Nr. 53/3

Nr. 53/3

Naturschutzforschung in der Region Basel

Eindringlinge bekämpfen

Solche oder ähnliche Titel waren im Verlauf des letzten Sommers in vielen Tageszeitungen zu lesen. Der Kampf gegen Springkraut und Co. ist eröffnet, die Strategien sind bekannt. Die Ausbreitung von invasiven Arten muss eingedämmt werden, so lange es noch nicht zu spät ist. Dies kann nur durch tatkräftige Unterstützung von Freiwilligen gelingen. Es gilt daher, breite Bevölkerungskreise auf diese Problematik zu sensibilisieren.

Die Bekämpfung von invasiven Pflanzen- und Tierarten ist allerdings nur ein Aspekt dieses Heftes mit dem Thema „Naturschutzforschung in der Region Basel“. In einem zweiten Teil wird die Erhaltung von regional gefährdeten Arten thematisiert. Die biologische Vielfalt bzw. deren Erhaltung hat auch auf Bundesebene eine hohe Priorität erhalten. Dieses Heft zeigt auf, an welchen aktuellen Themen die Naturschutzforschung der Universität Basel arbeitet. Die Lektüre soll – angesichts der dargelegten Tatsachen – noch mehr sensibilisieren und das Engagement für die Artenvielfalt und die Bekämpfung der invasiven Arten verstärken.

 

Ein neues Fachgebiet etabliert sich an der Universität Basel

Bruno Baur

Viele Menschen machen sich Sorgen über den Rückgang von Pflanzen- und Tierarten sowie über die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen. Naturschutzbiologie ist eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin, die mit inter- und transdisziplinären Ansätzen die jeweiligen Ursachen für die Abnahme einzelner Arten oder der ganzen biologischen Vielfalt untersucht. Sie entwickelt auch Massnahmen zur Reduktion oder gar Vermeidung weiteren Aussterbens sowie zur Förderung von gefährdeten Arten. In diesem Artikel werden die Eigenheiten dieser neuen Disziplin vorgestellt und die Geschichte ihrer Etablierung an der Universität Basel skizziert.


Invasive Arten: Ausbreitung und Auswirkungen in der Region Basel

Hans-Peter Rusterholz

Die Anzahl Pflanzenarten, die aus anderen Kontinenten bewusst oder unbewusst nach Europa eingeführt werden, nimmt stetig zu. Heutzutage kommen insgesamt 215 gebietsfremde Pflanzenarten oder Neophyten in der Region Basel vor. Ein Teil dieser Neophyten kann sich an den neuen Standorten stark vermehren und negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Siebzehn dieser so genannten invasiven Arten verursachen in der Region Basel ökonomische, gesundheitliche und/oder ökologische Schäden.


Veränderungen im Lebensraum Rhein.
Exotische wirbellose Kleintiere verdrängen zunehmend einheimische Arten

Bruno Baur & Denes Schmera

Nach den landschaftsverändernden Flusskorrektionen, dem schrittweisen Ausbau der Wasserkraftnutzung und einer längeren Periode mit extremer Wasserverschmutzung (bis ca. 1980) ist in den letzten 20 Jahren ein neue Bedrohung für die einheimischen wirbellosen Tiere im Rhein aufgetaucht: Exotische Tiere, die angeheftet an Transportschiffen und Freizeitbooten unbeabsichtigt aus anderen Gewässersystemen eingeschleppt werden. Bei einigen Arten können sich die Tiere halten und sehr schnell vermehren. Dabei richten diese so genannten invasiven Arten ökonomische oder ökologische Schäden an. Oft verdrängen sie einheimische Arten. In diesem Artikel werden die Ursachen für dieses neue Phänomen vorgestellt und mögliche Auswirkungen diskutiert.


Der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis.
Eine neue invasive Art in Mitteleuropa

Florine L.G. Leuthardt

Der Buchsbaumzünsler ist eine in Europa neu auftretende, invasive Schmetterlingsart, deren Raupen sich von Buchsblättern ernähren. Diese können innert kurzer Zeit grosse Schäden anrichten und bereiten daher den Verantwortlichen von Parks und Grünanlagen in Europa grosse Sorgen. Im Rahmen meiner Dissertation untersuchte ich die regionale und nationale Ausbreitung sowie die Biologie des Falters. Mit einem Experiment eruierte ich eine allfällige Buchsbaum-Sortenpräferenz des Zünslers. Dass die Raupen keinerlei Präferenz zwischen den häufigsten Sorten in Mitteleuropa zeigen, lässt darauf schliessen, dass der Buchsbaumzünsler eine breite Futterpflanzenakzeptanz aufweist. Weiter konnte gezeigt werden, dass die Raupen giftige Stoffe (Alkaloide) aus den Buchsblättern aufnehmen und deshalb für Frassfeinde ungeniessbar sind. Es wurde ebenfalls ein Instrument zur Entscheidungsfindung zwischen Ersatz oder langjähriger Pflege grosser Buchsbestände entwickelt.


Landschaftsstruktur und Genfluss bei Amphibien und Reptilien im Elsass.
Einfluss des Strassennetzes auf den Individuenaustausch zwischen Populationen

Sylvain Ursenbacher & Evelyn Meyer

Die fortschreitende Industrialisierung führte im Elsass zu einer starken Ausdehnung des Strassennetzes. Ebenso wurden grosse, vorher naturbelassene Flächen in Weinbaugebiete und Ackerland umgewandelt. Dies bedeutete für die meisten Arten eine Fragmentierung ihrer Habitate. Dieser Artikel befasst sich mit den Auswirkungen der Lebensraumfragmentierung auf die Populationen der Schlingnatter und der Wechselkröte. Die beiden Arten unterscheiden sich in den Ergebnissen. In den untersuchten Populationen der Schlingnatter konnte keine genetische Differenzierung festgestellt werden. Bei der Wechselkröte wurden hingegen drei unterscheidbare Gruppen von Populationen gefunden. Trotzdem scheint das Strassennetz, entgegen zahlreicher früherer Studien bei verschiedenen Tierarten, keinen oder einen sehr geringen Einfluss auf den Austausch von Individuen zwischen Teilpopulationen dieser beiden Arten zu haben.


Bestäubung und sexuelle Reproduktion von wilden Nelken im Nordwestschweizer Jura –
ein gefährdeter Prozess

Andreas Erhardt & Christophe Bonetti

Wilde Nelken können als Modellorganismen für rasche Artbildung bei Pflanzen unter dem Einfluss von verschiedenen Bestäubern dienen. Im Nordwestschweizer Jura sind wilde Nelken allerdings zunehmend gefährdet. Habitatzerstörung, aber auch reduzierte sexuelle Reproduktion in den verbleibenden Populationen sind die wichtigsten Gefährdungsfaktoren. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über bisherige Befunde der sexuellen Reproduktion der Grenobler Nelke (Dianthus gratianopolitanus), der Rauhen Nelke (D. armeria) und der Karthäusernelke (D. carthusianorum). Die vierte wilde Nelkenart des Nordwestschweizer Juras, die Prachtnelke (D. superbus), ist in dieser Region vom Aussterben bedroht. Ihre Populationen sind in der Zwischenzeit derart klein, dass sie einer sinnvollen wissenschaftlichen Felduntersuchung nicht mehr zugänglich sind.


Prioritäre Arten für den Kanton Basel-Landschaft.
Die Verantwortung eines Kantons für den Schutz und die Förderung von Pflanzen- und Tierarten

Regina Ruckli & Bruno Baur

Gefährdete Arten, die nicht von bestehenden Förderungsmassnahmen für ihren Lebensraum (Biotopschutz) profitieren, benötigen eine spezielle Förderung (Artenschutz). Um die beschränkten finanziellen Ressourcen möglichst optimal einsetzen zu können, ist eine Prioritätensetzung unumgänglich. Es wird eine Methode vorgestellt, mit welcher die für den Artenschutz prioritären Pflanzen- und Tierarten in einem Kanton ermittelt werden können. Als Fallstudie wurden im Kanton Basel-Landschaft für jede einzelne Art Daten über deren Gefährdung (Rote Listen der Schweiz), über die Verantwortung der Schweiz für diese Art (Liste der National Prioritären Arten) sowie über den Anteil des kantonalen Bestandes der gesamten Schweizer Population der Art benutzt, um ihre kantonale Priorität zu ermitteln. Mit diesem Vorgehen wurden insgesamt 128 Arten mit sehr hoher und 133 Arten mit hoher Priorität für den Kanton Basel-Landschaft festgelegt. Unter Berücksichtigung von weiteren Kriterien werden 68 Pilz-, Pflanzen- und Tierarten für spezielle Förderungsprogramme im Kanton Basel-Landschaft vorgeschlagen.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch