Nr. 54/2

Nr. 54/2

Basel als Schwerpunkt der Wissensgesellschaft

Europa hat in den letzten zwei Jahrzenten den Wandel von einer Industrie- in eine Informtionsgesellschaft vollzogen, in der Menschen ihr Leben zunehmend nicht nach Landesgrenzen, sondern nach Wissens- und Wirtschaftsschwerpunkten ausrichten. Auch die Region Basel ist Teil dieses Prozesses, und die vorliegende Ausgabe der Regio Basiliensis richtet ihr Augenmerk auf diese Umwandlung der Region in eine Wissensregion; eine Umwandlung, die viele Veränderungen mit sich bringt und einen Einfluss auf fast alle Aspekte der Stadt- und Regionalentwicklung hat, sei es auf der stadtplanerischen Ebene, oder hinsichtlich der Internationalisierung der Hochschulen.

 

 

Wissensstandort Basel - raumplanerische und städtebauliche Visionen und ihre sozialen Herausforderungen

Matthias Drilling

Wissen gilt als entscheìdende Ressource für die zukünftige Leistungsfähigkeit der Schweiz und ihre Positionierung im internationalen Wettbewerb. Entsprechend richtet sich die Schweizer Politik auf die Förderung wissensintensiver Bereiche in Wirtschaft und Bildung aus; der Kanton Basel-Stadt nutzt bei der Entwicklung seine Grenzlage. Dabei ist beobachtbar, dass sich die naheliegenden Gemeinden in Deutschland und Frankreich seit geraumer Zeit städtebaulich auf den Wissensstandort Basel ausrichten. In der Kernstadt selbst werden Gegenbewegungen wahrgenommen, die Themen wie Verdrängung und Heimatverlust portieren. Die angemessene Berücksichtigung von Zielen sozialer Gerechtigkeít im raumplanerischen und städtebaulichen Förderprogramm der Wissensgesellschaft wird damit zu einer zentralen Aufgabe von Politik und Verwaltung.


Städtebau in den trinationalen Grenzstädten - Vernetzungen und Grenzen in der Wissensregion

Philippe Cabane und Martin Josephy

Die trinationalen Rheinstädte umfassen das industriell geprägte Hafengebiet in den Basler Quartieren St. Johann, Klybeck und Kleinhüningen, dem französischen Huningue und dem deutschen Weil-Friedlingen. In der Gründerzeit zunächst ganzheitlich geplant, wurde dieses Agglomerationsgebiet später von grossflächigen Industriezonen verbarrikadiert. Erst in den 1990er-Jahren kommt es zu einem Bewusstseinswandel ín der trinatíonalen Stadtplanung. Mit den Entwicklungspotenzialen durch die Deindustrialisierung und durch die europäische Integration wandeln sich die trinationalen Rheinstädte zu erstklassigen Entwicklungsgebieten mit unmittelbarem Bezug zum Rhein. Mit der "Vision 3Land" liegt nun ein erstes städtebauliches Planungsdokument vor, das für den ganzen Raum möglìche Entwicklungsleitlinien festschreibt, aber gleichzeitig differenzierte Strategien erlaubt, die auf die spezifischen lokalen ldentitäten zugeschnitten sind.


(Multi)lokales Wissen. Aspekte der kulturellen Topographie der Wissensgesellschaft in der Oberrheinregion

Cédric Duchêne-Lacroix

Die moderne Wissensgesellschaft verwandelt nicht nur Transport und Kommunikation, sondern auch dîe räumlichen Beziehungen. Dies beobachtet man auch in der Oberrheinregn. Der Fluss von wenig qualffizierten Arbeitern nimmt zugunsten von hochqualifizierten Arbeitskräften ab. Während sich Grenzgänger immer noch vor allem in der Nähe von Wirtschaftspolen finden, stammen viele von ihnen heutzutage nicht mehr aus der Region. Während die meisten Studierenden in der Region Oberrhein nach wie vor aus der Region stammen und vorzugsweise an ihrem Wohnort studieren, sind Studierende, die von auswärts kommen, um grenzübergreifende Programme zu absolvieren, für mehrsprachige Austauschprogramme leichter zu motivieren. Die Oberrheinischen Universitäten (Eucor) zeíchnen sich durch ein nicht zu vernachlässigendes und dfferenziertes internationales Profil von Studierenden und Angestellten aus.


Wege gemeinsamer Bildungspolitik im trinationalen Raum - das Beispiel Conféderation des Ecoles Supérieures en Travail Social de la Regio RECOS

Jutta Guhl und Rudi Wagner

Die Hochschulen für Soziale Arbeit der Oberrheinregion bieten für ihre Studierenden ein transnationales Studienprogramm an, das neben gemeinsamen Seminaren unter anderem ein Praktikum im Partnerland umfasst. Ziel des Programms ist, den Studierenden Einblick in die Hilfesysteme der Nachbarländer zu geben, die Fähigkeiten der ländervergleichenden Analyse zu fördern und die Studierenden zu befähigen, im Nachbarland oder in transnationalen Arbeitsfeldern tätig zu werden.


IBA Basel 2020 - ein Praxisbericht

Martin Jann und Dirk Lohaus

Im Oktober 2010 ist die IBA Basel 2020 als erste grenzüberschreitende Internationale Bauausstellung angetreten, um die trinationale Zusammenarbeit in der Agglomeration Basel anhand konkreter Projekte zu dynamisieren. Der Artikel beleuchtet als Praxisbericht, wie die IBA Basel 2020 aktuell 45 Projekte mit grenzüberschreitendem Nutzen bis zur Umsetzung qualifiziert und dabei neue Kooperationsformen erprobt. Die entstehenden neuen Kooperationsnetzwerke und Partnerschaften sind, wie am Beispiel einer Projektgruppe von "Transformationsgebieten" dargestellt, in Zeiten globaler Metropolitanisierung essenziell für die Gestaltung des Raumes und seine gesellschaftliche, ökonomische Entwicklung.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch