Dubai: Konflikte und Schattenseiten einer Inszenierung Donnerstag, 15. Oktober 2009

Dubai: Konflikte und Schattenseiten einer Inszenierung

Dr. Heiko Schmid

Geographisches Institut Universität Heidelberg

Dubai hat in den vergangenen Jahrzehnten einen kometenhaften Aufstieg von einem kleinen Handelszentrum zu einer boomenden Tourismus- und Wirtschaftsmetropole vollzogen. Motor dieser Entwicklung waren zahlreiche spektakuläre Projekte, die international für Aufmerksamkeit bei Touristen und Investoren sorgten.

Die Grossprojekte haben allerdings nicht nur die Stadtlandschaft erheblich umgestaltet, sondern ziehen gesellschaftliche und ökologische Folgen nach sich, die bislang kaum Beachtung gefunden haben. Ein hoher Strom- und Wasserverbrauch, massive Eingriffe in das Ökosystem oder gesellschaftliche Aspekte wie schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen für einfache Gastarbeiter sind nur einige Konfliktfelder und Schattenseiten der inszenierten Stadtlandschaft von Dubai.

Umgang mit Konflikten: Entwicklungszusammenarbeit in Moçambique Donnerstag, 12. November 2009

Umgang mit Konflikten: Entwicklungszusammenarbeit in Moçambique

Albert Bürgi

Helvetas, Schweizer Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit

Moçambique hat eine lange Geschichte – als Kolonie. Die Unabhängigkeit erlangte das 800'000 km2 grosse Land am Indischen Ozean erst 1975 nach einem jahrelangen Befreiungskampf. Friede kehrte allerdings erst 16 Jahre später, 1991, ein, als ein äusserst brutal geführter „Bürger“-Krieg zu Ende ging. Im Jahre 2000 wurde der Süden des Landes von einer verheerenden Überschwemmung heimgesucht – eine jener Naturkatastrophen, wie sie, meistens in geringerem Ausmass, immer wieder vorkommen.

Das Land und seine Bevölkerung waren und sind auf Unterstützung angewiesen. Mit dem Aufbau des modernen Staates nach der Unabhängigkeit setzte denn auch die Entwicklungszusammenarbeit ein. Helvetas war von Beginn an dabei und ist auch heute noch mit einem substanziellen Programm vertreten.

Was will und kann Entwicklungszusammenarbeit in einem solch fragilen Umfeld leisten? Welche Probleme sollen vordringlich in Angriff genommen werden, wenn es „an allem“ fehlt? Wer sind die Partner, mit denen zusammen gearbeitet wird? Und wie sieht diese Zusammenarbeit aus? Am Beispiel des Engagements von Helvetas in Moçambique werden diese Fragen diskutiert. Es wird aufgezeigt, wie sich die Entwicklungszusammenarbeit im Verlaufe der Zeit und als Reaktion auf das sich verändernde
Umfeld wandelt.

Himalaya und Hindukusch: Umwelt und Entwicklung in den höchsten Gebirgen der Erde Donnerstag, 10. Dezember 2009

Himalaya und Hindukusch: Umwelt und Entwicklung in den höchsten Gebirgen der Erde

Prof. Dr. Marcus Nüsser

Südasien-Institut der Universität Heidelberg, Abteilung Geographie

Im südasiatischen Gebirgsraum vollzieht sich der horizontale und vertikale Landschaftswandel besonders spektakulär. Darüber hinaus sind auch die weitgehend an die extremen naturräumlich-ökologischen Bedingungen angepassten Nutzungsformen der Gebirgsbevölkerung in den Gebirgsräumen des Himalaya, Hindukusch und Karakorum vielfältig differenziert.

In den meisten Fällen beruht die durch Mobilität und Flexibilität gekennzeichnete agrarische Nutzung auf einer Kombination von Feldbau und Tierhaltung unter Einbeziehung von Wäldern und Hochweiden. Dabei stellen sich immer wieder Fragen nach der Nachhaltigkeit des Ressourcenmanagements und nach den Veränderungen bzw. nach der Degradation der natürlichen Ressourcen.

Dabei lassen sich die Nutzungsstrategien zur Existenzsicherung nicht auf den Aspekt der Adaption an spezifische Umweltbedingungen und vorhandene Ressourcenpotenziale sowie auf den Aspekt des indigenen Wissens zur Bewältigung von Naturkatastrophen reduzieren. Vielmehr müssen auch die historischen Hintergründe der Ressourcenzugangsrechte und entsprechende Nutzungskonflikte bei der Beurteilung sozioökonomischer Entwicklungsprobleme berücksichtigt werden.

Mit Beispielen aus den Hochgebirgsräumen Nordpakistans (Nanga Parbat, Chitral) und Nordindiens (Ladakh, Kumaon) wird der Zusammenhang dieser Aspekte an charakteristischen Fallbeispielen verdeutlicht.

Pakistan in der Zerreissprobe? - Herausforderungen für ein krisengeschütteltes Land Donnerstag, 14. Januar 2010

Pakistan in der Zerreissprobe? - Herausforderungen für ein krisengeschütteltes Land

Prof. Dr. Hermann Kreutzmann

Zentrum für Entwicklungsforschung, Institut für Geogr. Wissenschaften, Freie Universität Berlin

Zwei Generationen sind mittlerweile in einem unabhängigen Pakistan aufgewachsen, das für einen hohen Preis an Opfern, Vertriebenen und Flüchtlingen erstritten wurde. Mit großen Erwartungen wurde Pakistan als Heimstatt der Muslime gegründet. Der frühe Enthusiasmus verflog alsbald ob der Probleme von Großgrundbesitzertum, regelmässig wiederkehrenden Militärdiktaturen und Misswirtschaft. Hoffnungsvolle Zeichen wechselten sich mit neuen Katastrophen ab.

Die Stützung des islamistischen Diktators Zia-ul Haq und die Förderung der Taliban durch den Westen im pakistanischen Aufmarschgebiet der Mujaheddin für den Kampf um die afghanische Herrschaft führte zu der heute allseits abgelehnten und den inneren Frieden destabilisierenden „Kalashnikov-Kultur“. Die Spuren von Kolonialzeit und externen Interventionen prägen die Landesstruktur nachhaltig.

In den heutigen Tagen gibt es fast nur negative Konnotationen. Die internationale Presse charakterisiert Pakistan als „gefährlichstes Land der Welt“. Mit milliardenschweren Unterstützungszahlungen wird gegenwärtig ein Feldzug gegen die sog. pakistanischen Taliban geführt, der in den Stammesgebieten der Nordwestgrenzprovinz Ruhe und Ordnung wieder herstellen soll. Das Ende des Militärdiktators Pervez Musharraf, die Wiedereinsetzung der obersten Richter, allgemeine Wahlen und ein parlamentarischer Prozess sowie massive internationale Struktur- und Aufbauhilfe deuten eine Konsolidierung an, die krisenbehaftet ist, aber keine Alternative kennt. Das bevölkerungsreiche Land - zwischen Afghanistan, Iran, China und Indien gelegen und in vielfältige bilaterale Konflikte eingebettet - spielt eine wichtige weltpolitische Rolle.

Der Vortrag arbeitete einige Hindernisse, Konfliktlinien und Chancen für Pakistan heraus, bettete sie in den weltpolitischen Kontext ein und hinterfragte sowie interne politische Verwerfungen und Machtkonstellationen. Darüber hinaus wurden das ökologische und ökonomische Potential Pakistans und sein kulturhistorisches Erbe vorgestellt. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren wirft die Frage auf, ob die Kohäsionskräfte stark genug sind, die Zerreißprobe für das Gemeinwesen zu überstehen.

Die Dominanz der gravierenden Probleme, mit denen das Land behaftet ist, verstellt manchmal den Blick auf alles weitere, was eine Kultur und Gesellschaft ausmacht. Pakistan bietet gleichzeitig interessantes Anschauungsmaterial für ein wasser- und ressourcenreiches faszinierendes und kulturhistorisch in den Indus- und Gandharakulturen verankertes Land in Südasien, das weitgehend unbekannt ist und sich bislang trotz aller Fliehkräfte als Einheit behaupten konnte.

Lange nachdem die Wälder verschwunden sind: Alltagsarchitektur der turkmenischen Salar (Nordwestchina) Donnerstag, 11. Februar 2010

Lange nachdem die Wälder verschwunden sind: Alltagsarchitektur der turkmenischen Salar (Nordwestchina)

Mareille Litsch

Professorif für Ethnologie und Direktorin des Völkerkundemuseums der Universität Zürich

In einigen Dörfern der turmenischen Salar in der Provinz Qinghai, Volksrepublik China, wohnen die Menschen bis heute in doppelstöckigen Holzhäusern. Während die Berge rings um die Siedlungen längst entwaldet sind, erinnern sich heute nur noch die älteren Salar an ihren einstigen Waldbesitz. In der Art ihres Umgangs mit Holz, in ihrem Bauen und in der Weise des Bewohnens ihrer Häuser bewahren die Salar allerdings weit mehr als nur ein heute kostbares Material.

Der Vortrag berichtet über zwei ungewöhnliche Expeditionen, im Verlauf derer Archäologen, Bauforscher und Technikethnologen des Deutschen Archäologischen Instituts Bauen und Wohnen bei den Salar erkundet haben.

Mythos Klimakriege: Sehen wir am Horn von Afrika, was uns in Zukunft erwartet? Donnerstag, 11. März 2010

Mythos Klimakriege: Sehen wir am Horn von Afrika, was uns in Zukunft erwartet?

Prof. Dr. Benedikt Korf

Geographisches Institut der Universität Zürich

Die als Folge des globalen Klimawandels erwartete Verknappung von natürlichen Ressourcen wird, so unterstellt Harald Welzer in seinem neuen Buch „Klimakriege“, unweigerlich zu einer Ausweitung gewalttätiger Konflikte und zum Zusammenbruch fragiler Staaten in Afrika und anderen marginalen Regionen der Welt führen. Das Horn von Afrika und hier insbesondere Somalia werden oft als Beispiel angeführt, wie zunehmende Ressourcenknappheit und fragile Staatlichkeit zu Anarchie, Chaos und Gewalt führen. Somalia erscheint als Beispiel dafür, was wir in Zukunft in viel größerem Masse zu erwarten haben werden.

Neuere Forschungsarbeiten zeigen jedoch, dass der Zusammenhang zwischen Ressourcenknappheit und Gewaltkonflikten weniger eindeutig ist als von Welzer und anderen Beobachtern unterstellt. Eine fundierte Analyse der Konflikte am Horn von Afrika zeigt die komplexen Zusammenhänge sozialer, ökonomischer und politischer Faktoren, welche Gewaltkonflikte beeinflussen und staatliche Ordnungen aushöhlen. Kampf um knappe Ressourcen ist hierbei ein, nicht jedoch der bestimmende Faktor für die zunehmende Desintegration der somalischen Gesellschaft. Das Beispiel Somalia zeigt deshalb klar, dass apokalyptische Parolen à la Welzer nicht hilfreich sind, zukünftige Herausforderungen um die Nutzung knapper Ressourcen zu analysieren.


GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch