Nr. 52/3

Nr. 52/3

Strasbourg – europäische Metropolregion

Strasbourg – Welches ist Ihr erster Gedanke dazu? Stadt der Kunst und Gastronomie, Hauptstadt Europas, Europaparlament, Europaviertel, Studentenstadt, Münster, historisches Kulturerbe, Gerberviertel, Elsass, deutsch-französische Versöhnung ...? Nur schon diese kurze Aufzählung zeigt, dass Strasbourg viele Gesichter hat. Mit diesem Heft der Regio Basiliensis sollen verschiedene geographische Aspekte von Strasbourg vorgestellt und das Wissen dazu vertieft werden. Vielleicht inspiriert die Lektüre dazu, Strasbourg (wieder) einmal einen Besuch abzustatten und die in diesem Heft dargelegten Gegebenheiten in Natura zu begutachten.

 

 

 


Strassburg – Städtebau und Architektur im historisch-politischen Kontext

Rudolf Michna

Politische Strukturen und Kultur haben in kaum einer anderen Stadt Architektur und Urbanismus so stark bestimmt wie im Falle von Strassburg. Unterschiedliche Urbanisierungsformen und Baustile stiessen hier aufeinander. Daraus erwuchs ein einzigartiges Mosaik verschiedenartiger historischer Bausteine, in denen sich die jeweils bestimmenden politischen und kulturellen Verhältnisse widerspiegeln. Hinter einer ganzen Reihe von städtebaulichen Massnahmen, architektonischen und ikonographischen Werken verbergen sich politische Botschaften. Bei den unterschiedlichen nationalen Städtebaumodellen zeigen sich aber auch Überlagerungsprozesse und Wechselwirkungen.


Demographische Prozesse in der “Communauté urbaine de Strasbourg” (CUS)

Jörg-Wolfram Schindler

Wie bei anderen Wirtschaftszentren Frankreichs hat sich auch um die Metropole Strasbourg ein Stadtverband (Communauté urbaine de Strasbourg) formiert, der in seinen Grenzen eine effektive Raum- und Entwicklungsplanung gewährleisten soll. Dazu sind die diesbezüglichen Kompetenzen der Mitgliedsgemeinden einem Rat übertragen worden, der sich entsprechend der Einwohnerstärke der Mitgliedsgemeinden zusammensetzt und von einem Präsidenten geleitet wird. Ein Blick auf die Gesamtbevölkerungsentwicklung zeigt allerdings, welche Gewichtsunterschiede im Verband bestehen und wie differenziert die Entwicklung der dortigen Gemeinden abläuft. Zwar ist auch in dieser Agglomeration das positive Wachstum seit Längerem rückläufig, besonders im hochverdichteten Kernraum, während insbesondere der Süden bzw. Südwesten des Verbandsraums – und in jüngster Zeit auch der noch wenig verdichtete Nordwesten – durch überdurchschnittlichen Bevölkerungszuwachs begünstigt werden. Diese Entwicklung ist allerdings viel zu schwach, als dass sie grössere Auswirkungen auf die Gewichtsverteilung der Verbandsgemeinden hätte, um auch nur annähernd die überragende Vormachtstellung des Zentrums Strasbourg gefährden zu können.


Strassburg: Metropolisierung unter politischem Zwang

Birte Wassenberg & Raymond Woessner

Die grossen europäischen Städte streben danach, immer einflussreichere Metropolen zu werden. Im Falle Strassburgs wird als Erklärung für diesen Prozess vor allem die politische Dimension untersucht, als Treibkraft wie auch als Bremsfaktor. Drei Ebenen werden dabei berücksichtigt: Strassburg als europäische Hauptstadt, Strassburg als französische Stadt, die mit einer starren zentralistischen Tradition konfrontiert wird, und Strassburg als entstehende grenzüberschreitende Agglomeration. Die oberrheinische Vergangenheit der Stadt und ihr Bedürfnis, an diese Vergangenheit anzuknüpfen, werden dabei mit der rein französischen Politikführung verglichen.


Strasbourg als Europastadt

Bernard Reitel

Dank der Niederlassung von europäischen Institutionen wird Strasbourg oft als “europäische Hauptstadt” bezeichnet. Diese europäische Dimension betont die symbolische Rolle von Strasbourg in der deutsch-französischen Versöhnung, der Überwindung des Nationalismus und somit der Entwicklung der europäischen Union. Die Anziehungskraft Strasbourgs ist unleugbar von den institutionellen Funktionen geprägt, die vom Zentralstaat teilweise unterstützt werden. Insbesondere sind die kulturellen und wissenschaftlichen Funktionen bemerkenswert. Strasbourg gilt als europäischer “Haut Lieu”. Die Identität Strasbourgs ist ohne Zweifel vom Europaviertel mit den wichtigsten europäischen Institutionen wie auch vom Garten der zwei Ufer und der Rheinpasserelle als grenzüberschreitende Symbole geformt.


Strasbourg/Strassburg – vom Verkehrszentrum im Elsass zur “Magistrale für Europa”

Ernst-Jürgen Schröder

Mit der 2007 erfolgten Eröffnung des ersten Abschnitts des “TGV Est Européenne” – der Magistrale für Europa – hat Strasbourg in Verbindung mit einer erfolgreichen Stadterneuerungspolitik – als deren bislang sichtbarstes Zeichen die Reaktivierung der Strassenbahn steht – seine Wettbewerbsposition in der trinationalen Metropolregion Oberrhein wie im europäischen Städtesystem entscheidend verbessert. Die elsässische Metropole wird sich hierbei von einem hochrangigen Verkehrszentrum zu einer Schnittstelle im europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr entwickeln, sie wird aber auch als Europastadt und internationaler Tourismus- und Wissenschaftsstandort wesentlich gestärkt.


Die Häfen Kehl und Strasbourg – bedeutende Verkehrsdrehscheiben und Industriestandorte
am Oberrhein

Marc Funk

Die Oberrheinregion gehört zu den wirtschaftlichen Kernregionen der Europäischen Union (EU). Zahlreiche Weltmarktführer, hochrangige Forschungs- und Bildungseinrichtungen haben hier ihren Sitz und profitieren von den Vorteilen eines trinationalen Wirtschaftsraumes mit hoher Standortattraktivität. Der etwa 300 km lange und 40 km breite Oberrheingraben ist der wichtigste Transitraum im europäischen Nord-Süd-Verkehr und hat sich im Zuge der EU-Osterweiterung auch zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt in West-Ost-Richtung entwickelt. Im Schnittpunkt der Verkehrswege des europäischen Warenverkehrs liegen die Häfen Kehl und Strasbourg. Als multimodale Güterverkehrszentren tragen die Binnenhäfen zur Bewältigung des wachsenden Verkehrsaufkommens bei und sind zudem wichtige Industriestandorte mit einer hohen Raumwirksamkeit.


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