Donnerstag, 22. September 2016 - 18:15 Uhr

Die Agenda 2030 – Kompass für eine gerechte Entwicklung

Die Agenda 2030 – Kompass für eine gerechte Entwicklung

Prof. Dr. Peter Messerli

Universität Bern

Ist Nachhaltige Entwicklung das zentrale Konzept unserer Zeit? Und können wir mit der Agenda 2030 dem Konzept Sinn und Bedeutung verleihen, indem wir es zum Kompass der globalen Entwicklung machen?

Der Vortrag will diesen Fragen nachgehen, indem wir reflektieren was die Sustainable Development Goals (SDGs) leisten können und was nicht. Anhand vom konkreten Beispiel der Nutzung von Landressourcen erläutern wir auch die Chancen und Risiken für die Wissenschaft.

Donnerstag, 20. Oktober 2016 - 18:15 Uhr

Im Griff der Globalisierung. Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Im Griff der Globalisierung. Agrobusiness und Regionalentwicklung in Brasilien

Prof. Dr. Martin Coy

Universität Innsbruck

Im Zuge des weltweiten Booms der commodities hat die brasilianische Wirtschaft in den letzten Jahren einen Prozess der "Re-Primarisierung" durchlaufen. Neben mineralischen spielen in diesem Zusammenhang agrarische Rohstoffe, vor allem Soja, eine zentrale Rolle, wobei sich die Absatzmärkte zunehmend von Europa nach Asien verschieben. Von dieser Entwicklung sind einige Teilregionen Brasiliens in besonderem Masse betroffen. So haben hochmoderne, ausschliesslich weltmarktorientiert wirtschaftende Grossfarmen in den letzten den vormals absolut peripheren Bundesstaat Mato Grosso im Übergang des brasilianischen Mittelwesten nach Amazonien zu einer der weltweit wichtigsten Regionen des Sojaanbaus gemacht.

Diese "Erfolgsgeschichte" ist jedoch mit erheblichen sozialökologischen Kosten verbunden. Die Abhängigkeit von den globalen Märkten führt zu besonderen Verwundbarkeiten, zur Verdrängung derjenigen, die mit der globalisierten Landwirtschaft nicht mithalten können, und zu permanentem Anpassungsdruck. So sind die letzten Jahre beherrscht von Grossprojekten zum Ausbau logistischer Infrastrukturen (insbesondere dem Fernstrassenbau und der Anlage von Privathäfen am Amazonas), die die Einbindung der Region in globale Wertschöpfungsketten erleichtern und garantieren sollen. Das dadurch verursachte sozialökologische Konfliktpotenzial ist enorm.

Das widersprüchliche Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Verdrängung und ökologischer Degradierung sowie die Frage nach alternativen Entwicklungspfaden stehen im Zentrum des Vortrages.

 

Donnerstag, 17. November 2016 - 18:15 Uhr

Klimawandel - Migration - Konflikt. Das Beispiel Syrien.

Klimawandel - Migration - Konflikt. Das Beispiel Syrien.

Dr. Christiane Fröhlich

Universität Hamburg

Die Folgen des anthropogenen Klimawandels sind bereits heute in vielen Teilen der Welt deutlich erkennbar. Zu ihnen gehören Wetterextreme, verlängerte Dürreperioden, ein steigender Meeresspiegel und wachsende Niederschlagsvariabilität, um nur einige zu nennen. Gleichzeitig ist nur schwer absehbar, wie und wo genau sich die Folgen des Klimawandels in Zukunft darstellen werden, und wie verschiedene Staaten und Gesellschaften in der Lage sein werden, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Unter anderem aufgrund dieser Unkalkulierbarkeit wird die Erderwärmung vermehrt als globales Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Als ein zentrales Verbindungsglied zwischen Klimawandel und innerstaatlichen resp. internationalen Konflikten gilt dabei die sogenannte klimabedingte Migration. Die wenigen existierenden Studien zu dem hypothetisierten Zusammenhang zwischen Klimawandel, Migration und Konflikt kommen zwar zu uneindeutigen Ergebnissen, doch nichtsdestoweniger hat sich Syrien zu einer Art Vorzeigebeispiel entwickelt. Dort wird einer "Jahrhundertdürre" zwischen 2006 und 2010 und der von ihr hervorgerufenen Binnenmigration eine wichtige Rolle für Zeitpunkt und Intensität der syrischen Revolutionsbewegung zugeschrieben.

Der Vortrag untersucht diese Hypothese auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse. Weiter wird den Fragen nachgegangen, welches Sicherheitsverständnis einer solchen Einordnung des Klimawandels eigentlich zugrunde liegt und ob dieses geeignet ist, im Sinne eines "Global Understanding" diejenigen effektiv zu schützen, die von seinen Folgen am stärksten betroffen sind.

 

Donnerstag, 15. Dezember 2016 - 18:15 Uhr

Wird Wasser knapp? - Das Weltwasserproblem

Wird Wasser knapp? - Das Weltwasserproblem

Prof. Dr. em. Wolfgang Kinzelbach

ETH Zürich

Wenn man bilanziert, wozu die Menschheit jährlich rund 5'000 km3 Süsswasser benötigt, so findet man schnell heraus, dass das Trinkwasser ein verschwindend kleiner Anteil davon ist. Der weitaus grösste Teil geht in die Bewässerung und damit in die Nahrungsmittelproduktion. Ein Weltwasserproblem führt also in erster Linie zu einem Welternährungsproblem.

Bereits heute ist Wasser in vielen Regionen knapp und die Knappheit nimmt zu, durch Bevölkerungszuwachs, Zunahme des Lebensstandards, die Produktion von Agrotreibstoffen und Klimaveränderung. Ausserdem wird die Versorgung mit ausreichendem Wasser in trockenen Regionen oft nur durch nichtnachhaltige Praktiken aufrechterhalten, die zu einem Ende kommen müssen. Dazu gehört die Übernutzung von Grundwasservorkommen ebenso wie die Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Im Prinzip ist genug Süsswasser vorhanden, um auch die Nahrungsbedürfnisse von 10 Milliarden Menschen zu befriedigen. Ob es gelingt, hängt davon ab, wie weit wir Willens sind, unser Konsumverhalten anzupassen und die ungleiche Verteilung von Wasserressourcen auf dem Globus durch Solidarität zu überbrücken.

Donnerstag, 12. Januar 2017 - 18:15 Uhr

Museumsbesuch - Führung durch die Ausstellung "GROSS - Dinge Deutungen Dimensionen" im Muesum der Kulturen

Museumsbesuch - Führung durch die Ausstellung

Messen und Vermessen durchdringen unser ganzes Leben. Grosses lässt sich ethnologisch aber keinesfalls über Masse oder Ausmasse allein analysieren. Um als "Gross" anerkannt zu sein, bedarf es weiterer Merkmale, die kulturell rückgebunden sein sollten sei es an globale Vorstellungen wie etwa bei Hochhäusern mit ihrer symbolischen Kraft, an lokale Ausprägungen wie bei Tauschsystemen oder an Weltbilder spezifischer Gemeinschaften wie etwa religiöser Gruppierungen mit ihren sakralen Skulpturen. Zum Grossen gehört auch eine Relativierung, die in der Formel "grösser als" ausgedrückt werden kann; meistens ist damit der Mensch als Massstab, human scale, verbunden.

Mit der ethnologischen Betrachtung von Grösse und Grossem ist noch kein eigenständiges Forschungsfeld etabliert; vielmehr handelt es sich dabei um ein Querschnittsthema, das in allen ethnologischen Themenfeldern einen Stellenwert hat oder haben sollte. Mit der Ausstellung "GROSS – Dinge Deutungen Dimensionen" und der gleichnamigen Publikation unternimmt das Museum der Kulturen eine erste Annäherung, in der es Streiflichter auf Grosses im ökonomischen, sozialen, politischen und religiösen Bereich wirft.

 

Hinweis: Die Veranstaltung findet im Museum der Kulturen statt. Treffpunkt in der Eingangshalle des Museums der Kulturen (Müsterplatz 20) um 17:50 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen beschränkt. Unkostenbeitrag von CHF 10.- Anmeldung per E-Mail an: info@gegbasel.ch

 

Donnerstag, 23. Februar 2017 - 18:15 Uhr

Flüchtlinge in der Schweiz - Zahlen, Fakten und Perspektiven.

Flüchtlinge in der Schweiz - Zahlen, Fakten und Perspektiven.

Hugo Köppel

Schweizerisches Rotes Kreuz

Als vor mehr als einem Jahr die grosse Fluchtbewegung nach Europa einsetzte, solidarisierten sich sehr viele Menschen mit diesen Flüchtlingen und unterstützen diese bei ihrer Ankunft und Weiterreise in Europa. Selbst die Politik setze sich zu Beginn der Fluchtbewegung für einen pragmatischen Umgang mit Flüchtenden ein. So konnten die in Griechenland angekommen Flüchtenden innerhalb weniger Tage bis nach Deutschland reisen.

Knapp ein Jahr später spricht man von einer Flüchtlingskrise. Mit verschiedenen Massnahmen wie beispielsweise mit den Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und Afghanistan versuchen seit diesem Zeitpunkt die Staaten Europas diese Fluchtbewegungen in der Griff zu bekommen und heute spricht man auf der Ebene der Politik wieder ganz offen von Abwehrmassnahmen.

Gemäss dem UNHCR befinden sich weltweit nach wie vor mehr als 60 Millionen Menschen als Opfer von Gewalt und Vertreibung auf der Flucht. Aufgrund verschiedener Konflikte beispielsweise in Syrien, im Irak oder in Jemen, muss davon ausgegangen werden, dass sich diese Situation sobald nicht ändern wird.

Obwohl seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens der EU mit der Türkei und der Schliessung der Westbalkanroute die Fluchtbewegung über Griechenland massiv kleiner geworden ist, versuchen nach wie vor tausende von Menschen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. So sind bis Mitte Oktober 2016 gemäss der Internationalen Organisation für Migration über 145‘000 Personen nach Italien geflüchtet. Anders als im letzten Jahr, liegt die Schweiz nun geografisch direkt auf der Route von all jenen Menschen, die nicht Italien als ihr Fluchtziel haben.

Flucht betrifft nicht nur die Opfer von Gewalt und Vertreibung, sondern auch die Gesellschaft als jener Länder, die geflüchtete Menschen aufnehmen. So gehören die Themen Asylsuchende und Flüchtlinge seit Jahren zu den Top-Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer, obwohl Personen des Asyl- und Flüchtlingsbereichs seit Jahren nur etwas mehr als 1% der in der Schweiz lebenden Bevölkerung ausmacht.

Die grosse Fluchtbewegung nach Europa im letzten Jahr hat gezeigt, wie schwierig es ist solche Bewegungen zu steuern, zu kontrollieren oder zu regulieren. So ist es zurzeit nicht ganz einfach, verlässliche Prognosen zu stellen. Nichts desto trotz können Zahlen und Fakten mithelfen, sich auf besser auf solche humanitären und gesellschaftlichen Herausforderungen einzustellen.

Die Kurzfassung des Vortrags ist als PDF-Datei verfügbar.

Donnerstag, 23. März 2017 - 18:15 Uhr

Internationale Zusammenarbeit in fragilen Staaten: Das Beispiel Afghanistan

Internationale Zusammenarbeit in fragilen Staaten: Das Beispiel Afghanistan

Marianne Huber

Leiterin des DEZA-Kooperationsbüros in Kabul

Im Rahmen der Milleniumsziele der UNO wurde von 2000 bis 2015 einiges erreicht in nachholender Entwicklung des Südens: die Armut wurde reduziert, der Zugang zu Bildung verbessert und die Gesundheitsversorgung gestärkt. Gleichzeitig reifte aber die Erkenntnis, dass einerseits eine wachsende Zahl von Gesellschaften von gewalttätigen Konflikten, Armut und Rechtsunsicherheit betroffen sind und andererseits der unnachhaltige Umgang mit Ressourcen globale Risiken für alle mit sich bringt. Das Nachfolge-Projekt der Milleniumsziele, die Agenda 2030, wurde im September 2015 von der Staatengemeinschaft angenommen. Die Agenda hält in 17 nachhaltigen Entwicklungszielen die globalen Prioritäten bis 2030 fest. Es geht nicht mehr nur um nachholende Entwicklung, sondern um eine friedlichere und nachhaltige Zukunft der Menschheit. Der Interdependenz globaler Probleme wie sie zum Beispiel in Zusammenhängen von Konflikten-Klimawandel-Migration zum Ausdruck kommt, wird Rechnung getragen.

Die Schweiz engagiert sich in verschiedener Weise für die Agenda, unter anderem über die internationale Zusammenarbeit. Der Fokus auf sogenannte fragile Staaten, die von chronischen Konflikten und schwacher Staatlichkeit betroffen sind, wird mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel 16 "Frieden, Rechtssicherheit, Institutionen" verstärkt.

Wie erfolgt das konkret und was beachtet die Schweiz, um einen wirkungsvollen Beitrag zu leisten, damit von Krieg und Gewalt geschädigte Gesellschaften sicherer werden und Perspektiven entwickeln können? Dies wird am Beispiel Afghanistan aufgezeigt. Die DEZA engagiert sich seit 2002, nach dem Fall des Taliban-Regimes, in einem langfristig angelegten Aufbauprogramm mit Schwerpunkten in Bildung, lokaler Gouvernanz und Menschenrechten. Die leidvolle Geschichte Afghanistans zeigt deutlich, dass der Weg heraus aus Gewalt und Not Jahrzehnte dauert, von Rückschlägen begleitet ist, aber auch signifikante Errungenschaften aufweist. Das Engagement wird auch in den kommenden Jahren weitergeführt werden.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch