Donnerstag, 20. Oktober 2016 - 18:15 Uhr

Im Griff der Globalisierung. Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Im Griff der Globalisierung. Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Prof. Dr. Martin Coy

Universität Innsbruck

Im Zuge des weltweiten Booms der commodities hat die brasilianische Wirtschaft in den letzten Jahren einen Prozess der "Re-Primarisierung" durchlaufen. Neben mineralischen spielen in diesem Zusammenhang agrarische Rohstoffe, vor allem Soja, eine zentrale Rolle, wobei sich die Absatzmärkte zunehmend von Europa nach Asien verschieben. Von dieser Entwicklung sind einige Teilregionen Brasiliens in besonderem Masse betroffen. So haben hochmoderne, ausschliesslich weltmarktorientiert wirtschaftende Grossfarmen in den letzten den vormals absolut peripheren Bundesstaat Mato Grosso im Übergang des brasilianischen Mittelwesten nach Amazonien zu einer der weltweit wichtigsten Regionen des Sojaanbaus gemacht.

Diese "Erfolgsgeschichte" ist jedoch mit erheblichen sozialökologischen Kosten verbunden. Die Abhängigkeit von den globalen Märkten führt zu besonderen Verwundbarkeiten, zur Verdrängung derjenigen, die mit der globalisierten Landwirtschaft nicht mithalten können, und zu permanentem Anpassungsdruck. So sind die letzten Jahre beherrscht von Grossprojekten zum Ausbau logistischer Infrastrukturen (insbesondere dem Fernstrassenbau und der Anlage von Privathäfen am Amazonas), die die Einbindung der Region in globale Wertschöpfungsketten erleichtern und garantieren sollen. Das dadurch verursachte sozialökologische Konfliktpotenzial ist enorm.

Das widersprüchliche Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Verdrängung und ökologischer Degradierung sowie die Frage nach alternativen Entwicklungspfaden stehen im Zentrum des Vortrages.

 

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