Donnerstag, 9. Dezember 2010

Das Ende der Stadt in Lateinamerika? Raumentwicklung im Globalisierungsprozess.

Das Ende der Stadt in Lateinamerika? Raumentwicklung im Globalisierungsprozess.

Prof. Dr. Axel Borsdorf

Institut für Geographie, Universität Innsbruck

Lateinamerika galt lange Zeit nicht nur als der am stärksten verstädterte Kulturerdteil, die Idee der Stadt war dort so präsent, dass Autoren die kulturelle Essenz Lateinamerikas in den Städten materialisiert sahen, also den iberoamerikanischen Kulturraum «im Spiegel seiner Städte» interpretieren konnten. Weil die Städte so lebendige Kristallisationspunkte des wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Lebens waren, spiegeln sich tatsächlich bis heute alle wichtigen Veränderungen auf diesen Gebieten in der gebauten Umwelt.

Dabei erfuhren die urbanen Agglomerationen Lateinamerikas gerade in den letzten Jahren gravierende Umstrukturierungen. Unter dem Einfluss der Globalisierung, aber auch endogener Entwicklungen, haben die Tendenzen zur sozialen Exklusion, zur funktionalen Fragmentierung und zur Umkehr früherer Polarisierungen stark zugenommen. Ob die Anlage von großen Wohnanlagen mit weit mehr als 50'000 Einwohnern, die ummauert, mit bewachten Stadttoren versehen und über private Autobahnen, die nur von den Bewohnern benutzbar sind, noch der einstigen Stadtidee Lateinamerikas entsprechen oder vielmehr eine Antithese dazu darstellen, wird in diesem Vortrag diskutiert. Die bisherige stufenartige  Stadtentwicklung seit der Kolonialzeit dient hierbei als Referenzfolie.

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