Nr. 55/3

Nr. 55/3

Aktuelle geowissenschaftliche Forschung in der Regio Basiliensis

Die verschiedenen Forschungsgruppen im Departement Umweltwissenschaften erforschen in biogeographischen Erdräumen unterschiedlicher Grösse die Zusammenhänge zwischen Organismen untereinander und zu ihrer Umwelt und deren Geoökofaktoren aus disziplinärer Sicht separativ oder integrativ. Das vorliegende Heft zeigt, wie wissenschaftliches Verständnis der Umwelt und die Erarbeitung von Lösungsansätzen zur Bewältigung der anstehenden Umweltprobleme beitragen kann.

 

 

 

 

Naturnahe Quellen und ihre Lebensgemeinschaften -
zenn Jahre Forschung im Röserental bei Liestal

Stefanie von Fumetti

Die naturnahen Quellen in der Regio Basiliensis werden seit über zehn Jahren erforscht, wobei faunistisch-ökologische Untersuchungen im Mittelpunkt stehen. Das Hauptuntersuchungsgebiet ist hierbei das Röserental bei Liestal, in dem auf engem Raum noch viele ökologisch wertvolle Quellen zu finden sind. Insbesondere die Quellfauna wird neben struktureller und chemisch-physikalischer Parameter quantitativ erfasst. Es zeigt sich, dass neben Rheokrenen und Helokrenen vor allem die Kalksinter-Rheokrenen vorherrschend sind. Die Analyse der faunistischen Daten zeigt auf, dass die Quellfauna einer gewissen Dynamik unterliegt, sich aber im Laufe der letzten zehn Jahre nicht stark verändert hat. Die Ausprägung des Quelltyps scheint einen signifikanten Einfluss auf die Zusammensetzung der Quellfauna zu haben.


Künstliche Grundwasseranreicherung für die Trinkwassergewinnung:
Untersuchungen zur Nachhaltigkeit der Reinigungsleistung bei der Bodenpassage am
Standort "Lange Erlen" (Basel)

Florian R. Storck, Kirsten Schütz, Richard Wülser, Peter Nagel und Christine Alewell

In der Trinkwassergewinnungsanlage Lange Erlen in Basel wurden der Rückhalt von organischen Verbindungen und die zugrunde liegenden Prozesse sowie der Einfluss der Mikroorganismen und der Bodenfauna untersucht. In modellhaften Säulenversuchen und in Feldstudien erwies sich das System als sehr leistungsfähig und nachhaltig. Die Reinigungsleistung beruht nur zum Teil auf Verdünnung, einen wesentlichen Anteil haben biologische Prozesse. Das Wässerungsregime beeinflusst auch díe Míkroorganismen (Artenzusammensetzung, Biomasse, Aktivität) und die Regenwurmfauna (Artenzusammensetzung, Biomasse, Dichte).


Quartiere zwischen Realität und Konstruktion
Von sozialräumlichen Strukturen und Prozessen zu raumbezogenen Wahrnehmungsbildern im Stadtraum: Das Beispiel ausgewählter Quartiere in Basel

Esther Gloor

In der postmodernen Gesellschaft und unter postfordistischen wirtschaftlichen Entwicklungen haben Reurbanisierungsprozesse und sozialer Wandel innerstädtisch zu neuen sozialräumlichen Strukturen geführt - sowohl innerhalb von Quartieren als auch über Quartiersgrenzen hinweg. Strukturmuster und Faktoren der Raumwahrnehmung, -bewertung und -bindung haben sich damit verändert und sind vermehrt ins Interesse von Stadtplanungs- und Stadtentwicklungsmassnahmen gerückt. Am Beíspiel Basels werden sozialräumliche Strukturen und Entwicklungen im Zusammenhang mit Raumwahrnehmung, amtlich-statistischen Quartierseinheiten sowie der gebauten Umwelt betrachtet. Die Resultate zeigen eine enge Verknüpfung von Sozialraum, gebauter Umwelt, Raumwahrnehmung und raumbezogener Image- sowie ldentitdtsbildung. Dabei wird eine verstärkte Identitäts- gegenüber einer Imageorientierung in Stadtentwicklungsfragen vorgeschlagen.


Klimaanalyse der Stadt Zürich (KLAZ)

Eberhard Parlow, Ute Fehrenbach und Dieter Scherer

Die Berücksichtigung von Klima und Lufthygiene in der räumlichen Planung hat das allgemeine Ziel, die zukünftige Entwicklung der Landnutzung und ihre konkrete Ausgestaltung so zu planen, dass negative Effekte auf das lokale Klima reduziert bzw. vermieden, positive Auswirkungen hingegen erhalten bzw. gefördert werden. mit der Klimaanalyse der Stadt Zürich (KLAZ), die im Auftrag der Umweltschutzfachstelle der Stadt Zürich durchgeführt wurde, sollte dieses allgemeine Ziel für die Stadt Zürich unterstützt und in eine planerisch verwertbare Form umgesetzt werden. Sommerliche Wärmebelastung, austauscharme Wetterlagen sowie lokale und mesoskalige Windsysteme üben einen wesentlichen Einfluss auf die Klimasituation der Stadtbevölkerung aus. Zur Sicherung einer günstigen klimatischen und lufthygienischen Situation Zürichs kommt der planerischen Steuerung der Raumentwicklung eine besondere Bedeutung zu. Die Basis hierzu stellt die Generíerung räumlich dffirenzierter Informationen zu den relevanten klimatischen und lufthygienischen Sachverhalten im Untersuchungsgebiet dar.
Die Konzeption von KLAZ ist auf die Verwendung automatisierter Verfahren hin ausgerichtet. Eingangsdaten in Form flächendeckender, hochaufgelöster, räumlich und zeitlich homogener Satellitendaten sowie GIS-Daten zur Erfassung der aktuellen Landbedeckung, des Reliefs und damit verbundener Strukturparameter, dienen der Generierung aller Zwischen- und Endergebnisse durch Anwendung numerischer Analyse- und Bewertungsmodelle ohne manuelle lntervention. Da im Allgemeinen Studien wie KLAZ nur in grösseren Zeitabständen wiederholt werden, werden nur solche Daten verwendet, die sich nicht auf meteorologische Einzelsituationen beziehen, sondern über viele Jahre hinaus Gültigkeit besitzen.
Alle aus den Eingangsdaten abgeleiteten Informationsschichten können durch Umrechnung in verschiedene Rasterauflösungen in einer den Bedürfnissen der jeweiligen Fachplanung adäquaten räumlichen Dffirenzierung dargestellt und miteinander kombiniert werden.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch