Nr. 55/1

Nr. 55/1

Kulturlandschaftsdynamik Nordwestschweiz

Die Annahme der Masseneinwanderungs- und Zweitwohnungsinitiative sind auch als Zeichen zu verstehen, dass sich die Menschen aktiv für einen vernünftigeren Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, seien es Grünflächen, Energie, Verkehr oder Arbeitsplätze, einsetzen wollen. Die vorliegene Ausgabe der Regio Basiliensis passt vor diesem Hintergrund sehr gut zu den aktuellen Unsicherheiten und Debatten, die den gesellschaftspolitischen Alltag prägen.

 

Die Zwischenstadtproblematik und die Basler Agglomeration

Hartmut Leser

Die Agglomeration Basel ist länderübergreifend. Die Zwischenstadtprobleme stellen sich in den drei nationalen Teilen der Regio Basliensis ähnlich dar. Der Artikel konzentriert sich vor allem auf die schweizerischen Teile. Als "Zwischenstadt" gilt der wenig gegliederte und eine eigenen Struktur bildende Nutzungsmix zwischen den Ortskernen. Er wächst in die sog. "freie" Landschaft hinein, d.h. in die agrarisch genutzte Kulturlandschaft. Der unbefangene Bewohner der Agglomeration gewinnt daher den Eindruck, dass nicht geplant wird. Natürlich wird geplant, doch die Planung greift nicht - jedenfalls nicht so, dass Strukturen entstehen, die der Bewohner als "wirklich", also als lebenswerten heimischen Raum empfindet. Eine der Ursachen ist die Gemeindeautonomie, nach der die Vorgaben der kantonalen RIchtpläne ganz verschieden umgesetzt werden,


Grenzgänger in der Nordwestschweiz.
Grenzüberschreitende Mobilität im Kontext der neuen Zuwanderung

Christine Griebel

Die jüngsten ENtwicklungen in der grenzüberschreitenden Pendlemobilität in der nordwestschweiz werden anhand der öffentlichen Grenzgängerstatistiken untersucht. Im Mittelpunkt stehen Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels und der Personenfreizügigkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass veränderte Beschäftigungsfelder und Berufe der Grenzgänger die klassischen Berufsfelder der Grenzgänger in der chemischen Industrie und als Hilfsarbeitskräfte ergänzen. Damit spiegeln sie den Strukturwandel und die allgemeine Zuwanderung von Fachkräften wider. Die vielfältigere Zusammensetzung der Grenzgänger hinsichtlich Nationalität und Herkunft zeigt eine langsame Enwicklung vom lokalen grenzüberschreitenden Phänomen hin zu europäischer und internationaler Vernetzung in der trinationalen Region.


Die Kulturstadt Basel aus Siche von jungen Erwachsenen.

Rita Schneider-Sliwa & Ramon Gonzalez

Kultur spielt im internationalen Standortwttbewerb eine wichtige Rolle. Als weicher Standortfaktor ist sie vor allem für Arbeitnehmer im tertiären und quartären Sektor wichtig. Konsequenterweise ist das Basler Kulturangebot vor allem auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet. Ziel dieser Studie war die Erfassung der Kunst- und Kulturszene aus dem Blickwinkel von jungen einheimischen Erwachsenen. Die Ergebnisse zeigen, dass junge Basler Erwachsene das lokale Angebot schätzen. Motivationen für den Besuch des Kulturangebots sind vor allem Interesse und Spass. Allerdings haben sie ehe zu wenig Zeit und Geld dafür. Auch wird eine grössere Auswahl im Angebotsspektrum vermisst. Die Kultrförderung darf nicht nur auf ein "höheres" Segment des Angebots (z.B. Museen, Grossanlässe) ausgerichtet sein, sondern muss auch aktiv an der Basis ansetzen, wo Kultur aktiv erschaffen wird.


Zwischennutzung in Basel:
Ein Meinungsbild über das Erlenmatt-Areal.

