Donnerstag, 28. September 2023 - 19:15 Uhr

Mehr Zukunftseuphorie wagen! Aufbruchswissen in Krisenzeiten

Mehr Zukunftseuphorie wagen! Aufbruchswissen in Krisenzeiten

Prof. Dr. Stefan Selke

Hochschule Furtwangen

Ob Transformationsprozesse «by disaster» oder «by design» ablaufen wird ganz wesentlich davon abhängen, welche Zukunftserzählungen wir schaffen. Unter dem Motto «Mehr Zukunftseuphorie!» wagt der Vortrag einen Blick nach vorn und hebt den Beitrag von Geografie und Ethnologie zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels hervor.

Im Mittelpunkt steht der Appell für die Produktion spezifischen Krisenwissens und die Betonung von Aufbruchsnarrativen statt weiterhin Anpassung als gesellschaftliche Standardeinstellung zu akzeptieren. Die Rückgewinnung von Euphorie ist hierbei das Gegenmittel zur Vielzahl an individuellen, kollektiven und planetaren Erschöpfungs-, Entfremdungs- und Enttäuschungserfahrungen. Zukunftseuphorie wird als die emotionale Verbindung zu kognitiven Zukunftsnarrativen verstanden, als dringend notwendige Grundlage für «Weltentwerfen».

Prof. Dr. Stefan Selke ist Transformationsforscher. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte schliesslich in Soziologie. Seit 2008 lehrt er «Soziologie und gesellschaftlichen Wandel» an der Hochschule Furtwangen und ist seit 2015 Forschungsprofessor für «Öffentliche und Transformative Wissenschaft». Gegenwärtig arbeitet er als Research Fellow für «Space Flight and Future Narratives» bei der European Space Agency (ESA) in Paris.

Hinweis: Der Vortrag findet um 19:15 Uhr im Zunftsaal Schmiedenhof, Rümelinsplatz 4 in Basel statt im Rahmen des Jubiläumsanlasses 100 Jahre GEG (Beginn 18:15 Uhr).

Donnerstag, 19. Oktober 2023 - 18:15 Uhr

Geographie des Atomkriegs

Geographie des Atomkriegs

Dr. Ian Klinke

Universität Oxford

Auch wenn unsere Welt sich heute mehr über die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels als über einen globalen Atomkrieg sorgt, hat uns das Jahr 2022 daran erinnert, dass wir immer noch in einer Welt leben, die sich auf Knopfdruck selbst zerstören kann.

In meinem Vortrag frage ich, was die politische Geographie zu einem Verständnis einer solchen Welt beitragen kann. Mein Fokus liegt auf der Infrastruktur zur Produktion, Stationierung und Lieferung von Atomwaffen sowie auf der ganz alltäglichen Art und Weise, wie Atomwaffen ihren Weg in unser Leben finden. Zentral sind die geopolitischen Gedanken-Konstrukte mit denen ein Atomkrieg legitimiert wird.

Folgende Fragen werden aufgeworfen:

  • Wie wirken Atomwaffen geographisch und räumlich?
  • Markiert die Atombombe eine grundlegende Veränderung in der Natur des Krieges? 
  • Warum gibt es in atomar bewaffneten Gesellschaften solch breite Unterstützung für diese Waffensysteme?


Ian Klinke ist Humangeograph an der Universität Oxford und Gastforscher am Dansk Institut für Internationale Studien (DIIS) in Kopenhagen. Seine Forschung umfasst die Geschichte und Gegenwart der Geopolitik.

Donnerstag, 16. November 2023 - 18:15 Uhr

Brennpunkt Nordpol? Die Arktis, der Klimawandel und die Rivalität der Grossmächte

Brennpunkt Nordpol? Die Arktis, der Klimawandel und die Rivalität der Grossmächte

Dr. Michael Paul

Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit

Lange galt die Arktis als ein Hort des Friedens. Aber die romantische Vorstellung vom arktischen Exzeptionalismus hat schon vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ihr Ende gefunden. Die von Russland ausgelöste Krise wird übertroffen durch die Risiken, die aus dem Klimawandel und den Spannungen zwischen den Grossmächten USA und China erwachsen. Dabei hat die Arktis eine ambivalente Relevanz, denn sie liegt gleichermassen abseits aktueller geopolitischer Brennpunkte und bleibt doch wichtig für China, Russland und die USA. Die drei Staaten bilden gewissermassen eine neue arktische Dreiecksbeziehung, die Ursache für einen Konflikt in der Arktis und aus der Arktis heraus werden könnte.

Dr. Michael Paul ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Donnerstag, 14. Dezember 2023 - 18:15 Uhr

Menschen oder Mangroven? Umweltgerechtigkeit, Klimakolonialität und die Zukunft von Wasser in Cartagena, Kolumbien

Menschen oder Mangroven? Umweltgerechtigkeit, Klimakolonialität und die Zukunft von Wasser in Cartagena, Kolumbien

Dr. Silke Oldenburg

Anthropologie Uni Basel

Cartagena war einer der wichtigsten Häfen an der kolumbianischen Karibikküste, um versklavte Menschen ein- und Gold und andere Ressourcen auszuführen. Heute ist der stark geschrumpfte Mangrovenwald Cartagenas wertvollste, aber auch umstrittenste Ressource, um gegen den steigenden Meeresspiegel anzukämpfen, Erosion zu verhindern und die Folgen des städtischen Klimawandels abzumildern.

Der Vortrag widmet sich den Verflechtungen von Race, Ökologie, Zugehörigkeit und sozialräumlichen Ungleichheiten, die nicht nur den Alltag sondern auch die Zukunft von Cartagenas Einwohner*innen prägen. Der Schutz des Mangrovenwalds steht einerseits im Mittelpunkt politischer und technokratischer Diskurse, andererseits aber auch im Zentrum der Erfahrungen der lokalen Bevölkerung, die sich um Misstrauen, Vertreibung und politische Ausgrenzung drehen.

Dr. Silke Oldenburg arbeitet an der Schnittstelle von Politik-, Umwelt- und Stadtanthropologie. Sie ist die Leiterin von «Urban Waterworlds: Dialogues on Urban Flooding, Climate Justice and the Future of Water in the City».

Donnerstag, 29. Februar 2024 - 18:15 Uhr

Postletale Landwirtschaft – warum die Transformation des Agrarsystems unerlässlich ist

Postletale Landwirtschaft – warum die Transformation des Agrarsystems unerlässlich ist

Dr. Stefan Mann

Agroscope Tänikon, Ettenhausen

Der Vortrag beginnt mit einer Darstellung aktueller agrarökologischen Herausforderungen und der entscheidenden Rolle tierischer Lebensmittel für den heute unangemessen grossen ökologischen Fussabdruck unserer Ernährung. Dann wird dargestellt, welche Übersetzungsprobleme es zwischen der klaren tierethischen Position zur heutigen Tierhaltung und der gelebten Praxis gibt. Am Beispiel der Sklavenhaltung wird die Dynamik ethisch gesteuerter Transformationen demonstriert. Abschliessend werden drei unterschiedliche Optionen postletaler Agrarsysteme zur Diskussion gestellt.

Stefan Mann studierte in Halle, Edinburgh und Newcastle Agrarwissenschaften und promovierte an den Universitäten Hohenheim und Greifswald. Nach seinem beruflichen Einstieg im deutschen Bundeslandwirtschaftsministerium wechselte er 2002 zu Agroscope.

Donnerstag, 21. März 2024 - 18:15 Uhr

Ein hundertjähriger Brennpunkt? – Angespannte globale Beziehungen um die Insel Taiwans

Ein hundertjähriger Brennpunkt? – Angespannte globale Beziehungen um die Insel Taiwans

Dr. Josie-Marie Perkuhn

Universität Trier

Mit dem glorreichen Aufstieg der Volksrepublik China erfuhren wir in den letzten Jahrzehnten viel über das fernöstliche Land. Durch die harsche militärische Reaktion Anfang August 2022 auf den Besuch von Nancy Pelosi (damals Sprecherin des Repräsentantenhauses) bei Präsidentin Tsai Ing-wen trat der scheinbar weit entfernte Konflikt zwischen den Ansprüchen der Volksrepublik und dem weniger bekannten Taiwan in unser mediales Bewusstsein. Die Spannungen haben unlängst eine globale Reichweite erreicht: Stichwort: Halbleiter. Das neue Bedrohungsszenario birgt eine Gefahr für den Weltfrieden. Doch wie entstand die aktuelle völkerrechtliche Situation mit der strategischen Ambiguität und auf welche strategischen Szenarien in der Taiwan-Strasse sollten wir vorbereitet sein?

Dr. Josie-Marie Perkuhn leitet das Verbundprojekt «Taiwan als Pionier» (TAP) an der Universität Trier und ist Non-resident Fellow am Institut für Sicherheitspolitik Kiel. Nach dem Politikwissenschaft- und Sinologiestudium wurde sie 2018 von der Universität Heidelberg promoviert. Als Postdoc beschäftigte sie sich mit Chinas Friedensnormen und gründete die Online-Feature Reihe «chinnotopia: Future designed by China».

Donnerstag, 18. April 2024 - 17:45 Uhr

Besuch im Museum der Kulturen Basel: Führung durch die Ausstellung «Alles lebt»

Besuch im Museum der Kulturen Basel: Führung durch die Ausstellung «Alles lebt»
  • Wie nehmen Menschen ihre Mitwelt wahr? 
  • Welche Beziehungen haben sie zur Erde, zu anderen Wesen und Dingen? 
  • Welche Werte leiten das Zusammenleben?

 
Für andere Kulturen sind Flüsse und Meere denkende und fühlende Wesen. Wenn wir Flora und Fauna als gleichberechtigt ansehen, entwickeln wir ein anderes Umweltverständnis. Auf der Suche nach einer gemeinsamen Zukunft und alternativen Formen des Miteinander werden lokale Perspektiven, Aktionen und Ideen erkundet.

Hinweis: Unkostenbeitrag von CHF 10.- Anmeldung per E-Mail an: info@gegbasel.ch

 


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch