Nr. 56/2

Nr. 56/2

Der Tafeljura als Nutzungsraum

Das vorliegende Heft widmet sich dem ungewöhnlichen Reichtum des Juras in seiner erdgeschichtlichen, ökologischen, kulturellen, historischen und landschaftlichen Vielfalt. Im Fokus stehen dabei zum einen die BLN-Schutzgebiete und die Landschaftsgefährdung durch Siedlungs- und Industrieabfälle, zum anderen die Rolle von Planung oder Boden- und Artenschutz in der nachhaltigen Landschaftsnutzung.

 

 

 

 

Landschaften von nationaler Bedeutung im Baselbieter Tafeljura: Revision des Bundesinventars, Rechtswirkung, Erfolg oder Misserfolg?

Felix Berchten

Der Baselbieter Tafeljura weist vier Landschaften von nationaler Bedeutung auf. Es handelt sich um vier von insgesamt 162 Objekten des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Gemäss der Einschätzung der Umweltorganisation Pro Natura handelt es sich bei den besagten Objekten um die "Kronjuwelen des Schweizer Landschaftsschutzes". Seit bald 40 Jahren ist nun das BLN-Inventar rechtskräftig. Obschon die Umsetzung des Schutzes der Inventarobjekte zunächst schleppend und lückenhaft erfolgte, konte 1977 doch eine sukzessive Verbesserung festgestellt werden. Die letztmals durchgeführten Erhebungen lassen darauf schliessen, dass die BLN-spezifischen Bestimmungen umgesetzt werden und über 90% der Verfahren im Kontext der Erfüllung von Bundesaufgaben vollständig und formal korrekt erfolgen. Das BLN hat sich etabliert und dessen Akzeptanz ist als breit einzustufen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass ausgerechnet die Regierung des Kantons Basel-Landschaft die vom Bundesrat aktualisierten BLN-Objektbeschriebe und Schutzziele kategorisch ablehnt.


Abfalldeponien im ländlichen Raum - Was früher eine "pragmatische" Entsorgung war, ist heute eine problematische Hinterlassenschaft für die Umwelt

Marzio Gamboni

Die einstige Sorglosigkeit beim Ablagern von Bau- und Siedlungsabfällen hat Spuren hinterlassen: Nebst den bekannten Industriedeponien und grösseren Kehrichtdeponien in den Ballungsräumen existiert in der Schweiz eine grosse Anzahl kleiner und kleinster "Gemeindedeponien", die auf das ganze Territorium verteilt sind. Dank den Katastern sind diese belasteten Standorte bekannt und können systematisch untersucht werden. Die meisten von ihnen stellen keine unmittelbare Gefährdung der Umwelt dar, sie bleiben aber eine Hinterlassenschaft, die es bei Bauvorhaben oder sonstigen terrainrelevanten Tätigkeiten zu berücksichtigen gilt. Wilde Deponien im Wald oder auf der Flur können zudem in einer ländlichen Kulturlandschaft als optisch störend empfunden werden.


Abschätzung möglicher Nachfolgeschäden untiefer Geothermienutzung in Mumpf:
Lokalisierung eines permeablen Störungssystems

Johannes Pietsch

Im Rahmen einer Erdwärmesonden-Bohrung in Mumpf wurde 2009 ein Arteser angebohrt. Das artesisch gespannte, hochmineralisierte Tiefenwasser konnte auf Grund unzureichender Verschlussmassnahmen in die Niederterrassenschotter abfliessen. Nach einem erneuten Verschluss der Bohrung wurde an zwei Stellen in Mumpf weiterhin ein Einfluss von Tiefenwasser festgestellt. Zur Klärung der Herkunft dieses Wassers wurden Geoelektrik- und Bodengas-Messungen durchgeführt. Sie geben Aufschluss über das lokale Störungssystem und zeigen, dass Tiefenwasser entlang dieses Störungssystems aufsteigt.


Die Umfahrungen von Listal und Sissach - Auswirkungen auf diese Ortschaften und den umliegenden Tafeljura

Alain Aschwanden

Die Auswirkungen der Umfahrungen von Liestal und Sissach betreffen das direkte Umfeld, die beiden Ortschaften sowie den funktionalen Einzugsbereich. Nach einer Analyse von Strassennetz und Verkehrsaufkommen anhand der verfügbaren Daten werden die drei Ebenen der Auswirkungen betrachtet. Beide Umfahrungen entlasten die Ortschaften von Durchgangsverkehr und erhöhen die zur Verfügung stehenden Kapazitäten auf dem Strassennetz massgeblich. Die ausgeprägten Pendlerspitzen auf der Umfahrung Sissach lassen sich auf der Umfahrung Liestal nur beschränkt und auf der Ortsdurchfahrt Liestal kaum mehr ausmachen. Der Einzugsbereich der Umfahrung Sissach ist grösser als derjenige von Liestal und die Verkehsbeziehungen in RIchtung der Kernagglomeration Basel ausgeprägter. Die Umfahrung Liestal hat ihren Einzugsbereich neben dem vorderen Egolztal vor allem im Rheintal und den nördlichen Frenkentälern.


Das Bodenmessnetz "Nordwestschweiz" - ein Instrument des physikalischen Bodenschutzes

Dominik Mösch und Matthias Hunziker

Die fruchtbaren Kulturland- und Waldböden werden täglich anthopogen genutzt. Dabei werden sie für land- und forstwirtschaftliche Zwecke überfahren und währen baulicher Erdarbeiten sogar verschoben. Je nach Witterungsverhältnissen und dem Zustand der Böden schädigen diese Arbeiten die Böden nachhaltig. In diesem Beitrag wird das Bodenmessnetz "Nordwestschweiz" vorgestellt, das als ein Instrument des physikalischen Bodenschutzes gilt. An 27 Standorten werden der Niederschlag, die Luftfeuchte, die Bodentemperatur und die Saugspanung (im Oberboden und Unterboden) viertelstündlich aufgezeichnet und der Öffentlichkeit auf der Internetseite www.bodenmessnetz.ch zugänglich gemacht. Auf Basis des aktuellen Bodenzustandes werden zusätzlich auch Entscheidungshilfen für den bodenschonenden Arbeitseinsatz präsentiert.


Eichenförderung im Kanton Aargau

Eva Bächli und Lea Grass

Eichen nehmen sowohl als Charakterart im Wald wie auch als Einzelbaum in der Landschaft eine besondere Stellung ein. Die licht- und wärmeliebende Baumart ist ökologisch sehr wertvoll. Vom Menschen kultivierte Eichenwälder bilden einen wichtigen Lebensraum mit einer sehr hohen Biodiversität für zahlreiche Arten. Aufgrund des starken Rückgangs der Eichenbestände durch veränderte Nutzungen im 19. Jahrhundert sowie fehlender Verjüngungspflanzungen im 20. Jahrhundert sind diese Wälder heute selten geworden. Der Kanton Aargau hat auf rund 3'500 ha Eichenwaldreservate geschaffen, in welchen Eichen erhalten und gezielt gefördert werden. Einige dieser Reservate liegen klimabedingt am Fuss des Tafeljuras.


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