Nr. 60/2

Nr. 60/2

Gewässerökologie

Das vorliegende Heft widmet sich den Herausforderungen, die sich auch neun Jahre nach Inkrafttreten der revidierten Gewässerschutzgesetzgebung rund um das Thema  Gewässernutzung für die Gesellschaft ergeben. Die folgenden Artikel beleuchten zentrale Asperkte der vielfältigen Funktion des Gewässerraum, sei es als Trinkwasserlieferant, Erholungsraum, Stromproduzent oder Nahrungsquelle.

 

 

 

 

Schwarzmundgrundeln in der Schweiz

Joschka Wiegleb

Invasive Schwarzmundgrundeln, die bereits weite Teile Europas und Nordamerikas besiedelt haben, sind im Rhein bei Basel angekommen und drohen weiter den Rhein hinauf zu wandern. Dort könnten sie weitere Gewässersysteme der Schweiz besiedeln. Durch ihre Ausbreitung werden starke Ökosystemveränderungen beobachtet, die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Auswirkungen haben können. In Zusammenarbeit verschiedener Interessenvertretender wurde eine Strategie gegen die Tiere erarbeitet. Eine komplette Entfernung aus dem Gewässer ist nicht wirtschaftlich, weshalb Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Basel an der Verhinderung der weiteren Ausbreitung arbeiten.



Phylogeographie und Populationsstruktur der Bachforellen (Salmo trutta) und
und Europäischen Äschen (Thymallus thymallus) in der Region Basel

Barbara I. Berli, Walter Salzburger

Die beiden Leitfischarten, die Bachforelle und die Äsche wurden in der Region Basel hinsichtlich ihrer Populationsstruktur sowie ihrer phylogeographischen Herkunft untersucht. Dazu wurden sogenannte Mikrosatelliten-Marker in jeweils mehr als 200 Proben und DNS-Sequenzen eines Abschnitts der mitochondriellen Kontrollregion verwendet. Es zeigte sich, dass die Bachforellen und Äschen in der Region Basel teilweise genetisch durchmischt sind und dass hier auch nicht autochthone Genotypen zu finden sind. Dies ist wohl eine Folge von Besatzmassnahmen mit ortsfremden Tieren.

 


Die Birs im Zeichen des Lachses

Marin Huser, Daniel Zopfi

Die Fischfauna der Birs ist unter Druck. Dies zeigen Untersuchungen zwischen 2004 und 2014 deutlich auf. Mögliche Gründe hierfür sind steigende Wassertemperaturen, Beeinträchtigungen der Wasserqualität, eine monotone Gestaltung oder eine unzureichende Vernetzung der Lebensräume. Stauhaltungen von Wasserkraftwerken haben einen bedeutenden Einfluss auf die Durchwanderbarkeit der Gewässer. Von den eidgenössischen Räten im Jahr 2009 beschlossene Gesetzesänderungen bezwecken unter anderem, die freie Fischwanderung bei Wasserkraftwerken wieder herzustellen. In der Birs zwischen Laufen und Münchenstein sind acht Stauhaltungen zu sanieren. Von den bis voraussichtlich Ende 2023 umgesetzten Massnahmen wir die gesamte Fischfauna der Birs profitieren. Sie dienen aber nicht zuletzt auch der Wiederansiedlung des Lachses in der Region Basel. Zur Erreichung dieses Ziels bedarf es aber auch der Sanierung der auf französischem Gebiet liegenden Rhein-Kraftwerke Rhinau, Marckolsheim und Vogelgrun. Der Zeithorizont für deren Sanierung ist zurzeit offen.

 


Mikroplastik - Zivilisationsmüll im und um den Rhein herum

Patricia Holm, Thomas Mani, Andreas Kalberer

Der Begriff Mikroplastik ist für den grössten Teil der Leserschaft nicht unbekannt - doch was wird genau darunter verstanden, wo kommt diese neue Umweltverschmutzung her und was sind mögliche Quellen und Eintragswege? Es werden die Ergebnisse der Forschungsprojekte mit Daten zum Vorkommen auf mit Kompost gedüngten Äckern und zu den Konzentrationen im Rhein sowie seinen Zuflüssen Aare, Limmat und Reuss vorgestellt. Ebenso werden die Ergebnisse experimenteller Studien zu den möglichen Auswirkungen von Mikroplastik auf benthische Kleinkrebse (Amphipoden) zusammengefasst.

 


Wasserstandsschwankungen verhindern das Wachstum bodenlebender Algen in Stauseen

Eine Herausforderung für den nachhaltigen Umgang mit der Wasserkraftn

Philipp Hirsch

Der Ausbau der Wasserkraft ist ein entscheidender Baustein in der Energiewende hin zu einem nachhaltigeren Energiesystem, hat aber auch Auswirkungen auf die Gewässerökologie. In einem Forschungspojekt der Universität Basel wurde erstmals in der Schweiz der Fokus auf die Auswirkungen von Wasserkraft oberhalb eines Staudamms, nämlich im Stausee selbst, gelegt. In Experimenten in einem nachgebauten Stauseeufer wurde festgestellt, dass Wasserstandsschwankungen zu einem starken Verlust der Ökosystemproduktivität, gemessen an der Biomasse bodenlebender Algen, führen. Die Daten deuten auf eine starke Beeinflussung des gesamten Ökosystems Stausee hin, da bodenlebende Algen vor allem in nährstoffreichen alpinen Seen ein wichtiger Grundbaustein der Nahrungskette sind. Weitere Experimente mit tierischen Organismen und vor allem auch vergleichende Untersuchungen in Stauseen mit unterschiedlich starken Wasserstansschwankungen sind nötig, um noch weitergehende Schlüsse zu ziehen.

 


Korrektur der Schifffahrtsrinne und ökologische Schüttungen im Rhein

Mehrwert für Mensch und Natur

Guido Derungs, Andreas Prokoph, Adrian Stettler

Die beiden Projekte sind einmalig für den Wasserbau in einer Schweizer Innenstadt: Kies wird aus dem Rhein gebaggert und entlang des Rheinbords an beiden Ufern ausserhalb der Schifffahrtsrinne neu geschüttet. Massnahmen für die Schifffahrt ermöglichen ein Projekt für die ökologische Aufwertung eines Gewässerabschnitts im dicht überbauten Gebiet. Ein Uferabschnitt mit Buchten, Inseln und Flachwasserzonen mit unterschiedlichen Strömungen entsteht. Die Projekte vereinen Schifffahrt, Naturschutzanliegen, Nutzung des Gewässers und Hochwasserschutz. Ob der Spagat gelingt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

 


Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Leser

Ein offener Brief von

Thomas Mosimann


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch