Nr. 57/1&2

Nr. 57/1&2

(Kurz-)Exkursionen in der Regio Basiliensis

Die vorliegende Ausgabe liefert viele Fakten über unsere Region, dazu aktuelle Materialíen und ldeen für hochspannende Kurzexkursionen. Wie erst wenige Sondernummern vorher, erscheint diese Doppelausgabe in Farbe und einem etwas kompakteren Format, um Sie auf der einen oder anderen Route zu begleiten. Auch für Einheimische biete das Heft viel Anregendes und neue Erfahrungen beim eigenen Besuch der Exkursionsorte.

 

 

Die Kurzexkursion: Anwendungshinweise zu einer viel zu selten eingestzten Lehrmethode.

Christoph Wüthrich

Exkursionen werden aus mehreren Gründen zu selten in der Lehre eingesetzt: Der Aufwand ist meíst gross, die Kollisionen mit anderen Lehrgefässen sind zahlreich, die Wetterabhängigkeit und die ungünstigen Arbeitsbedingungen vor Ort machen den Erfolg einer Exkursion - trotz unbestrittenen Vorteilen bei der Vermittlung von realitätsnahem Wissen und beí raumbezogenen Kompetenzen - oft schwierig.
Regionale Kurzexkursionen lassen sich víel einfacher und häufiger verwirklichen als aufwändige Tagesexkursionen. Sie bieten bezüglich nachhaltigem Lernen fast alles, was eine Tagesexkursion auch bietet. Sie brauchen dafür einfach weniger Zeit und weniger finanzielle Ressourcen und sie sind aus Gründen der Effizienz meist etwas stärker geführt als ganztägige Exkursionen mit hoher Teilnehmeraktivität. Auch Kurzexkursionen lassen sich z.B. durch kleine Üburgen, Schätzfragen, Rollenspíele und Diskussionen didaktisch verbessern bis hin zur kurzen Arbeitsexkursion. Der vorliegende Artikel fasst díe Möglichkeiten und Grenzen der regionalen Kurzexkursionen aus einer praxisorientierten Sicht zusammen und wirbt für den häufigen Einsatz díeser effektiven Lehrmethode auf allen Stufen.


Dreispitz im Wandel -
Vom Lagerareal zu einer urbanen Wohn-, Kultur-, Verkaufs- und Arbeitszone.

Dieter M. Opferkuch

Das Dreispitzareal liegt am Fuss des Bruderholzes auf Basler (BS) und Münchensteíner (BL) Boden und gehört seit 1886 der Christoph Merian Stíftung (CMS). Diese unterstützt u.a. Projekte mit Pilotcharakter. So erklären sich zahlreíche Veränderungen von landwirtschaftlicher Nutzung zu öffentlíchen Lagerplätzen (1901), die Erstellung des Basler Zollfreilagers (1922), die vermehrte Ansiedlung von Gewerbe seit Mitte des letzten Jahrhunderts sowie díe Zunahme des Detailhandels seit 1990. Im Jahr 2002 empfahl eine städtebauliche Studie den Anschluss des Dreispitzareals an das urbane baselstädtische Gundeldingerquartier. Seit 2008 steigt die Zahl von Kultureinrichtungen und neuerdings von Wohnangeboten auf dem Gebiet. Ende 2015 veröffentlíchte die CMS ihre überarbeiteten Entwicklungsgrundsätze für den Dreispitz. Die vorliegende Exkursion stellt eines der stadtplanerìsch momentan interessantesten Quartiere Basels vor. Sie richtet sich an Studierende, Gymnasiasten und an alle städtebaulich Interessierte.


Mulhouse: Von der Stadt der hundert Schornsteine zum standort unternehmensorientierter Diensileistungen.

Rudolf Michna

Wie andere altindustrialisierte Städte befindet sich Mulhouse nach einer massiven Erosion seiner Traditionsbranchen in einer Phase der wírtschaftlichen Umorientierung. Nur noch 11% der Beschäftigten arbeiteten Ende 2013 in der Industrie. Die Stadt setzt auf ihre Rolle als Verkehrsdrehscheibe und den Ausbau zu einem Standort für hochwertige Dienstleistungen und Wissenstransfer. Zudem sollen städtebauliche Massnahmen die Attraktivítät und das lmage der Stadt verbessern. Da Mulhouse weniger historische Bausubstanz als andere elsässische Städte besitzt, wirbt die Stadt auf dem touristischen Markt vor allem mit ihren spezialisierten techníschen Museen. Die hier vorgestellte Exkursion fokussiert auf diese wirtschaftpolitische und städtebauliche Umorientierung und liefert dazu aktuelle Fakten, Zahlen und mögliche Übungen.


Freiburg im Breisgau - "Boomtown" in der Regio TriRhena.

Ernst-Jürgen Schröder

Die Universitätsstadt Freiburg im Breisgau gehört im 21. Jahrhundert zu den am stärksten wachsenden und wirtschaftlich prosperierenden Grossstädten Deutschalnds. Zu diesem Erfolg tragen eine überaus erfolgreiche Stadtentwicklungspolitik und Wirtschaftsförderung entscheidend bei. Auch der Ruf von Freiburg als "Green City", welcher der Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie gut gelungen ist, trägt zum Erfolg bei. Die nach diesen Gesichtspunkten angelegte thematische Exkursion zeichnet diesen Entwicklungsprozess nach, als dessen bislang sichtbarste Zeichen der innerstädtische Umbau in Form neuer hochwertiger Architektur und Urbanität am Platz der alten Synagoge und die städtebauliche Erneuerung des Freíburger Westens gelten.


 

Der Isteiner Klotz -
Ein Monument der natürlichen Landschaftsgenese in der stark anthropogen beeinflussten Oberrheinebene.

Wolfgang Fister

Die Exkursion zum Isteiner Klotz behandelt die Landschaftsenwicklung in der Region des Südlichen Oberrheins. Hierbei werden sowohl die natrülichen Faktoren, wie die Geologie und Fluvialmorphologie, als auch die menschlichen Einflüsse auf den Naturraum, wie beispielsweise die Rheinkorrektur im 19. Jh. oder die Schaffung von Rückhaltebecken in der Altrheinaue als Schutzmassnahme vor Hochwasser, angesprochen. Das Ziel der Exkursion ist es, den Teilnehmenden einen Überblick über die Entstehung der Landschaft zu geben. Hierbai wird vor allem Wert darauf gelegt, das "geographische Auge" zu schulen und eine geographische Denkweise vorzustellen, in der es nicht nur um Einzelprozesse, sondern um die räumlichen und inhaltlichen Zusammenhänge im Mensch-Umwelt-Komplex geht.


Geomorphologische Exkursion in Basel -
Einblick in den quartären und anthropogenen Formenschatz zwischen Basler Münster und Birsmündung.

Matthias Hunziker

Die Kurzexkursion führt vom Basler Münster über die St. Alban-Vorstadt bis zum Birsköpfli. je nach Wahl der angegebenen Varianten dauert die Exkursion zu Fuss zwischen zwei und vier Stunden. Das Ziel der Exkursion ist es, den Lernenden die wichtigsten geomorphologischen Formen und die dafür verantwortlichen Prozesse im urbanen Gelände näher zu bringen. Nebst dem natürlichen Formenschatz, welcher im Raum Basel mehrheitlich durch die Fluvialdynamik im Quartär geprägt wurde, weist die Exkursion auf auf das geländeformbildende Einwirken des Menschen während der vergangenen 2000 Jahre hin. Der Artikel enthält zudem zu den meisten der neun Haltepunkte Ideen für Teilnehmer-aktivierende Aufträge, mit welchen die Überblicksexkursion abwechslungsreich und dialogartig getaltet werden kann.


Armut in Basel -
Sozialräumliche Ausrichtung des niederschwelligen Hilfsangebots.

Claudia Saalfrank

Die Exkursion gibt einen Einblick in den Alltag Armutsbetroffener in Basel. Armutsbetroffene, Einkommensschwache oder Randständige sind Menschen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, das gesellschaftliche Netz weitgehend verloren haben und häufig aufgrund von Arbeitslosigkeit keine geregelte Tagesstruktur aufweisen. Neben einer theoretischen Einführung werden zentrale niederschwellige Institutionen besucht, welche unterschiedliche Angebote für Armutsbetroffene bereitstellen. Die leichte Zugänglichkeit und damit Inanspruchnahme von Leistungen ist eine wichtige Eigenschaft der Niederschwelligkeit.


Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region Basel -
Institutionen und Infrastrukturprojekte im Dreiländereck.

Claudia Saalfrank und Thomas Vogel

Grenzregionen erfordern eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Um den Aktionsradius der in diesem Gebiet wohnenden Menschen nicht einzuschränken bzw. deren Arbeits-und Freizeitmobilität zu erhöhen, ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit unabdingbar. Infrastrukturprojekte und Institutionen sollen den Aufbau grenzüberschreitender Aktivitäten fördern und so die gesellschaftliche und wirtschaftliche Attraktivität der Region erhöhen. Die Exkursion zeigt ausgewählte Institutionen und Projekte der Dreilandregion am Oberrhein, welche die Zusammenarbeit fördern und damit den Weg zu einem trinationalen Lebensraum bereiten. Sie leisten einen Beitrag zum Zusammenwachsen der benachbarten Gemeinden und Bezirke der drei Länder Schweiz, Deutschland und Frankreich.

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Nr. 57/3

Nr. 57/3

Brennpunkt Energie

Das vorliegende Heft beleuchtet verschiedene Aspekte der Energie. In der heutigen digital vernetzten Lebenswelt sind wir tagtäglich mehr oder weniger (un)bewusst mit Energiefragen konfrontiert. Unbewusst deshalb, weil das Vorhandensein von Energie zur Selbstverständlichkeit geworden ist und die persönlichen Gewohnheiten selten im Hinblick auf die Energiegewinnung oder auf eine nachhaltige Nutzung hinterfragt werden. Die Artikel dieser Ausgabe sollen darum zur kritischen Reflexion zum Thema Energie einladen.

 

 

 

 

Energiestatistik für die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft -
Methodische Herangehensweise und Vorstellung ausgewählter Ergebnisse

Oliver Thommen Dombois, Lukas Calmbach und Lukas Büchel

Die methodisch neu aufgebaute kantonale Energiestatistik stellt gegenüber früheren Ausgaben eine verbesserte und erweiterte Datenbasis zur Verfügung. Beim neuen methodischen Verfahren werden die Daten des eidgenössischen Gebäude- und Wohnungsregisters sowie viele weitere Datenquellen mit einbezogen. Der Initialaufwand für den Systemaufbau ist bedeutend, liefert aber besser nachvollziehbare Resultate und erlaubt neue und vertiefte Analysemöglichkeiten. Neben relevanten Kennzahlen für die energiepolitische Berichterstattung der Regierung sind beispielsweise räumliche Darstellungen in geografischen Informationssystemen möglich. Mittelfristig lassen sich mit Hilfe der Energiestatistik präzisere Aussagen zu energiepolitischen Massnahmen treffen als bisher.

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Erlenmatt Ost - nachhaltig und zukunftsweisend

Andreas Meyer Primavesi, Jo Dunkel, Katharina Schmidt und Andreas Appenzeller

Die Stiftung Habitat entwickelt auf dem östlichen Teil des ehemaligen Güterbahnhofs der Deutschen Bahn in Basel (NT-Areal) ein nachhaltiges Stadtgeviert. Ein eigens dafür entwickeltes Nachhaltigkeitskonzept stellt sicher, dass das Areal von der Wettbewerbsphase bis in die ab 2017 folgende Betriebshase höchsten Ansprüchen an die soziale Nachhaltigkeit, Umwelt- und Energiebilanzen sowie Wirtschaftlichkeit genügt. So werden zum Beispiel ein maximaler Flächenbedarf pro Person definiert und Grundlagen geschaffen respektive Anreize gesetzt, die einen nachhaltigen Lebensstil der künftigen Bewohnenden der Erlenmatt Ost ermöglichen.

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Solare Erwärmung von Brauchwarmwasser - Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe im Technologievergleich mit Solarthermie

Michael Sattler, Markus Markstaler, Michel Haller, Donald Sigrist, Stefan Kessler und Stefan Bertsch

Neben der Solarthermie ist die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe eine andere Möglichkeit der solaren Erwärmung von Brauchwarmwasser. Mit einem auf Simulationen gestützten Technologievergleich auf Systemebene wurden verschiedene Varianten für die solare Brauchwarmwassererwärmung untersucht. Sie Simulationen zeigen, dass für die Bereitstellung von Brauchwarmwasser die Systeme mit Solarthermie/Erdgas und Photovoltaik/Luft-Wasser-Wärmepumpe auf Tagesbilanz-Basis in etwa gleich viel nicht erneuerbare Primärenergie benötigen. Beim Wärmepumpenboiler mit Photovoltaik ist dabei die Berücksichtigung des Wärmeklaus entscheidend. Neben dem Wärmeklau hat vor allem der Bilanzierungszeitraum grosse Auswirkungen auf die Ergebnisse. Die ökonomischen Betrachtungen zeigen letztlich, dass bei vollständiger Anrechnung des Wärmeklaus die Kostenunterschiede der Systeme gering sind.

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Dekarbonisation und Energieerzeugung geht gleichzeitig - die Zukunft ist klimapositiv!

Martin Schmid

Die fruchtbarsten Böden der Welt heissen "Schwarzerden" und enthalten Pflanzenkohle, die entweder durch natürliche Ereignisse wie Steppenbrände oder durch Menschenhand in den Humushorizont gelangt ist. Gemäss den Funden zeigt sich die Kohle nachweislich über mehrere tausend oder zehntausend Jahre stabil, unabhängig von der Bodenzusammensetzung. Die Verkohlung von Ernterückständen zu Pflanzenkohle und deren Rückführung in den Humus würde sämtliche menschengemachten Klimagas-Emissionen kompensieren. Diese Massnahme würde aber nicht nur global dem Klima nützen. Sie würde lokal auch die Bodenfruchtbarkeit und die Toleranz der Böden gegenüber Dürre und Staunässe erhöhen, den Nährstoffrückhalt verbessern und somit gleichzeitig Gerüche und weitere Klimagas-Emissionen wie Lachgas und Methan reduzieren. Der am Ökozentrum weiterentwickelte Pyrolyse-Prozess stellt die sauberste Form der Verbrennung dar und bringt somit auch Verbesserungen in der Lufthygiene bei der Biomassenutzung. Die Abgase dieser "Wärme-Kraft-Kohle-Kopplung" sind nach bisherigen Messungen auch bei aschereicher Biomasse frei von Partikel-Emissionen und weisen geringere Kohlenmonoxid-Emissionen auf. Durch die gleichzeitige stoffliche und energetische Nutzung von bisher schlecht nutzbaren Biomasse-Sortimenten wird ein lokaler Nutzen von CHF 300.- bis 500.- pro Tonne abgeschiedenes CO2 erzeugt. Dies ist somit nicht nur die sicherste, sondern auch die einzige finanziell kostenlose Strategie zur CO2-Abscheidung und -Speicherung, die zudem den ländlichen Raum weltweit nachhaltig stärken wird. Die Pflanzenkohle und deren Herstellung durch Pyrolyse birgt daher das Potenzial, den gesamten vom Menschen verursachten Anstieg des Kohlenstoffs in der Atmosphäre zu kompensieren oder gar rückgängig zu machen.

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Geothermie - eine Bestandesaufnahme

Ramon Gonzalez

Geothermie ist eine Energiequelle aus dem Erdinneren. Die Geothermie hat ein enormes Entwicklungspotenzial, das heute kaum erfüllt ist. Sie kann - in der näheren Zukunft - als unerschöpfliche Energiequelle betrachtet werden. Trotz der vielfachen Vorteile gegenüber anderen erneuerbaren Energiequellen (klimaneutral, kontinuierlich, unabhängig, optisch unauffällig) hat die Geothermie aufgrund zahlreicher Nachteile (hohe Anfangskosten, eine Zahl möglicher Schäden während der Stimulation des Gesteins, Fündigkeitsrisiko) einen schweren Stand. Im vorliegenden Artikel wird versucht, die gegenwärtige Sachlage der Geothermie zusammenzufassen und deren Möglichkeiten und Gefahren offenzulegen. Bei Planung und Bau neuer Anlagen erscheint dabei der Einbezug der Öffentlichkeit wichtig, um Ängste und Vorbehalte zu minimieren.

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GEOGRAPHISCH- ETHNOLOGISCHE GESELLSCHAFT BASEL - gegbasel.ch