Martin Berger

Ziel des Artikels ist es, ein fundiertes Meinungsbild bezüglich ausgewählter Themen rund um das Stadtentwicklungsgebiet Erlenmatt in Basel darzustellen. Ausgehend von den übergeordneten Forschungsfragen "Soll bei einer Zwischennutzung der Aspekt der Nachfolgenutzung mit einbezogen werden?" und "Inwiefern übt eine Zwischennutzung Auswirkungen und Einflüsse auf die Nachfolgenutzung aus?" wurden die verschiedenen Meinungen erfasst und im Rahmen einer Lizentiatsarbeit analysiert. Das Meinungsbild ergab eine grundsätzlich positive Einstellung der befragten Akteure bezüglich der Zwischennutzung. Eine differenziertere Meinungsvielfalt besteht gegenüber dem neu entstehenden Stadtteil Erlenmatt insgesamt.


Zur Stiftungslandschaft des Kantons Basel-Landschaft.
Eine Analyse der gemeinnützigen Stiftungen aus geographischer Sicht.

Irene Reynolds Schier

Als Teil der Gesamtstudie zur räumlichen Ordnung und Struktur der Schweizer Stiftungslandschaft wurden Fragen zu den Standorten und Wirkungskreisen gemeinütziger Stiftungen im Kanton Basel-Landschaft erstmals bearbeitet. Ziel war es, geographische Gesichtspunkte zu beleuchten und kartographisch darzustellen. Am Beispiel des Kantons Basel-Landschaft zeigte es sich, dass sich dessen Stiftungen hauptsächlich auf die zwei Bezirke Arlesheim und Liestal konzentrieren, wobei die meisten Stiftungen am Hauptort des Kantons lokalisiert sind. Das restliche Gebiet ist stiftungsarm. Überwiegend unterstützen oder erbringen die Baselbieter Stiftungen lokale und kantonale soziale und kulturelle Leistungen. Andere Tätigkeitsfelder sind selten. Schweizweit oder gar international tätig ist kaum einer der untersuchten Stiftungen. Sind die weiteren Kantone erfasst, wird sich herausstellen, inwieweit die übrige Schweizer Stiftungslandschaft diesem Muster folgt.


Radverkehrsförderung in Dresden und Nürnberg.
Erfolgsaktoren und Hemmnisse.

Constanze Knaier

In einer Masterarbeit über die Radverkehrsförderung in Dresden und Nürnberg wurde die Radverkehrspolitik in den beiden Städten analysiert. Ziel war es, jeweils Erfolgsfaktoren und Hemmnisse zu identifizieren und bestehende Erkenntnisse über eine wirkungsvolle nachhaltige Verkehrspolitik zu erweitern. Die Arbeit widmete sich dabei den Fragen nach dem Wie und Warum erfolgreicher städtischer Radverkehrsförderung. Hierfür wurde zunächst auch geklärt, worin eine erfolgreiche Radverkehrsförderung besteht (Was?). Im Ergebnis liessen sich die bislang bestehenden Erkenntnisse über Erfolgsdeterminanten nachhaltiger Verkehrspolitik weitgehend bestätigen. Als Schlussfolgerung konnte festgehalten werden, dass eine klare Positionierung zum Stellenwert der Radverkehrsförderung im Rahmen verkehrspolitischer Prioritäten empfehlenswert wäre. Auch Begleitmassnahmen durch Restriktionen des Autoverkehrs sollten auf nationaler Ebene offen  angesprochen werden. Für die Wissenschaft empfiehlt es sich, Fachinformationen noch besser an die Nutzung durch städtische Verwaltungen anzupassen und entsprechend aufzubereiten. Darüber hinaus scheinen vermehrte Kooperationen mit Akteuren ausserhalb des Verkehrssektors sinnvoll, um den Druck auf die Politik speziell bezüglich einer klaren Prioritätensetzung innerhalb der Verkehrspolitik und überprüfbarer Zielformulierungen der Radverkehrspolitik zu erhöhen. 


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch