aushöhlen. Kampf um knappe Ressourcen ist hierbei ein, nicht jedoch der bestimmende Faktor für die zunehmende Desintegration der somalischen Gesellschaft. Das Beispiel Somalia zeigt deshalb klar, dass apokalyptische Parolen à la Welzer nicht hilfreich sind, zukünftige Herausforderungen um die Nutzung knapper Ressourcen zu analysieren.

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