Nr. 55/2

Nr. 55/2

Stadt und Region Basel - urbane Vielfalt

Das vorliegende Heft beleuchtet das Thema urbane Vielfalt von der eher qualitativen Seite. Gefragt wird weniger nach dem wie viel, sondern vielmehr nach dem warum oder dem wohin. Im Zentrum steht die spezifische Wahrnehmung des urbanisierten Raumes, insbesondere Fragen nach verschiedenen Lebensformen und Unterscheidungen zwischen sich und anderen. Die Stadt hat als Wohnort eine herausragende Bedeutung in der Gesellschaft und damit auch als (geographisches) Forschungsobjekt. Mit der fortlaufenden Urbanisierung wird Landschaft immer stärker in Ballungszentren integriert und räumliche, aber auch soziale Grenzen für die immer mobilere Bevölkerung zunehmend verwischt.

 

 

In Basel fliesst nur der Rhein - zur Wahrnehmung von Stadt am Beispiek eines dringenden Bedürfnisses

Michel Massmünster und Franco Bezzola

Wie Basel in einem spezifischen Moment wahrgenommen wird, erfolgt nicht unabhängig von Beschreibungen der Stadt und städtebaulichen Gestaltungen. Der Artikel nimmt eine flüchtige persönliche Erfahrung auf der neu gestalteten Basler Rheinpromenade zum Anlass, um Stadtwahrnehmung als konstitutives Element der Herstellung von Stadt zu betrachten. Anhand eines Toilettencontainers wird ersichtlich, wie mit der vielschichtigen Herstellung von Basel die Stadt historisiert und gereinigt wird.


Stadtforschung und Fotografie - näher als man denkt

Brigitte Lustenberger

Auch wenn die Stadtforschung in vielerlei Hinsicht interdisziplinär arbeitet, wird die Fotografìe
noch immer etwas stiefrnütterlich behandelt. Dies obwohl Fotografen den Stadtraum schon lange
und intensiv erforschen. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie ähnlich die Arbeitsweisen von
Fotografen und Forschenden sind, und welche Gründe hinter der Skepsis gegenüber der Fotografie
in sozialwissenschaftlichen Kreisen liegen könnten.


Mit blosser Hand - Gärtnern im Freizeitgarten als Antidot postmoderner Entfremdung

Bettina Nägeli

Die Stadt als Universum von Möglichkeiten, Akteuren und Praktiken, bietet dem kulturanthropologisch-
forschenden Blick - eines Blickes mit der Lupe auf den Alltag gleich - unendlich viele Forschungsfelder.
Der Artikel widmet sich der Darstellung und Diskussion von Praktiken im städtischen Freizeitgarten; einer Form des Gärtnerns, die in der Schweiz auf eine über einhundertjährige Geschichte zurückblicken kann. Basierend auf der Masterarbeit "Mit blosser Hand- Gärtnern als Antidot postmoderner Entfremdung", die an der Universität Basel abgeschlossen wurde, wird nachfolgend das Gärtnern im Freizeitgarten als Praxis des Selbermachens und darin als spezifische Form von Aneignung fokussiert.


Basler Sportvereine und Integration - eine lebensweltliche Betrachtung des Integrationspotenzials von Sportvereinen im Raum Basel

Simone Sattler

Vereinssport stellt einen wichtigen Sektor im Bereich der Freizeitbeschöftigungen von Jugendlichen in der Schweiz dar. Dabei hat der Vereinssport nicht nur den Zweck der körperlichen Betätigung, sondern er kann auch sozial und räumlich integrativ wirken. Welche Faktoren dafür massgeblich verantwortlich sind, wurde im Rahmen einer empirischen Promotionsarbeit untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Sportvereine am ehesten dann eine aktive und wichtige Rolle für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der Schweizer Gesellschaft spielen, wenn ein Sportverein unter anderem den Leitgedanken des Integrationsleitbildes des Kantons Basel-Stadt entsprechend geführt wird und sich seine Mitglieder mit dem Verein und dessen vermittelten Normen und Werten identifizieren können.


Zwischen Bedeutungslosigkeit und mentaler Abgrenzung - zur Wahrnehmung der Kantonsgrenze zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft aus Perspektive der Anwohnerinnen und Anwohner

Michelle Bachmann

Der Kanton Basel-Stadt ist umgeben von nationalen und kantonalen Grenzen. In qualitativen Interviews
mit Personen, die direkt an der Grenze zwischen den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft leben, wurde nach deren Wahrnehmung der Grenze gefragt und die Bedeutung des Grenzraums für ldentitätskonstruktionen erforscht. Dabei lässt sich feststellen, dass die Grenzlinie im Alltag eine gewisse Bedeutungslosigkeit erhält, während es zu emotional diskutierten kollektiven Zuschreibungen über die 'Nachbarn' auf der anderen Seite der Grenze kommt.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch