Nr. 51/1 - 2010

Nr. 51/1 - 2010

► Jahresverzeichnis 2010 als pdf.

Angewandte Physiogeographie

Das Studium der Geographie war schon früher durch das Kombinieren von natur- und geisteswissenschaftlichen Themen geprägt. Ebenso stellte sich in der Geographie – wie übrigens auch in fast allen anderen Studienfächern - schon früher die Frage nach dem Anwendungsbezug und der Berufsrelevanz des Gelernten. Während in der vorletzten Ausgabe der Regio Basiliensis die heutigen Berufsfelder der Geographie im Zentrum standen, soll mit dieser Ausgabe gezeigt werden, wie breitgefächert und praxisbezogen momentan am Geographischen Institut Basel im Rahmen von Master-, Diplom- und Lizentiatsarbeiten geforscht wird. Das Heft gibt damit einen spannenden Einblick in die heutige Welt studentischer geographischer Forschungsarbeiten.

 

 


Siedlungswachstum im schweizerischen Leimental und die Rolle der Raumplanung

Nicole Wehrli Sarmiento

Mit der Ausdehnung der Agglomeration Basel in ehemals ländliche Gebiete hat auch das schweizerische Leimental eine massive Zersiedlung erfahren. Die Raumplanung konnte diese Entwicklung aus mehreren Gründen nicht verhindern. In der Wachstumseuphorie der 1960er- und 1970er-Jahre wurden überdimensionierte Bauzonen ausgeschieden und in der Folge in Streubauweise überbaut. Eine rechtlich verbindliche kantonale Raumplanung, welche die Siedlungsentwicklung hätte lenken und koordinieren sollen, setzte erst mit grosser Verspätung ein.


Kulturlandschaftswandel im Oberbaselbiet. Eine strukturelle Landschaftsanalyse anhand der Bildpaarmethode

Reto Gassmann

Fotografien, welche von demselben Standort in unterschiedlichen Jahrzehnten aufgenommen werden, sind ein eindrückliches Mittel, um Landschaftsveränderungen auf einen Blick aufzuzeigen. Auf Basis einer solchen Bildpaar-Dokumentation wurde im Rahmen einer Lizentiatsarbeit der Wandel des Landschaftsbildes im Untersuchungsgebiet des Oberbaselbiets untersucht. Die physiognomischen und landschaftsökologischen Veränderungen der Landschaft sind nicht nur als Dokumentation eines Kulturlandschaftswandels, der unter anderem Ausprägung eines hochkonjunkturellen Wachstums in den 1970er- und 1980er-Jahren war, zu betrachten, sondern dienen auch der Bestandesaufnahme einer nach wie vor andauernden Landschaftsentwicklung. Die Resultate liefern damit einen praktischen Beitrag an eine langfristig angelegte, regionale Landschaftsbeobachtung.


Landschaftseingriffe für den alpinen Skisport und deren Auswirkungen: Einfluss von Wurzelwachstum auf die Bodenstabilität

Dominik Alig

Skipisten stellen im Hochgebirge eine grosse ökologische Störung dar, die anhand verschiedener Ansätze schon öfters untersucht wurde. Trotz der vielen Untersuchungen sind besonders das Wurzelwachstum von funktionellen Gruppen (Gräser und Kräuter) und deren Einfluss auf die Bodenstabilität und das Erosionsgeschehen wenig erforscht. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass Gräser und Kräuter mit ihrer Artenvielfalt und ihrem diversen Wurzelwachstum entscheidend zur Stabilität des Bodens im Hochgebirge beitragen.


Ecosan-Pilotprojekt im Khuvsgul-Nationalpark, Mongolei – Zum Untersuchungsgebiet und zum nachhaltigen Sanitärkonzept

Jacqueline von Arx & Katharina Conradin

Der vorliegende Artikel stellt das Projekt und das nordmongolische Untersuchungsgebiet für die beiden nachfolgenden Artikel von J. von Arx und K. Conradin vor. Im Nationalpark am Khuvsgul-See bildet heute Viehzucht und Tourismus eine bescheidene Lebensgrundlage. Zur Milderung der steigenden Umweltbelastung wurde auf Initiative der beiden Autorinnen und in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Tourismusanbieter in der Mongolei ein ökologisches Abwassersystem (“Ecosan”) getestet und dessen Akzeptanz in einer begleitenden Studie erfasst. “Ecosan” ist ein neuer Ansatz in der Siedlungswasserwirtschaft, bei dem menschliche Ausscheidungen als Ressource und nicht als Abfall angesehen und zur Düngung für die landwirtschaftliche Produktion eingesetzt werden.


Hafer und Lärchen als Botschafter einer nachhaltigen Entwicklung im Khuvsgul-Nationalpark – Ein Versuchsgarten als praktischer Bestandteil zweier Masterarbeiten in der Mongolei

Jacqueline von Arx

Als ein Bestandteil von zwei Masterarbeiten zu einem “Ecosan”-Pilotprojekt in der Mongolei wurde ein Versuchsgarten angelegt. Für die Dauer eines mongolischen Sommers wurde im Khuvsgul-Nationalpark, im Norden des Landes, der Effekt von Urindünger auf verschiedene Kulturpflanzen getestet. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen. Der Versuch machte deutlich, dass Regenfeldbau im Untersuchungsgebiet nicht möglich ist. Mit Urindünger und Bewässerung können jedoch gute Ernten erzielt werden. Die geringen natürlichen Nährstoffgehalte der Böden wurden durch die Urindüngung bedeutend erhöht. Gleichzeitig könnte mit der angewandten Methode die Gewässerbelastung vermindert werden.


Eignet sich der Ecosan-Ansatz für die Mongolei? Rahmenbedingungen und Akzeptanz

Katharina Conradin

Im Rahmen der Lizenziatsarbeit, die diesem Aufsatz zu Grunde liegt, wurden sowohl die Rahmenbedingungen für den Ecological Sanitation-Ansatz (kurz “Ecosan”) in der Mongolei als auch die Akzeptanz dieses Ansatzes untersucht. Dazu wurde vor Ort eine Ecosan-Toilette gebaut und in Zusammenarbeit mit von Arx (2008) ein Versuchsgarten angelegt.

Nr. 51/2

Nr. 51/2

Aktuelle physiogeographische Forschung

Die aktuelle physiogeographische Forschung am Geographischen Institut der Universität Basel beschränkt sich nicht nur auf die Region. Basler Physiogeographinnen und Physiogeographen sind auch in der übrigen Schweiz, in Europa wie auch in Übersee tätig. Dabei ist – wie das vorliegende Heft der REGIO BASILIENSIS zeigt – eine breite thematische und methodische Ausrichtung erkennbar. Die Erforschung von Prozessen, welche in der Natur unter den verschiedensten Einflussgrössen ablaufen, hat nach wie vor nicht an Aktualität eingebüsst.

 

 

 


Entwicklung der Landschaftszerschneidung im Hochrheintal. Darstellung und Auswertung für die Jahre 1930, 1955, 1980 und 2005

Matthias Bleile

Als Landschaftszerschneidung wird die Fragmentierung von zusammenhängenden Ökotopen durch anthropogen erstellte Strukturen mit Barriereeffekt – wie beispielsweise Verkehrsbauten – bezeichnet. Hauptfolgen sind neben einer beeinträchtigten Erholungseignung für Menschen die Einwirkungen auf Wildtierpopulationen, für deren Artenverlust die Landschaftszerschneidung eine namhafte Ursache ist. Mithilfe der Methode der effektiven Maschenweite wurde die Zunahme der Fragmentierung des Hochrheintals dargestellt und ausgewertet.


Anwendung hochauflösender Geländemodelle. Identifikation von Quellgebieten und Abflussflächen in landwirtschaftlich genutzten Zonen von Riehen und Bettingen

Alexandra Wegmüller-Gerber

In den Basler Landgemeinden Riehen und Bettingen sind viele landwirtschaftlich genutzte und angrenzende Siedlungsflächen durch Oberflächenabfluss gefährdet. Da unbearbeitete Geländemodelle oftmals nicht die wahre Hydrologie der Oberfläche abbilden, wurden entsprechend ergänzte Geländemodelle entwickelt und getestet. Mit Hilfe von hochauflösenden hydrologisch “wahren” Geländemodellen wurden Abflusswege in gefährdeten Gebieten simuliert. Dabei wurden die Auswirkungen von Anpassungen in Rasterauflösung und die Eignung von verschiedenen Algorithmen zur Berechnung des Oberflächenabflussweges untersucht. Anhand der optimierten Modelle können bessere Prognosen für die unter normalen Umständen zu erwartenden Abflusswege erstellt werden.


Archive der Landdegradierung. Alpinspektionsberichte als Quelle für die Rekonstruierung von Landnutzung und Landdegradierungsprozessen im Urserntal

Chatrina Caviezel

Die mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft einhergehende veränderte Art und Intensität der Nutzung sowie der sich abzeichnende Klimawandel erhöhen die Verwundbarkeit alpiner Böden gegenüber Massenbewegungsprozessen und Degradierung. Anhand der Analyse von Alpinspektionsberichten wurde die Frequenz der Massenbewegungen für das Urserntal zeitlich und räumlich auf jährlicher Basis von 1950 bis 2000 rekonstruiert. Die Analyse zeigt eine Zunahme der Ereignisse seit 1970 sowie eine ungleichmässige zeitliche und räumliche Verteilung der Massenbewegungen. Der Vergleich der Landnutzungsgeschichte und der Niederschlagstrends weist darauf hin, dass der Wandel in der Landwirtschaft neben der Zunahme an extremen Regenereignissen die Häufigkeit von Massenbewegungen beeinflussen kann.


Die Verschiebung der Waldgrenze im Kananaskis Country, Kanada. GIS-basierte Analyse des Waldgrenzökotons durch den Vergleich von Ortho- und Luftbildern

Tobias Providoli

Mit der Hilfe von Luft- und Orthobildern von 1949 und 1999 wurde in dieser Studie die Waldgrenze in einem Gebiet im Kananaskis Country in den kanadischen Rocky Mountains untersucht. Das Ziel war es, die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Waldgrenze auszumachen und vor allem die mögliche Wirkung von Klimaerwärmung und Oberflächenprozessen zu unterscheiden. Die Ergebnisse zeigten, dass nicht alle Zunahmen der Waldbedeckung auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, sondern auch auf die nach Waldbränden folgende Sukzession.


Einbezug der Abfolge von Niederschlag und Austrocknung in die Bestimmung der Bodenerodibilität

Nikolaus J. Kuhn & Wolfgang Fister

Ein Hauptlimitierungsfaktor bei der Vorhersage ereignisbasierter Bodenerosionsraten ist die fehlende Einbeziehung kurzzeitiger Interaktionen zwischen Boden und Klima. Aufgrund des komplexen Zusammenwirkens und der hohen zeitlichen Variabilität von Niederschlag, Oberflächenabfluss und Austrocknung – in Abhängigkeit von den vorhandenen Bodeneigenschaften – erscheint die Entwicklung von physikalisch-basierten Bodenerosionsmodellen sehr unwahrscheinlich. In dieser Untersuchung wurden die Auswirkungen der Interaktion zwischen Boden und Klima auf die flächenhaft wirkende Erosion im Zwischenrillenbereich (sog. Interrill-Erosion) anhand von zwei Böden aus Mexiko untersucht und eine prozessbasierte Matrix für die Bestimmung von kurzzeitigen Schwankungen der Bodenerodibilität entwickelt. Die Matrix ermöglicht eine qualitative Abschätzung der Variabilität der Bodenerodibilität in einem gegebenen Boden-Klima Regime. Sie kann dazu verwendet werden, geeignete Erosionsereignisse für die Kalibrierung von Erosionsmodellen auszuwählen und die Unsicherheiten bei der Vorhersage von Ereignissen zu bestimmen.

Nr. 51/3

Nr. 51/3

Planung und Angewandte Geographie

Da sich geographische Forschung mit den räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Realität in Stadt und Landschaft befasst, kann sie jenen Praxisbereichen zuarbeiten, die sich in Politik, Verwaltung, Planung und Wirtschaft mit Städten und Regionen befassen und diesen eine bessere Zukunft bringen sollen.

Die Heftlektüre zeigt, dass Geographie – wie manche andere Wissenschaften auch – eine Vielzahl von Bereichen bearbeitet, die Ergebnisse liefern, welche sich direkt in der Praxis umsetzen lassen. Dies ist vielen Studierenden Motivation und Hintergrund, warum sie dieses Fach überhaupt studieren. In der Geographie stehen die Chancen besonders hoch, dass die Ergebnisse einer Master- oder Lizentiatsarbeit direkt auf Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse in Verwaltung oder Politik Einfluss nehmen. Mögen sie dort auf fruchtbaren Boden fallen und einer weiteren Zersiedelung unserer Landschaften wirksam entgegentreten.


Zur Anwendung von Geographie

Hartmut Leser und Rita Schneider-Sliwa

Die Geographie befasst sich mit der Realität der Gesellschaft in Zeit und Raum. Damit ist sie jenen Praxisbereichen nahe, die sich in Politik, Verwaltung, Planung und Wirtschaft mit Städten und Regionen beschäftigen. Unter Beachtung der Theorien der Geographie werden aktuelle und künftige Raumentwicklungen untersucht und durch anwendungsgeeignete Ergebnisformen an die Praktiker herangetragen. Unter Bezug auf die in diesem Heft vorgestellten Ergebnis- und Projektberichte kann gezeigt werden, dass zwischen Bedürfnissen und Anforderungen der Praxis einerseits – vor allem der Raum- und Stadtentwicklung und deren Planungen – und fachgeographischen Forschungsergebnissen andererseits ein enger Zusammenhang besteht.


Überkommunale Raumplanung: Eine gemeinsame Industrie- und Gewerbezone im Naturpark Thal (Kt. Solothurn)

Thomas Löliger

Die Zersiedlung in der Schweiz schreitet rasch voran und wird seit Jahren von verschiedensten Seiten moniert. Eine wirksame Strategie dagegen wurde bis jetzt nicht gefunden. Die Region Thal im Solothurner Jura versucht ihren Beitrag zu leisten mit einer so genannten “Regionalen Arbeitsplatzzone” (RAZ). Vorerst zwei Gemeinden wollen auf einer gut erschlossenen Industrie- und Gewerbezone neue Betriebe ansiedeln und sowohl Aufwand wie Erträge teilen. Im Gegenzug verzichtet die eine Gemeinde auf eine Einzonung von eigenen Landreserven. Die Promotoren hoffen, dass sich weitere Gemeinden anschliessen.


Innenverdichtung vor Aussenentwicklung – Der Weg zu einem sparsamen Flächenverbrauch?

Jana Hartenstein-Janssen

Obwohl die Dringlichkeit der Eindämmung des Flächenverbrauchs auf jeder Ebene der Raumplanung in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt worden ist, kann derzeit keine Trendwende verzeichnet werden. In diesem Prozess ist die Rolle der Kommunen massgebend. Der vorliegende Bericht greift das Thema Flächenmanagement am Beispiel Verwaltungsgemeinschaft Lörrach-Inzlingen auf.


Struktur- und Ereigniskarten als Monitoringinstrumente. Das Beispiel “Gebäudeunterhalt” von Stadtentwicklung Basel Nord

Mathias Barmettler

Die Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt schuf im vergangenen Jahrzehnt zusammen mit dem Statistischen Amt ein Beobachtungsinstrument, um Strukturen und Prozesse in öffentlichen Räumen und in ausgewählten Gebieten zu erfassen. Die entsprechenden Informationen werden seither in Struktur- und Ereigniskarten festgehalten. Eine dieser Strukturkarten ist dem Unterhalt der Gebäudefassaden sämtlicher bewohnter Immobilien im Unteren Kleinbasel gewidmet. Die benötigten Daten wurden während mehrmonatiger Feldaufnahmen vom Autor erhoben, mit GIS kartographisch dargestellt und statistisch ausgewertet sowie in Expertengesprächen auf ihre Validität geprüft.


Sozialhilfe in Basel – Räumliche Strukturmuster und deren Dynamik

Remo Saner

Die gegenwärtig unvorteilhaften demographischen und wirtschaftlichen Entwicklungen setzen den Sozialstaat Schweiz und seine Institutionen unter Druck. Immer mehr Menschen geraten, z. T. trotz Arbeit, in Sozialhilfeabhängigkeit. Infolge von Arbeitsplatzabbau und selektiven Abwanderungen steigt in Städten die Gefahr räumlicher Konzentrationen von Armut. Der folgende Beitrag bietet eine Auswahl an Ergebnissen aus einer Masterarbeit, in der die räumlichen Strukturmuster von Sozialhilfeempfängern in Basel thematisiert wurden. Im Hinblick auf integrale Stadtplanung und soziale Integration stellt das Aufzeigen räumlicher Verdichtungen von Armut ein wichtiges Unterfangen dar.


Die Verbleibsquote von Absolventen der Universität Basel

Benjamin Wieland

Der Beitrag untersucht die Verbleibsquote von Absolventen der Universität und vergleicht sie mit den Werten der anderen elf Schweizer Universitäten. Weiter wird den zwei Fragen nachgegangen, in welche Regionen die abgewanderten Absolventen gezogen sind und ob es Fachbereiche gibt, welche stärker von Abwanderung betroffen sind als andere. Als Datengrundlage dient ein Fragebogen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2005 mit 277 Antworten. Die Befragung erfolgte durchschnittlich fünf Jahre nach Studienabschluss. Die Studie belegt eine relativ hohe allgemeine Verbleibsquote. Werden die einzelnen Fachbereiche getrennt betrachtet, so zeigen sich grosse Unterschiede: In Fächern, welche dem Profilierungsbereich “Kultur” zuzurechnen sind, ist die Verbleibsquote überdurchschnittlich hoch. Bei den “Life Sciences” sind grössere Wegzüge zu beobachten. Von den Absolventen der naturwissenschaftlichen Fächer sind fünf Jahre nach Abschluss nur noch etwas mehr als die Hälfte in der Arbeitsmarktregion Basel wohnhaft. Die tiefste Verbleibsquote weisen die Wirt¬schafts-wissenschaften auf.


Der Einzelhandel und Einkaufsbeziehungen in Grenzorten am Oberrhein

Marc Funk

Die zunehmenden Verflechtungen am Oberrhein haben zur Ausbildung eines trinationalen Wirtschaftsraumes mit hoher Standortattraktivität für Unternehmen und Personen geführt. Der grenzübergreifende Alltag der Bürger spielt sich überwiegend in den Bereichen Kultur, Freizeit und Einkaufen ab. Der Einzelhandel in den Grenzorten Kehl, Lörrach und Weil am Rhein profitiert von der räumlichen Nähe zu Strasbourg und Basel, einem in verschiedenen Sortimenten bestehenden Preisgefälle sowie der Lust der Nachbarn auf Spezialitäten und auf ein anderes Einkaufserlebnis. Für die Zukunft gilt es, die Kunden aus den Nachbarländern nicht nur durch Preisunterschiede, sondern vor allem durch strategische Stadtmarketingkonzepte dauerhaft zu binden.

Nr. 50/1 - 2009

Nr. 50/1 - 2009

► Jahresverzeichnis 2009 als pdf.

Naturgefahren und Umweltmanagement

„Hochwasserschäden kosten über 116 Millionen Franken“, war Anfang Februar als Schlagzeile zu lesen. Dies geht aus einem Bericht des Kantons Basel-Landschaft zum Hochwasser vom August 2007 hervor. Gleichzeitig wurden auch Schutzmassnahmen im Umfang von 30 Millionen Franken vorgeschlagen, welche neben baulicher auch planerischer Art sein sollen.

Diese Ausgabe der REGIO BASILIENSIS mit dem Titel „Naturgefahren und Umweltmanagement“ soll dem Leser verschiedene Aspekte dieses Themas näherbringen. Aspekte, die zur Verringerung der genannten Schadenssumme beitragen können. Letztlich muss sich unser Umgang mit den Naturprozessen aber auch in unseren Köpfen verändern. Denn eines ist sicher: „Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser.“


Umweltwandel und Naturgefahren – Landschaftssystemanalyse
in Forschung und Anwendung

Nikolaus Kuhn & Edith Beising

Die Gemeinden des westlichen Hochrheintals als Teil der Metropolitanregion Basel befinden sich grösstenteils in einem konstanten Wachstum. Dies zeigt sich in einem zunehmenden Flächenverbrauch und in einer ansteigenden Zersiedelung sowie Versiegelung. Gleichzeitig findet eine Intensivierung der Landwirtschaft statt. Die Konsequenz dieses Wandels der Kulturlandschaft ist ein stetig voranschreitender Umweltwandel. Da das Landschaftsökosystem aufgrund der andauernden Nutzung keinen Gleichgewichtszustand mehr erreichen kann, befinden sich Geosphären wie auch der Boden in einem Zustand der Transition (Übergang). Dieses Ungleichgewicht des Landschaftsökosystems bewirkt ein höheres Naturgefahrenrisiko. Dieses kann – je nach betrachteter Massstabsebene – unterschiedlich ausfallen


Umweltmanagement in der Linthebene. 200 Jahre Naturgefahr. Hochwasser im
Spiegel des gesellschaftlichen Mentalitäts- und Wertewandels

Lea Steppacher

In der Linthebene begegnen die Menschen der Naturgefahr Hochwasser seit 200 Jahren, vom Bau des Escher- und Linthkanals bis hin zu der heutigen gewässerbaulichen Massnahme einer Revitalisierung im Zusammenhang mit der notwendigen Sanierung der bestehenden Dämme. Der komplexe Zusammenhang zwischen veränderter Land- und Bodennutzung, den sich daraus ergebenden Wahrnehmungen über deren Wert und Bedeutung, dem Naturbewusstsein und den sich verändernden Interessenlagen der mehr oder weniger betroffenen Bevölkerung wird in diesem Beitrag am Beispiel der Linthebene aufgezeigt.


Naturgefahren in der Raumplanung

Martin Huber

Mit raumplanerischen Massnahmen lässt sich das Risiko, durch Naturereignisse betroffen zu werden, deutlich reduzieren. Dies erfolgt erstens durch eine weitestgehende Übernahme der Gefahrengebiete in die Zonenpläne der Gemeinden sowie durch eine Anpassung der Nutzung in den gefährdeten Gebieten (Reduktion des Schadenpotenzials). Voraussetzung ist, dass das Mass der Gefährdung in diesen Gebieten bekannt ist. Raumplanung wirkt somit primär präventiv.


Die Naturgefahrenkarten des Kantons Basel-Landschaft

Veronika Röthlisberger

Der Kanton Basel-Landschaft erarbeitet bis Ende 2010 für sämtliche 86 Gemeinden eine Naturgefahrenkarte. In den Karten wird die Gefährdung des Siedlungsgebietes durch Überflutungen, Steinschlag und Rutschungen differenziert nach Gefahrenstufen ausgewiesen. Der Artikel beschreibt die zahlreichen bis zur Fertigstellung einer Naturgefahrenkarte notwendigen Arbeitsschritte und erläutert das Vorgehen und die Projektorganisation im Kanton Basel-Landschaft.


Die Änderung der winterlichen Niederschläge von Basel.
Untersuchungen der Basler Klimareihe 1901–2007

Daniel Hernández Rodríguez & Eberhard Parlow

Die über hundertjährige Klimareihe der Niederschläge von Basel (1901–2007) zeigt eine mit den globalen und europäischen Trends und Prognosen übereinstimmende Änderung der Niederschlagsmenge in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar. Neben den Monatsniederschlagssummen hat sich auch die Häufigkeit von Starkniederschlägen (≥ 10 mm/Tag) signifikant erhöht. Diese Zunahmen lassen sich nur durch den deutlichen Anstieg der Lufttemperaturen als Folge des globalen Klimawandels erklären. Hierdurch ist die Atmosphäre in der Lage, mehr Wasserdampf aufzunehmen und letztlich mehr Niederschlag zu generieren.


Regionale Wasserversorgung im Zeichen des Klimawandels

Daniel Schaub

Die kantonalen Umweltbehörden sind unter dem Eindruck des Klimawandels gefordert, ihre bisherigen Ansätze zur Ressourcenverteilung neu zu beurteilen. Da sinkende Grundwasserstände angenommen werden, muss bei der Wasserversorgung einer möglichen Mangelsituation vorgebeugt werden, welche die bereits bestehenden Nutzungskonflikte verschärfen würde. Lenkungsmassnahmen bestehen einerseits in Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Senkung des Wasserverbrauchs, andererseits in baulichen Eingriffen zur Grundwasseranreicherung. Damit dürften die Folgen eines Klimawandels in diesem Bereich bewältigbar sein.

Nr. 50/2

Nr. 50/2

Geogaphinnen und Geographen im Beruf

Geographie als Beruf? Vor einigen Jahrzehnten wäre diese Frage vielleicht noch eher berechtigt gewesen. Inzwischen hat sich das berufliche Umfeld der Geographie jedoch markant verändert: Die Umwelt soll nachhaltig genutzt werden, Verwaltungen arbeiten und organisieren sich raumbezogen, Städte werden professionell geplant und vermarktet, globale und regionale Umweltprobleme geniessen erhöhte Aufmerksamkeit etc. Längst ist die Zeit vorbei, wo man sich als Geograph oder Geographin rechtfertigen musste, warum man dieses Studium gewählt hat. Themenfelder mit räumlichen Aufgabenstellungen gibt es unzählige und die Geographie verfügt über die notwendigen Werkzeuge, um diese Aufgaben erfolgreich zu bearbeiten. Für einen gelungenen Berufseinstieg muss jedoch fast immer auf vorberufliche Qualifikationen zurückgegriffen werden, welche nicht im universitären Studium erworben wurden: Ein Praktikum hier, ein Ferienjob dort; denn niemand weiss von Beginn weg, wo der entscheidende Einstieg in die spätere Berufswelt stattfinden wird.

In dieser Ausgabe der Regio Basiliensis beleuchten einige Berufsgeographinnen und -geographen ihre Ausbildung und ihre jetzige Arbeit.


Werner Gallusser – Leben und Werk. Ein Interview mit dem Jubilar anlässlich seines 80. Geburtstages von Dieter Opferkuch

Dieter Opferkuch

Anlässlich des 80. Geburtstags von Werner A. Gallusser, Ordinarius für Humangeographie an der Universität Basel 1974–1994, nennt der Jubilar in einem Gespräch wichtige Fixpunkte seines Lebenswegs und umreisst Kernelemente der von ihm vertretenen Aktualgeographie. Das Elternhaus vermittelte ihm demokratische Haltung und soziales Engagement. Vor dem Hintergrund starker Affinität zu naturwissenschaftlichen Themen erscheint ihm für das Verständnis und die Erklärung von Raumentwicklung das menschliche Handeln entscheidend. Entsprechend entwickelte er seinen Forschungsansatz innerhalb der Humangeographie: Die aktualgeographische Analyse erfasst Dynamik und Strukturen bestehender räumlicher Erscheinungen und erlaubt, potenzielle Entwicklungen abzuschätzen.


Das Berufsbild der Geographen

Hartmut Leser

Absolventen des Fachstudiums Geographie arbeiten überwiegend in der Praxis. Die Ausbildungsqualität wurde durch praxisnahe Studienpläne mit generalistischem Aspekt sichergestellt. Die im Angebot verankerten theoretischen und methodischen Fachgrundlagen gewährleisteten dies. Die Praxis zog Berufsgeographen nicht nur wegen der Sach- und Methodenvielfalt, sondern zusätzlich vor allem wegen der Raumbezogenheit der Ausbildung den Mitbewerbern vor. Mit dem Bologna-System wurden die Gewichte in der Ausbildung verschoben – eher weg von der Geographie. Dies lässt schon heute einen Qualitätsverlust in der Geographieausbildung konstatieren. Er kann nur dann kompensiert werden, wenn man mit den Zielen von Bologna ernst macht – aber das geht nur mit deutlich erhöhtem Geldmitteleinsatz. Das Fach Geographie selber sollte sich nicht in stark diversifizierten und wenig fachbezogenen Masterabschlüssen verzetteln, die nur dem Namen nach noch Geographie sind.


Vom Erosionsforscher zum Leiter einer Umweltbehörde

Daniel Schaub

Der Schritt von der Forschung zum amtlichen Umweltschutz ist hinsichtlich der Arbeitsorganisation gross, vom inhaltlich-fachlichen Bereich her gibt es weniger Differenzen. Mit den heutigen Rechtsgrundlagen hat sich der Umweltschutz in der Schweiz auf hohem Niveau etabliert, was die Möglichkeit gibt, konstruktive Lösungen zu finden. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen meiner Ansicht nach in der Ausbildung in den Universitäten zur Vorbereitung auf den späteren Einsatz in der Praxis.


Umweltberatung – Von der Uni in den freien Markt

Daniel Rüetschi

Nach dem Studium von Biologie und Geographie wurde der Autor während seiner Dissertation am Geographischen Institut der Uni Basel vor neun Jahren Teilhaber eines kleinen Umweltberatungs- und GIS-Büros. Seine Erfahrungen zeigen, dass das Geographiestudium eine gute Ausgangsbasis für ein eigenes Geschäft im Umweltbereich ist. Doch dies reicht nicht: Wirtschaftliche Kenntnisse müssen nachgeholt werden. Zudem sind ein gutes Netzwerk sowie Offenheit und Engagement wichtig.


Informationen für Öffentlichkeit und Verwaltung: Eine Geographin leitet das Statistische Amt Basel-Stadt

Madeleine Imhof

Die Arbeit in einem statistischen Amt ist ausserordentlich abwechslungsreich und reicht von der Erhebung der Daten über die Erstellung von Studien bis zur Herausgabe von Publikationen. Geographinnen und Geographen bringen durch die methodische und thematische Breite ihres Fachs beste Voraussetzungen dafür mit.


Ortsplanung: Geographisches Fachwissen und Fingerspitzengefühl sind gefragt

Katrin Bauer

Die Autorin studierte in Basel Geographie. Heute arbeitet sie bei der Gemeindeverwaltung Reinach/BL und ist dort hauptsächlich zuständig für die Ortsplanung. Sie führt ein fünfköpfiges Team, bringt Umweltschutz- und Energieanliegen in die Gemeinde ein und entwickelt gemeinsam mit dem Technischen Verwalter die Ortsplanung. Dabei sieht sie die grösste Herausforderung in der Kommunikation zwischen den Projektbearbeitern, den politischen Gremien und der Bevölkerung. Rückblickend hätte sie sich für ihr Studium mehr Kurse in Projektmanagement und Präsentationstechnik gewünscht.


Der Beruf des Kreisplaners. Als Geograph im Amt für Raumplanung des Kantons Basel-Landschaft

Oliver Stucki

Die Raumplanung hat für eine haushälterische Nutzung des Bodens und eine geordnete Besiedlung des Landes zu sorgen. Art und Mass der Nutzung jeder einzelnen Landfläche werden – in der Regel durch die Gemeinden – öffentlich-rechtlich festgelegt. Der Kreisplaner steht den Gemeinden dabei als beratende und unterstützende Ansprechperson zur Verfügung. Zudem prüft er die Planungen auf ihre Rechtmässigkeit. Für diesen Beruf bietet das Geographiestudium bezüglich Interdisziplinarität, ganzheitlichem Ansatz und räumlichem Vorstellungs-vermögen ideale Voraussetzungen, welche mit spezifischer Weiterbildung vertieft werden können.


Als Geograph in der internationalen Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit

Karl Herweg

Die Arbeit in einer komplexen Entwicklungsproblematik bringt uns mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammen und erfordert zudem die Integration verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen, inklusive ihrer eigenen Kommunikationskulturen. Damit ist es eine sehr spannende und vielseitige Tätigkeit. Das eigene Studium bietet uns im besten Fall eine gute fachliche Grundlage, um in solchen Teams mitarbeiten zu können. Es bereitet aber nicht oder kaum auf z. B. die zunehmende Administration, Arbeitsorganisation (als Vorgesetzte) oder die Kommunikation in einem interkulturellen Umfeld vor, in dem eine persönliche Erfahrung erst aufgebaut werden muss. Arbeits- und Managementtechniken sind nicht expliziter Teil des Studiums, wir könnten sie uns aber schon während dieser Zeit aneignen. Die zwischenmenschlichen Bereiche können wir hingegen nicht planen. Wir müssen uns aber bewusst machen, dass die Sozialkompetenzen (nicht nur) in einem interkulturellen Kontext mindestens so wichtig sind wie die fachlichen Kompetenzen, und sie entsprechend ausbauen.


Dr. h.c. Georges Bienz zum Gedenken

Dieter M. Opferkuch

Nr. 50/3

Nr. 50/3

Wirtschaftsstandort Oberelsass - ständig in Anpassung

Es vergeht aktuell keine Woche ohne Nachrichten über Auswirkungen der Wirtschaftskrise: Stellenabbau, Betriebsschliessungen, Verlagerungen ... Um in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein, muss sich eine Firma weiterentwickeln und innovative Ideen hervorbringen.

Das Oberelsass, das bisher schon eine bewegte Geschichte hinter sich hat und bezüglich Wirtschaft zahlreiche Trümpfe vorweisen kann, wird von der Wirtschaftskrise erneut nicht verschont. Rückblickend auf die Wirtschaftsgeschichte des Oberelsass lässt sich sagen, dass vor allem der Wandel beständig ist. Der Wandel ist zugleich aber auch die Möglichkeit, mit neuen Ideen einer Region positive Impulse zu verleihen.

 

 


Les défis du Sud Alsace

Jean-Pierre Lavielle

Fort de ses nombreux atouts, le Sud Alsace subit aujourd’hui les effets de la crise économique mondiale. Le contexte actuel et les difficultés que rencontrent les entreprises nous amènent à relever avec elles des défis d’une ampleur exceptionnelle. Nous nous sommes engagés dans cette démarche avec détermination pour profiter de toutes les opportunités.
Notre action aux côtés des entreprises vise d’une part à faciliter leur développement par l’innovation, la diversification, la création d’activités nouvelles, l’accès aux marchés étrangers, et d’autre part à renforcer l’attractivité de notre territoire en s’appuyant sur tous les leviers existants: commerce, tourisme, compétences et infrastructures. Ainsi avec les entreprises nous saurons relever les défis de ce nouveau siècle.

Trotz seiner zahlreicher Trümpfe spürt das Oberelsass heute die Wirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise. Die aktuellen Gesamtumstände und die Schwierigkeiten, denen die Unternehmen gegenüberstehen, sind Heraus-forderungen von aussergewöhnlichem Umfang. Die “Chambre de Commerce et d’Industrie Sud Alsace Mulhouse” (CCI) ist fest entschlossen, sämtliche Entwicklungspotenziale zu fördern. Ihre Massnahmen sehen zum einen die Förderung der Unternehmen durch Innovation, Diversifikation, Generierung neuer Geschäftsfelder, Zugang zu Auslandsmärkten, andererseits die Steigerung der Attraktivität des Oberelsass an allen bestehenden Hebeln vor: Handel, Tourismus, Kompetenzen und Infrastruktur. Auf diese Weise wird die Wirtschaft die Herausforderungen des jetzigen Jahrhunderts meistern.


Das Oberelsass. Wirtschaft und Standort

André Klein

Das Werden der elsässischen Wirtschaft ist eng mit der Geographie und der Geschichte verbunden. Als Weingegend wurde das Oberelsass schon früh in den internationalen Handel eingebunden. Es gehörte auch zu den ersten Industrieregionen Europas im 18. und 19. Jahrhundert. Die wiederholten Konflikte zwischen Frankreich und Deutschland brachten der Region viel Schaden. Nach 1950 gab die Freundschaft zwischen den zwei Nachbarstaaten und der Aufbau Europas dem Oberelsass hingegen neue Chancen. Diese sind jedoch heute durch die Globalisierung und die Krise wieder in Frage gestellt.


Verbrauchermobilität im südlichen Oberrheingebiet – Einzelhandelsverflechtungen im trinationalen Grenzraum

Rudolf Michna

Die Grenzen am Oberrhein haben schon seit einiger Zeit vielfach ihre trennende materielle Wirkung für die Alltagsaktivitäten der Bewohner der beiden Rheinseiten verloren. Dennoch äussern erstaunlich viele Probanden auch bei jüngsten Befragungen, noch nie oder nur selten in die Nachbargebiete gefahren zu sein. Allerdings zeigen sich dabei signifikante Unterschiede zwischen den drei Teilgebieten. Neben den Ausflugsfahrten gehört das Einkaufen im benachbarten Ausland zu den häufigsten Austauschbeziehungen. Preisgefälle und Sortimentsunterschiede bilden dafür das stärkste Motiv. Die im Ausland eingekauften Warenkörbe zeigen bei den drei Nationalitäten eine jeweils spezifische Zusammensetzung. Grenznahe Einzelhandelsstandorte profitieren am stärksten von den ausländischen Kaufkraftzuflüssen.


Mulhouse/Mülhausen – das führende Wirtschaftszentrum im Oberelsass in einer Phase tiefgreifender Umbrüche

Ernst-Jürgen Schröder

Kaum eine andere Stadt befindet sich seit Jahrzehnten in einer Phase so tiefgreifender wirtschaftlicher Umbrüche infolge der zunehmenden Globalisierung und veränderten politischen Rahmenbedingungen wie das oberelsässische Mulhouse/Mülhausen. Noch im 19. Jahrhundert war es die grösste Industriestadt am südlichen Oberrhein; nun drohen derzeit die Reste der einstigen Traditionsbranchen komplett wegzubrechen. Über eine offensive, mit “Renaissance de Mulhouse” betitelte Stadterneuerungspolitik – als deren bislang sichtbarstes Zeichen die Reaktivierung der Strassenbahn zur nachhaltigen Attraktivitätssteigerung des Wirtschaftsstandortes Mulhouse wie zur gezielten Mobilitätsförderung und Integration seiner sozialen Problemgruppen steht –, stellt sich die Stadt bewusst dem verschärften Wettbewerb unter den Städten.


Der Oberrhein als Verkehrsweg. Ehemaliges Grenzgebiet und neue Perspektiven

Raymond Woessner

Der im Herzen Europas gelegene Oberrhein bildet ein Verkehrskreuz, einen Transitraum und er ist ein stark verstädterter Raum. Trotz zahlreicher Hindernisse soll die nachhaltige Entwicklung dieses Raumes das Leitmotiv sein. Der Oberrhein sieht wie eine sich im Bau befindende räumliche Schnittstelle aus. Drei nationale Kulturen kreuzen sich in ihrem Bereich, woraus sich sowohl gegenseitige Konkurrenz wie auch eine gegenseitige Übernahme leistungsfähiger Modelle ergibt.

Situé au coeur de l’Europe, le Rhin supérieur est à la fois un carrefour, un espace de transit et il connaît une vie urbaine intense. Malgré de nombreux obstacles, il entre dans des logiques de développement durable. Il apparaît comme un territoire interface en construction entre trois cultures nationales, d’où il résulte des logiques de concurrence mais également d’acclimatation réciproque de modèles performants.


Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt – 200 Jahre Geschichte

Jean-Marie Woehrling

Die Langlebigkeit der ZKR erklärt sich durch ihre Fähigkeit, ihre Ziele – die Freiheit und die Sicherheit der Rheinschifffahrt – mit immer neuen Inhalten zu beleben, aber auch eine effektive Arbeitsorganisation, gekennzeichnet durch ein starkes Sekretariat und enge Beziehungen zum Gewerbe, zu entwickeln. Gegenwärtig hat die ZKR die Auswirkungen der europäischen Integration der Binnenschifffahrt zu überwinden. Dazu muss sie ihre Pilotfunktion in diesem neuen Rahmen behaupten und eine Kooperationsbeziehung mit der Europäischen Kommission entwickeln.


Hartmut Leser zum 70. Geburtstag

Thomas Mosimann

Nr. 49/1 - 2008

Nr. 49/1 - 2008

► Jahresverzeichnis 2008 als pdf.

Bäche und Uferzonen

Seit vielen Jahren untersuchen Basler Geographinnen und Geographen die Fliessgewässer und Uferzonen der Region. Dabei standen - neben der Bodenerosion - oft Aspekte der naturnahen Gestaltung oder auch Selbstreinigungsprozesse der Auenlandschaften im Vordergrund. In dieser Ausgabe der REGIO BASILIENSIS werden die neuesten und vorläufig letzten Arbeiten der Ära von Hartmut Leser am Geographischen Institut Basel zu dieser Thematik vorgestellt. Sein Nachfolger, Niklaus Kuhn, wird die Forschungsarbeiten mit neuen Schwerpunkten fortsetzen und dabei sicherlich auf einige nutzbringende Spuren seines Vorgängers stossen.

 

 

 


Physiogeographische Gewässerforschung in der Regio Basiliensis

Hartmut Leser

Die Regio Basiliensis ist traditioneller Forschungsgegenstand der Basler Geographie. In verschiedenen Projekten wurden die Themen Gewässer und Auenlandschaften aufgegriffen. Dieser Artikel stellt einen Grossteil jener hydrogeographischen Arbeiten zusammen, die zwischen 1995 und 2008 entstanden. Die Arbeiten werden summarisch kommentiert und in einen methodisch-methodologischen Rahmen gestellt. Zusätzlich werden die Artikel des vorliegenden Heftes kurz vorgestellt.


Ufererosion und Gerinneretention in kleinen Fliessgewässern der Region Basel

Christian Katterfeld

In einer dreijährigen Feldstudie wurden zwei Bäche unterschiedlicher Landschaftsräume hinsichtlich ihres gewässerinternen Sediment- und Nährstoffhaushaltes untersucht. Vor dem Hintergrund langjähriger Bodenerosionsuntersuchungen im Schweizer Tafeljura lieferte die Bilanzierung der Ufererosion wertvolle Hinweise auf die oft unterschätzte Rolle des Gewässers als Sedimentquelle. Die Analysen verschiedener Bachquerprofile und die Untersuchung des Sedimentphosphors der Sohlsedimente zeigten, welch bedeutsame Rolle gerade diese kleinen Gewässer im Kontext der Sediment- und Nährstoffretention innehaben. Die Ergebnisse helfen, die Austragsdynamik besser zu verstehen, die eine wesentliche Grösse bei der Entwicklung von Emissionsmodellen darstellt.


Abflussbildung und Abflusskonzentration – entscheidende Prozesse für den diffusen Nährstoffeintrag

Philipp Schneider

Präferenzielle Fliesswege im Boden sind potenziell ein wichtiger diffuser Eintragspfad für Nährstoffe aus der Landwirtschaft in die Gewässer. Verbinden sich z. B. vertikale Makroporen und laterale Röhrensysteme im Boden, führt dies zu beschleunigter Infiltration und schneller Entwässerung. Entsprechend erfolgt der laterale Transport von Stoffen zum Gewässer hin – die Abflusskonzentration – überwiegend unterirdisch. Da Abfluss insbesondere an Grünlandstandorten primär im Boden gebildet wird, dominiert bei Hochwasser der schnelle unterirdische Abfluss (SSF) und der beschleunigte Grundwasserabfluss (GWR). Der schnelle Transport verschiedener Markierstoffe bei Niederschlagsereignissen und Experimenten belegt eine ausgeprägte hydrologische Vernetzung in den Böden des Bergseegebiets bei Bad Säckingen.


Phosphorausträge bei sehr feuchter und trockener Witterung Aspekte der Skalendynamik und der Klimaveränderung

Rainer Weisshaidinger

Im Untersuchungsgebiet Länenbachtal (Gemeinde Rothenfluh, Basel-Landschaft) wurden vom 01.01.2002 bis 30.06.2004 Analysen von Bach- und Drainagewasser durchgeführt. Im Vordergrund der chemischen Analysen standen Phosphor und dessen Transport während Hochwasser- bzw. Niedrigwasserabfluss. Zwei aufgetretene “extreme” Witterungsperioden spiegeln laut wissenschaftlichen Studien zukünftige Klimaszenarien: regen- und abflussreiche Herbste / Winter bzw. trockene Sommer. Die Untersuchungen zeigen, dass Kleingewässer im Tafeljura ökologisch sehr sensibel auf derartige Bedingungen reagieren und wie im Sommer 2003 über weite Strecken und über Monate hinweg austrocknen können. Die aufgetretenen Phosphorkonzentrationen in Trockenperioden sind in weiten Bachabschnitten sehr hoch, die gesamte Austragsmenge (Fracht) an Phosphor gering. Hochwasserereignisse im Herbst/Winter weisen dagegen sehr hohe Phosphorfrachten auf, hauptsächlich durch Gerinneerosion verursacht. Die Studie stellt als Konzeptmodell drei Niederschlags-Abfluss-Typen vor, die den Stofftransport gut abbilden und zukünftige Szenarien berücksichtigen.


Uferzonen von Fliessgewässern. Grenzen, Funktionen und geoökologische Prozessdynamik

Randy Koch

Uferzonen besitzen vielfältige naturräumliche und gesellschaftliche Funktionen. Sie bestehen aus verschiedenen Teilräumen mit unterschiedlichen Eigenschaften. In einer mehrjährigen Projektarbeit wurden die Uferzonen von Fliessgewässern der Region Basel geoökologisch untersucht. Die Prozessdynamik der Wasser- und Stoffflüsse im Uferbereich präsentiert sich kleinräumig heterogen und zeitlich variabel. Die dominanten Fliesspfade verlaufen unterirdisch. Andererseits variiert der Feststofftransport auf der Uferzonenoberfläche kleinräumig. In Ufergrasstreifen findet vermehrt Akkumulation statt, währenddessen die Uferböschungen intensiver Erosion ausgesetzt sind.


Geoökologische Uferzonen-Kartierung im mittleren Leimental – Eine geoökologische Beurteilung des aktuellen Uferzonen-Zustandes

Jeanette Schaub und Randy Koch

In stark genutzten Gebieten – sei dies in Landwirtschaftszonen oder in Siedlungsgebieten – fallen vermehrt Nährstoffe an, die in die Gewässer gelangen. In der Landwirtschaft können die diffus und punktuell ausgetragenen Nährstoffe zur Eutrophierung der Gewässer führen. In Siedlungsgebieten gibt es aber auch Direkteinträge von Strassenwasser, die Gewässer verunreinigen. Durch eine vielfältige Struktur und eine angemessene Breite können Uferzonen zur Verringerung solcher Einträge beitragen. Die geoökologische Kartierung der Uferzonen von Fliessgewässern ist ein Instrument zur Dokumentation des aktuellen bzw. Ist-Zustandes der Uferzonen. Dabei werden die Bemessung, Strukturen und Zusammensetzung der Uferzonen, die Landnutzung im Uferbereich und die Reliefmerkmale kartiert. Im Untersuchungsgebiet – dem mittleren Leimental südlich von Basel – sind die Uferzonen variantenreich ausgeprägt. Aus geoökologischer Sicht kann ihr Gesamtbild deshalb standortabhängig von “mangelhaft” bis “geoökologisch funktional” bewertet werden. Das Retentionsvermögen der untersuchten Uferzonen gegenüber Nährstoffeinträgen in die Bäche kann allgemein als mässig bewertet werden.


Geoökologische Kartierung und GIS-gestützte Bestimmung der Zielbreiten von Uferzonen in der Grossregion Basel

Sascha Amhof

Weil genügend breite und gut strukturierte Uferzonen die Belastung der Gewässer durch Rückhalteprozesse von Wasser, Bodensedimenten und Nährstoffen im Gewässerrandbereich reduzieren, sind sie als wichtiger Bestandteil eines integralen Gewässerschutzes zu verstehen. Hier wird ein GIS-gestütztes Verfahren zur Bestimmung standortspezifischer Zielbreiten von Uferzonen präsentiert, die einen ausreichenden Gewässerschutz gewährleisten. Der in der Abschlussarbeit des Autors in ArcGIS umgesetzte Bewertungsansatz erfährt eine praktische Anwendung an Datenbeständen eines studentischen Kartier-Projekts. Die Praxistauglichkeit des Vorgehens wird gezeigt. Die regional-vergleichenden Ergebnisse verweisen darauf, dass die realen Uferzonenbreiten in der Grossregion Basel durchschnittlich um 1–5 m zu schmal sind.


Ausdolung kleiner Fliessgewässer im Baselbiet

Regula Waldner, Stephan Durrer, Urs Chrétien und Guido Masé

In den vergangenen Jahren wurden schweizweit grosse Anstrengungen unternommen, um anthropogen veränderte Fliessgewässer wieder aufzuwerten. Allerdings zeigen sich bei den bisherigen Revitalisierungs- und Ausdolungsprojekten frappante Unterschiede zwischen grösseren und kleineren Fliessgewässern, vor allem in Bezug auf das gesetzlich notwendige Instrumentarium und das Umsetzungstempo: Während bei grösseren Objekten heute bereits viele Erfahrungen existieren, orten Fachleute aus verschiedenen Landesteilen bei kleineren Gewässern im ländlichen und landwirtschaftlich genutzten Bereich einen grossen Nachholbedarf. Der Artikel zeigt, dass auch in der Region Basel noch viel für Kleinstgewässer getan werden könnte, und bedient sich dazu eines Akteur-zentrierten Ansatzes.

Nr. 49/2

Nr. 49/2

Geographie im Unterricht

Mit dem Schulfach Geographie verbinden viele ältere Menschen noch immer, dass man dort lernt, wo bestimmte Städte, Gebirge, Flüsse oder Seen liegen und welche Passübergänge welche Täler verbinden. Die heutige Elterngeneration weiss zumindest, dass in der Geographie heute auch prozessorientierte Themen wie Klimakunde, Plattentektonik, Naturgefahren, Stadtentwicklung, Wirtschaftsgeographie und vieles mehr unterrichtet werden.



Mit der vorliegenden Ausgabe der REGIO BASILIENSIS soll gezeigt werden, dass sich die Inhalte und Methoden des Geographieunterrichts seit seit damals erneut beträchtlich verändert haben. Die Geographie hat sich zu einem hochkomplexen Umweltfach entwickelt, welches mit verschiedenen – immer häufiger auch kompetenzbasierten – Methoden versucht, den beträchtlichen globalen Herausforderungen zu begegnen.

Die Geographie zeigt sich heute bereits im Schulzimmer sehr vielseitig. Neue Technologien haben im Klassenzimmer Einzug gehalten, die Geographie hat in der schulischen Ausbildung einen anderen Stellenwert bekommen. Spannend genug, um mit der eigenen Schulzeit zu vergleichen und die weitere Entwicklung zu verfolgen.


 

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Fachdidaktik Geographie an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW)

Dieter Opferkuch

Im Rahmen des Zusammenschlusses zahlreicher nordwestschweizerischer Fachhochschulen zur Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) wurde 2006 als eine von neun Hochschulen die Pädagogische Hochschule (PH FHNW) gegründet. Ab Herbstsemester 2009 bietet diese neu konzipierte Ausbildungslehrgänge für alle Richtungen an, so auch für die Sekundarstufe I und II. Aus diesem Grund werden gegenwärtig die Fachdidaktik-Inhalte aller Fächer – auch diejenigen der Geographie – aktualisiert. Aus Anlass dieser Neuausrichtung erfolgt eine Standortbestimmung. Da gegenwärtiger Unterricht in Inhalt und Durchführung von fachlichen und fachdidaktischen Strömungen früherer Epochen beeinflusst ist, skizziert der Artikel einige Hauptlinien seit Ende des 19. Jahrhunderts sowie aktuelle Fragestellungen wie Nachhaltigkeit und Bildungsstandards. Dies bildet die Grundlage zum Verständnis der im letzten Teil umrissenen Leitideen und Konzeptionen der vorgesehenen Geographie-Fachdidaktik-Ausbildung an der PH FHNW.


Lernen mit Luft- und Satellitenbildern im Geographieunterricht – eine fernerkundungsdidaktische Betrachtungsweise

Monika Reuschenbach

Seit kurzer Zeit liegt ein Konzept vor, das die Integration von Fernerkundungsdaten, besonders von Luft- und Satellitenbildern, in den Geographieunterricht vorstellt. Es zeigt auf, welche Kompetenzen bei der Arbeit mit Luft- und Satellitenbildern erworben werden können. Dabei gilt auch zu berücksichtigen, dass nicht die Disziplin Fernerkundung im Vordergrund steht, sondern deren Einbettung in Lehrplanthemen des Geographieunterrichts. Erste Einschätzungen zur visuellen Kompetenz von Schüler/-innen runden den Beitrag ab.


Der Einsatz von Geographischen Informationssystemen (GIS) an Schweizer Gymnasien

Carmen Treuthardt Bieri

Der Einsatz von Geographischen Informationssystemen (GIS) im Unterricht der Sekundarstufe II steckt noch in einer Pionierphase. Die Technologie ist an Gymnasien relativ neu und noch wenig erprobt. So hängt das Arbeiten damit stark vom Willen und Engagement der einzelnen Geographielehrperson ab. Bei Schülern und Schülerinnen ist die Arbeitsweise mit GIS, da sie sich doch wesentlich vom herkömmlichen Unterricht unterscheidet, sehr beliebt. Im folgenden Artikel soll aufgezeigt werden, weshalb GIS im Geographieunterricht in Zukunft immer wichtiger wird und wie auf gymnasialer Ebene mit GIS-Programmen gearbeitet werden kann.


Geographie als Ergänzungsfach – Chance für Schüler und Lehrkräfte am Gymnasium

Christoph Wüthrich

Der Artikel gibt Auskunft über pädagogische Ziele, Stundendotation und Lehrpläne des Ergänzungsfachs Geographie in der Basler Region. Es wird gezeigt, dass momentan an den Gymnasien sowohl länderkundliche (regionale) wie auch thematische Geographie mit unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet wird. Gemeinsam ist, dass im Vergleich zum Regelunterricht vermehrt “Erweiterte Lernformen” und “Ausserschulische Lernorte” zum Einsatz gelangen. Die Schülerschaft übt Kompetenzen wie Recherchieren, Analysieren, Texte verfassen und Vortragen. Sie entwerfen Exkursionen, leiten diese selbst und moderieren Diskussionen. Das Ergänzungsfach ermöglicht individuelle Rückmeldungen über die Verbesserungspotenziale der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Die “Erweiterten Lernformen” werden von der Schülerschaft als Stärke des Ergänzungsfachs gesehen. Die Lehrkräfte selbst schätzen den Stellenwert des Ergänzungsfachs für sich selber als sehr hoch ein und schöpfen daraus Motivation für den Regelunterricht. Ein wichtiges Fazit dieses Artikels besteht darin, dass dem Ergänzungsfach Sorge getragen werden muss, indem der Besuch “Ausserschulischer Lernorte” gefördert, kleine Lerngruppen zugelassen und die Vielfalt der Ergänzungsfächer durch ein sachliches Wahlverfahren ermöglicht werden. Die Geographie eignet sich besonders gut als Ergänzungsfach, da sie über die Aktualität, Vielfalt und Erschliessbarkeit der möglichen Themen rasch einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerschaft herstellen kann.


Say it in English! Geographie lernen und lehren im immersiven Unterricht – ein Erfahrungsbericht

Kornelija Karabin


Vor einigen Jahren haben die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft durch die Einführung des Immersionsunterrichts auf gymnasialer Ebene die Türen zur zweisprachigen Maturität geöffnet. Dieses Ausbildungsangebot, das ein vertieftes Fremdsprachenlernen ermöglicht, indem Sachfächer wie z. B. Geographie in einer Fremdsprache unterrichtet werden, erfreut sich zunehmend grosser Beliebtheit. Immer mehr Schülerinnen und Schüler wollen die Vorteile des Immersionsunterrichts für sich nutzen. Schliesslich werden von ihnen häufig sowohl auf ihrem weiteren Bildungsweg als auch später im Berufsleben erhöhte Ansprüche im Bezug auf ihre Fremdsprachenkenntnisse erwartet. Gerade zu Beginn des Immersionsunterrichts scheint aber die Fülle der Neuerungen, die vermeintlich auf die Schülerinnen und Schüler sowie auf die Lehrkräfte zukommt, noch allseits Sorgen zu bereiten. Doch kaum sind die ersten Erfahrungen mit dem fremdsprachlichen Sachfach Geographie gemacht, erweisen sich diese Sorgen als unbegründet. Gemäss dem Motto “doing by learning” zeichnen sich rasch erste Erfolge mit der neuen Unterrichtsform ab, die zwar alle Beteiligten fordert, doch auch grossen Spass macht und Abwechslung in den Schulalltag bringt.


Multimediale Lernobjekte im Geographieunterricht

Thomas Wenger

Der Einsatz von Multimedia im Unterricht führt zu nachweislich besseren Leistungen. Am Beispiel einer Unterrichtseinheit über den Klimawandel (Fachgebiet Geographie) wird gezeigt, wie Multimedia mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in das Klassenzimmer gebracht werden könnte. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit Animationen, Audio- und Videodateien sowie mit Texten aus dem Schulbuch und dem Internet. Der Computer tritt als Lernumgebung gleichberechtigt neben die traditionellen Methoden und schafft – bei entsprechender Vorbereitung – einen Mehrwert. Das Beispiel will Mut machen, ICT als Lernumgebung im Geographieunterricht einzusetzen.

Nr. 49/3

Nr. 49/3

Stadt- und Regionalmanagement

Städte und Regionen konkurrieren heute nicht nur um Arbeitsplätze, Touristen oder Anbindungen an attraktive Verkehrsträger, sondern sie befinden sich in einem immer intensiver werdenden Wettbewerb für talentierte Arbeitskräfte, Unternehmer und Firmen, welche letztlich Innovation und Wohlstand in einer Region sichern sollen. Immer häufiger spielen heute dabei weiche Standortfaktoren (z.B. Sicherheit, Sauberkeit, Netzwerkmöglichkeiten, Freizeitmöglichkeiten etc.) bei der Auswahl einer Region sowohl bei auswanderungswilligen Zuzügern wie auch bei der Standortwahl von Unternehmen eine wichtige Rolle. Die Städte und Regionen reagieren darauf mit einer Professionalisierung des Stadt- und Regionalmanagements. Die vorliegende Nummer nimmt auf diese Entwicklungen Bezug und führt durch verschiedene Aspekte des Stadt- und Regionalmanagements, welches seit 2006 am Geographischen Institut der Uni Basel als Nachdiplomstudiengang („University Professional“) angeboten und besucht wird.

 


Stadt- und Regionalmanagement für zukunftsfähige Regionen

Rita Schneider-Sliwa

Städte sind die unmittelbare Erfahrungswelt für 50 % der Menschen weltweit und für 75 % der Schweizer. Städte stellen den Lebens- und Erholungsraum ihrer Bewohner dar, aber auch Wirtschaftsraum, Arbeitsraum, Innovationsraum – kurz, Städte sind das Herz der Gesellschaft und Motoren des Bruttoinlandprodukts. Städte sind ebenfalls Orte gesellschaftlichen Wandels, vielfältiger Formen sozialer Ausgrenzung, des Verfalls städtischer Teilbereiche, von Migrations- und Integrationsproblemen und der Unangepasstheit planerischer Systeme und öffentlicher Verwaltungen, mit den neuen Herausforderungen und infrastrukturellen Engpässen fertig zu werden. Wie kann Stadtmanagement für die Entwicklung zukunftsfähiger Stadtregionen eingesetzt werden? Ziel dieses Beitrages ist, Stadt- und Regionalmanagement als neues Paradigma der Stadtentwicklung zu skizzieren. Dies grenzt sich klar von der klassischen Stadtplanung und eng verstandenem Stadtmarketing ab und stellt für die Stadt des 21. Jahrhunderts die derzeit angemessenste neue Variante einer langen Tradition von Stadtentwicklungsansätzen dar.


Auf dem Weg zur Internationalen Bauausstellung für Basel (IBA Basel 2020)

Maria Lezzi, Frédéric Duvinage, Bettina Kleine-Finke, Dirk Lohaus

Seit mehr als zwei Jahren bereitet der Trinationale Eurodistrict Basel unter Federführung des Baudepartements des Kantons Basel-Stadt die Austragung einer Internationalen Bauausstellung, IBA Basel 2020, vor. Definitive Entscheide zur Durchführung der IBA Basel 2020 werden für Ende 2008 erwartet. Basierend auf Erfahrungen vergangener und aktueller Internationaler Bauausstellungen in Deutschland sowie umfangreichen Vorarbeiten der Geschäftsstelle des Trinationalen Eurodistricts Basel wurde im März 2008 der erste Memorandumsentwurf “IBA Basel 2020 – Trinationale Stadtregion entdecken” veröffentlicht. Der Entwurf wurde im Rahmen von Veranstaltungen, die während der Ausstellung “Auf dem Weg zur IBA Basel 2020” und “IBA meets IBA” im April und Mai 2008 stattfanden, diskutiert. Dieser Artikel nimmt Bezug auf die Veranstaltungen “Hochschullabor” vom 22. April 2008 und “Workshop mit internationalen Experten” vom 24.–25. April 2008 und stellt die wesentlichen Diskussionsergebnisse und weiterführenden Überlegungen jeweils kurz dar.


Städtebauliche Qualifizierungsstrategien für Stadt und Region: Den Wandel gestalten!

Christa Reicher

Die sich wandelnden demographischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen stellen die Städte und Regionen vor neue Herausforderungen, insbesondere auch hinsichtlich einer Weichenstellung für ihre mögliche Zukunft.
Wie kann nun die Stadtentwicklung, aber auch der Städtebau, auf den sich abzeichnenden Wandel reagieren und ihn konstruktiv gestalten? Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Qualifizierungsstrategie ist ein differenziertes Verständnis einer neuen Urbanität, ebenso wie eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Regionalisierung von Stadtentwicklung. Eine reine Fokussierung von Planung auf den gebauten Raum reicht heute und zukünftig nicht aus, um Qualitätsziele umzusetzen. Diese muss einhergehen mit einer entsprechenden Partizipation und Kommunikation, seien es Moderationsverfahren, Marketing- oder Brandingstrategien, die es schaffen, die Zukunftsbilder bei den Akteuren und den Menschen zu verankern.


Standortmarketing im Standortwettbewerb – integriertes Standortmarketing für Basel

Sabine Horvath

Standortmarketing für Basel ist heute nicht mehr wegzudenken. Standortmarketing und eine erfolgreiche Positionierung gewinnen aufgrund einer zunehmenden Internationalisierung der Standorte und einer Intensivierung des Standortwettbewerbes an Bedeutung. Eine strategische Ausrichtung für Standorte (“Basel 2020”) bildet die Basis für ein integriertes Standortmarketing und ein effizientes Beziehungsmanagement. Ein integrierter Ansatz und die konsequente Ausrichtung auf die Hauptzielgruppen und Hauptzielmärkte führen zu einer Bündelung der Kräfte und damit zu einer effektiven Nutzung von Synergiepotenzialen. Die Vernetzung und Koordination der verschiedenen Akteure muss als zentraler Auftrag des Standortmarketings bezeichnet werden. Gleichzeitig gewinnen die Aussenwirkungen an Bedeutung, was sich in der zunehmenden Gewichtung von Standortbewertungen und der stärkeren Gewichtung von weichen Faktoren widerspiegelt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Aussenwahrnehmung zur (vermeintlichen) Realität wird. Des Weiteren wird die Anziehungskraft der (Wirtschafts-)Standorte für hochqualifizierte Arbeitskräfte zu einem wichtigen Faktor bei der Beurteilung der Entwicklung von Wirtschaftsstandorten (“Kampf um Talente”). Dies verlangt eine konzertierte inhaltliche Ausrichtung und Ausstrahlung auf verschiedene geographische Räume (regional, national, trinational und international) sowie eine professionelle Erfassung. Mit einem neu geschaffenen Bereich “Aussenbeziehungen & Standortmarketing” im künftigen Präsidialdepartement wird im Kanton Basel-Stadt diesen Entwicklungen Rechnung getragen. Gleichzeitig werden damit gute Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung des Standortmarketings und der Aussenbeziehungen geschaffen.


Stadt und Region als Marke – Zur Markenvielfalt in Südbaden

Conny Mayer-Bonde

Der vorliegende Beitrag zeigt die besonderen Herausforderungen bei der Markenführung von Dienstleistungen auf und überträgt diese auf Städte und Kommunen. Es wird die Region Südbaden untersucht, um zu beurteilen, ob und wie Städte und Regionen professionelle und systematische Markenführung betreiben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in Südbaden zahlreiche Städte und Regionen über ein engagiertes Stadtmarketing verfügen. Eine systematische und professionelle Markenführung lässt sich nach einer ersten Studie lediglich bei der Ferienregion Schwarzwald erkennen.


Weil am Rhein – Imagewandel eines Grenzortes durch den Einsatz strategischer Stadtmarketinginstrumente

Marc Funk

Die Oberrheinregion gehört zu den wirtschaftlichen Kernräumen der EU und besitzt Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit in einem Europa der Regionen. Die Zunahme der grenzübergreifenden Verflechtungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft führt immer mehr zur Ausbildung eines gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraumes. Neue Kooperationsmodelle wie etwa die Gründung von Eurodistrikten setzen zudem wichtige Impulse für eine gemeinsame Regionalpolitik über die Grenzen hinweg. Die Stadt Weil am Rhein nimmt aufgrund ihrer geographischen Lage im Dreiländereck eine wichtige Brückenfunktion ein. Die Grenzlage zu Frankreich und der Schweiz hat sich mittlerweile zu einem entscheidenden Standortfaktor entwickelt. Darüber hinaus hat der konsequente Einsatz strategischer Stadtmarketinginstrumente zu einem positiven Imagewandel geführt, der die Vermarktungsaktivitäten der Kommune nachhaltig erleichtert.


Kommunale Wirtschaftsförderung als Motor dynamischer Partnerschaftsbündnisse von Schulen und Wirtschaft

Diana Stöcker

Um die Kluft zwischen den Anforderungen der Wirtschaft und dem Bildungsstand der Schülerinnen und Schüler zu überbrücken, müssen Schule und Wirtschaft in Partnerschaftsbündnissen eng zusammenarbeiten. Dabei bedarf es eines professionellen Projektmanagements, welches einerseits die Moderatorenrolle einnimmt und andererseits Impulsgeber ist. Die Innocel Innovations-Center Lörrach GmbH, Wirtschaftsförderung übernimmt das Management solcher Projekte und bringt Schulen und Unternehmen zusammen. Als Beispiel wird das Projekt “phaenovum” – Schülerforschungszentrum Lörrach-Dreiländereck beschrieben.


Der Gewerbeimmobilienmarkt der Trinationalen Agglomeration Basel unter Berücksichtigung der Teilmarktstrukturen

David Schoch

Der Beitrag befasst sich mit der Frage, inwiefern die nationalen Grenzen auf die Gewerbei-mmobilienmarktstrukturen der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB) einwirken und ob eine trinationale Integration des Marktes für Gewerbeflächen überhaupt besteht. Dabei stellt sich heraus, dass die Grenzen auf die einzelnen Teilmärkte unterschiedlich starke Filterwirkungen ausüben und sich demzufolge auch die Investitionsflüsse bzw. die Bautätigkeit in ihrer räumlichen Ausprägung unterschiedlich verhalten. Während der Markt der Einzelhandelsimmobilien über die Grenze hinweg eine gewisse Dynamik entfaltet, ist der Markt der Büroimmobilien und der Immobilien für die wissensintensive Industrie durch starke räumliche Friktionen geprägt. Auf der Ebene der TAB bleibt deshalb genau zu beobachten, welche Gebiete sich als Gewinner und Verlierer im Stadtgefüge positionieren und wo allenfalls Massnahmen der Raumplanung und des Stadtmanagements zu ergreifen sind.


Optimale Stromeinkäufe durch raumbezogene Verbrauchsprognosen

Michael Gysi

Dieser Beitrag befasst sich mit den Einflussfaktoren für eine optimale Prognoseberechnung des Stromverbrauchs auf regionaler bis lokaler Ebene, wobei kantonale und regionale Besonderheiten berücksichtigt werden. Einbezogen in Modellrechnungen zeigen diese Faktoren den Weg zu einer optimalen Stromversorgung einerseits und einer Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens in der Energiewirtschaft andererseits. Strom-verbrauchsprognosen für Elektrizitätsversorgungsunter¬neh¬mungen lassen sich durch den Einbezug räumlicher Aspekte, wie beispielsweise den unterschiedlichen strukturellen Merkmalen verschiedener Regionen, optimieren. Zudem werden durch die kommende Marktliberalisierung in der Schweiz höhere Qualitätsansprüche an Verbrauchsprognosen gestellt. In der Summe ergibt sich hier ein Bild davon, wie Unternehmen der Privatwirtschaft einen Beitrag zum nachhaltigen Stadt- und Regionalmanagement leisten und wie sich Wirtschaftlichkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von (Planungs-)Regionen innerhalb sorgfältig definierter Perimeter ergänzen können.

Nr. 48/1 - 2007

Nr. 48/1 - 2007

► Jahresverzeichnis 2007 als pdf.

Agglomerationsverkehr: Das Nadelöhr der Zukunft

Gemäss Schweizer Experten ist ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr das Kernelement für eine dynamische Metropolitanregion am südlichen Oberrhein. Damit die trinationale Agglomeration Basel wirtschaftlich prosperiert und sich der grenzüberschreitende Verkehr optimal entwickelt, müssen – nach Ansicht der Experten – in erster Linie der Ausbau der Regio-S-Bahn vorangetrieben sowie die Tramlinien nach Deutschland und Frankreich verlängert werden. Schienen sind das verbindende Element eines effizienten Verkehrssystems!

In dieser Ausgabe der REGIO BASILIENSIS betrachten wir den Verkehr aus lokaler, regionaler wie auch internationaler Perspektive. Die Artikel in diesem Heft zeigen, dass der Agglomerationsverkehr auch in Zukunft ein zentrales Thema sein wird. Dabei gilt der Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität – neben der Befriedigung der Verkehrsbedürfnisse – ein besonderes Augenmerk.


Zur Entwicklung des Verkehrswesens in der Regio TriRhena

Dieter M. Opferkuch

Die Oberrheinische Tiefebene als Ganzes und die RegioTriRhena im Besonderen liegen im Brennpunkt des europäischen Wirtschafts- und Verkehrsgeschehens. Infolge der Lagegunst des Gesamtraums und des sich kommunikationsmässig verdichtenden Beziehungsgeflechts zwischen den einzelnen dezentralen Zentren hat das Verkehrswesen seit den 1980er Jahren auf internationaler, regionaler und lokaler Ebene ein enormes Wachstum resp. massive Veränderungen erlebt. Die nachfolgende Übersicht verfolgt die wichtigsten Neuerungen im Bereich Schienen-, Strassen-, Luft- und Wasserverkehr. Dabei kommt sie mit einem Blick auf die nahe Zukunft zum Schluss, dass sich die Angebote sowohl bezüglich Frequenz als auch Transportkapazitäten praktisch in allen Bereichen massiv verbessert haben. Dies gilt insbesondere für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Angesichts der zu erwartenden grossen Wachstumsraten im zunehmenden Nord-Süd-Verkehr nach Eröffnung des Lötschberg- und Gotthardbasistunnels muss sich künftige Verkehrspolitik vermehrt und bewusst darauf einstellen, sowohl die Verkehrsbedürfnisse zu befriedigen als auch den Wunsch nach Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität als legitimes Recht mündiger Bürger zu achten.


Agglomerationsverkehr Basel - Ziele, Trends und Strategien       

Maria Lezzi

Mobilität bringt Vorteile, doch sind sie grenzüberschreitend nicht überall und allzeit erlebbar. Die Nachteile von zuviel Mobilität zeigen sich heute und erst recht bei der Trendentwicklung. Die Agglomeration Basel braucht dringend noch bessere Koordination von Siedlungs- und Verkehrplanung, gemeinsame Schwerpunktsetzungen und ergebnisorientierte, grenzüberschreitende Kooperationsarbeit. Ohne die angekündete Bundeskofinanzierung für prioritäre Verkehrsprojekte fehlt auch ausländischen Nachbarn gegenüber ein überzeugendes Anreizmotiv. Mit dem mehrstimmigen “Agglomerations-Chor” will man sich deshalb mehr Gehör jenseits des Juras, in Berlin oder Paris verschaffen. Agglomerationspolitik ist mehr als Verkehr. Unzählige Bemühungen weisen im Raum Basel in diese Richtung. Jetzt fehlt aber noch, dass sie integrierender bearbeitet und als weitere Module der Agglomerationspolitik Basel kommuniziert werden.


S-Bahn TriRhena - Stand und Visionen

Marti Haag, antje Hammer und Uwe Schade

Im südlichen Teil des Oberrheingebietes bestehen heute grenzüberschreitend drei Systeme im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): die trinationale Regio-S-Bahn rund um Basel, die Breisgau-S-Bahn mit dem Zentrum Freiburg sowie das TER-System (Transport express régional) im Elsass. Der Schienenpersonennahverkehr wird in den Städten und Regionen vielfach durch Strassenbahn- und Bussysteme zu einem attraktiven integrierten ÖPNV-Angebot ergänzt. Es fehlt allerdings heute noch an der Vernetzung dieser regionalen Ansätze zu einer echten grenzüberschreitenden S-Bahn TriRhena. Die Perspektiven dieses für die Zukunftsfähigkeit des Oberrheinraumes unerlässlichen öffentlichen Verkehrssystems sind zum einen von Massnahmen zum Ausbau des Schienenverkehrs abhängig. Um dem Ziel einer “S-Bahn TriRhena” näher zu kommen, müssen aber insbesondere auch die Hemmnisse und Brüche bei Angebot, Tarif, Vertrieb und Information abgebaut werden.


Perspektiven des öffentlichen Verkehrs in Basel

Alain Groff

Der öffentliche Verkehr in Basel geniesst hohes Ansehen, wird gut frequentiert und profitiert von einer günstigen Siedlungsstruktur in Stadt und Agglomeration. Dennoch steht er für die Zukunft vor grossen Herausforderungen. Wachstumspotenzial im grenzüberschreitenden Verkehr und bei der Regio-S-Bahn einerseits, finanzieller Druck auf die öffentlichen Budgets andererseits prägen das Bild. Hat Basel den Mut zu einem großen Wurf? Wird die Regio-S-Bahn in absehbarer Zeit die Basler Innenstadt an die Regio anbinden? Dies ist wohl die spannendste Zukunftsfrage, denn dass die Kommunikationstechnologie grosse Sprünge machen wird, steht wohl so schon fest.


Die Wirtschaftsregion Basel / Mulhouse / Freiburg - Drehscheibe eines nachhaltigen intermodalen Güterverkehrs?

Ernst-Jürgen Schröder

Die grenzüberschreitende RegioTriRhena bleibt mit dem Rhein als Richtungsgeber der Hauptverkehrsachsen auch zukünftig strategisch wichtigster Transitkorridor und grösste Güterverkehrsdrehscheibe zwischen dem Ruhrgebiet und Norditalien. Ausgelöst wurde diese Entwicklung letztlich durch die 1225 in Dienst gestellte mittlere Rheinbrücke zwischen Kleinbasel und Grossbasel, die für lange Zeit die erste und einzige feste Rheinquerung zwischen dem Bodensee und der Rheinmündung war. Nach der EU-Osterweiterung wird vor allem im Transitverkehr das Güteraufkommen stark wachsen. Der Aus- und Neubau der Hauptmagistralen zur Vergrösserung ihrer Frachtkapazitäten sowie freier Marktzugang zum europäischen Schienennetz sind dabei entscheidende Garanten für eine nachhaltige Bewältigung der Güterverkehrsmengen.


Bahn- und Busbetrieb im Solothurnischen Bezirk Thal: eine nutzer- und angebotsorientiere Untersuchung

Pascal Straub

Im Solothurner Bezirk Thal hat der grosse Fahrplanwechsel im Dezember 2004 zu einer Verbesserung der Bahn- und Busverbindungen im Binnenverkehr und zu einer Verschlechterung der Anschlüsse an den nationalen Fernverkehr geführt. Eine schriftliche Befragung zum Thema Öffentlicher Verkehr im Thal, die im Rahmen einer Lizentiatsarbeit durchgeführt wurde, zeigte auf, dass eine grosse Diskrepanz zwischen Stellenwert (sehr hoch) und effektiver Nutzung (teilweise tief) von Bahn und Bus besteht. Es konnte festgestellt werden, dass der Binnenverkehr von marginaler, die Schnellzuganschlüsse in Oensingen hingegen von übergeordneter Bedeutung für das Thal sind. Insgesamt kann man festhalten, dass es in Zukunft keinen grundlegenden Abbau des Angebotes des öffentlichen Verkehrs geben sollte.

Nr. 48/2

Nr. 48/2

Stadtbäume

Auch Sie haben sich sicherlich schon oft in den Schatten eines alten Baumes begeben. Vielleicht haben Sie die wohlige Kühle gesucht, die sich unter dem mächtigen Blätterdach einer alten Linde ausbreitet. Vielleicht haben Sie aber auch dem Reviergesang einer Kohlmeise gelauscht oder einen schillernden Bockkäfer auf den Ästen einer alten Weide entdeckt? Wo auch immer ihre Assoziationen zum Thema Baum hängen bleiben, es werden Momente des Verweilens und der Besinnung sein, welche Ihnen von diesen Lebewesen geschenkt wurden. Bäume im städtischen Raum sind - mehr noch als Bäume im Wald - einer Vielzahl von Interaktionen mit Umwelt und Mensch unterworfen. Sie sind Elemente einer guten Architektur, sie können Kultobjekt, Verzierung, Ärgernis, Streit- und Pflegeobjekt sein. In dieser Ausgabe der Regio Basiliensis sind ganz unterschiedliche Perspektiven zum Thema Stadtbäume zusammengestellt.


Bäume in der Stadtgestaltung. Bäume im städtischen Umfeld als Bestandteil des Stadtbildes

Emanuel Trueb

Bäume im städtischen Umfeld entfalten für die Menschen in der Stadt eine ganz besondere Wirkung. Sie werden als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums wahrgenommen und gehören zum Raumgefüge. Neben der ökologischen und klimatischen Wirkung entfalten Bäume in der Stadt und ganz besonders im öffentlichen Raum eine den Jahreszeiten entsprechende räumliche Wirkung. Sie schaffen Identität, bilden eine emotionale Komponente im Stadtbild, sind lebende Zeitzeugen und zeichnen die Stadtentwicklung nach. Besonders seit der Schleifung der Stadtbefestigung wurden in Basel eigenständige Formen der Stadtdurchgrünung mittels Bäumen entwickelt. Neue Formen werden auch heute im Rahmen der Stadtentwicklung gesucht und erprobt. In den naturbelassenen Gebieten, im Wald und bei der spontanen Versamung von Bäumen kommt eine erkennbare Dynamik der Stadtnatur zur Entfaltung und Wirkung.


Bäume in den historischen Parks und Gartenanlagen

Markus Schmid

Zur Zeit der Gartenausstellung Grün 80 in Münchenstein/Basel fand durch die Denkmalpflegen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft der Gedanke auch in unserer Region Verbreitung, dass historische Gärten und Parks Kulturgüter sind. Die ältesten Bäume in Parks und Gärten sind 100–200 Jahre alt. Solch bejahrte Exemplare sind, soweit sie in die Parks passen, Stimmungsträger für das Historische, so dass mit Vorteil die Substanz der Pflanze möglichst lange erhalten werden soll. In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft werden seit einiger Zeit Bewertungen von Gehölzen bei historischen Park- und Garten-Anlagen angeregt und durchgeführt. Dabei wird der Baumbestand analysiert und gewichtet und ein für die Erhaltung der Bäume geeignetes zeitbezogenes Massnahmenpaket den zuständigen Stellen weitergegeben. Mit diesem Instrument wird den Bäumen Sorge getragen, indem mit der richtigen Etappierung zwischen Schnitt, baumchirurgischem Eingriff und einer eventuellen Neupflanzung die richtige Bedeutung der Bäume und Gehölze zugemessen wird. Mit zusätzlichen Aktionen im Gartenjahr 2006 wurde gerade in letzter Zeit dem Thema in unserer Region das nötige Gewicht gegeben.


Stadtbäume und Naturschutz. Förderung der Artenvielfalt durch einheimische Baumarten

Thomas Schwarze

Bäume in der Stadt sollten von verantwortungsbewussten Planern nicht nur aus gestalterischen Gründen gepflanzt werden. Besonders im dicht bebauten Kanton Basel-Stadt spielen sie auch eine wichtige Rolle für die Umweltbildung und den Naturschutz. Hierbei kommt den einheimischen Baumarten eine besondere Bedeutung zu, da sie viel mehr Tieren einen Lebensraum bieten als fremdländische Arten. Auch das Alter der Bäume ist wichtig. Wo es die Sicherheit erlaubt, sollten grosse Bäume so lange wie möglich erhalten werden, da sie eine höhere Artenvielfalt aufweisen als junge Bäume und von vielen Einwohnern als ehrwürdige Naturobjekte sehr geschätzt werden. Fremdländische Baumarten sollten nur ergänzend oder dort gepflanzt werden, wo extreme Standortbedingungen den Einsatz einheimischer Arten nicht erlauben.


Bäume in der Stadt – mehr als nur Natur

Daniel Blumer, Heike Oldörp und Wendy Altherr

Bäume sind Sinnbilder des Lebens. Sie sind in der Stadt- und Grünplanung traditionelle und wichtige Gestaltungselemente. Mit einer repräsentativen Untersuchung und ergänzenden qualitativen Befragungen wurde die Wertschätzung von Bäumen und städtischer Natur erfasst. Wir konnten drei Aspekte identifizieren, die die Wertschätzung prägen: visuelle Präsenz, Symbol für Leben und Nutzen für die Stadtbewohner. Dieser kulturhistorische und emotionale Hintergrund scheint für die aktuellen Diskussionen um Baumfällungen besonders wichtig zu sein.


Das Leben und das Überleben von Bäumen in der Stadt Basel

Walter Flückiger und Sabine Braun

Seit 1984 wird jeweils das gleiche Baumkollektiv von ca. 500 Bäumen jedes Jahr auf seinen Vitalitätszustand hin untersucht. Zusätzlich werden weitere 200–500 Bäume in die Untersuchungen einbezogen, so dass in den letzten 22 Jahren alle Alleebäume und die meisten Parkbäume mindestens einmal begutachtet wurden. In den achtziger Jahren wiesen 30–50 % der Alleebäume einen schlechten Kronenzustand auf (Verlichtung >25 %). In den neunziger Jahren verbesserte sich ihr Zustand deutlich, aber seit den letzten fünf Jahren steigt das Schadensausmass wieder an. Bäume in Baumscheiben sind stärker verlichtet als in Rabatten und weisen einen höheren Parasitenbefall auf. Entsprechend wirkten sich die Bemühungen der Stadtgärtnerei, Baumscheiben in Rabatten umzuwandeln, positiv auf den Kronenzustand aus. Ein besonderes Problem stellen die neu eingeschleppten Schädlinge und Krankheitserreger dar, wie u. a. die Platanennetzwanze Corythucha ciliata oder die Rosskastanienminiermotte Cameraria ohridella sowie die pathogenen Pilze Sphaeropsis sapinea, Botryosphaeria obtusa und B. dothidea sowie Massaria platani. Streusalzschäden waren in den siebziger und achtziger Jahren ein Problem und verschwanden dann mit der sparsameren Anwendung von Streusalz weitgehend aus dem Strassenbild. Seit Streusalz wieder hemmungsloser eingesetzt wird, sind die Salzschäden wieder am Zunehmen. Die bei Tiefbauarbeiten verursachten Wurzelschädigungen bei Alleebäumen, oft gefolgt von Wurzelfäulnis, können zu einem erheblichen Vitalitätsverlust der Bäume führen, ja gar ein Fällen nötig machen. Besonders empfindlich ist diesbezüglich die Platane.


Die Baslerinnen und Basler und ihre Bäume: Private Bestrebungen für städtisches Grün

Jost Müller und Linda Stibler

Basel geniesst den Ruf einer grünen Stadt. Doch in den Sechzigerjahren gerieten die Grünzonen und der Baumbestand durch Bautätigkeit und Strassenbau unter Druck. Es waren umweltbewusste Bürger, die dieser Zerstörung mit einer Volksinitiative Einhalt geboten: Basel erhielt ein fortschrittliches Baumgesetz. In jüngster Zeit wird dieses Gesetz aber sinnwidrig interpretiert. Das führt wiederum zu Konflikten von Bevölkerung, Naturschutzorganisationen und den zuständigen Behörden.

Nr. 48/3

Nr. 48/3

Landwirtschaft in der RegioTriRhena

Die Landwirtschaft – und dadurch auch das Landschaftsbild – verändert sich schneller denn je: Wo gestern noch Hochstammbäume das Bild prägten, werden heute grosse Felder von mächtigen Maschinen bearbeitet, können morgen gar Windkraftanlagen stehen. Um am Markt zu überleben, müssen die heutigen Landwirtschaftsbetriebe innovativ und flexibel sein. Dazu gehören neue (Betriebs-)Strukturen ebenso wie auch die Erschliessung neuer Verdienstquellen.

Diese Ausgabe der REGIO BASILIENSIS gibt einen Überblick über die Situation der Landwirtschaft in der Region.

 

 


Landwirtschaft in der RegioTriRhena – Trends, Perspektiven, Defizite

Ernst-Jürgen Schröder

Das Tempo des Strukturwandels in der Landwirtschaft hat sich in jüngster Zeit in allen Teilräumen der RegioTriRhena vor dem Hintergrund der ökonomischen Herausforderungen der Globalisierung und der EU-Osterweiterung deutlich erhöht. Dennoch bleibt der primäre Sektor – trotz auch zukünftig fallender Beschäftigten- und Sozialproduktanteile – weiterhin der flächenwirksamste Wirtschaftsbereich und zeugt von hoher Entwicklungsdynamik und Anpassungsfähigkeit.


Zukunftsperspektiven des Obst- und Gemüsebaus in Südbaden

Michael Würth

Das südbadische Obst- und Gemüseanbaugebiet liegt klimatisch begünstigt in der Rheinebene mit dem klaren Standortvorteil der Frühzeitigkeit und einer langen Vegetationszeit. Überregionale Bedeutung besitzt das traditionelle Anbaugebiet bei Kirschen, Erdbeeren, Zwetschgen und Spargel. Der Anbau erfolgt überwiegend in kleinstrukturierten Familienbetrieben mit stark ausgeprägter Direktvermarktung. Flächenstarke Grossbetriebe bilden die Ausnahme. Der globale Wettbewerb und die Vermarktungsstrukturen beeinflussen entscheidend die Zukunftsperspektiven der Obst- und Gemüsewirtschaft. Der südbadische Obstbau mit seinen regionalen Spezialitäten sowie gut funktionierenden Vermarktungseinrichtungen ist zukunftsträchtig. Im Gemüsebau behindern unterentwickelte Vermarktungsstrukturen bei fehlender Marktbündelung eine dynamische Fortentwicklung des Anbaugebietes.


Bewässerungsfeldbau am Oberrhein

Cornelia Korff

In der Oberrheinebene hat sich eines der grössten zusammenhängenden Beregnungsgebiete Baden-Württembergs entwickelt. Feldberegnung als unerlässliche Massnahme der Sicherung bzw. Steigerung von Erträgen und Qualität ist gleichermassen Bedingung und Folge der Spezialisierung auf Mais und Sonderkulturen. Beregnung ist eine erfolgreiche Strategie der Risikominimierung und Erhaltung der unter Druck stehenden landwirtschaftlichen Betriebe.


Veränderungen im Weinbau Badens in jüngerer Zeit

Rolf Steiner

Die mit Keltertrauben bestockte Rebfläche in Baden hat nach dem EU-weiten Anbaustopp von 1984 seit 1991 durch ein EU-Rodungsprogramm leicht abgenommen, durch die Zuteilung von Pflanzungsrechten ab 1997 jedoch wieder etwas zugenommen. Der Rotweinanteil stieg stetig auf 44.6 %, mit dem Blauen Spätburgunder als wichtigster Rotweinsorte. Zusammen mit den weissen Rebsorten Grauburgunder und Weissburgunder hat das Burgunderland Baden einen Burgunderanteil von 54.4 %. Neue Rebsorten haben einen begrenzten Anteil an der Rebfläche.


Der Elsässische Weinbau unter internationalem Wettbewerbsdruck

Rudolf Michna

Französische Weinproduzenten leiden unter Überproduktion und dem sinkenden Absatz auf dem nationalen wie auch auf dem internationalen Markt. Im Elsass, das auf qualitativ hochwertige Weissweine spezialisiert ist, haben die Ausdehnung der Rebflächen und die Erhöhung der Produktion nicht die erwartete Erhöhung der Verkäufe gebracht: Von 1999 bis 2006 sind die Verkäufe im Inland wie auch im Export gesunken. In der Folge dieser Krise haben elsässische Weinproduzenten verschiedene Massnahmen ergriffen, wie z. B. die Reorganisation der Vertriebs- und Marketingstrukturen.


Vom Land- zum Energiewirt

Bernhard Mohr

Die prekäre Einkommenssituation vieler Landwirte zwingt zur Erschliessung immer neuer Verdienstquellen. Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Pferdepension, Biotoppflege sind solche Beispiele. Hinzugekommen ist in jüngster Zeit die Energiegewinnung – über die frühere Eigenbedarfsdeckung hinaus. Aus Wind- und Wasserkraft, aus Biomasse und über Solaranlagen wird erneuerbare Energie für den Wärme-, Strom- und Treibstoffmarkt produziert. Flankiert von staatlichen Fördermassnahmen nutzen zahlreiche Landwirte in Südbaden die gebotenen Chancen.


Zur Attraktivität ländlicher Siedlungen im Umland von Basel

Jörg-Wolfram Schindler

Bei der seit längerem zu beobachtenden positiven Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum Baden-Württembergs spielt der Attraktivitätsfaktor “Wohnung” bzw. “Wohneigentum” für Wandernde eine zentrale Rolle. Allerdings wird innerhalb der Raumkategorie um diesen Faktor inzwischen heftig gerungen. Das Beispiel Schliengen zeigt, wie durch geschicktes raumwirksames Handeln entscheidende Konkurrenzvorteile erzielt werden können. Die Gemeinde setzt neben einem vergleichsweise niedrigen Quadratmeter-Verkaufspreis gleichsam als weichen Attraktivitätsfaktor ihr Bildungsangebot ein, um vor allem jüngere Familien mit Kindern zur Ansiedlung zu bringen.

Nr. 47/1 - 2006

Nr. 47/1 - 2006

Bewegung

Zur Pensionierung von Christian Kaufmann wurde nun eine Regio-Ausgabe durch Christin Kocher liebevoll zusammengestellt, welche die Leserschaft weit in die ebenso wundersame Welt der Ethnologie entführt. Von alten Postkarten, exotischen Kofferetiketten und ägyptischen Tüchern mit gewirkten Bildern ist die Rede, welche ganze Geschichten erzählen. Von Musik, welche den Geist der australischen Wüste vertont, oder von Rundtänzen und Kostümen aus fernen melanesischen Inseln, wo das Stampfen der Füsse der Tänzer das Grollen eines Inselvulkans imitiert. Das Heft entführt den Leser in eine Welt, welche der geographischen Erlebniswelt um keinen Zentimeter nachsteht. Eine Welt voller versteckter Überlieferungen und verborgener Geschichten. Eine bewegte Welt, speziell zusammengestellt als Dank für einen gewieften Vertreter der Ethnologen-Gilde. Vielen Dank Christian Kaufmann, für dieses bereichernde Wirken.


Bewegung

Christin Kocher Schmit

Einführungstext zu dieser Publikation zu Ehren von Christian Kaufmann, welcher kürzlich pensioniert wurde.


Wenn die Insel zur Bühne wird. Tänze auf der Südseeinsel Tanna, Vanuatu          

Raymond Ammann

Die mündliche Überlieferung der Südseeinsel Tanna erzählt von einem tief greifenden vorkolonialen Wandel in der lokalen Gesellschaftsform. Irgendwann vor der Zeit des “first contact” änderte sich das egalitäre Zweiklassensystem in ein hierarchisches Dreiklassensystem. Diese Veränderung wirkte sich auf die Gabentauschzeremonien und die dazugehörigen Tänze aus. Formale Unterschiede der noch heute gebräuchlichen Tänze deuten auf verschiedene Ursprünge hin. Die Tänze des frühen Zweiklassensystems widerspiegeln in ihrer Form die Egalität der beiden Klassen. Davon unterscheiden sich nicht nur die Form der Tänze des späteren Dreiklassensystems, sondern auch deren Aussage und Bedeutung. Die Verbundenheit zur Erde respektive zum aktiven Vulkan der Insel dominiert aber als choreographisches Element in beiden Tanzformen.


Federkleid aus Blättern: tubuan-Tänze und Vogelsymbolik auf Anir (New Ireland Province, Papua New Guinea)

Antje Denner

Tubuan-Masken gehören zu den bekanntesten Vertretern melanesischer Kunst und sind in vielen Museen ausgestellt. Im Zentrum des vorliegenden Beitrags stehen die Bezüge zwischen tubuan-Masken und Vögeln, wie sie sich aus der Form der Maskenkostüme, den Tanzauftritten der Träger und den dabei vorgetragenen Liedern ergeben. Unter Berücksichtigung relevanter, älterer Literatur wird speziell der aktuelle Gebrauch der Masken im Süden Neuirlands untersucht.


Die Seele des Kontinents. Zur Reflexion australischer Identität in Peter Sculthorpes Streichquartett “Jabiru Dreaming”

Michael Schneider

Die Musik des australischen Komponisten Peter Sculthorpe (geb. 1929) zeugt von einer starken Identifikation mit den Besonderheiten und dem kulturellen Erbe dieses Kontinents. Sein 11. Streichquartett, “Jabiru Dreaming” aus dem Jahr 1990, reflektiert auf exemplarische Art und Weise indigenes Erbe, australische Landschaft und Identität. Inspiriert vom Kakadu National Park im Northern Territory, verweist es auf traditionelle Musik der Aborigines und stellt symbolische Bezüge zu Eigenschaften von Landschaft und Fauna her.


Amazonen und Inder im spätantiken Ägypten. Gewirkte Tunikafragmente des Museums der Kulturen Basel

Maya Müller

In der unpublizierten Sammlung archäologischer Textilien aus Ägypten im Museum der Kulturen befinden sich gewirkte Bilder von zwei Tuniken aus dem frühbyzantinischen Ägypten, vermutlich aus dem 5./6. Jh. n. Chr., mit ganz ungewöhnlichen mythologischen Darstellungen, die bisher nicht gedeutet worden waren. Die Untersuchung zeigt, dass es sich um Siege über Amazonen und Inder handelt, und zwar sind die beiden Völker bzw. Ereignisse auf demselben Bild nicht nur räumlich nebeneinander gestellt, sondern auch ihrer inhaltlichen Bedeutung nach miteinander verbunden.


Wenn jemand eine Reise tut, …Kofferetiketten aus der Europa-Sammlung des Museums der Kulturen

Dominik Wunderlin

Etwa 300 Sammler soll es weltweit geben, die sich einem Thema verschrieben haben, das von der Europäischen Ethnologie und insbesondere auch von der allerdings relativ jungen volkskundlichen Tourismusforschung bislang kaum beachtet wurde. Die zum Schmucke des Reisegepäcks geschaffenen Kofferetiketten erfüllten mehrere Funktionen: Sie waren ein überaus günstiges Werbemittel für den Beherbergungsbetrieb und sagten zugleich viel über den finanziellen Status des Trägers und seine Weltläufigkeit aus. Den heutigen Betrachter lassen die teilweise von grossen Könnern geschaffenen Kleber in Gedanken in Zeiten entführen, in denen das Reisen noch umständlicher und zeitintensiver war.


Moving postcards: Bewegt und bewegend. Dynamische Aspekte in historischen Postkarten aus Ozeanien

Nicole Peduzzi

Was kann uns eine Postkarte erzählen? Im folgenden Artikel wird die soziale Biografie einer historischen Postkarte aus Ozeanien rekonstruiert, indem sie als “bewegtes” und “bewegendes” Objekt präsentiert wird. Manchmal sind die Indizien auf Postkarten für den Forscher klar zu lesen, manchmal sind sie dagegen nur sehr schwierig zu entziffern. Ob die einzelne Karte in einer Archivkiste aufbewahrt, als Lesezeichen in einem Buch ihr Dasein fristet oder an eine Wand geheftet wird, sie behält jederzeit das Potenzial viele Geschichten zu erzählen, Geschichten, in denen die Veränderung von Bedeutungen und Intentionen dokumentiert ist.


Kulturgüter-Repatriierung im 21. Jahrhundert

Richard Kunz

In den neunziger Jahren war die Restitution von Kulturgut ein viel diskutiertes Thema. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet und der einsetzenden Digitalisierung von musealen Sammlungsinventaren wird auch das Veröffentlichen der Sammlungsbestände via Internet als eine Art der virtuellen Kulturgüterrückführung vermehrt gefordert. Damit dieses Ziel auf sinnvolle und gewinnbringende Art realisiert werden kann, sind jedoch Investitionen, aufwändige Vorarbeiten und ein Umdenken in Bezug auf die wissenschaftliche Dokumentation unumgänglich.


Wenn Objekte interkontinental reisen …  Ein Essay über das Sammeln exotischer Artefakte

Maria Angela Algar

Von alleine bewegen sich Dinge nicht. Ungeachtet dessen, was manche Spiritisten und Parapsychologen glauben mögen, bedarf es tatkräftiger Hände, damit sich Gegenstände von einem Fleck zum andern bewegen. Gelangen Objekte gar aus einem fernen Kontinent zu uns, ist dies selbstredend kaum jemals möglich ohne organisatorische und logistische Anstrengungen. Nach einer kürzeren oder längeren Wanderschaft enden fremdländische Artefakte an Orten, an denen sie gewöhnlich Staub fangen, bestenfalls bewundert werden, immer aber irgendwie fremd bleiben.


Grenzverkehr zwischen Eigenem und Fremdem – Religiöse Rituale ausstellen

Gaby Fierz

Die Ausstellung “Feste im Licht. Religiöse Vielfalt in einer Stadt” (7. November 2004 bis 16. Mai 2005) hat im Spannungsfeld zwischen gesellschaftspolitischer Bedeutung, individuellen Lebenswelten und integrationsstiftender Funktion von Religion und Religiosität angesetzt, indem sie eine Bühne bot, auf der alle beteiligten Religionsgemeinschaften gleichwertig dargestellt wurden. Ausgangspunkt für die Präsentation der Lichterfeste waren museologische Konzepte, die Museen neben dem Bewahren und Konservieren auch als Agenturen der Perspektivierung und Sinnproduktion und nicht nur als Orte des Wissens, sondern auch als Orte des Befremdens, der Irritation und der Infragestellung des Gewohnten sehen. Ausgehend von einem demokratischen Museumsverständnis entstand die Ausstellung in einem partizipativen und integrativen Prozess zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften.


Dorfgemeinschaften in Aktion:  Das Museum der Kulturen Basel als Partner bei der Erarbeitung von Ausstellungskonzepten in Oaxaca, Mexiko

Alexander Brust

Im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca betreiben Dorfgemeinschaften ihre eigenen Museen, um ihr Kulturerbe vor Ort zu bewahren und einem Publikum zugänglich zu machen. Die einzelnen Ausstellungen entstehen in einem partizipativen Prozess zwischen Mitgliedern der Dorfgemeinschaften in Zusammenarbeit mit externen Beratern. Aus einem Workshop zu Change-Management resultierte der Vorschlag, gemeinsam mit dem Museum der Kulturen Basel eine Ausstellung als Reflexionsmedium über Kulturwandel zu erarbeiten. Eine derartige Zusammenarbeit ist eine langfristige Herausforderung, der sich ein Völkerkundemuseum heute stellen muss.


Nr. 47/2

Nr. 47/2

Natur- und Landschaftsschutz in der Region

Unter Natur- und Landschaftsschutz ist die Erhaltung von schutzwürdigen natürlichen wie auch kulturell bedeutsamen Landschaften oder Landschaftsteilen zu verstehen. Dies geschieht durch ordnende, sichernde, regenerierende, pflegende und entwickelnde Massnahmen im Naturhaushalt der Landschaftsökosysteme, sowohl in der freien Landschaft wie auch im Siedlungsbereich. Mit der vorliegenden Ausgabe der REGIO BASILIENSIS werden verschiedene Ansätze, Möglichkeiten und Projekte des Natur- und Landschaftsschutzes in der Region vorgestellt.


Im Artikel von Sigrid Keller wird die Planung und Umsetzung des Biotopverbundes Regiobogen – einem grenzüberschreitenden Grüngürtel im Dreiländereck bei Basel – beschrieben. Das Projekt zielt insbesondere auf die Vernetzung von bestehenden, aufgewerteten oder neu geschaffenen Lebensräumen ab. Dabei zeigte sich auch, dass Landschaftsschutz auf geeignete raumplanerische und rechtliche Grundlagen angewiesen ist.


In der Schweiz ist der kantonale Richtplan das wichtigste Instrument zum Schutz der Landschaften. Martin Huber analysiert in seinem Artikel, wie dieser Schutz im Entwurf des kantonalen Richtplans des Kantons Basel-Landschaft verwirklicht wird.


Ausgewiesene Naturschutzgebiete sind vielmals die letzten Bereiche in unserer anthropogen geprägten Kulturlandschaft, wo natürliche Prozesse vermeintlich oder tatsächlich ungestört ablaufen können. Oliver Stucki und seine Mitautoren zeigen im dritten Artikel, dass Schutzgebiete nicht nur für die Erhaltung von Pflanzen und Tieren von grosser Bedeutung sind, sondern auch für die Verbesserung der Wasserqualität unserer Gewässer sorgen können.


Dass sich der Naturschutz und die (nachhaltige) wirtschaftliche Entwicklung einer Region gegenseitig nicht ausschliessen, zeigt Johannes Bausch in seinem Artikel über den Naturpark Südschwarzwald.


Zur Schaffung von Rückhalteräumen am Oberrhein sollen grosse Flächen des heutigen Vorlandes tiefergelegt werden. Heinz Merstetter und Hans-Dieter Geugelin zeigen in ihrem Artikel, dass ein solches Grossprojekt heute ohne die Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen und den betroffenen Bevölkerungskreisen kaum möglich ist.


Auf Initiative von Naturschutzorganisationen wurde mit einem behördenverbindlichen Landschaftsrichtplan/Landschaftsentwicklungsplan für die Wiese-Ebene ein griffiges Instrument zum Schutz der Landschaft erarbeitet. Franz L. Schmidli bilanziert in seinem Artikel die Umsetzung nach rund fünf Jahren.


Bilanz zieht auch Christoph Wicki, der im letzten Artikel dieser Ausgabe die Bedeutung des vor über 20 Jahren entstandenen Basler Natur-Atlasses hervorhebt.

Nr. 47/3

Nr. 47/3

Alter(n)

Machen Sie sich Gedanken über das Alter(n)? Keine Sache der Welt ist derart verankert in allen Schichten der Bevölkerung und wird dennoch so stiefmütterlich behandelt. Die Bevölkerung der Schweiz wandelt sich, wird älter, bleibt gesünder und hat veränderte Bedürfnisse im städtischen Raum und im täglichen Umfeld. Die vorliegende Ausgabe der Regio Basiliensis widmet sich intensiv diesem genauso unausweichlichen wie biologisch notwendigen Thema und zeigt auf, wo die aktuellen und künftigen Potenziale liegen.

 

 

 

 


50 plus – das Alter in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik

Arthur Scherler

Ältere Menschen brauchen das nötige Umfeld, um eigenständig und selbstbestimmend älter zu werden. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind daher gefragt, sie in diesem Bestreben, autonom bis ins hohe Alter zu leben, zu unterstützen. Dazu benötigen sie eine verantwortungsvolle Beschäftigung und Gesetze, die das Alter nicht diskriminieren.


Bevölkerungswachstum und demographische Alterung: ein Blick in die Zukunft. Hypothesen und Ergebnisse der Bevölkerungsszenarien für die Schweiz 2005–2050

Werner Haug

Der Beitrag stellt die Hypothesen zur künftigen Entwicklung von Kinderzahl, Sterblichkeit und Migrationen vor, die den neusten Bevölkerungsszenarien für die Schweiz für die Zeit bis 2050 zugrunde liegen. Im Referenzszenario wird bis 2036 mit einem weiteren Anstieg der Bevölkerung von heute 7.5 auf 8.2 Mio. Einwohner gerechnet. Das Bevölkerungswachstum betrifft aber ausschliesslich die über 45-Jährigen und insbesondere die älteren und hoch betagten Menschen. Die Beschleunigung der demographischen Alterung ist in allen Szenarien der prägende Faktor, welcher auch die Erwerbsbevölkerung erfasst und durch die Zunahme der Rentner/innen zu einem deutlichen Rückgang der Erwerbsquote führt. Dem steht auf der andern Seite ein Anstieg des Bildungsstandes und damit des Humankapitals der Bevölkerung gegenüber


Die alternde Gesellschaft – Ausmass und Dynamik des Alterns aus statistischer Perspektive

Khanh Hung Duong

Durch den abnehmenden Trend der Geburtenzahl pro Frau seit den 1960er Jahren und einer anhaltenden Zunahme der Lebenserwartung wird die demographische Alterung der Schweizer Bevölkerung voranschreiten. Über die Folgewirkungen dieser Entwicklung auf Gesellschaft und Wirtschaft wird kontrovers diskutiert. Besonders weit auseinander gehen die Meinungen bei den Auswirkungen des Alterns auf die sozialen Versorgungssysteme. Der vorliegende Beitrag skizziert die Faktoren der demographischen Alterung in der Schweiz und in Basel aus statistischer Perspektive. Die Alterung der Bevölkerung wird dabei nicht als Problem, sondern als Herausforderung begriffen, zu deren Bewältigung es realistischer Statistikgrundlagen und Analysen bedarf. Der Artikel soll dazu beitragen, das Thema “Alter” sachlich und sachgerecht in der Gesellschaft zu verankern.


For ever young – Einfluss der Demographie auf die Sozialräume  und auf die Alterspolitik in Gemeinden

Alfred Stingelin

Ewige Jugend und ein langes Leben: Fluch oder Segen? Haben die Stakeholder, d. h. die Interessens- und Anspruchsgruppen in den Gemeinden den richtigen Blickwinkel und das notwendige Urteilsvermögen, um die Fragen und Herausforderungen zu erkennen, die ein Bevölkerungsteil von bis 30 % Senioren mit sich bringt? Leider zielt die bestehende kommunale Alterspolitik an den aktiven Erwachsenen im Rentenalter vorbei und beschäftigt sich als Alterspflegepolitik ausschliesslich mit 5 bis 7 % der Rentnerbevölkerung, welche pflegebedürftig und zumeist betagt bis hoch betagt ist. Moderne Alterspolitik setzt die Herleitung neuer Altersbilder und die Definition neuer Sozialräume voraus. Dazu ist die Mitsprache und die Initiative aller Beteiligten und Stakeholder gefordert: der Gemeinden, der Dienstleister – deren Markt (auch) der Seniorenmarkt ist - der Vertreter der Generationen, insbesondere aber die Mitsprache der älteren Generationen selbst.


Städtische Umwelt im Alter: Präferenzen älterer Menschen zum altersgerechten Wohnen

Rita Schneider-Sliwa

Wohnbedürfnisse und Wohnzufriedenheit sind wichtige Bewertungskriterien der Lebens- und Wohnqualität. Dieser Artikel fasst einige Ergebnisse aus einer Studie zum Wohnen im Alter aus Sicht von 3’248 befragten Personen zwischen 65 und 85 Jahren zusammen. Die Studie sollte helfen, das Thema “Wohnen im Alter” neu ins Bewusstsein sowohl der Gesellschaft als auch der zuständigen Entscheidungsträger zu bringen, überholte Annahmen zu revidieren und den Blick für die vielen wichtigen Details in diesem Bereich zu schärfen.


Alterspolitik im Kanton Basel-Stadt: von der Alterspflegepolitik zur Alterspolitik

René Fasnacht

Die Alterspflegepolitik des Kantons Basel-Stadt gehört mit ihren Zielsetzungen, ihren strukturierten Vernetzungen und der rollenden, vorausschauenden Bedarfsplanung des notwendigen Angebots gesamtschweizerisch zu den fortschrittlichsten. Hilfe und Pflege zu Hause steht nach wie vor bei allen Unterstützungsangeboten im Vordergrund, entsprechend der staatlichen Aufgabe, für die Schwächsten Sorge zu tragen. Die neu zu definierende Alterspolitik geht von einer “hochaltrigen”, jedoch weitgehend autonom lebenden Bevölkerung aus, richtet sich vorwiegend an Seniorinnen und Senioren und befasst sich mit den ganz spezifischen Bedürfnissen dieser Bevölkerungsgruppe. Ein wichtiger Fokus der Alterspolitik wird eine massgeschneiderte Gesundheitsförderung für ältere Menschen sein.


Die Versorgungsinfrastruktur für Senioren in Basel – die Angebotsseite

Markus Krause

Ältere Menschen sind keine einheitliche Bevölkerungsgruppe, sondern unterscheiden sich entsprechend ihrer Ansprüche und gesellschaftlichen Entwicklung untereinander. Eine seniorengerechte Stadt achtet auf die Bedürfnisse der aktuellen und zukünftigen Seniorengenerationen und bezieht diese in die integrative Planung mit ein. Ein Aspekt einer solchen Planung aus Sicht der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft besteht darin, für die autonom lebenden Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit zu bewahren, sich im eigenen Wohnumfeld insbesondere mit kleinen und grossen Lebensmittelgeschäften versorgen zu können. Die Erfassung der Versorgungsinfrastruktur für ältere Menschen, die auch gleichermassen anderen Bevölkerungsgruppen zugute kommt, ist daher Ziel dieser Arbeit.


Nanotechnologie als Unterstützung für ein unabhängiges Alter

Annick Staub

In den Bemühungen, die Chancen für ein unabhängiges Altern zu verbessern, rücken neue Technologien immer stärker in den Fokus der Forschung. Zwei Stossrichtungen werden verfolgt: Einerseits ist dies der Umgang älterer Menschen mit neuen Technologien, der Lernfähigkeit im Alter sowie der Verbreitung der Adoption von neuen Technologien im Alter; andererseits sind es die Möglichkeiten der Nanotechnologie für den Einsatz im Seniorenmarkt, welche die Eigenständigkeit unterstützen und relative Sicherheit im Alleinsein schaffen sollen. Dieser Beitrag stellt verschiedene Beispiele nanotechnologischer Entwicklungen vor, welche den Alltag älterer Menschen erleichtern sollen.

Nr. 46/1 - 2005

Nr. 46/1 - 2005

Physiogeographie und Landschaftsökologie - Methodische Aspekte eines Fachbereichs

Gemäss dem DIERCKE-Wörterbuch Allgemeine Geographie wird die Landschaftsökologie als jener Fachbereich definiert, „der sich mit den Wechselwirkungen zwischen jenen Faktoren beschäftigt, die im Landschaftsökosystem zusammenwirken und die sich funktional – mehr oder weniger auch visuell wahrnehmbar – in der Landschaft repräsentieren.“ Dabei ist die Einflussnahme des Menschen auf die Landschaft ausdrücklicher Bestandteil dieses Fachbereiches. In der vorliegenden Ausgabe der Regio Basiliensis möchten wir Ihnen anhand von verschiedenen Beispielen das breite Spektrum und die gesellschaftliche Relevanz des Fachbereiches Landschaftsökologie näher bringen. Anlass ist die anstehende Emeritierung von Prof. Dr. Hartmut Leser, der in den letzten 30 Jahren eine holistische Physiogeographie und Landschaftsökologie an der Universität Basel lehrte und prägte.


Die Basler Physiogeographie und Landschaftsökologie zwischen 1975 und 2005 – was war, was ist, was kommt?

Christoph Wüthrich

Vor dem Hintergrund der anstehenden Neubesetzung des Lehrstuhles für Physiogeographie und Landschaftsökologie thematisiert dieses erweiterte Editorial die Entwicklung der Landschaftsökologie von den Wurzeln der Landschaftsforschung im deutschen Sprachraum bis hin zum modernen transdisziplinären Umweltfach. Dabei werden einige wichtige Stationen der Basler Landschaftsökologie beleuchtet und es kann gezeigt werden, wie sich die Rahmenbedingungen weltweit und in Basel kontinuierlich verändert haben. Speziell erwähnt werden die Internationalisierung der Forschungsanstrengungen im Umweltbereich, die enorme Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitungswerkzeuge (z. B. GIS und Fernerkundung) und die Globalisierung der wissenschaftlichen Informationen. Die Basler Landschaftsökologie – ursprünglich eher regional ausgerichtet und sehr standortbezogen von Einzelforschern betrieben – hat sich in den dargestellten 30 Jahren stark gewandelt und setzte daher neue Schwerpunkte (internationale Vernetzung, stärker spezialisierte Forschungsansätze, transdisziplinäre Projekte). Die Zukunft wird eine noch stärkere Zusammenarbeit der Umweltfächer bringen, teilweise unter dem Zwang reduzierter Budgets und anderweitiger Schwerpunktsetzungen (für Basel “Life Sciences”). Da jedoch in den kommenden Jahrzehnten weltweit von noch dichter besiedelten Landschaften ausgegangen werden kann, schliesst der Artikel mit dem Fazit, dass die Physiogeographie der Zukunft erst recht mit der realen Landschaftsforschung und -lehre verbunden bleiben muss, da die Landschaftsökologie als Spezialwissenschaft für die Erfassung, Überwachung und Bilanzierung von Prozessen in realen Landschaften über ein breites Methodenspektrum (Kartierungen, GIS, Simulations- und Prognosemodelle, experimentelle Feldforschung, Fernerkundung etc.) sowie über die nötige Nähe zu gesellschaftlichen Fragen und Prozessen verfügt.


Physiogeographie und Landschaftsökologie als raumbezogene Mensch-Umwelt-Forschung

Uta Steinhardt

Die 2004 erschienene Neuauflage des “Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung” von Alexander von Humboldt (Humboldt 2004) gibt Anlass, die Wurzeln der Physischen Geographie und Landschaftsökologie aufzuspüren und darzulegen, welchen Weg die Geographie und die sich aus der (Physischen) Geographie und Biologie (insbesondere der Botanik) entwickelnde Landschaftsökologie nahm. Es wird deutlich, dass sowohl die Aussagen Humboldts als auch seine Art der Annäherung an die Landschaft bis heute nichts an Aktualität eingebüsst haben.

Vor diesem Hintergrund werden grundsätzliche Überlegungen zum Stand und zu Perspektiven der Physiogeographie und Landschaftsökologie angestellt, die die Stellung des Faches mit seinen Möglichkeiten und Grenzen verdeutlichen.


Multifunktionale Landschaften. Zum Verständnis einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung

Marion Potschin

Die Planung und Gestaltung multifunktionaler Landschaften erfordert nicht zuletzt die Kenntnis der Werte, die den ökologischen Leistungen einer Landschaft von der lokalen oder regionalen Bevölkerung beigemessen werden. Eine nachhaltige Landschaftsentwicklung wird sich nämlich nur verwirklichen lassen, wenn die ökologischen Funktionen der Landschaft mit den Ansprüchen der Gesellschaft in Einklang gebracht werden können. Die Identifikation dieser Vielfalt an Funktionen und ihr Zusammenwirken ist daher eine wichtige Aufgabe von Wissenschaft und Planung. Einen Beitrag dazu soll das “Modell einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung” liefern. Es projiziert die Landschaftsentwicklung in die absehbare Zukunft unter Beachtung der ökologischen Grenzen von Funktionen. Diese ökologischen Grenzen hängen von der Eigendynamik der Ökosysteme und den menschlichen Ansprüchen ab. Damit sind sie variabel und beeinflussbar und bestimmen letztlich den Grad der Nachhaltigkeit in der Landschaftsentwicklung. Die Planung nachhaltiger Landschaftsentwicklung ist demzufolge nur in alternativen Entwicklungspfaden denkbar – in Szenarien, die jeweils massgeblich durch die ökologischen Grenzen der Funktionen bestimmt werden.


Aspekte geographischer Umweltbewertung. Umweltziele und Indikatoren für ein nachhaltiges Flächenmanagement in Nordamerika und Deutschland

Rainer Glawion

An zwei regionalen Beispielen werden Bewertungsinstrumente für ein nachhaltiges Flächenmanagement vorgestellt, die in der Geographie entwickelt wurden.

In einem ersten Fallbeispiel (Kap. 2) werden Verfahren der Umweltbewertung in der topischen Flächennutzungsplanung für die Konfliktminimierung in stark belasteten Ökosystemen des temperierten Regenwaldes an der Pazifikküste der USA aufgezeigt. Ein zweites Fallbeispiel (Kap. 3) verwendet die anthropogen gesteuerte Prozessdynamik als Indikatorensystem für die Bewertung der Natürlichkeit von Ökosystemtypen in der chorischen Dimension. Mit diesem Verfahren werden ökologische Ausgleichs- und Regenerationsräume sowie agrarische und urban-industrielle Belastungsräume in Deutschland zum Zweck der Landschafts- und Naturschutzgebietsplanung identifiziert.


Prozessmodellierung in der Landschaftsökologie – Modellanwendungen zum Boden- und Gewässerschutz

Rainer Duttmann

Die Modellierung von Landschaftsprozessen zählt mittlerweile zu den elementaren Bestandteilen der landschaftsökologischen Raumanalyse. Sie gestattet es nicht nur, Landschaftsprozesse flächendifferenziert auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen quantifiziert abzubilden, sondern Szenarien zu simulieren, mit denen Wirkungen menschlicher Eingriffe auf das Prozessgeschehen in der Landschaft vorhergesagt werden können. Als Werkzeuge der Umweltprognostik und des Umweltschutzes finden sie zunehmend Anwendung in rechnerbasierten Entscheidungsunterstützungssystemen. Das im Folgenden vorgestellte GIS-basierte Landmanagementsystem ist ein Beispiel für ein solches System, das für den Boden- und Gewässerschutz in Einzugsgebieten grosser und mittlerer Massstäbe konzipiert ist. Es dient als integrative Modellumgebung der räumlich differenzierten Erfassung und Abbildung landschaftshaushaltlicher Prozesse und Funktionen. Vor dem Hintergrund einer ökologisch optimierten Landnutzung und Landschaftsstruktur gestattet es zudem die Simulation unterschiedlicher Szenarien. Die dem Landmanagementsystem zugrunde liegenden Modelle, Schätz- und Bewertungsroutinen sind im Wesentlichen empirisch-statistischer Natur, die auf einen minimierten Umfang an Basisdaten zugreifen.


Landschaftsökologie und Schulgeographie: Eine gute Möglichkeit, der Umwelt näher zu kommen

Armin Rempfler

Die Ergebnisse der geographiedidaktischen Interessenforschung sind eindeutig: Umweltthemen sind bei Jugendlichen sehr beliebt. Das bedeutet für die Schulgeographie, sofern sie sich am Konstruktivismus orientiert, dass sie anspruchsvolle didaktische Aufbereitungsarbeit zu leisten hat. Für die Landschaftsökologie bedeutet dies, sofern das Fachgebiet noch stärker zum Geographieunterricht beitragen will, dass es sich auf seine ursprüngliche Absicht zurückbesinnen muss: Erforschung des Gegenstandes “Natur-Technik-Gesellschaft” in sein

Nr. 46/2

Nr. 46/2

Tourismus in der RegioTriRhena

Zwar gehört unsere Region nicht zu jenen zehn Destinationen Europas, welche ein durchschnittlicher japanischer Tourist während seiner ersten 14-tägigen Europareise ins Auge fasst. Aber die Regio TriRhena hat touristisch doch vieles zu bieten, gerade weil auf  kleinem Raum sehr attraktive Landschaften, erstklassige touristische und kulturelle Infrastrukturen und eine zentrale Lage im Schnittpunkt dreier wichtiger europäischer Länder angeboten werden können!

 

 

 

 

Tourismus in der RegioTriRhena – Trends, Perspektiven, Defizite

Ernst-Jürgen Schröder

Innerhalb des inzwischen in allen Teilräumen der RegioTriRhena vorherrschenden tertiären Sektors erweist sich der Tourismus weiterhin als Wachstumsbranche mit einem Anteil von rund 6 % am Bruttoinlandsprodukt und bildet daher einen Schwerpunkt aller mit der regionalen Wirtschaftsförderung befassten Institutionen. Die vorliegende Analyse zeigt auf, dass sich die Branche in allen Teilregionen seit Beginn der 1990er Jahre infolge der zunehmenden Globalisierung in einem tiefen Strukturwandel befindet, der angesichts der derzeit wirtschaftlich labilen Lage und (speziell in Südbaden) weiterer zu erwartender Kürzungen (v. a. im Kurbereich) möglicherweise an Schärfe noch zunehmen wird. Dennoch ergeben sich für die RegioTriRhena insgesamt positive Perspektiven, sofern sie sich als einheitlicher Tourismusraum präsentiert. Zukünftig müssen länderübergreifend Synergien genutzt werden, damit die RegioTriRhena mit dem Alleinstellungsmerkmal einer Feriendestination einzigartiger landschaftlicher Vielfalt und Schönheit in drei Ländern ihre Position im europäischen und globalen Wettbewerb dauerhaft sichern und ausbauen kann.


Tourismusportal zur RegioTriRhena: Gemeinsames Marketing von Basel, Baselland, Colmar, EuroAirport, Freiburg und Mulhouse

Gert Wodtke

Wie kann die als RegioTriRhena oder kurz als Regio bezeichnete trinationale Region am südlichen Oberrhein gemeinsam touristisch vermarktet werden? Mit diesem Thema befassen sich die Verkehrsämter von Basel, Colmar, Freiburg, Mulhouse gemeinsam mit dem EuroAirport bereits seit über 15 Jahren. Momentan gehören folgende Massnahmen zu diesem gemeinsamen Marketingkonzept: ein gemeinsames buchungsfähiges Internetportal, Broschüren und Newsletter zur Region, ein gemeinsames Welcome-Desk-Konzept, Schulungen zur Vermarktung der Region, gemeinsame Werbeauftritte auf den Zielmärkten sowie gemeinsame Pauschalangebote.  


Herausforderungen an eine zukünftige erfolgreiche Tourismusvermarktung im Schwarzwald

Christopher Krull

Seit über hundert Jahren kommen zahlreiche Gäste in den Schwarzwald, seiner schönen Landschaft und touristischen Angebote wegen. Was jedoch heute in der Werbung zählt, sind Alleinstellungsfaktoren und Superlative, die den Schwarzwald gegenüber anderen Mittelgebirgslandschaften herausstellen. Davon gibt es einige in der Tourismusregion Schwarzwald, von den höchsten Bergen der Deutschen Mittelgebirge angefangen bis hin zu den sonnenreichsten Landschaften im Kaiserstuhl. Die Tourismuswerber verfügen aber noch über einen weiteren Standortvorteil für ihre Tätigkeit: Der Schwarzwald ist weltweit bekannt. Dies verdankt er seinen zahlreichen Botschaftern, die seine Markenimages in die ganze Welt transportieren. Berühmteste Botschafter sind die Schwarzwälder Kirschtorte und der Bollenhut. Trotz dieser Vorteile: Die Tourismusentwicklung stagniert. Die Frage ist, warum und wie kann es wieder Steigerungen geben?


Freizeitdestination von internationaler Bedeutung: 30 Jahre EUROPA-PARK

Uwe Fichtner und Rudolf Michna

Aus kleinsten Anfängen hat sich der Europa-Park im Laufe von 30 Jahren durch sein aussergewöhnliches Freizeitangebot, das eine gelungene Thematisierung mit Spitzenattraktionen in einer gepflegten Anlage kombiniert, eine Alleinstellung verschafft und konnte zum Marktführer in Deutschland werden. Heute steht das mittelständische Familienunternehmen im direkten europaweiten Wettbewerb zu EuroDisneyland und anderen global agierenden Konzernen. Neben den herausragenden unternehmerischen Qualifikationen der Betreiberfamilie bildeten die offenen nationalen Grenzen eine unerlässliche Rahmenbedingung für den grossen wirtschaftlichen Erfolg, denn von der ersten Saison an gehörte das grenzüberschreitende internationale Einzugsgebiet zu den Spezifika des Europa-Park. Chancen und Potenziale, die sich aus dem grenznahen Standort ergaben, wurden rechtzeitig vom Management erkannt und konsequent genutzt. Nachdem das Erlebnisangebot mit dem Ausbau von Übernachtungskapazitäten in hochwertigen Hotels erheblich diversifiziert wurde und die Öffnungszeiten auf einige Winterwochen ausgedehnt worden sind, lässt sich absehen, dass in naher Zukunft die Schwelle zu 4 Mio. Besuchen pro Jahr überschritten wird.


Kurzentrum Rheinfelden/Schweiz. Eine wirtschaftsgeographische Skizze

Bernhard Mohr

1844/46 und 1970/73 sind Schlüsseljahre für Rheinfelden/Schweiz als Kurort. Nach der Entdeckung von Salzvorkommen und mit der Verwendung von Sole zu Heilzwecken erlangte die alte Zähringerstadt am Hochrhein internationale Berühmtheit als Badekurort mit einer Glanzzeit bis unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Anfang der 1970er Jahre erfuhr die Solbadtradition eine Renaissance durch die Gründung des Kurzentrums Rheinfelden, das nach mehreren Ausbauphasen mit der Eröffnung der Wellness-Welt “sole uno” im Jahre 1999 seine Anziehungskraft deutlich steigerte und durch das Projekt “sole due” künftig nochmals erhöhen will.


Die Landesgartenschau Kehl - Strasbourg 2004. Impulsgeber für Städtebau, Wirtschaft und Tourismus und Motor der grenzübergreifenden Zusammenarbeit

Marc Funk

Kehl dominiert durch Tankstellen, Brachen und Gewerbehallen – das war einmal. Ein neuer Stadteingang und Stadtboulevard, ein sanierter Bahnhof sowie die erfolgreiche Konversion einer ehemaligen Kaserne in ein Dienstleistungszentrum sind nur einige Beispiele dafür, dass die Stadt Kehl ihr Gesicht verändert hat. Die Grenzlage – über Jahrhunderte ein Nachteil und mit leidvollen Erfahrungen verbunden – hat sich zu einem Standortvorteil entwickelt. Der Wegfall der Grenzen und die Harmonisierung des Binnenmarktes haben in Kehl zu einer spürbaren Dynamik in der Stadtentwicklung, einer Zunahme der wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Elsass und zu einer Intensivierung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit geführt. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markiert die gemeinsam mit Strasbourg durchgeführte Landesgartenschau 2004, ein touristisches Grossereignis und entscheidend für die jüngere Stadtentwicklung in Kehl.


Nr. 46/3

Nr. 46/3

Landschaftswandel und Landnutzungsprobleme im Jura

Die menschlichen Tätigkeiten haben sich seit jeher auf das Landschaftsbild ausgewirkt. Aufgrund der sich in den letzten Jahrzehnten rasch und einschneidend ändernden Nutzungsformen hat sich allerdings der Wandel des Landschaftsbildes stark beschleunigt. Davon betroffen ist im Speziellen auch die Jura(kultur)landschaft. Die vorliegende Regio-Ausgabe beleuchtet darum einige Aspekte dieses Landschaftswandels und der Landnutzungsprobleme im Jura.

 

 

 

 

Wie viele Hochstammbäume sollen im Offenland stehen?
Simulationen der Kulturlandschaftsentwicklung in der Nordwestschweiz  

Karl Martin Tanner

Die Landwirte sind in der heutigen Zeit längst nicht mehr nur Nahrungsmittelproduzenten, sie sind auch für die Pflege von biologisch vielfältigen Flächen zuständig und bestimmen letztlich, ob eine Landschaftskammer lieblich oder verwüstet aussieht. Das Gesicht der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird in der Nordwestschweiz besonders stark von Hochstammbäumen geprägt. Von der Gesellschaft werden sie wegen ihrer ästhetischen Qualität geschätzt, nichtsdestotrotz von den Landwirten aber laufend aus ökonomischen Gründen dezimiert. In diesem Beitrag wird skizziert, in welcher Weise ästhetische Aspekte im Blick auf ihre Erhaltung künftig vermehrt eine Rolle spielen könnten.


Erlebnisraum Tafeljura: Von der Pro Natura-Idee zum lokal verankerten Projekt

Urs Chrétien

Schon 1997 hat Pro Natura Baselland die Grundzüge des Projekts “Erlebnisraum Tafeljura” erarbeitet. Dieses möchte den schleichenden Strukturwandel im Baselbieter Tafeljura aufhalten und strebt eine nachhaltige Entwicklung dieses wertvollen Gebietes an. Dabei sollen  der Bevölkerung sowie den Besuchern die Besonderheiten dieses Gebietes aufgezeigt werden. In einem längeren Prozess wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und weiteren interessierten Kreisen verbessert und weiterentwickelt. Im Frühling 2003 konnte es einer lokalen Trägerschaft übergeben werden. Verschiedene Teilprojekte im wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bereich wurden erfolgreich lanciert. Nun wird die Option einer Weiterentwicklung zu einem Regionalen Naturpark geprüft.


Naturschutz in der Kulturlandschaft – Praxistest einer Bewertungsmethode zur Erfassung des Zustands der Kulturlandschaft

Isabelle Ritschard

Die heutige Kulturlandschaft ist ein sehr komplexes Gebilde, das durch das Zusammenwirken von Mensch und Natur über Jahrhunderte entstanden ist und sich in einem stetigen Wandel befindet. Zur Erfassung und Bewertung der Landschaft gibt es unterschiedliche Methoden, diese beschränken sich aber meist auf einen kleinen Teilausschnitt der Landschaft. In der Diplomarbeit von Ritschard (2004) wurde ein von einer Vorgängerin entwickeltes Verfahren zur Erfassung und Bewertung des Zustands der Kulturlandschaft in der Praxis getestet. Das getestete Verfahren stellt einen ersten theoretischen Ansatz für die Integration von Naturschutz in der Kulturlandschaft dar.


Kartierung landwirtschaftlicher Nutzflächen im Kanton Aargau auf der Basis von Satellitendaten

Miriam Lähns

Die Abteilung für Umwelt des Kantons Aargau regte eine Diplomarbeit an, in der die Eignung von Satellitendaten für ein jährliches Monitoring der landwirtschaftlichen Nutzflächen untersucht werden sollte. Die monotemporalen Klassifikationen dreier während der Vegetationsperiode 2001 aufgenommenen Satellitenbilder ergaben für die landwirtschaftlichen Kategorien grösstenteils unzureichende Zuweisungsresultate. Wie andere Forschungsergebnisse zeigen, lässt sich durch eine Merkmalserweiterung mittels multitemporaler Auswertung die Zuweisungsgenauigkeit verbessern, doch müssen auch diese Ergebnisse für die genaue Differenzierung einer Vielzahl unterschiedlicher landwirtschaftlicher Nutzungsarten als zu ungenau bewertet werden.


Deponien im Jura. Bisherige Praxis, Auswirkungen auf die Umwelt, Perspektiven

Arthur Rohrbach

Deponien bildeten im letzten Jahrhundert die wichtigste (und billigste) Möglichkeit, der rasch wachsenden Abfallmengen Herr zu werden. Die damit verbundenen Probleme wurden vor allem aus Sicht des Gewässerschutzes zwar schon recht bald erkannt, doch benötigte der Sinneswandel hin zu einer Abfallbewirtschaftung auf naturwissenschaftlicher Basis einige Zeit. Heute bilden professionell geführte Deponien an wenigen, ausgewählten Standorten das Endglied einer längeren Abfallbewirtschaftungskette und entsprechen schon sehr weitgehend dem Ziel stabiler Endlager ohne langfristige Nachsorge.


Der Jura als Standort von Windkraftanlagen: Möglichkeiten und Grenzen

Robert Horbaty

Es gibt keine Technologie, die unsere zukünftige Energieversorgung alleine sicherstellen kann. Die Nutzung der Windenergie setzt auch bei uns wichtige Impulse für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung. Konkretisiert wird dies über die Produktion von Ökostrom im Bereich der Stromversorgung, über die Entwicklung von Anlagenkomponenten wie intelligente Rotorblätter oder Eissensoren im Bereich der Windenergieforschung und über den Aufbau eines eigentlichen Kompetenzzentrums für die Windenergienutzung im komplexen Terrain und unter rauen klimatischen Bedingungen. Windenergienutzung in der Schweiz ist dabei eine “jurassische” Angelegenheit. Würden Windparks allein an den zehn, auf die kantonalen Planungen gestützten Standorten dieser Region realisiert, könnten gegen fünf Prozent des Strombedarfs von Nyon bis Delémont mit einheimischer Windkraft erzeugt werden. Aufgrund von Einsprachen von fundamentalistischen Windkraftgegnern werden heute jedoch Projekte mit einem Investitionsvolumen von 45 Mio. CHF (davon ca. 40 % in der Region) und einer möglichen Stromproduktion von 28 GWh blockiert.

Nr. 45/1 - 2004

Nr. 45/1 - 2004

Industrie am Oberrhein im Umbruch:

Beim Durchgehen der Titelthemen der Regio Basiliensis der letzten Jahre tauchen mehrfach Begriffe auf wie "Wandel", "Aufbruch" oder - wie in diesem Heft - "Umbruch". Dies ist kein Zufall und auch nicht Einfallslosigkeit der Redaktoren. Unsere Region ist mehr denn je eine Baustelle. Geographie hat den Anspruch, die früheren, aktuellen und künftigen Veränderungen im Raum zu erfassen und zu analysieren. Kein Bereich der Wirtschaft in der Region hat einen derartig tiefgreifenden Umbau in Angriff nehmen müssen wie die industrielle Produktion. Dies, obwohl die Nordwestschweiz nach wie vor die stärkste Wachstumsregion der Schweiz mit einem prognostizierten BIP-Plus für 2004 von 2.6% ist. Obschon der tertiäre Sektor längst dominiert und weiterhin im Vormarsch ist, bleibt der wichtigste wirtschaftliche Motor der Region die Chemie, die 11% der Erwerbstätigen direkt und 50% indirekt beschäftigt. Dieses Heft beleuchtet schwerpunktmässig die Entwicklungen der Industrie in den deutschen und elsässischen Gebieten des gemeinsamen Wirtschaftsraumes am Rheinknie.


Industriestandort Regio TriRhena – Trends, Defizite, Perspektiven

Ernst-Jürgen Schröder

Trotz des inzwischen in allen Teilräumen der Regio TriRhena vorherrschenden tertiären Sektors und seines weiteren Vormarsches, bleibt die Industrie weiterhin ein raumprägendes Element und zeugt von hoher Entwicklungsdynamik. Fast alle Industriezweige zeigen eine überaus hohe Anpassungsfähigkeit gegenüber den neuen ökonomischen Herausforderungen der Globalisierung und bilden zunehmend die in der postfordistischen Ära typischen regionalen Netzwerke (Cluster) und Kompetenzzentren. Zudem tragen neue mittelständische Industriebetriebe in ausgesprochenen Wachstumsfeldern – häufig aus lokalen Existenzgründungen hervorgegangen – zur Modernisierung der Industriestruktur und der ökonomischen Erneuerung der Region bei.


Marketing für den Life Sciences Standort Basel           

Rolf Strittmatter

Im Rahmen der Globalisierung und Regionalisierung ökonomischer Realitäten sowie im Zuge des damit verbundenen internationalen Standortwettbewerbs gewinnen raumbezogene Marketingansätze immer mehr an Bedeutung. Die zielgerichtete Entwicklung und Vermarktung des räumlichen Marketingprojektes wird im Hinblick auf die je nach anvisierter Branche unterschiedlich wahrgenommene Attraktivität des Standortes zum Herzstück sowohl der regionalen als auch kommunalen Wirtschaftsförderung. Vor diesem Hintergrund steht im Mittelpunkt der nachfolgenden Analysen die Frage, inwieweit die Marketingaktivitäten potentieller Trägerinstitutionen des international renommierten Life Sciences Standort Basel einem einheitlichen und branchenspezifischen Marketingansatz folgen.


Traditionsbranche auf dem Rückzug. Der Umbruch in der elsässischen Textilindustrie

Rudolf Michna

Als Folge des international verschärften Wettbewerbs erlebt die Textilindustrie im Elsass seit mehreren Jahrzehnten einen erheblichen Rückgang der Betriebe und Beschäftigtenzahlen. Sie befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Während die lohnintensiven Produktionsstufen der Spinnereien und Webereien fast vollständig in Niedriglohn-Länder abwanderten, orientieren sich die noch verbleibenden Betriebe auf Nischenprodukte wie qualitativ hochwertige modische Kreationen und vor allem auf technische Textilien. Dieser Strukturwandel ist von einem wachsenden Einfluss auswärtiger Kapitalseigner begleitet. Regionale Initiativen zielen auf die Entwicklung neuer Technologien und Produkte sowie auf Marktforschung.

Résumé

Suite aux changements de la concurrence internationale, l’industrie textile d’Alsace subit, depuis plusieurs décennies, une véritable hémorragie des entreprises et des emplois. Elle se trouve entraînée dans un processus de restructuration dont la fin n’est pas encore prévisible. Pendant que les productions intensives en main-d’œuvre telles que la filature et le tissage sont délocalisées vers les pays à bas niveau des coûts de salaire, les entreprises encore existantes s’orientent vers des produits de mode à haute qualité et surtout vers les textiles techniques. La transformation de la structure de l’appareil de production se traduit par une diminution du poids des entreprises régionales. Des initiatives engagées récemment sur le plan régional visent le développement de nouvelles technologies et la formation nécessaire à la maîtrise des marchés nouveaux.


Rheinfelden (Baden): Perspektiven einer Industriestadt in Zeiten wirtschaftlichen Umbruchs

Bernhard Mohr

Rheinfelden (Baden), das seine Entstehung dem Bau des ersten Laufkraftwerks im Hochrhein (1898) und der Ansiedlung stromintensiver Grundstoffindustrie verdankt, hat sein wirtschaftsräumliches Gefüge in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt: hin zu einem breiteren Branchen- und Betriebsgrössenspektrum aufgrund von Fusionen, Ausgliederungen sowie Neuansiedlungen mittelständischer Unternehmen. Zugleich war die Altlastenproblematik zu lösen und eine passable Verkehrsinfrastruktur zu schaffen.


Innocel Innovations-Center Lörrach – Keimzelle für regionale Netzwerke und Innovationsmotor einer Region          

Diana Stöcker-Unnerstall

In Lörrach war die Krise der Textilindustrie und der damit verbundene Abbau von Hunderten von Arbeitsplätzen ausschlaggebend für die politischen Entscheidungsträger, ein Innovationszentrum zu etablieren. Seit Gründung des Innocel Innovations-Center Lörrach im Frühjahr 2000 sind rund 100 neue Arbeitsplätze entstanden. Weitere 120 Arbeitsplätze sind durch die Ansiedlung etablierter Unternehmen aus den Technologiefeldern Informations- und Biotechnologie im Innocel konzentriert. Momentan schaffen rund 40 Technologie- und Gründerzentren in Baden-Württemberg – zusammengefasst unter dem Begriff Innovationszentren – Arbeitsplätze in innovativen Branchen. Der Beitrag zeigt, dass ein Innovationszentrum mehr ist als eine Gewerbeimmobilie, in der zu attraktiven Konditionen Flächen vermietet werden.


Vom Textilzentrum zum Einkaufsparadies und zum kleinbetrieblichen Branchenmix – das Beispiel Weil-Friedlingen   

Jörg-Wolfram Schindler

Der Zusammenbruch der Textilindustrie zwischen 1970 und 1982 stürzte den Stadtteil Weil-Friedlingen in eine tiefe Krise, die sich in einer Verwahrlosung des Quartiers niederschlug. Durch den Ankauf zweier Textilareale (F.A.S. und Schwarzenbach) konnte die Stadt gegensteuern, die Wohn- und Versorgungsfunktion stärken sowie mit Factory-Outlet-Unternehmen und industriell-gewerblichen Dienstleistern neue Gewerbe ansiedeln. Vor allem Schweizer Firmen nutzen die Standortvorteile Friedlingens, wobei die gewollte Etablierung eines Künstler- bzw. Kulturzentrums auf dem Schwarzenbachareal und die damit entstandene ‘urbane’ Atmosphäre als ‘weicher’ Standortfaktor die Ansiedlung der meist kleinen bis sehr kleinen, auf High-Tech setzenden Betriebe begünstigte.

Nr. 45/2

Nr. 45/2

Basel und Afrika – eine 200-jährige Tradition:

Vom "Negerdorf" zum "Afrika-Lehrstuhl" - Aspekte der Beziehungen zwischen Basel und Afrika. Mögen Sie sich noch erinnern? Auf der Festmatte im Zoologischen Garten Basel standen einst Dörfer, in denen Nubier, Marokkaner oder Singhalesen für Wochen wohnten - notabene unter miserabelsten Verhältnissen - und ihre Kriegs- und Maskentänze oder Schlangenbeschwörungen vorführten. Diese Tier- und Völkerschauen erfreuten sich bis 1932 grosser Beliebtheit bei der Bevölkerung!

Oder erinnern sich noch an das "Negerlein", welches nach Einwurf einer Geldspende für die Mission dankend nickte? Oder ist Ihnen bewusst, dass die Art der "richtigen Entwicklungshilfe" für Afrika vor 50 Jahren ganz anders war als heute? Dies alles mag Geschichte sein. Aber: Afrika hat viel mit unserem heutigen Leben zu tun. Hand aufs Herz: Wie verknüpfen Sie die Begriffe Handy, Internet und Afrika miteinander?

Afrika ist längst Teil der einen, zunehmend globalisierten Welt geworden. Dies hat uns Afrika in den letzten Jahren in jeder Beziehung näher gebracht. Besonders gilt dies für Basel, denn an der Universität Basel ist unlängst ein Lehrstuhl für Afrikanische Geschichte eingerichtet worden. Basel hatte eine besondere Affinität zu Afrika und hat sie noch immer. Das vorliegende Heft beleuchtet die Entwicklung dieser besonderen Beziehungen zwischen Afrika und Basel.


Wie fern ist Afrika?
Afrikaforschung in der sich globalisierenden Welt

Till Förster

Afrika scheint ein weit entfernter Kontinent ohne Hoffnung zu sein. Staatszerfall, Kriege, Hungerkrisen und Epidemien, allen voran AIDS, bestimmen das Bild, das die westlichen Medien von unserem Nachbarkontinent zeichnen. Afrika soll bleiben, wo es ist: Möglichst weit weg. Doch Afrika ist nah und mitten unter uns. Seine Menschen suchen Arbeit in den großen Städten Europas. Ihre Musik klingt aus Radios und Diskotheken, ihre Kunst füllt Galerien und sogar die Dokumenta. Afrika ist längst Teil dieser Welt wie jeder andere Kontinent auch. Globalisierungsprozesse sind in Afrika nicht weniger zu spüren wie in den Metropolen der ehemaligen Kolonialmächte. Hat es angesichts dieser immer stärker werdenden Vernetzung noch Sinn, sich mit einem Kontinent zu beschäftigen?


Immer etwas Neues aus Afrika: Einige Überlegungen zur Geschichte von Afrika in Basel

Patrick Harries und Giorgio Miescher

Der Beitrag skizziert die lange Geschichte intellektueller Auseinandersetzung mit Afrika in Basel und die Entsehung der jungen Disziplin Afrikanische Geschichte. Diese konnte dank öffentlichem und privatem Engagement auch an der Universität Basel etabliert werden. Ihre Zukunft ist jedoch nicht gesichert. Die Autoren zeigen Perspektiven für Lehre und Forschung auf. Diese umfassen einerseits die Bedeutung Afrikas, seiner Mensche und seiner Ressourcen für die Schweizer Geschichte und andererseits die dank den hier vorhandenen Archiven und Bibliotheken bestehenden Forschungsmöglihkeiten zu ausgewählten Regionen des Kontinents.


Die weite Welt rund um Basel: Mission, Medien und die regionale Vermittlung eines Afrikabildes im 19. und 20. Jahrhundert

Paul Jenkins und Guy Thomas

Der vorliegende Artikel beleuchtet einen Aspekt der Werbetätigkeit der Basler Mission. Der Blick richtet sich vorwiegend auf Bilder aus Westafrika, die seit den 1820er Jahren von Missionstätigen nach Basel übermittelt wurden.

Die Verbreitung von Afrikabildern - als Texte, Stiche oder Fotografien - erfolgte oft durch Reiseprediger und Sammlerinnen sowie durch den Einsatz verschiedener Medien. Solche "Unterwasser"-Strukturen zeigen auf, dass die Öffnung aussereuropäischer Missionsfelder mit einem grossen Aufwand zur Kommunikation eines nachhaltigen Öffentlichkeitsprofils in und rund um Basel einher ging. Trotz veränderter Informationsmittel und -methoden bleiben die Voraussetzungen für aktuelle Aufgaben in der Missionstätigkeit ähnlich: Die "Unterwasser"-Strukturen in der europäischen Heimat müssen bleiben, um den Weg für die regionale Vermittlung eines zeitgemässen Afrikabildes zu bereiten.


Der Staat Namibia.
Seine aktuellen Probleme aus historischer und politisch-geographischer Sicht

Hartmut Leser

Die Geschichte Namibias wirkt bis in unsere Zeit: Aktuelle Probleme der Politik und des Zusammenlebens der Völker Namibias werden z.T. von ihnen bestimmt. Es gibt drei Basisprobleme: Das von der Aridität begrenzte Naturraumpotenzial, die ethnische Heterogenität (die durchaus nicht von „einem namibischen Volk“ reden lässt) und das zahlenmässige und somit auch politische Übergewicht des Volkes der Ovambo. Der Ein-Parteien-Staat Namibia, von der SWAPO beherrscht, hat sich gleichwohl nach der Unabhängigkeit 1990 friedlich entwickelt, auch wenn die Gegensätze Arme-Reiche immer grösser werden. Der Artikel erkennt, dass die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung nicht zu lösen ist von den geographischen Gegebenheiten des Landes, aber auch nicht von seiner historischen Entwicklung.


Conservation of biodiversity in a relic forest in Benin - an overview

Peter Nagel, Brice Sinsin and Ralf Peveling

Zusammenfassung

Der Wald Lama ist einer der letzten Reste des westafrikanischen Wald/Savanne-Mosaiks, welches als `Dahomey gap` bekannt ist. Er enthält natürlichen Wald sowie Waldplantagen und hat den Schutzstatus eines klassifizierten Waldes. Im vorliegenden Artikel geben wir einen Überblick über ein laufendes Gemeinschaftsforschungsprojekt, das sich auf die Erhaltung der Biodiversität im Wald Lama konzentriert. Das Projekt basiert auf der Annahme, dass Erhaltungs- und Managementstrategien auf der Basis des Verständnisses der strukturellen und ökologischen Funktionsmerkmale entwickelt werden müssen. Es enthält Untersuchungen über die Biodiversität der Gliederfüssler, einer Gruppe, der bis jetzt in tropischen Biodiversitätsuntersuchungen wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, sowie Untersuchungen über ökologische Schlüsselprozesse wie der Zusammenbruch der “Abfälle?“. Hauptgewicht wird auf das Verhältnis und die Abhängigkeit zwischen natürlichem Wald und Plantagen gelegt. In Bezug auf ökologische sowie biogeographische Eigenheiten, fanden wir Beweise für den Wert des Waldes Lama für die Erhaltung der Biodiversität in Benin. Spezifisch klärte unsere Studie die Rolle der anthropogenen Wälder als Pufferzonen, Migrationsflure und stellvertretende Lebensräume für seltene Waldtiere auf. Wichtige Einblicke hinsichtlich des Managements und der Erhaltung der lokalisierten Biodiversitätsmittel wurden in Benin und in anderen afrikanischen Ländern gewonnen.

Abstract

Lama forest is one of the last remnants of the West African forest/savannah mosaic known as the Dahomey gap. It comprises natural forest and forest plantations and has the protection status of a classified forest. In the present article, we give an overview of an ongoing research partnership project focusing on the conservation of biodiversity in Lama forest. The project is based on the assumption that conservation and management strategies must be founded on an understanding of both structural and functional ecological traits. It comprises studies on the biodiversity of arthropods, a group which has received little attention as yet in tropical biodiversity assessments, as well as studies on key ecological processes such as the breakdown of litter. Emphasis is laid on the relationship and interaction between natural forest und plantations. With respect to ecological as well as biogeographical peculiarities, we found evidence of the importance of Lama forest for biodiversity conservation in Benin. Specifically, our study elucidated the role of anthropogenic forests as buffer zones, migration corridors and surrogate habitats for rare forest animals. Important insight has been gained with regard to the management and conservation of isolated biodiversity resources in Benin and other African countries.


Gesundheit und Gesundbleiben durch Partnerschaft
60 Jahre Erfahrung am Schweizerischen Tropeninstitut

Brigit Obrist und Marcel Tanner

Für das Schweizerische Tropeninstitut ist heute das Thema Forschungspartnerschaft mit Entwicklungsländern im Zentrum  seiner täglichen Arbeit. Das war nicht immer so. Unser Beitrag zeichnet wichtige Stationen im Wandel von einer naturwissenschaftlich und medizinisch orientierten, oft paternalistisch geprägten  Entwicklungs-„Hilfe“ hin zu einer inter- und transdisziplinären, demokratischen Entwicklungs-„Partnerschaft“ und –Zusammenarbeit nach. Das „Tropeninstitut“ hat sich zu einem transdisziplinären Institut für Internationale Gesundheit entwickelt. „Transdisziplinär“ bedeutet einerseits  ein umfassendes Verständnis von Gesundheit, wissenschaftlich breit abgestützt, und andererseits den  Einbezug von Akteuren aus Politik und Praxis. Der Wandel am Schweizerischen Tropeninstitut spiegelt ein gesellschaftliches Umdenken wieder: Nachhaltige Gesundheitsentwicklung kann nur durch Partnerschaft in diesem umfassenden Sinne erreicht werden.


Nr. 45/3

Nr. 45/3

Urbane Gewässer:

Urbane Gewässer umfassen alle Gewässer der Stadt, egal ob es sich dabei um ein Fliessgewässer, einen städtischen See, ein Feuchtgebiet mitten in der Stadt, das Grundwasser unter der Stadt, das Wasser aus der Dachtraufe von Hunderten von Stadthäusern oder um einen von einer alten Quelle gespeisten Stadtbrunnen handelt. Selbst das Abwasser und die dafür geschaffenen Fliesswege, Zwischenspeicher und Reinigungsanlagen gehören in diese Thematik hinein und die Aspekte der Nachhaltigkeit liefern bei dieser Thematik je nach Region und Sichtweise gar das berühmte Salz in der Suppe.

 

 


Das Bürgerprojekt "StadtGewässer" -
Neue Ansätze zur Bewertung und Entwicklung urbaner Fliessgewässer

Oliver Kaiser

Im Rahmen des Projekts "StadtGewässer" wurde ein komplexer Bewertungsansatz für städtische Fliessgewässer entwickelt, der neben ökologischen auch städtebauliche und soziokulturelle Aspekte berücksichtigt. Mit diesem wurden Defizite und Entwicklungspotenziale an zwei Freiburger Fliessgewässern erfasst und bewertet. Gemeinsam mit Freiburger Bürgern, Fachleuten und Behördenvertretern wurden in einem Partizipationsverfahren Gestaltungsvorschläge und Entwicklungskonzepte für die beiden Gewässer erarbeitet. Die Ergebnisse des Verfahrens zeigen, dass eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit auch bei wasserwirtschaftlichen Planungsverfahren in vielen Fällen sinnvoll ist.


Revitalisierung urbaner Gewässer - Akzeptanz für die revitalisierte Birs

Heike Freiberger

Im Sommer 2002 begannen umfangreiche Baumassnahmen an der Birs. Der Neuhau des direkten Abwasserkanals zum Rhein bot die Chance, den Fluss im Zuge der notwendigen Bauarbeiten gleichzeitig zu revitalisieren. Die Betonverbauungen wurden entfernt und beide Ufer massiv umgestaltet. Das Bemerkenswerte an der Revitalisierung der Birs ist, dass die Revitalisierung inmitten dicht besiedelten Gebiets durchgeführt wurde. Diese Besonderheit ermöglichte es, anhand einer Befragung zu untersuchen, inwieweit die Anwohnenden den Fluss als urbanes Gewässer wahrnehmen und nutzen und wie die Veränderungen von den Nutzenden akzeptiert werden. Anhand der vorliegenden Ergebnisse kann festgestellt werden, dass die Akzeptanz für die Revitalisierung in der Bevölkerung ausgesprochen hoch ist. Das Birsufer wird rege genutzt und die Veränderungen, die der Natur zugute kommen, werden von den Anwohnenden unterstützt.


Auenrevitalisierung in der Wiese-Ebene bei Basel: die Akteurssicht

Arnold Gurtner-Zimmermann & Jessica Knall

Institutionelle und gesellschaftliche Akteure wurden vor und nach der Durchführung des Auenrevitalisierungsprojektes in den Stellimatten zu ihrer Landschaftswahrnehmung und ihrer Einstellung gegenüber der ökologischen Aufwertung in der unteren Wiese-Ebene bei Basel schriftlich befragt. Das betreffende Gebiet wird nach der Durchführung des Pilotprojekts in ökologischer und ästhetischer Hinsicht positiver bewertet als vor der Revitalisierung. Die Akzeptanz für die konkreten Aufwertungsmassnahmen, die bereits vor der Projektdurchführung gross war, hat sich durch die Revitalisierung kaum verändert. Nach zwei Projektjahren ist bei den Befragten aber eine höhere Befürwortung von Feuchtgebietsrevitalisierungen ausserhalb der Hochwasserdämme auszumachen. Insbesondere haben Naturschutzvertreter ihre skeptische Haltung geändert. Auf der anderen Seite stehen die Wasserversorger, die gegenüber Revitalisierungen im Einzugsgebiet der Trinkwassergewinnung nach wie vor kritisch eingestellt sind.


Revitalisierung von Fliessgewässern in Grundwasserschutzgebieten - ein Oxymoron?

Peter Huggenberger, Christian Regli, Jannis Epting & Lorenz Guldenfels

Ziel des Gewässerschutzes ist es, möglichst naturnahe Funktionen von Fliessgewässern wieder herzustellen und eine gute Wasserqualität zu gewährleisten. Dies soll unter anderem mit Revitalisierungsmassnahmen an Fliessgewässern erreicht werden. Mit Hilfe von Feldexperimenten wurden Prozesse der Fluss-Grundwasserinteraktion in den Langen Erlen untersucht. Die Resultate lassen das Gefährdungspotenzial flussnaher Brunnen durch Verunreinigungen aus der Wiese abschätzen. Durch die Ausarbeitung von Modellszenarien können Revitalisierungsmassnahmen evaluiert und optimiert sowie erwartete Konsequenzen aus Entscheiden bewertet werden. Eine gezielte Aufgabe flussnaher Brunnen, verbunden mit dem Bau einiger weniger Ersatzbrunnen an geeigneten Standorten, würde zu einem grösseren Freiheitsgrad zukünftiger Revitalisierungsmassnahmen führen. Damit verbunden wäre ein grösserer Schutz des Grundwassers bezüglich dem Eindringen von wassergefährdenden Stoffen und Mikroorganismen aus der Wiese.


Das Pflanzenklärgebiet in der Brüglnger Ebene (Grün 80).
Selbstreinigungsprozesse in urbanen Flusslandschaften

Urs Geissbühler, Thomas Vögtli, Oliver Stucki & Chritsoph Wüthrich

Das untersuchte Pflanzenklärgebiet wurde ursprünglichj für die zweite Schweizerische Ausstellung für Garten-und Landschaftsbau ("Grün 80") gebaut. Seither hat die "Anlage" grosse Veränderungen erfahren (Kolmation) und sich zusammen mit einem künstlich geschaffenen See (Quellsee) als naturnahes Rückzugsgebiet für Flora und Fauna etabliert. Die Fliessstrecke durch das Röhrichtareal liefert ein gutes Modell für die Selbstreinigungsleistung, die bei einer einfachen Überflutung einer Auenlandschaft - z. B. bei Hochwasser oder im Zuge einer Revitalisierung zu erwarten ist. Das Birswasser wurde vor, während und nach der Passage des Pflanzenfilters im und über dem Substrat untersucht. Zusätzlich wurde der Effekt des nachgeschalteten Sees als Nährstoffsenke untersucht. Vor allem durch die baulichen Veränderungen bedingt, findet nach rund 24 Jahren Betrieb nur noch eine geringfügige Reduktion der Nährstoffe statt. Das Gebiet dient heute v. a. als Sedimentfalle und begünstigt dadurch die Stoffumsetzung im anschliessenden Quellsee. Unsere Untersuchungen zeigen weiter, dass das Wasser nach Durchlauf des Quellsees u. U. den Anforderungen genügt, die an ein vorfiltriertes Wasser gestellt werden, welches in einer Grundwasserschutzzone zur Versickerung gebracht wird. Ein modernes Flussebenenmanagement im städtischen Raum könnte durchaus nebst Feuchtgebieten und Fliessgewässern auch stehende Gewässer in Kombination einsetzen, um nebst hoher Biodiversität und hohem Erholungsnutzen auch eine möglichst hohe Selbstreinigung des Oberflächenwassers zu erreichen.


Der Quellsee in der Brüglinger Ebene: Eine echte Oase?

Oliver Stucki

Der Quellsee ist ein kleiner, künstlich erschaffener Flachsee in der Brüglinger Ebene, der anlässlich der zweiten Schweizerischen Landesausstellung für Garten- und Landschaftsbau (Grün 80) in den Jahren 1978/79 gebaut wurde. Seither konnte er sich naturnah entwickeln und stellt heute ein beliebtes Ausflugsziel für die Naherholung dar. Zudem bietet der See Lebensraum für Pflanzen und Tiere und übernimmt stoffhaushaltliche Funktionen. Seit dem Jahr 2003 finden in und um den Quellsee verschiedene Messungen statt, die eine limnoökologische Charakterisierung des urbanen Sees sowie die Erfassung seiner Funktionen als Natur-, Lebens- und Erholungsraum zum Ziel haben. Die ersten Resultate zeigen die speziellen Eigenschaften des Sees: Die Wassertemperatur wird sehr stark durch die Sonneneinstrahlung und die Lufttemperatur geprägt, während neun Monaten im Jahr weist der See eine Sauerstoffübersättigung auf und die Sichttiefe ist im Sommer aufgrund des Phytoplanktons sehr gering.


Integrierte Siedlungsentwässerung am Beispiel der Stadt Basel

Roger Reinauer, Thomas Geiger & Martin Hofmanna

Die Siedlungsentwässerung ist stark mit der Siedlungshygiene, der Gesundheit der Bevölkerung und dem Umweltschutz verknüpft. Am Beispiel der Stadt Basel werden deren Entwicklung und heutiger Stand aufgezeigt sowie Konzepte für die mittelfristige Fortentwicklung vorgestellt. Neben der Bewältigung von neuen Herausforderungen infolge neuer Wirkstoffe im Abwasser und deren teilweise noch unbekannten Auswirkungen und Risiken auf die Umwelt muss der bisher erreichte hohe Standard in der Siedlungsentwässerung durch konsequente Werterhaltung der Abwasseranlagen sichergestellt werden.

Nr. 44/1 - 2003

Nr. 44/1 - 2003

Der Baselbieter Wald im Wandel:

Fast vierzig Prozent der Fläche des Kantons Basel-Landschaft sind mit Wald bedeckt. Eigentlich wäre dies für sich allein schon Grund genug, einmal ein Heft der Regio Basiliensis dem Thema Wald zu widmen. Wald ist aber nicht gleich Wald. Je nach Standort hat er seine ganz besondere natürliche Ausprägung, wie Sie sich selber beim Foto-Spaziergang durch den Baselbieter Wald im Farbteil dieses Heftes überzeugen können. Der Wald ist aber auch aus der Sicht des Menschen sehr vielseitig: Holzlieferant, Sportarena, Schutz gegen Erosion, Grundwasserspeicher, Erholungsraum und nicht zuletzt Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt - zahlreiche Ansprüche, die nicht immer widerspruchsfrei nebeneinander stehen. Alles in allem also eine echt geographische Fragestellung: ein Naturraum in seiner Überprägung durch die menschliche Nutzung.

 


Der Baselbieter Wald im Wandel

Reinhard Eichrodt

Über Jahrhunderte war der Wald reines Exploitationsgebiet. Im 19. Jahrhundert wurden nicht standortsheimische Baumarten zur Steigerung des Holzertrages eingebracht. Nach landwirtschaftlichen Methoden sollten Monokulturen zum Ziele führen. Nur Veränderungen des Klimas und der Waldbewirtschaftung bewirkten einen gewissen Wandel in der Erscheinungsform des Waldes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte auch die Region Basel eine stürmische Entwicklung der Industrie, der Wirtschaft und der Siedlungsgebiete. In der Folge wandelten sich auch die Ansprüche der Bevölkerung an den Wald. Dazu blieben die negativen Auswirkungen intensiver technischer Aktivitäten auf die Umwelt im Allgemeinen und den Wald im Speziellen nicht aus. Verantwortungsbewusste Bevölkerungskreise nahmen ihre ethische Verantwortung für die Erhaltung der uns umgebenden Natur, die einer enormen Belastung ausgesetzt wurde, wahr. Auch ihre Auffassungen der richtigen Massnahmen sind einem Wandel unterworfen. Diese Hektik in der menschlichen Gesellschaft schlägt auf den Wald über.


Wie gesund ist der Baselbieter Wald heute?

Walter Flückiger und Sabine Braun

In 23 Walddauerbeobachtungsflächen im Kanton Basel-Landschaft werden seit 1984 baum- und standortsbezogene Untersuchungen durchgeführt. Mit einem Stickstoffeintrag aus der Luft von 20–30 kg N ha-1 a-1 wird der Critical Load für N gemäss UN/ECE von 10–20 kg N ha-1 a-1 in den Baselbieter Wäldern deutlich überschritten. Auch die Ozonbelastung lag mit Ausnahme von 1993 immer wieder über dem Critical Level von 10 ppm*h >40 ppb (AOT40) für den Wald, allerdings war die Überschreitung in den neunziger Jahren deutlich geringer als in den achtziger Jahren. Die Kronenverlichtung, ein Indikator für den Stresszustand, schwankt zwar von Jahr zu Jahr; ein Trend von Zu- oder Abnahme ist jedoch nicht festzustellen. Im Mittel über alle Jahre sind rund 16 %, im Jahre 2002 13 %, der Buchen mehr als 25 % verlichtet. Mit zunehmender N-Deposition nimmt der Stamm- und Höhenzuwachs zu, ausgenommen auf P-limitierten Standorten. Zwischen 1984 und 1999 weisen die Buchen ein zunehmendes Nährstoffungleichgewicht auf, d.h. zunehmende N/P und N/K-Verhältnisse im Laub, was vornehmlich auf abnehmende P- (-26 %) und K-(-31 %)Gehalte zurückzuführen ist. Teilweise haben auch die Mg-Werte abgenommen. Bäume mit erhöhten N/P- und N/K-Verhältnissen zeigen einen deutlich erhöhten Befall mit Parasiten wie Apiognomonia errabunda oder Phyllaphis fagi. Die Nährstoffreserven im Boden sind im Kanton Basel-Landschaft im allgemeinen ausreichend, mit Ausnahme von drei Flächen, die eine kritische Basensättigung von £15 % bzw. ein kritisches BC/Al-Verhältnis von 1–2 und eine entsprechend geringe Regenwurmpopulation aufweisen. Allerdings zeigen epidemiologische Untersuchungen in den Beobachtungsflächen, dass bereits bei einer Basensättigung von £40 % das Windwurfrisiko bei der Buche 4.8mal und bei der Fichte 3.6mal erhöht ist.


Arten- und Lebensraumschutz in den Waldungen beider Basel – die Strategie des Forstamtes beider Basel

Beat Feigenwinter-Thommen

Das Waldreservatskonzept beider Basel weist rund ein Viertel der Waldfläche in den beiden Halbkantonen als besonders wertvoll aus. Anhand einer Situationsanalyse wird aufgezeigt, wo die Stärken und Schwächen der naturnahen Wälder in beiden Basel bezogen auf die Arten- und Lebensraumvielfalt liegen. Daraus abgeleitet wird die Strategie zur Erhaltung der Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald.


Vögel und Säugetiere im Baselbieter Wald

Matthias Kestenholz

Der Wald ist im Baselbiet der flächenmässig bedeutendste und artenreichste Lebensraum für Vögel und Säugetiere. 66 Vogelarten und 39 Säugetierarten wurden festgestellt. Die Vogelwelt wird vor allem von langfristigen Veränderungen in der Waldbewirtschaftung beeinflusst. Der Verlust der Auenwälder, die flächendeckende Einführung des Hochwaldes sowie der vom Ausbau des Waldstrassennetzes begünstigte, stark wachsende Erholungsdruck führten auch im relativ naturnahen Lebensraum Wald zu einer deutlichen Abnahme der Artenvielfalt. Die Bestände der grösseren Säugetierarten haben vor allem wegen einer veränderten Jagdpraxis enorm zugenommen und sind heute so hoch wie nie zuvor in den letzten Jahrhunderten. Über die Bestände der Kleinsäuger ist sehr wenig bekannt. Dank dem hohen Laubholzanteil von über 70 % weisen die Baselbieter Waldungen auch aus nationaler Perspektive einen grossen Naturwert auf, der durch einen flächendeckenden naturnahen Waldbau und durch Total- und Sonderwaldreservate langfristig erhalten werden kann.


Holz aus Basler Wäldern. Eine Standortbestimmung über Holznutzung, Absatzmöglichkeiten, Nutzungspotenzial und Handlungsbedarf

Ueli Meier

Einem Nutzungspotenzial von 170’000 m3 jährlich steht in den Wäldern der Region Basel eine effektive Holznutzung gegenüber, die in den letzten beiden Jahren nicht einmal mehr die Hälfte des Nutzungspotentials beträgt. Mitentscheidend für die grosse Zurückhaltung der Waldeigentümer und Forstbetriebe, im Kerngeschäft Holzproduktion aktiv zu sein, sind tiefe Holzpreise, eine geringe bis nicht existente regionale Nachfrage nach Rohholz und im internationalen Vergleich hohe Gestehungskosten. Fehlende oder mangelhafte Deckungsbeiträge aus der Holzernte gefährden mittel- bis langfristig nicht nur die Forstbetriebe selbst, sondern auch die nachhaltige Entwicklung der Wälder. Eine markante Erhöhung der Holznutzung muss deshalb wesentlicher Bestandteil der regionalen Waldpolitik sein.


Der Waldbesitz heute

Hans Hägler

Für den Waldbesitzer sind grundsätzliche Änderungen eingetreten und zwar im positiven wie im negativen Sinn. Das neue Waldgesetz nimmt den Waldbesitzer in vielfältiger Art in die Verantwortung. Eingeschränkter oder totaler Nutzungsverzicht im Interesse des Naturschutzes, die Toleranz neuer Freizeitaktivitäten und die Erbringung verlangter Leistungen sind Beispiele dafür. Aber gleichzeitig stehen ihm dafür angemessene Entschädigungen zu. Eine neue Forstorganisation mit festen Forstrevieren trägt der ökonomischen Optimierung Rechnung. Das Gesetz schafft somit die Voraussetzung, der sich weiter öffnenden Schere zwischen hohem Aufwand und geringerem Ertrag in der Waldwirtschaft in gewissem Masse zu begegnen. Das kann nur erfolgreich geschehen, wenn der Waldbesitzer erkennt, dass er selbst das Wesentliche dazu beitragen muss. Das ist er auch gewillt zu tun. Es gibt verschiedene brauchbare Ansätze zur Verbesserung der Situation, es zeigt sich jedoch, dass diese mehrheitlich nur von den betriebsplanpflichtigen Waldbesitzern – diese verfügen in einem Forstrevier über mehr als 25 ha Wald – voll ausgenutzt werden können. Es gilt weniger für die ca. 6000 Privatwaldbesitzer mit oft ungünstigen örtlichen Bewirtschaftungsvoraussetzungen. In ihrem Bereich wird die Holznutzung weiterhin zurückhaltend ausfallen. Das kann auch als eine Art des ökologischen Beitrages gewertet werden!


Freizeitaktivitäten im Baselbieter Wald: Ökologische Auswirkungen und deren Wahrnehmung durch die Besucher

Bruno Baur, Claudia Heer und Hans-Peter Rusterholz

Naturnahe Wälder in Ballungsräumen sind beliebte Naherholungsgebiete. Grosse Besucherzahlen können aber zu einer Übernutzung der Wälder führen. In der vorliegenden Arbeit werden Auswirkungen der intensiven Erholungsnutzung im Allschwiler Wald dargestellt und mit denjenigen auf der Sichtern bei Liestal und im Gebiet der Gerstelfluh bei Waldenburg verglichen. Im Allschwiler Wald waren 10 % und auf der Sichtern 3 % der Fläche durch Erholungsnutzung stark oder sehr stark beschädigt. Im Gerstelgebiet war der stark beschädigte Flächenanteil sehr gering. Eine Umfrage zeigte, dass die Waldsituation von verschiedenen Freizeitnutzergruppen (Wanderer, Biker) unterschiedlich wahrgenommen wird.

Nr. 44/2

Nr. 44/2

Planungen im trinationalen Raum Basel:

Vor genau 10 Jahre hat die Ausgabe 34/2 der Regio Basiliensis unter dem Titel DreiLänderStadt-Visionen einen Blick auf die Dreiländersituation Basels geworfen. In der trinationalen Region Basel bestehen inzwischen seit vielen Jahrzehnten enge und weniger enge Zusammenarbeiten über die Grenzen hinweg. Beispielsweise haben die Universitäten längst ihre Studenten durch Anerkennung verschiedenster Abschlüsse zum Besuch in den grenznahen Wissensfabriken des Nachbarlandes ermutigt. Viele Firmen sind mit ihren Infrastrukturen in zwei oder in allen drei Ländern der Basler Agglomeration vertreten. In einigen Dossiers der Basler Behörden ist die behördliche Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg weit stärker entwickelt, als mit der Mehrzahl der Kantone des eigenen Landes. Bisher fehlte aber offenbar eine konzeptionelle behördliche Zusammenarbeit, die sich an gemeinsamen Zielen für die räumliche Entwicklung der stetig wachsenden, grenzüberschreitenden Agglomeration orientierte.


Städte im Zeichen von Auflösung und Nachhaltigkeit

Rita Schneider-Sliwa

Städte sind der wichtigste Lebens- und Erfahrungsraum der Weltbevölkerung. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Industrieländern und über 50 % in den Entwicklungsländern leben bereits in Städten. Unsere Gesellschaft ist eine städtische – weltweit. Die Städte der Welt sind grösser als je zuvor, “Megacities” von 10 bis 20 Millionen Einwohnern sind auf jedem Kontinent ein Phänomen, das an Bedeutung rapide zunimmt. Waren es im 19. und frühen 20. Jahrhundert einzelne Industrien, welche zum Motor der volkswirtschaftlichen Wachstums wurden, so sind heute die Städte selbst die Triebkräfte der nationalen Ökonomien. Die grössten Metropolitanräume wachsen stetig, schaffen mehr Arbeitsplätze und produzieren mehr Güter und Dienstleistungen als ganze Volkswirtschaften. In den USA wird beispielsweise rund 80 % des Bruttoinlandproduktes in den Metropolitanräumen generiert. Städte aller Grössenklassen werden heute mit Bedingungen konfrontiert, die es so in der jüngeren Vergangenheit nicht gab: den Auswirkungen wirtschaftlicher und politischer Integration, politischer Wenden und Krisen, Bevölkerungsmigration und -umschichtungen, Rückbau des Sozialstaates, technologischem Wandel sowie gesellschaftlichem Wandel. Städte und ihr Umland müssen daher heute als komplexes, zusammenhängendes “System” verstanden werden mit einer bebauten und einer quasi natürlichen Umwelt, einer Gesellschafts-, Wirtschafts- und politischen Struktur sowie einer planerischen Kultur, die auf die von aussen wirkenden Faktoren reagieren, mit ihnen agieren oder ihnen wirkungsvolle Kräfte entgegen stellen können. Was in und mit unseren Städten geschieht, kann uns daher nicht gleichgültig sein. Vielleicht das wichtigste Merkmal, das Städte in hochentwickelten Ländern kennzeichnet, sind Dekonzentrationsprozesse und ihre soziodemographischen, wirtschaftlichen und räumlichen Auswirkungen. Diese Prozesse, ihre Folgewirkungen und Implikationen für Metropolitanplanung, Stadtmarketing und Städtevernetzung werden im Folgenden umrissen.


Grenzüberschreitende Raumplanung in der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB): Von einer Sektorenstadt zur grenzüberschreitenden Agglomeration

Hans-Georg Bächtold und Martin Huber

In der Region Basel besteht eine Zusammenarbeit über die Grenzen seit 40 Jahren, getragen insbesondere von der “Regio Basiliensis”. Bisher fehlte aber eine konzeptionelle behördliche Zusammenarbeit, die sich an gemeinsamen Zielen für die räumliche Entwicklung der stetig wachsenden, grenzüberschreitenden Agglomeration orientierte. Im Rahmen des INTERREG II-Projektes konnte ein gemeinsames Entwicklungskonzept erstellt werden. Anfangs 2002 kam es zur Gründung des Vereins zur nachhaltigen Entwicklung der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB). Mit Schlüsselprojekten, vor allem im Nordteil der Kernstadt Basel und zwischen Basel und Rheinfelden, erfolgt in den nächsten Jahren die Umsetzung – finanziert mit zwei Millionen Euro aus dem INTERREG III-Projekt. Als weitere Herausforderung ist eine gemeinsame Strategie für die weitere Flächenentwicklung und Flächennutzung zu entwickeln und eine klare Zuweisung von Funktionen in den Teilräumen vorzunehmen.


Planen und Bauen in der deutschen Nachbarschaft der Agglomeration Basel: Das Beispiel Weil am Rhein

Klaus Eberhardt

Trotz des Vorhandenseins eines komplexen Planungsinstrumentariums brauchen Städte im Grenzgebiet zum benachbarten Ausland eigene Initiativen und Instrumentarien, um die zunehmend komplexer werdenden Verflechtungen der Siedlungsräume beidseits von Staatsgrenzen zu berücksichtigen. Der Antrieb für grenzüberschreitende Planung wird meist durch konkrete Projekte gebildet, die sich in den einzelnen Fachdisziplinen ergeben (z. B. Verkehr, Städtebau und Landschaftsplanung). Nach einer Phase der informellen Planungen werden für die künftigen Handlungserfordernisse auf Massnahmen bezogene Konzepte erforderlich, die im Idealfall nicht nur gemeinsam entwickelt, sondern auch in einem gemeinschaftlichen Problembewusstsein finanziert und durchgeführt werden müssen.


Metropolitanregion Basel aus geographischer Sicht - Zur bestehenden und künftigen Raumentwicklung am Südende des Oberrheingrabens

Hartmut Leser

Die Regio Basiliensis ist ein historisches Gebilde. Damit verbindet sich die Vorstellung eines städtischen Zentrums und seines räumlich begrenzten Wirtschaftsraumes. Allerdings hat sich vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Situation grundlegend gewandelt. Der Wirtschaftsraum wuchs über seine “alten” Grenzen, aber auch über die bestehenden politischen, hinaus und die Kernstadtentwicklung stagnierte. Weder die durch Grenzen gehemmte Administrationsaktivitäten noch die Planung konnten auf diese Dynamik “geographisch” reagieren. – Die bereits vor fast zehn Jahren geäusserte Hypothese des permanenten Flächenwachstums der Agglomeration hat sich bestätigt, aber auch die Notwendigkeit einer Ringstadt-Entwicklung, die das Kernstück einer “Metropolitanregion Basel” sein muss. Die Metropolitanregion gliedert sich in eine engere und eine weitere. Letztere umfasst die beiden anderen Regionsschwerpunkte Mulhouse und Freiburg im Breisgau. Innovations- und Regelinstrument dafür hat die Verkehrs- und Freiflächenplanung zu sein, an der es jedoch immer noch mangelt.


Freiräume in der Trinationalen Agglomeration Basel – ein vernachlässigtes Potenzial für die Erholung

Martin Sandtner

Öffentliche Freiräume in ausreichender Quantität und ansprechender Gestaltung sind ein wesentliches Kriterium der Wohnqualität. Zum Spazierengehen, die wichtigste freiraumbezogene Freizeitaktivität, ist ein guter visuell-ästhetischer Gesamteindruck der Landschaft entscheidend. Für die Trinationale Agglomeration Basel wurde eine flächendeckende Kartierung der Erholungseignung von Freiräumen im und ausserhalb des Siedlungskörpers erstellt. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die TAB einerseits attraktive Stadt- und Dorfkerne sowie Hügel- und Mittelgebirgslandschaften aufweist, andererseits aber weite Flächen eintönig und gesichtslos wirken. Um die Qualitäten zu erhalten und Defizitgebiete aufzuwerten, ist neben lokalen Massnahmen eine agglomerationsweite Freiflächenentwicklungsplanung nötig. Ein Signal, um den Wert wohnungsnaher Freiräume zu verdeutlichen, könnte die Einrichtung eines Regionalparks im Dreiländereck sein.


Internationales Regionenmarketing – die “Schwesternstaaten” Basel-Stadt und Massachusetts

Rolf Strittmatter

Im Rahmen des internationalen Wettbewerbs der Regionen geht es im Hinblick auf eine positive Regionalentwicklung darum, das räumliche Marketingprojekt auf ausgewählten Märkten als Wirtschaftsstandort, Wissenschaftszentrum, Kulturmetropole oder Reisedestination strategisch zu positionieren. So verstanden, kann das Regionenmarketing andere raumbezogene Entwicklungsansätze insbesondere dann sinnvoll ergänzen, wenn sich die Regionen einerseits in Abgrenzung zu anderen Konkurrenzräumen eindeutig profilieren sowie andererseits ihre Marketingaktivitäten in Kooperation mit anderen Regionen erfolgen. Dabei ist zu beobachten, dass insbesondere Regionen mit gleich gelagerten Interessen und Strukturen dazu tendieren, die Kontakte und Austauschbeziehungen untereinander zu intensivieren. Vor diesem Hintergrund wird die im raumbezogenen Marketingkontext ebenso interessante wie spezielle Partnerschaft zwischen dem Schweizer Kanton Basel-Stadt und dem weltweit umworbenen US-Bundesstaat Massachusetts Gegenstand der nachfolgenden Ausführungen sein.


Institutionelle grenzübergreifende Initiativen in der EuroRegion Oberrhein

Christian J. Haefliger

Was als private Initiative in Basel begann, wurde im Laufe der letzten 40 Jahre zu einem trinationalen Mehrebenen-Netzwerk entwickelt. Zwar war der Ausgangspunkt die völlig “vergrenzte” Dreiländer-Agglomeration Basel, doch im Visier hatten die Pioniere das klassische Regio-Gebiet am südlichen Oberrhein, heute RegioTriRhena genannt. Feste Formen der Zusammenarbeit wurden aber zunächst weder im kleinsten Perimeter der Dreiländer-Agglomeration, noch im mittleren Perimeter der RegioTriRhena, sondern im Grossraum der EuroRegion Oberrhein auf staatlicher Ebene etabliert. Undurchsichtig und verwirrend erscheint das oberrheinische Netzwerk nur, solange nicht zwischen den definierten Raumschaften und den ihnen zugeordneten Gremien unterschieden wird und solange nicht erkannt wird, dass staatliche und kommunale Akteure unterschiedliche Kooperationsebenen beanspruchen wollen.

Nr. 44/3

Nr. 44/3

Forschungen der Geographie Basel im Raum Säckingen

„Bad Säckingen blüht auf“ - In der Tat hat Bad Säckingen im September 2003 im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs Entente Florale eine Goldmedaille gewonnen. Die Laudatio der Preisverleiher würdigte aber auch „die waldige Umgebung der Stadt, deren Lage am Rhein mit herrlichen Parks, die restaurierten Gebäude, die renaturierten Wasserläufe im Stadtgebiet, die Revitalisierung des Bergseeufers sowie eine funktionelle, nachhaltig gestaltete und fast autofreie Innenstadt.“

Die auch für Basel mit hohem Ausflugswert geltende nahe gelegene „Partnerstadt“ unternimmt in der Tat viel, um eine ökologische Landschaft zu erhalten und gleichzeitig eine prosperierende Stadtentwicklung zu betreiben.  Die beiden oben genannten Themenbereiche werden in der vorliegenden Ausgabe aufgenommen:

 

  • Bad Säckingen und der Schwarzwaldrand sind geomorphologisch sehr interessante Gebiete. Der Bergsee als Ausflugsziel ist ein Kleinod und zugleich wissenschaftliches Lesebuch.
  • Trotz oder gerade wegen der engen Verflechtung mit dem schweizerischen Grenzsaum und v.a. mit Basel praktiziert Bad Säckingen eine moderne Wirtschafts- und Stadtentwicklung

 
Für die Basler Geographen ist der Raum Säckingen seit langer Zeit ein Schwerpunkt der Forschung. 

Nr. 43/1 - 2002

Nr. 43/1 - 2002

Transdisziplinäre Forschung in der Geographie

Transdisziplinäre Ansätze in Forschung und Lehre stehen momentan ganz oben auf der „Hitliste“ von Politikern und Studierenden. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Begriff der „Transdisziplinarität“? Gibt es Unterschiede zwischen interdisziplinären und transdisziplinären Ansätzen ? Wie wurde und wie wird die transdisziplinäre Vorgehensweise in der Geographie verfolgt und aufgenommen ? Warum wurde das ursprünglich interdisziplinäre Studienfach Mensch-Gesellschaft-Umwelt der Universität Basel innerhalb von 10 Jahren auf Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität ausgerichtet ? Welche Erfahrungen gibt es aus aktuellen transdisziplinären Projekten des Geographischen Instituts? Solchen und weiteren Fragen rund um die Transdisziplinarität geht die vorliegende Nummer der Regio Basiliensis nach.


 


Geographie und Transdisziplinarität - Fachwissenschaftliche Ansätze und ihr Standort heute

Hartmut Leser

Der Artikel stellt die Geographie als Fachgebiet mit einer integrativen Sichtweise vor, die Tradition hat und das Wesen des Fachbereichs Geographie ausmacht. Sie zielt auf das Erkennen komplexer Zusammenhänge im multifaktoriellen und multiprozessualen Mensch-Umwelt-System des Raumes (”Landschaft”) hin. Eine solche Betrachtungsweise bedient sich bei der praktischen Arbeit zahlreicher Methoden, nicht nur sogenannter ”geographischer”. Erst die Aggregation von verschiedenen (disziplinären) Einzelmethoden macht sie zur geographischen Methodik, also Vorgehensweise. Solch ein Ansatz und solch eine Vorgehensweise haben multi- bis transdisziplinären Charakter. Die Geographie fühlt sich daher von den aktuellen Diskussionen um Inter-, Multi- und Transdisziplinarität sehr verstanden. Deren Vorgehen lässt sich übrigens in der praktischen Arbeit - sei es in der Forschung, sei es in Projekten der Praxis - nicht von einander trennen. Inter-, Multi- und Transdisziplinarität kann man theoretisch nur bedingt definieren. Sie müssen ”gelebt”, also praktiziert werden, am besten durch die ”Begegnung am Problem”.

 


Das transdisziplinäre Forschungsprogramm ‚Mensch-Gesellschaft-Umwelt‘: Forschen, Finden, Bewegen

Paul Burger und Leo Jenni

Das Forschungsprogramm der Stiftung ‚Mensch-Gesellschaft-Umwelt‘ an der Universität Basel ist heute im Vergleich zu seinen Anfängen vor 10 Jahren auf Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität als zentrale Kriterien ausgerichtet. Im ersten Teil des Beitrags wird die Weiterentwicklung des Programms von der Inter- zur Transdisziplinarität skizziert (1). Der zweite Teil entwickelt, inwiefern Transdisziplinarität auf gewisse Desiderate resp. Ansprüche der Gesellschaft antwortet und inwiefern sich daraus neue Aufgaben in der Wissensproduktion ergeben (2). Im abschliessenden Teil wird für eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit transdisziplinärer Wissenschaftspraxen mit Augenmass plädiert (3).

 


Auenrevitalisierung in einer städtischen Grundwasserschutzzone - Probleme und Chancen transdisziplinärer Forschung.

Christoph Wüthrich und Urs Geissbühler

Im Basler Naherholungsgebiet “Langen Erlen” führen die zahlreichen Nutzungen verschiedener Akteure zu klassischen Zielkonflikten (Erholung, Forst, Landwirtschaft, Sportplätze, Familiengärten, Grundwassernutzung). Die Bewirtschaftung des künstlich angereicherten Grundwassers in der Ebene hat erfreulicherweise dazu geführt, dass heute dank der restriktiven Politik der Wasserversorger eine weitgehend unverbaute “grüne Lunge” nahe der Stadt inmitten eines dicht besiedelten städtischen Gebietes besteht. Aus naturschützerischer Sicht bedauerlich ist jedoch, dass die Wasserversorger seit vielen Jahren eine ablehnende Haltung gegenüber Revitalisierungsmassnahmen einnehmen, bei denen Oberflächenwasser (z.B. der Wiese, aber auch Wässergräben und Tümpel) mit dem Grundwasser in Austausch treten könnte. Vor dem Hintergrund einer potenziellen Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser wurde die Wiederherstellung von standorttypischen Feuchtgebieten in der Ebene von den Wasserversorgern weitgehend verhindert. Um die von den Naturschutzverbänden geforderte Revitalisierung der Wiese-Ebene zu erreichen, müsste mehr Wasser zur Speisung von Feuchtgebieten und Wasserläufen zu Verfügung stehen. In einem transdisziplinären Projekt der Stiftung Mensch-Gesellschaft-Umwelt (MGU) der Universität Basel wird momentan die Machbarkeit einer Auenrevitalisierung unter Beibehaltung der heutigen Grundwasserqualität untersucht. In diesem Artikel wird der aktuelle Stand des Projektes zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten unter der Verwendung von Wiesewasser kurz skizziert. Anschliessend werden die Probleme und Chancen dieses transdisziplinären Projektes aus der Sicht der Projektleitung dargestellt. Als Fazit wird festgehalten, dass durch solche Projekte neue Erkenntnisse für die Region gewonnen werden, die ohne die Beiträge der Hochschule verschlossen wären. Durch die intensivierte Kommunikation und Kooperation von Hochschule, Behörden und Bevölkerung entsteht in einem transdisziplinären Projekt ein Netzwerk von Kontakten, welches sich gerade auch in Krisensituationen auszahlen könnte. Für die Hochschulen und ihre Kunden (die Studierenden) ergeben sich aus der Beteiligung an transdisziplinären Projekten in mehrfacher Hinsicht Vorteile, wobei in erster Linie eine Vielzahl von Kontakten und die Möglichkeit einer praxisnahen Ausbildung zu nennen sind.

 


Kooperation und Partizipation im transdisziplinären Stellimatten-Projekt

Jessica. Kohl, Franz.L. Schmidli, Arnold. Gurtner-Zimmermann

In diesem Artikel werden die Richtplanung in der Wiese-Ebene und das Pilotprojekt Stellimatten bezüglich ihrer Beteiligungsformen in den theoretischen Kontext der transdisziplinären Umweltforschung eingebettet. Die Diskussion basiert dabei auf bestehenden Begriffskategorien, da die Unschärfe der Grundbegriffe Partizipation und Kooperation problematisch ist. Am Beispiel der Landschaftsplanung in der Wiese-Ebene wird aufgezeigt, wie mit der Änderung der Kooperationsformen auch das übergeordnete Akteursnetzwerk einer Veränderung unterliegen kann.

 


Der District des Trois Frontières im Nordwesten Basels – Denkanstösse zu einer integrativen Stadt- und Landschaftsentwicklung in einer „Zwischenstadt“

Rainer Volman und Martin Sandtner

Der District des Trois Frontières, auf französischem Staatsgebiet gelegen und Teil der Trinationalen Agglomeration Basel, war Untersuchungsgebiet eines geographischen Regionalpraktikums, dessen Ergebnisse hier zusammengefasst werden. Eine Analyse des Raumes ergab, dass einerseits nahe der Stadt Basel deutliche Züge einer „Zwischenstadt“ zu erkennen sind, andererseits noch grosse Freiräume mit wichtigen Klima-, Biotop- und Erholungsfunktionen bestehen. Aufbauend auf diese Grundlageninformationen wurden Vorschläge für eine integrative Stadt- und Landschaftsentwicklung entwickelt. Die Gesamtkonzeption sieht vor, in den bereits urban geprägten Gebieten eine offensive Angebotsplanung für Wohn- und Arbeitsnutzungen zu betreiben, um so auch den Siedlungsdruck auf die ländlichen Gemeinden zu verringern. Als Anschub sollen interdisziplinär angelegte Leitprojekte dienen, von denen einige vorgestellt werden.


Aspekte des Kulturlandschaftswandels des Hotzenwaldes seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert
Eine GIS-gestützte Auswertung historischer Karten der Banne Egg und Hornberg

Angelika Neudecker

Um den Landschaftswandel innerhalb der beiden im Hotzenwald gelegenen Banne Egg und Hornberg nachvollziehen zu können, wurden historische Karten mit aktuellen Karten auf relevante Änderungen in der Nutzung und der Ausdehnung der Infrastruktur verglichen. Ebenso wurden markante punktuelle Veränderungen der Landschaft herausgearbeitet. Die Visualisierung und die Analyse der Karten erfolgte mit Hilfe des Geographischen Informationssystems ArcView. Der Zeitraum der Betrachtung waren die letzten 120Jahre - von 1882 bis heute. Die Flächennutzung der Untersuchungsgebiete Egg und Hornberg zeigt über die letzten 120 Jahre hinweg ähnliche Entwicklungen: (1) eine Zunahme der Waldfläche seit 1882; (2) eine Abnahme der Ackerflächen ﷓ besonders stark im Zeitraum 1938 bis 1998; (3) eine Abnahme der Wiesenflächen über den Zeitraum der letzten 120 Jahre; (4) eine Umgestaltung von Flächen seit 1938 in gewerbliche, verbuschte oder Siedlungsflächen. Ein Vergleich mit Zahlen für ganz Baden﷓ Württemberg zeigt, dass der Hotzenwald aufgrund seiner Mittelgebirgslage eine eigenständige Entwicklung aufweist.


Nr. 43/2

Nr. 43/2

Spécificités alsaciennes et dynamique rhénane:

Die Redaktion der REGIO BASILIENSIS freut sich besonders, nach 1999 erneut eine Ausgabe unserer geographischen Zeitschrift dem benachbarten und mit Basel eng verbundenen Elsass veröffentlichen zu können. Unter der Koordination von Gabriel Wackermann, Strasbourg, nimmt dieses Heft Fragestellungen der damaligen Nummer, L’Alsace entre développement et dépendance (40/1 1999), nochmals auf.  Die rasche kulturelle wie wirtschaftliche Entwicklung des Elsass in den letzten Jahren und die Dynamik der regionalen wie globalen Öffnung wird von den  Autorinnen und Autoren im Rahmen ihrer sehr unterschiedlichen Beiträge dargestellt.

 



L’alsace, son espace et ses sociétés

Gabriel Wackermann

Résumé :

L’intégration progressive de l’Alsace en tant qu’espace frontalier à un ensemble transfrontalier a entraîné une mutation culturelle et économique telle que les approches traditionnelles de cette région sont devenues en grande partie caduques. Par l’ouverture rhénane et européenne, accélérée par la mondialisation, ce territoire s’est inséré au mouvement général des pays avancés : ses structures socio-spatiales se sont inscrites dans la multiculturalité. Elles ont été dynamisées par des apports entrepreneuriaux extérieurs dont l’influence déterminante a conduit aux indispensables ajustements, encore inachevés, des infrastructures, notamment celles des transports et de la télématique. Le processus de tertiairisation en cours a soulevé la question environnementale, désormais impossible à régler en-dehors d’un schéma rhénan cohérent. Le remodelage territorial actuel relève des nécessaires adaptations aux réseaux et orientations inhérents aux nouveaux rapports entre une diversité spatiale alsacienne accentuée et des sociétés aux marques de moins en moins autochtones.

Zusammenfassung

Die Integrierung des elsässischen Grenzlandes in einen grenzüberschreitenden Raum ist mit einem grundsätzlichen kulturellen und wirtschaftlichen Wandel verbunden, welcher die traditionellen Merkmale der Region sehr abgeschwächt hat. Die rheinische und europäische Öffnung, welche durch die Globalisierung beschleunigt wurde, hat das Elsass in die Dynamik der fortgeschrittenen Gegenden einbezogen: Die gesellschaftlichen und räumlichen Strukturen sind heute von der Multikulturalität abhängig. Die Ansiedlung massgebender ausländischer und innerfranzösischer Betriebe hat zu international konzipierten Infrastrukturen geführt, besonders im Bereich des Transportwesens und der Telematik. Der angestrebte Tertiärisierungsprozess hat den Umweltproblemen prioritären Rang verliehen und auf die Notwendigkeit gedeutet, sie im Rahmen rheinischer Gesamtvorstellungen zu lösen. Die sich im Gange befindliche räumliche Anpassung und Umstrukturierung ist eine Folge der inzwischen entwickelten Vernetzungen und Orientierungen, die von neuen Beziehungen zwischen der zunehmenden gesellschaftlich-räumlichen Vielfältigkeit und der abnehmenden Wirkung der traditionellen einheimischen Gesellschaften abhängig sind.


L’organisation urbaine alsacienne aujourd’hui, et ses inflexions transfrontalières

Henri Nonn

Résumé

Le système urbain alsacien intègre, dans sa dynamique, des éléments hérités de composition, des modifications actuelles de ses bases économiques et des centralités. En partie, il évolue d’un dispositif hiérarchisé dominant à une structuration davantage polynucléaire et résiliaire, tant au sein de la région que dans les rapports avec les autres ensembles du Rhin supérieur. Cependant, alors que s’affirme la prégnance des métropolisations, reste le besoin de s’appuyer sur les villes qui en sont les relais pour assurer un certain équilibre du développement (s.l.).

Zusammenfassung

In der Dynamik des elsässischen Städtesystems stossen ererbte Elemente seines Aufbaus und aktuelle Veränderungen seiner wirtschaftlichen Grundlagen und seiner Zentralitätsbeziehungen aufeinander. Zum Teil entwickelt es sich von einer vorherrschend hierarchischen Anlage zu einer mehrheitlich polyzentrischen und netzartigen Struktur, und zwar sowohl innerhalb der Region als auch in den Beziehungen zu den übrigen Einheiten am Oberrhein. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Grossstädte wird man sich allerdings auf die Städte abstützen müssen, die ein gewisses Gleichgewicht in der Entwicklung (im weitgefassten Sinne) sichern können.


Das Elsass und seine Beziehungen zu Asien

André Klein

Zusammenfassung

Die beschleunigte Öffnung des Elsass nach Europa und seine Lage in einem der wichtigsten zentralen Räume Europas interessieren in hohem Masse die Firmen aus dem Fernen Osten, die keine territoriale Nische auslassen wollen, die der Förderung der Globalisierung dient. Im Elsass ist der Anteil der Beschäftigten im industriellen Sektor, der von ausländischen Firmen kontrolliert wird, am höchsten von allen Regionen Frankreichs: 44 % aller elsässischen Angestellten arbeiten in einer Gesellschaft mit ausländischem Kapital.

Allerdings genügte es nicht, über internationale Vorzüge zu verfügen; es galt auch, Überzeugungsarbeit zu leisten. Diese nun rund ein Vierteljahrhundert andauernden Anstrengungen, die von der ADA koordiniert werden, sind heute erfolgreich. Seit zwanzig Jahren unterhalten das Elsass und Japan besonders gute Beziehungen. Die japanischen Unternehmer schätzen insbesondere die Vielfalt der Aktionsfelder und die Qualität der Arbeitskräfte im Elsass. Auch China ist nun aktiv präsent. Die Einbindung des Elsass in globale Netzwerke verstärkt sich.

Résumé

L'ouverture accélérée de l'Alsace à l'Europe et sa position dans l'un des espaces centraux les plus importants de l'Europe sont de nature à intéresser au plus haut point les firmes extrême-orientales, soucieuses de ne négliger aucune niche territoriale apte à favoriser la mondialisation. En Alsace la part de l'emploi industriel contrôlée par des entreprises étrangères est la plus élevée parmi les régions françaises: 44 % des salariés alsaciens travaillent dans une société à capitaux étrangers.

Il ne suffisait cependant pas de disposer d'atouts internationaux: encore fallait-il convaincre! Ces efforts d'un quart de siècle environ, désormais canalisés par l'ADA, sont à présent couronnés de succès. Depuis une vingtaine d'années l'Alsace et le Japon entretiennent des rapports privilégiés. Les entrepreneurs japonais apprécient notamment la diversité des secteurs d'activité et la qualité de la main-d’œuvre alsaciennes. La Chine est venue s'associer à cette présence active. Le basculement de l'Alsace dans les réseaux mondiaux s'amplifie.


Deutsche Zuzügler im südlichen Elsass. Probleme der Europäisierung des Immobilienmarktes

Rudolf Michna

Zusammenfassung

Seitdem für die Bürger der EU in den Mitgliedsländern völlige Niederlassungsfreiheit besteht, nehmen auf den nationalen Immobilienmärkten ausländische Investitionen zu. An den Binnengrenzen führen vor allem unterschiedliche Preisniveaus zu grenzüberschreitenden Immobilienkäufen und zur Verlegung des Wohnsitzes. Am Beispiel des südlichen Elsass werden räumliche und soziale Aspekte dieses Prozesses untersucht. Der deutsche Zuzug ist zwar indirekt ein Ausdruck einer europäischen Normalisierung, führt aber aufgrund der spezifischen geschichtlichen Prägung des Elsass zu besonderen Problemen. Die vielfach vorgetragene Kritik an der Integration der Neusiedler ist jedoch zu nuancieren.

Résumé

Depuis l’introduction de la liberté d’établissement totale dans les pays-membres pour les ressortissants de l’Union Européenne, les investissements étrangers sur les marchés immobiliers nationaux s’accroissent. Le long des frontières intérieures, les différences de prix favorisent notamment les acquisitions immobilières transfrontalières et les transferts résidentiels. L’exemple de l’Alsace du Sud permet d’analyser les aspects spatiaux et sociaux de ce processus. Quoique l’arrivée d’Allemands soit indirectement l’expression d’une normalisation européenne, elle soulève néanmoins des problèmes particuliers en raison de l’histoire spécifique de l’Alsace. Il convient toutefois de nuancer les critiques déployées à propos de l’intégration des nouveaux arrivants.


La visibilité et l’invisibilité de la pauvreté à Strasbourg et dans le Bas-Rhin

Catherine Sélimanovski

Résumé

L’étude d’un dispositif étatique d’assistance qui a fonctionné dans l’urgence révèle que l’inscription spatiale du phénomène de pauvreté ne se limite pas aux périmètres des quartiers sensibles de Strasbourg et que la figure du sans-domicile fixe n’est pas représentative de l’hétérogénéité des situations de pauvreté que l’on rencontre dans le Bas-Rhin.

Zusammenfassung

Die Untersuchung eines Programms staatlicher Notmassnahmen im Fürsorgebereich zeigt auf, dass sich die räumliche Verbreitung des Phänomens Armut nicht auf die besonders empfindlichen Quartiere Strassburgs beschränkt und dass die Zahl der Obdachlosen nicht repräsentativ ist für die unterschiedlichen Situationen der Armut im Bas-Rhin.


Problèmes d’environnement atmosphérique en Alsace

Patrice Paul

Résumé

Les problèmes d’environnement atmosphérique sont accentués en Alsace par des effets de confinement topographique qui renforce la stagnation de l’air . L’acquisition récente de connaissances nouvelles sur les basses couches atmosphériques du Fossé rhénan, les mesures réglementaires limitant l’émission de polluants et une meilleure prise en compte des données climatiques dans l’aménagement de l’espace permettent d’espérer d’améliorer l’environnement atmosphérique régional au cours de la prochaine décennie.

Zusammenfassung

Die Umweltprobleme der Luftverschmutzung werden im Elsass dadurch verschärft, dass die topographische Einengung den Luftaustausch behindert. Neue Kenntnisse über die tiefliegenden Luftschichten im Rheingraben, die vorgeschriebenen Messungen zur Beschränkung der Luftschadstoffe und eine bessere Berücksichtigung der klimatischen Grundlagen in der Raumplanung geben Grund zur Hoffnung, die Luftqualität werde sich in der Region in den nächsten zehn Jahren verbessern.


Kehl a. Rhein – diskursive und bürgerorientierte Stadtentwicklungspolitik in grenzüberschreitender Perspektive

Marc Funk

Zusammenfassung

Die Stadt Kehl befindet sich im Aufbruch. Die ehemalige Grenzstadt hat ihre Randlage überwunden und ist nach dem Wegfall der Grenzen in den Mittelpunkt Europas gerückt. Im grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Lebensraum am Oberrhein nimmt die Stadt eine wichtige Brückenfunktion zwischen Deutschland und Frankreich ein. Folglich kommt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Kehl eine besondere Rolle zu, was nicht nur in den gemeinsamen Kehl-Strassburger Planungen zum Garten der Zwei Ufer/Landesgartenschau 2004 zum Ausdruck kommt. Des weiteren beteiligt die Stadt Kehl seine Bürger an diesem und weiteren Projekten und setzt somit Zeichen für eine moderne und dialogorientierte Stadtentwicklungspolitik.

Résumé

La ville de Kehl est en pleine mutation. L’ancienne ville frontalière est parvenue à maîtriser sa position périphérique et à s’insérer au centre de l’Europe depuis la disparition des frontières internationales. Elle assume à présent sur le Rhin supérieur une importante fonction de pont entre l’Allemagne et la France à l’intérieur de l’espace transfrontalier, tant en ce qui concerne l’économie que pour ce qui est du bassin de vie. Elle accomplit par là-même, dans le cadre de la coopération transfrontalière, un rôle spécifique qui ne se traduit pas uniquement dans le projet « Jardin des Deux-Rives/Floralies fédérales 2004 », commun à Kehl et à Strasbourg. La ville de Kehl fait en outre participer ses habitants à ce projet ainsi qu’à d’autres programmes, mettant ainsi l’accent sur une politique urbaine participative de développement.

Nr. 43/3

Nr. 43/3

Zeichen des regionalen Aufbruchs:

Das vorliegende Heft thematisiert verschiedene Aspekte einer regional spürbaren Aufbruchstimmung, für einmal nicht im sportlichen Bereich, sondern in der Stadtplanung, in der Wirtschaftsförderung sowie im Gewässer- und Landschaftsschutz im urbanen Raum der Regio TriRhena.

Leben ist Veränderung. Wir erleben täglich, dass diese Veränderungen ganze Städte und Regionen betreffen. Obwohl das Wirtschaftsbarometer momentan eher eine ernüchternde Prognose zulässt, gibt es doch zahlreiche Hinweise darauf, dass heute in unserer Region wichtige Schritte in Richtung eines qualitativen anstatt quantitativen Wachstums geleistet werden (man blicke bloss auf die Anstrengungen von Bund, Kanton und Gemeinden, die unter dem Motto der Nachhaltigkeit momentan unternommen werden). Deutliche Spuren dieser positiven Anstrengungen stellen den gemeinsamen Nenner dieser Varia-Nummer der Regio Basiliensis dar.


Sozialorientierte Stadtteilentwicklung? Strategien der Quartierentwicklung in Basel

Daniela Zunzer

In den letzten Jahren gewinnen die Quartiere als ein Handlungsfeld der Stadtentwicklungspolitik an Bedeutung. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass sich in bestimmten Innenstadtquartieren immer deutlichere Segregationsprozesse abzeichnen, bedingt durch die selektive Ab- und Zuwanderung in die Kernstädte. In Basel existieren nebeneinander verschiedene Strategien staatlichen Eingriffs in die Entwicklung bestimmter Quartiere. In dem Artikel werden diese Strategien kurz dargestellt, verglichen und mehreren Faktoren gegenübergestellt, die Bestandteil eines umfassenden Quartierentwicklungskonzepts sein sollten.


Eichstetten am Kaiserstuhl. Ein Weg zukunftsfähiger Entwicklung

Bernhard Mohr

Das noch stark landwirtschaftlich geprägte Dorf Eichstetten am Kaiserstuhl hat sich eine ökologische, wirtschaftliche und soziokulturelle Entwicklung im Sinne der Lokalen Agenda 21 zum Ziel gesetzt. Die Voraussetzungen hierfür sind gut: Die Verwaltung ebnet den Weg zur Bürgerkommune, der Gemeinderat ist offen für Reformansätze, und die Bevölkerung beteiligt sich in Arbeitskreisen an Projekten nachhaltiger Entwicklung. Für laufende wie künftige Massnahmen ist eine (Ko)Finanzierung aus Förderprogrammen unabdingbar.


Aktuelle Wirtschaftsdynamik im nördlichen Breisgau

Ernst-Jürgen Schröder

Obwohl der nördliche Breisgau innerhalb des Landes Baden-Württemberg und innerhalb der Regio TriRhena eher zu den strukturschwächeren Gebieten gehört, hat er im vergangenen Jahrzehnt eine überaus positive wirtschaftliche Entwicklungsdynamik vor allem entlang der Bundesautobahn 5 erfahren. Entscheidenden Anteil hieran hatten neben einer grundlegenden Standortverbesserung eine offensive Wirtschaftsförderungspolitik und Existenzgründungsinitiative seitens des Landes, des Landkreises Emmendingen und der Standortgemeinden. Auch im Hinblick auf die bevorstehenden ökonomischen Herausforderungen in Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung und auf den verschärften interkommunalen Standortwettbewerb ergeben sich für diesen Raum durchaus günstige Entwicklungsperspektiven.


Nitrat im Bodenwasser auf dem Gempenplateau. Ursachen der Nitratbelastung im verkarsteten Einzugsgebiet der südlichen Schomelquelle (Gemeinden Gempen und Nuglar-St. Pantaleon, Kt. Solothurn)

Thomas Plattner

Zur Ermittlung der Ursachen der Nitratbelastung in der südlichen Schomelquelle (ca. 35–40 mg/l) wurden im Quelleinzugsgebiet an elf Standorten bodenhydrologische und pedologische Untersuchungen durchgeführt. In den Wintermonaten konnten hohe Nitratkonzentrationen im Bodenwasser nachgewiesen werden. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist neben der Düngung der bodenbürtige Stickstoffpool verantwortlich. Dieser sorgt bei guten Mineralisationsbedingungen für den Nitratnachschub. In den Wäldern ist zudem das Überangebot an mineralischem Stickstoff mittels atmosphärischem N-Eintrag problematisch. Die geringmächtigen Böden im Einzugsgebiet neigen zu rascher und irreversibler Nitratauswaschung.

Das Düngermanagement ist von grosser Bedeutung und könnte durch die Gründung einer Dünger-Task-Force (Landwirte, landwirtschaftliche Berater, externe Fachleute) optimiert werden. Allgemein sollte unter derartigen Voraussetzungen (flachgründige Böden, rascher Übertritt ins Grundwasser) eine Reduzierung des Ackerbaus und der intensiven Grünlandnutzung sowie die Förderung extensiver Grünlandwirtschaft und ökologischer Ausgleichsflächen ins Auge gefasst werden.


Tägliche Schwankungen des limnoökologischen Milieus in den Versickerungsflächen der “Langen Erlen”

Oliver Stucki, Urs Geissbühler & Christoph Wüthrich

In der ehemaligen Auenlandschaft der Wiese (“Lange Erlen”) wird heute etwa 50 % des Trinkwassers der Stadt Basel gefördert, wozu in Wässerstellen vorfiltriertes Rheinwasser zur Grundwasseranreicherung ausgebracht wird. Im Rahmen eines MGU-Projektes wurde die Wässerstelle “Hintere Stellimatte” versuchsweise in eine Horizontalfilteranlage umgebaut und mit Wiesewasser aus dem Mühleteich bewässert. Um die hydroökologischen Veränderungen in der Wässerstelle im Laufe eines Bewässerungszyklus zu verstehen, wurden in den Jahren 2001 und 2002 im Mühleteich, in der Wässerstelle und in darin erstellten Tümpeln wasserchemische Parameter in hoher zeitlicher Auflösung aufgezeichnet. Für den Sauerstoffgehalt, den pH-Wert, die Leitfähigkeit und die Wassertemperatur konnten dabei charakteristische Tagesganglinien festgestellt werden. Es zeigte sich, dass in der Wässerstelle bei Bewässerung gewisse Parameter direkt von den Verhältnissen im Mühleteich abhängen, während bei abgestellter Bewässerung verschiedene Prozesse vor allem durch das Lichtangebot geregelt werden. Die Bedeutung dieser Befunde hinsichtlich der Etablierung von auentypischen Pflanzen und Tieren wird diskutiert.


Étude Écobiologique d’une portion de l’Augraben, ruisseau traversant la Petite Camargue Alsacienne

2e Partie* : Étude des facteurs biotiques

Sophie Masnada et Michel Wurtz

Résumé

Dans une première partie ont été présenté les raisons de cette étude, les mesures et les résultats des analyses des facteurs abiotiques d’une partie de l’Augraben. Dans cette seconde partie, concernant les résultats de l’étude d’un certain nombre de facteurs biologiques, nous expliquerons pourquoi dans cette partie de son cours, l’Augraben est un ruisseau pratiquement mort. En effet, la toxicité des boues, la contamination bactérienne apportée par les déversoirs de crue de l’assainissement du quartier de Neuweg, les mauvais résultats des calculs du coefficient morpho-dynamique ou de l’indice biologique global (IBG), expliquent aisément le constat de l’état catastrophique des premiers kilomètres du cours de l’Augraben. Pour remédier à cet état de fait, d’autant plus inacceptable que cette partie du ruisseau traverse une future réserve naturelle, nous avons proposé une série d’aménagements pour d’une part améliorer sa morphologie (extraction des boues toxiques, création de seuils, de déflecteurs et de méandres) et d’autre part améliorer la qualité (traitement efficace des effluents issus de l’assainissement) et la quantité de ses eaux (branchement au canal de Huningue et injection d’eaux claires).

Zusammenfassung

Im ersten Teil dieser Untersuchung wurden die Ziele, die Messungen und die Ergebnisse der Analyse abiotischer Parameter eines Teilstückes des Augrabens vorgestellt. Hier zeigen wir aufgrund der Untersuchung einiger biotischer Faktoren, warum dieser Bach praktisch tot ist. Die Schlammtoxizität, die bakterielle Kontamination der Abwasserüberläufe und die ungenügenden Werte des morphodynamischen Koeffizienten und des Saprobienindex bilden eine deutliche Erklärung für den schlechten Zustand des Baches in den ersten Kilometern. Diese Situation ist für ein zukünftiges Naturschutzgebiet nicht akzeptabel. Wir beschreiben hier Lösungsansätze zur Verbesserung der Geomorphologie des Bachbettes einerseits und der Wasserqualität oder -menge andererseits.

* Der erste Teil dieses Artikels behandelte die abiotischen Faktoren des Aubaches und erschien in der REGIO BASILIENSIS 42/3 (2001), 269-278.


Nr. 42/1 - 2001

Nr. 42/1 - 2001

Flusslandschaften im urbanen Raum - Revitalisierungen in der Basler Region

Ökologische Ersatzmassnahmen: Auslöser für die Revitalisierung von Fliessgewässern
Der Zusammenhang - Fachwissenschaft - Schule - Praxis - Öffentlichkeit
Beispiele aus der Region Basel/NW-Schweiz

André Schenker

Massnahmen zur Renaturierung von Fliessgewässern erfolgen aus unterschiedlichem Anlass. Ein seit über 10 Jahren wichtiger Auslöser für Revitalisierungsmassnahmen liegt bei ökologischen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen gemäss Art. 18 Natur- und Heimatschutzgesetz für nicht vermeidbare Beeinträchtigungen bei Bauprojekten. Diese Konstellation kommt beipielsweise bei UVP-pflichtigen Infrastrukturvorhaben zum Tragen und kann umfangreiche Rückbau- und Aufwertungsmassnahmen auslösen. Am Beispiel von drei Strassenprojekten aus der Nordwestschweiz werden bereits realisierte bzw. geplante Revitalisierungsmassnahmen vorgestellt.


Die Birs im Spannungsfeld zwischen ökologischen und sozialen Ansprüchen

Daniel Küry

Eine interdisziplinäre Untersuchung über die gesellschaftliche Wahrnehmung und die ökologischen Auswirkungen einer 500 m langen revitalisierten Strecke an der Birs in Münchenstein (Kanton Basel-Landschaft) ergab nur geringe Veränderungen der Makrozoobenthos-Gemeinschaften. Die Revitalisierung wurde jedoch von 76 % der Befragten als positiv beurteilt. Die Zustimmung bei denjenigen Leuten, die die Umgebung der Birs zur Naherholung aufsuchen, war signifikant höher als beim Durchschnitt der Befragten. Ein hohes Umwelt- und Naturbewusstsein zeigte hingegen keine entsprechend höhere Zustimmung. Diese überraschenden Resultate zeigen, dass bisher vernachlässigte Aspekte wie die Kommunikation zwischen den Umsetzern und der Bevölkerung sowie Fragen der Nutzung und der Wahrnehmung der Landschaft im Hinblick auf eine Akzeptanz von Massnahmen zur Gewässerentwicklung bei zukünftigen Konzepten berücksichtigt werden müssen.


Hochrheinrenaturierung im gesellschaftspolitischen Konfliktfeld

Arnold Gurtner-Zimmermann und Susanne Eder

Uferbereiche von Fliessgewässern in Agglomerationen stellen als stark genutzte Naherholungsgebiete einen Überschneidungsbereich vielfältiger Interessen und Nutzungsansprüche gesellschaftlicher Gruppen dar. Ökologische Erfordernisse konkurrieren mit der Forderung nach Erhalt und Aufwertung der Räume als Wohn- und Erholungsgebiete. Vor dem Hintergrund geplanter und z.T. bereits realisierter Renaturierungsmassnahmen an Rhein und Birs in der Agglomeration Basel werden in diesem Artikel die unterschiedlichen Nutzungs- und Bewertungsmassstäbe lokaler Nutzer- und Interessensgruppen dargestellt. Zudem wird beleuchtet, welche Netzwerke und Entscheidungsmechanismen auf (lokal-)politischer Ebene für die Realisierung von Renaturierungsprojekten wirksam sind.


Wiese-Revitalisierung: Führen die Veränderungen der Sohlenstruktur zu einer Trinkwassergefährdung?

Peter Huggenberger

Fluss-Revitalisierungsprojekte erzeugen Zielkonflikte. Am Beispiel der Wiese wird gezeigt, welche Funktionen von Flüssen wieder etabliert werden können. Gegen eine Revitalisierung der Wiese spricht die Gefährdung der Grundwasserqualität. Ist die Filterwirkung von Flusssohle, Uferbereich und Schotterkörper ausreichend gross, um bei unterschiedlichen Bedingungen, Mikroorganismen zurückzuhalten? Mit Experimenten konnten neue Erkenntnisse über die Prozesse an der Übergangszone Fluss-Grundwasser gewonnen werden. Die Konzentrationen an Mikroorganismen und Schadstoffen in der Wiese steigen bei starken Niederschlägen, infolge Mischwassereinleitungen im oberliegenden Siedlungsgebiet, um mehrere Grössenordnungen an und gefährden die wiesenahen Wasserfassungen. Die Resultate der bisherigen Modellrechnungen verdeutlichen, dass der Freiraum für die Wiese stromaufwärts nur vergrössert werden kann, wenn die Grundwasserdynamik in der Wieseebene bei unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen verstanden und bei der langfristigen Planung berücksichtigt werden kann.


Die Aktion HALLO BIBER!

Innerhalb von zehn Jahren will Pro Natura Baselland dem Biber die Tore in die Region Basel öffnen

Urs Leugger

Pro Natura Baselland hat sich mit der Aktion HALLO BIBER! das Ziel gesetzt, in den nächsten zehn Jahren die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückkehr des sympathischen Nagers in die Region Basel zu schaffen. Hierfür müssen einerseits Hindernisse, die sich ihm auf seinem Weg den Hochrhein hinunter in die Region Basel in den Weg stellen (z.B. Flusskraftwerke), bibergängig gemacht werden. Andererseits gilt es, seinen Lebensraum, natürliche und frei fliessende Flüsse und Bäche, zu erhalten bzw. wieder neu zu schaffen. Vorbereitende Untersuchungen haben gezeigt: Der Biber hat gute Chancen, die Region Basel wieder zu besiedeln. Er kann diese aber nur wahrnehmen, wenn ihm dabei geholfen wird.


Erholungsnutzung der Bachufer im hinteren Leimental: Einfluss auf die Ufervegetation

Hans-Peter Rusterholz und Bruno Baur

Naturnahe Gebiete in Ballungsräumen sind beliebte Naherholungsgebiete. Grosse Besucherzahlen können aber zu einer Übernutzung empfindlicher Lebensräume führen. In der vorliegenden Studie wurde der Einfluss der Erholungsnutzung (Spazieren, Picknicken/Spielen, Reiten, Biken, Joggen) und der Landwirtschaft auf Ufergehölze und Krautstreifen in sechs Bachabschnitten im hinteren Leimental untersucht. Im allgemeinen wies die Krautschicht nur geringe Trittschäden auf. Einzig in einem Abschnitt mit “wilden” Feuerstellen wurden mässige Schäden an Bodenvegetation, Strauch- und Baumschicht festgestellt. Die Studie zeigt, dass das beobachtete Ausmass der Erholungsnutzung an den meisten Bachabschnitten aus der Sicht des Naturschutzes tolerierbar ist. Dies bestätigen auch ökologische Zeigerwerte der Bodenvegetation. Hingegen scheint die intensive Bewirtschaftung angrenzender Agrarflächen an einigen Stellen die Krautstreifen entlang der Bachufer stark zu beeinflussen.


Revitalisierung und Trinkwasserschutz in der dicht genutzten “Wiese”-Ebene; Feuchtgebiete als Reinigungsstufe

Christoph Wüthrich, Urs Geissbühler und Daniel Rüetschi

Etwa 50 % des Basler Trinkwassers wird in der ehemaligen Auenlandschaft der “Wiese” durch Grundwasseranreicherung gesichert. Seit den 60er Jahren wird zu diesem Zweck vorfiltriertes Rheinwasser in die “Wiese”-Ebene gepumpt und der Kontakt von “Wiese”-Wasser zum Grundwasser wird auf ein Minimum begrenzt. Um genügend sauberes Wasser für Revitalisierungsmassnahmen in der Trinkwasserschutzzone der “Wiese”-Ebene bereitstellen zu können, wird in einem MGU-Pilotprojekt das Wasser des “Mühlenteich” (ausgeleitetes Wasser der “Wiese”) anstatt Rheinwasser in eine naturnahe, bewaldete Wässerstelle (“Stellimatte”) der städtischen Trinkwasserwerke zur Reinigung eingeleitet. Erste Resultate zeigen, dass das heutige “Wiese”-Wasser bezüglich trinkwassergefährdender Stoffe weniger Probleme verursacht, als ursprünglich befürchtet. Wegen der häufig auftretenden und sehr rasch anspringenden Trübungsschübe muss der “Mühlenteich” jedoch permanent überwacht werden. Durch die Verwendung von “Wiese”-Wasser, anstatt von vorfiltriertem Rheinwasser für die Grundwasseranreicherung wurde im nahen Brunnen 9 die Trübung vorübergehend etwas erhöht. Dieser Effekt ist inzwischen verschwunden und die bakteriologische Situation ist gegenüber der Situation nach Sturm Lothar sogar verbessert. Ein leichter Rückgang der Nitratbelastung kann auf verbesserte Denitrifikation durch die längeren Überstauphasen zurückgeführt werden. Man darf nach den vorliegenden Resultaten davon ausgehen, dass die Einleitung von “Wiese”-Wasser in die Wässerstelle im getesteten Rahmen (40 l/s) keine Probleme mit der Trinkwasserqualität verursacht. Die Reinigungseffizienz in der Wässerstelle “Stellimatte” kann erst nach Etablierung der Riedvegetation und nach Einrichtung grösserer Fliessstrecken beurteilt werden, obwohl bereits heute nach wenigen Metern Durchlauf verschiedene Wasserqualitätsparameter (O2, pH, DOC) deutliche und reproduzierbare Veränderungen zeigen.


Nr. 42/2 - 2001

Nr. 42/2 - 2001

Aspekte der Stadt- und Umlandentwicklung im Grossraum Basel:

Im Internet kann man nachlesen, dass die Stadt Basel seit Anfang 2000 ein Ressort "Stadtmarketing" im Wirtschafts- und Sozialdepartement eingerichtet hat. Dieses soll eine integrierte Denk- und Handlungsweise umsetzen, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Hauptgruppen der Stadt, namentlich an der Bevölkerung, an den Unternehmen sowie am Tourismus orientiert. Das Resort befasst sich unter anderem mit dem Ressort Wohnortmarketing. Dieses richtet sich an potentielle Zuzügerinnen und Zuzüger (auch potentielle Steuerzahler), die für den Wohnrt Basel-Stadt gewonnen werden sollen. Unter dem Motto "Basel tickt anders" ist eine Kampagne angelaufen, die jenes kommunizieren soll, was Basel besonders attraktiv macht.

Dynamik von Einwohnerzahlen und Wohnraumangebot in Basel-Stadt und –Landschaft. Empirische Untersuchung zu den Einwohnerverlusten des Kantons Basel-Stadt

Rainer Volman

Der Kanton Basel-Stadt verzeichnet einen anhaltenden Rückgang seiner Einwohnerzahl, während diese im Umland-Kanton Basel-Landschaft stetig zunimmt. Die vorliegende Untersuchung zerlegt die Veränderung der Einwohnerzahlen in mehrere Komponenten. Dabei werden sowohl personenbezogene Komponenten wie natürliche Bevölkerungsveränderung und Wanderungsbilanz als auch wohnraumbezogene Komponenten wie Umfang und Auslastung des Wohnungsangebots beachtet. So wird deutlich, welche Vorgänge in welchem Ausmass zur unterschiedlichen Dynamik der Einwohnerzahlen in Basel-Stadt und Basel-Landschaft beitragen. Dabei zeigt sich, dass die Einwohnerverluste von Basel nur zu einem geringen Teil auf mangelnde Akzeptanz des Wohnens in einem städtischen Umfeld zurückgeführt werden können. Hauptursache ist der steigende Wohnraumbedarf pro Einwohner bei gleichzeitig beschränkten Möglichkeiten, das Wohnraumangebot zu erhöhen. Das Ziel einer Stabilisierung der Einwohnerzahl bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils gutsituierter Bürger, mit dann noch grösserem Flächenbedarf, ist somit nur sehr schwer zu erreichen.


Konsumentenstruktur und Verbraucherverhalten in der Agglomeration Basel: Wird die Basler Innenstadt durch Einzelhandelsstandorte im suburbanen Raum konkurrenziert?

Andrea Kampschulte

Die Entwicklungen im Einzelhandel haben zur Verbreitung grossflächiger Einzelhandelseinrichtungen an peripheren Standorten bei einem gleichzeitigen Bedeutungsverlust der Innenstädte als Hauptversorgungszentren geführt. Im Wettbewerb um die kaufkräftige Nachfrage steigen die Konkurrenzbeziehungen zwischen Zentrum und Peripherie sowie zwischen den unterschiedlichen Betriebstypen. Der vorliegende Beitrag überprüft anhand der empirischen Untersuchung stadtnaher Fachmärkte und Einkaufszentren, inwieweit solche Konkurrenzbeziehungen auch in der Agglomeration Basel zu beobachten sind und welche Chancen und Probleme sich daraus für beide Standorttypen ergeben. Die Untersuchung zeigt, dass Kaufkraftabflüsse aus der Innenstadt in die grossflächigen Einzelhandelsstandorte am Stadtrand bestehen. Diese betreffen jedoch nur bestimmte Produkt- und Preissegmente sowie Betriebstypen und -grössen. Insgesamt ist eher eine Funktionsteilung zwischen den peripheren Einzelhandelsstandorten und der Innenstadt festzustellen.


Das Basler Schulwesen. Entwicklung wichtiger Bildungsindikatoren im Schulsystem Basel-Stadt im Zeitraum 1980-2000

Rebekka Ritter Chollet

Im vorliegenden Beitrag werden Entwicklungen im Basler Schulwesen vorgestellt. Der methodische Ansatz beruht auf einer Evaluierung ausgewählter Bildungsindikatoren über einen Zeitraum von 1980 bis 2000. Die Betrachtung der Entwicklungstendenzen einzelner Bildungsindikatoren bilden eine wichtige Grundlage für bildungspolitische Diskussionen. Im Jahr 2000 besuchten etwas weniger Kinder und Jugendliche die Basler Schulen als 1980. Davon waren infolge der zunehmenden Migration in den 1990er Jahren über ein Drittel ausländischer Herkunft. Von dem hohen Ausländeranteil sind v.a. berufsorientierte Schulen betroffen, und ausserdem ergibt sich bei einer räumlichen Differenzierung je nach Stadtteil oder Quartier eine unterschiedliche Konzentration. Die Zunahme der ausländischen Schüler und Schülerinnen erforderte eine Anpassung des Schulsystems an einen Mehrbedarf an Sprachförderung, was wiederum mit einem Anstieg der Schulkosten verbunden war. Die realen Kosten pro Schüler lagen im Jahr 2000 deutlich über jenen aus dem Jahr 1980. Die realen Kosten pro Lehrer-Vollstelle blieben dagegen ziemlich stabil.


Kriminalität in Basel. Eine Untersuchung über die räumliche Verteilung und Konzentration der Täterwohnsitze

Lorenz Bolliger

Der vorliegende Artikel stellt die wichtigsten Ergebnisse aus der Lizentiatsarbeit “Kriminalität in Basel – eine Untersuchung über die räumliche Verteilung und Konzentration von Täterwohnsitzen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandels in den modernen Städten” vor. Das Ziel der Arbeit bestand darin, Täterwohnsitze im Gebiet des Kantons Basel-Stadt räumlich darzustellen und auszuwerten. Als Ergebnis aus dem räumlichen Beziehungsgefüge zwischen Kriminalität und städtischen Raumstrukturen und -entwicklungen kann eine Konzentration der Täterwohnsitze in den Quartieren Gundeldingen und St. Johann sowie in weiten Teilen von Kleinbasel festgestellt werden. Diese Gebiete sind geprägt durch niedrigen sozio-ökonomischen Status, ethnische Heterogenität und hohe Frequenz an Wohnungswechseln. Zudem entsteht in diesen Gebieten wegen des ökonomischen Strukturwandels eine zunehmende soziale Ungleichheit, was Entfremdung und Frustration erzeugen kann. Diese Auswirkungen bilden einen möglichen Nährboden für das Entstehen und Auftreten von sehr hohen Kriminalitätsraten.


Obdachlosigkeit in Basel: Charakteristik der betroffenen Gruppe, Ausmass und Entwicklung, räumliche Aspekte, Trends

Regula Egli

Dieser Artikel stellt die Ergebnisse einer Untersuchung zum Thema Obdachlosigkeit in Basel dar, wobei u.a. Ausmass, Charakteristik der betroffenen Personen und räumliche Aspekte im Vordergrund standen. Im Vergleich mit den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahre 1989 zeigt sich, dass im entsprechenden Zeitraum die Obdachlosenzahlen zurückgegangen sind, was vor allem auf eine bessere Einbindung der Betroffenen in das soziale Sicherungssystem zurückzuführen ist. Gleichzeitig gewinnt die Drogensucht zunehmende Bedeutung als Obdachlosigkeitsrisiko, was sich v.a. in einem deutlichen Anstieg der Frauenobdachlosigkeit zeigt.


Nr. 42/3 - 2001

Nr. 42/3 - 2001

Freiburg i. Br. an der Schwelle zum 21. Jahrhundert:

Verschiedentlich wurde in den letzten Jahren einerseits die Entwicklung der Wirtschaft (z.B. Regio Basiliensis 41/1 2000) und andererseits Aspekte des Städtebaus in der RegioTriThena (z.B. Regio Basiliensis 42/2 2001) einer eingehenden Betrachtung unterzogen. In dieser Ausgabe steht Freiburg i. Br. im Fokus. Gerade diese Stadt zeigte in den letzten zehn Jahren äusserst positive und interessante wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklungsperspektiven. Verantwortlich dafür waren vor allem eine hohe Standortqualität, eine erfolgreiche Wirtschaftsförderung, aber auch eine nachhaltige Stadtplanung.



Entwicklungstrends in der Freiburger Wirtschaft an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

Ernst-Jürgen Schröder

Die Stadt Freiburg im Breisgau hat im vergangenen Jahrzehnt eine überaus positive wirtschaftliche Entwicklung genommen. Entscheidenden Anteil hieran hatten neben einer grundlegenden Standortverbesserung eine offensive Wirtschaftsförderungspolitik und Existenzgründungsinitiative in ausgesprochenen Wachstumsfeldern wie der Biotechnologie, Solartechnik und dem Tourismus. Auch im Hinblick auf die bevorstehenden ökonomischen Herausforderungen in Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung ergeben sich für die Wirtschaftsregion Freiburg weiterhin günstige Entwicklungsperspektiven.


Baulücken als Baulandreserve für eine nachhaltige Stadtentwicklung
Zur Erfassung und Nutzung des innerstädtischen Baulandpotenzials in Freiburg i.Br.

Cornelia Korff, Jörg Stadelbauer

Die vorrangige bauliche Nutzung von innerstädtischen Flächenreserven ist eine Forderung nachhaltiger Stadtentwicklung. Baulücken sind Teil des noch nicht ausgeschöpften Baulandpotenzials. Der folgende Beitrag versucht am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau eine Bestandsaufnahme von Baulücken in den nicht durch Bebauungspläne erfassten Bereichen. Die Analyse geht auf die Rechtsgrundlage der Baulückenerfassung ein und verweist auch auf den begrenzten Einfluss, den die Stadtplanung auf die Geschwindigkeit der Bebauung nehmen kann. Es wird deutlich, dass grosse Teile dieses nicht sehr umfangreichen Potenzials erst langfristig genutzt werden können.


Rieselfeld Freiburg. Die Entstehung eines neuen Stadtteils um die Jahrtausendwende

Reinhard Schelkes

Auf dem Freiburger Rieselfeld entsteht ein neuer Stadtteil, der nicht nur wegen seiner Dimensionen, sondern auch wegen seines Planungskonzeptes, seiner baulichen Gestaltung und ökologischen Einbindung bemerkenswert ist. 10’00 bis 12’000 Einwohner sollen hier künftig wohnen, etwa 4’000 waren es bereits Mitte des Jahres 2001. Der Realisierung vorausgegangen sind zahlreiche Planungsschritte unter Einbeziehung interessierter Bürgerinnen und Bürger als Bewohner oder Mieter sowie Entwicklungen von Konzepten für unterschiedlichste Parzellenzuschnitte und Bauformen.


Die Freiburger Bahnhofsachse: Vom Nachkriegsprovisorium zur modernen Dienstleistungsmeile

Petra Zinthäfner

Mit mehr als einer halben Milliarde Mark Gesamtinvestitionen von öffentlichen und privaten Bauherren bedeutete die Umgestaltung der Bahnhofsachse in Freiburg eine der grössten städtebaulichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. Kein anderes Projekt griff so nachhaltig in die Strukturen der Stadt ein wie dieses: Erstmals in der Nachkriegsgeschichte gelang es, durch die Verlegung des Verkehrs die Innenstadt nach Westen bis vor den Hauptbahnhof zu erweitern. Die Umgestaltung der Bahnhofsachse markierte sowohl den Höhepunkt als auch den vorläufigen Abschluss einer jahrelang nach Westen orientierten Stadtplanung. Inzwischen ist die Achse zum Synonym für das aufstrebende Dienstleistungszentrum am Oberrhein geworden.


Verluste, die schmerzen. Wanderungsbeziehungen Freiburgs mit seinem Umland in den neunziger Jahren

Rainer Tressel, Thomas Willmann

Rund 10 % der Wohnbevölkerung Freiburgs verlassen Jahr für Jahr die Stadt, gleichzeitig kommen noch etwas mehr Menschen durch Zuwanderung von aussen hinzu. In den letzten beiden Jahren war die Zuwanderung aus dem In- und Ausland besonders hoch. Die Zuwanderer und die Abwanderer setzen sich nach dem Alter, dem beruflichen und sozialen Status und der Nationalität unterschiedlich zusammen, so dass die Wanderung zu einer laufenden Veränderung der Freiburger Bevölkerung führt. Besonders gravierend ist die selektive Wirkung bei der Stadt-Umland-Wanderung, der in diesem Beitrag die besondere Aufmerksamkeit gilt.


Étude écobiologique d’une portion de l’Augraben, ruisseau traversant la Petite Camargue Alsacienne. Premiere Partie: Étude des facteurs abiotiques

Ökobiologische Studie eines Abschnittes des Baches Augraben, der durch die "Kleine Elsässische Camargue" fliesst. Erster Teil: Abiotische Parameter

Sophie Masnada et Michel Wurtz

Résumé

Il s'agit d'une étude qui s'est déroulée en 1999 afin de comprendre les problèmes d’environnement majeurs de ce ruisseau. Nombreux sont ceux qui s'intéressent à l'Augraben: le Syndicat Intercommunal des Cours d'Eau, l'Agence de l'eau Rhin-Meuse, le Conseil Supérieur de la Pêche, le District des Trois Frontières (responsable de l'assainissement des communes alentours), chacune des institutions étudie un détail en particulier. Pour cette raison, nous nous sommes intéressés dans cette partie aux paramètres abiotiques et biotiques dans une future 2e partie, afin de les mettre en relation et obtenir une vision globale du problème.

Zusammenfassung

Es handelt sich um eine Studie vom Sommer 1999 mit dem Ziel, wichtige, umweltrelevante Probleme dieses Baches zu verstehen. Viele lokale und regionale Behörden sind verantwortlich für verschiedene Aspekte, aber ohne Koordination. Deswegen haben uns sowohl abiotische (Teil 1) als auch biotische (Teil 2) Parameter interessiert, um sie in einen Zusammenhang zu setzen und eine globale Sicht des Problems zu erhalten.

Nr. 41/1 - 2000

Nr. 41/1 - 2000

Der Wirtschaftsraum Regio TriRhena:

Im Rahmen der weltweiten Globalisierung der Wirtschaft könnte die Regio TriRhena als Modellbeispiel eines regionalen grenzüberschreitenden Wirtschaftsraums dienen. Als ein möglicher Zukunftsmarkt wird der Bereich Biotechnologie gesehen, welcher unter dem Begriff "Bio-Valley" Furore gemacht hat. Die wahrscheinliche Annäherung der Schweiz an die EU durch die bilateralen Verträge - die Volksabstimmung findet in diesem Jahr statt - ist der spannende Rahmen einer Entwicklung, die möglicherweise die Grenzen in der Regio TriRhena immer mehr zum Verschwinden bringt. Dieses Heft stellt erfolgversprechende Kooperationsfelder und regionale Entwicklungsperspektiven dieses Wirtschaftsraums dar.




Die Regio TriRhena als grenzüberschreitender Wirtschaftsraum

Ernst-Jürgen Schröder

Die RegioTriRhena entwickelt sich hinsichtlich der Arbeitsmarkt-, Kapital- und Verkehrsverflechtungen zu einem einheitlichen grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum mit verschiedenen Kooperationsfeldern. Gerade hieraus ergeben sich für diese Region im Hinblick auf die bevorstehenden ökonomischen Herausforderungen in Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung überaus positive Entwicklungsperspektiven.


Staatsgrenzen in der TriRhena ? Barriere oder Stimulus?

Susanne Eder und Martin Sandtner

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die nationalen Grenzen in der Regio TriRhena in den Bereichen Arbeiten, Einkaufen und Wohnen offen sind, Filter- oder Barrierewirkungen haben. Es zeigt sich, dass die EU-Binnengrenze zwischen Deutschland und Frankreich keinen Widerstand mehr bedeutet, die EU-Aussengrenze zur Schweiz dagegen auf die Arbeits- und Einkaufsströme eine Filterwirkung hat und die Wohnsitznahme jenseits der Grenze sogar weitgehend unmöglich macht. Trotzdem sind die Arbeits- und Einkaufsverflechtungen zwischen Deutschland und Frankreich schwächer als diejenigen zwischen der Schweiz und Deutschland bzw. Frankreich, was auf die hier stärkeren ökonomischen Gefälle zurückzuführen ist. Abschliessend werden zu erwartende Auswirkungen der bilateralen Verträge Schweiz - EU auf die genannten grenzüberschreitenden Ströme diskutiert.


Grenzgängerverflechtungen in der RegioTriRhena. Entwicklungen und Strukturen

Bernhard Mohr

Die Grenzgängerverflechtungen an Hoch- und Oberrhein erreichen in der RegioTriRhena ihre höchste Intensität. Etwa 55 000 Pendler überschreiten hier täglich die Grenzen, um in einem der Anrainerstaaten einer Arbeit nachzugehen. Allerdings sind die Pendlerströme einseitig gerichtet, nämlich aus dem Oberelsass und aus Südbaden in die Nordwestschweiz sowie - zahlenmässig geringer - aus dem Oberelsass nach Baden. Diese grenzüberschreitende Mobilität ist als Ausgleichsbewegung zwischen den drei Teilarbeitsmärkten der Regio zu interpretieren; sie beruht vordergründig auf innerregionalen wirtschaftlichen Disparitäten, tatsächlich aber auf einem Bündel sehr unterschiedlicher Ursachen und Motive.


Basel - eine Stadtökonomie im Prozess der Globalisierung. Analysen und Folgen für die Stadtentwicklung

Renato Strassmann

Die Standortqualität des Zentrums Basels ist für den gesamten regionalen Wirtschaftsraum von vitalem Interesse. Im Zuge der Globalisierung und des damit einhergehenden Wettbewerbs kommt der Standortattraktivät von Räumen eine erhöhte Bedeutung zu. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Schweizer Kantonen, die Dynamik einer sich globalisierenden Stadtökonomie sowie die Entwicklung intralokaler Disparitäten sind Hauptbetrachtungspunkte dieses Beitrags. Zu den Ergebnissen zählt, dass der Kanton Basel?Stadt im interkantonalen Vergleich eine negative Beschäftigtenentwicklung aufweist, im Zuge der Globalisierung ein Trend zur Tertialisierung, Teilzeitarbeit sowie kleineren Arbeitsstättengrössen zu beobachten ist und sich eine räumlich duale Entwicklung vollzieht.


Veränderungen in der Branche "Dienstleistungen für Unternehmen" in der Nordwestschweiz. Eine wirtschaftsgeographische Untersuchung

Renato Strassmann, Michael Frost und Ines Brunner

Dieser Artikel fasst die Ergebnisse der humangeographischen Diplomarbeit "Die Untersuchung der Struktur und Dynamik der Beschäftigten- und Arbeitsstättendaten ausgewählter Branchen zwischen 1991 und 1995 in der Nordwestschweiz vor dem Hintergrund neuer wirtschaftsgeographischer Theorien" zusammen. Das Ziel der Arbeit bestand darin, die Entwicklung der Beschäftigten und Arbeitsstätten in sieben Schlüsselbranchen der Nordwestschweiz zwischen 1991 und 1995 zu analysieren und daraus abgeleitet eine Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung der Nordwestschweiz vorzunehmen. Basierend auf den Ergebnissen der Studie sowie wichtiger globaler Trends erfolgte die Ausarbeitung von Mittel- und Langfriststrategien für die Wirtschaftsregion Nordwestschweiz.


Der Arbeitsmarkt im Arbeitsamtsbezirk Freiburg i.Br. Zur räumlichen Ausgliederung soziodemographischer Teilarbeitsmärkte.

J. W. Schindler

Im Arbeitsamtsbezirk Freiburg besteht ein spezifischer Teilarbeitsmarkt der Frauen, dessen Eigenständigkeit sich in der gegenüber den männlichen Beschäftigten deutlich positiven Entwicklung ausdrückt. Seine Schwerpunkte liegen im Verdichtungsraum und im ländlichen Raum, wobei der Teilarbeitsmarkt im Verdichtungsraum anders strukturiert, nämlich weniger stark auf die "typischen" Frauenberufe im Dienstleistungsbereich eingeengt ist als jener im ländlichen Raum. Dort konnten, standortbedingt, diese Berufe Kristallisationskerne bilden, an denen der Arbeitsmarkt der Frauen expandierte und sogar die Arbeitslosensituation günstig beeinflusste. Zwiespältig zu beurteilen ist die enge Koppelung dieser Entwicklungen an die Teilzeitbeschäftigung.


Nr. 41/2 - 2000

Nr. 41/2 - 2000

Geographie und Schule im Wandel:

Die Geographie hat als Schulfach - wie als Studienfach und Berufsfeld- in den letzten Jahrzehnten eine auffällige Entwicklung durchgemacht. Der aktuelle Wandel in Umwelt und Gesellschaft ist geprägt durch immer komplexer werdende Umwelt- und Sozialbeziehungen. Die in viele Bereiche des täglichen Lebens vordringenden positiven und negativen Folgen der Globalisierung sowie der Trend hin zu einer Informationsgesellschaft, bei der weniger ein solider Grundstock an Kenntnissen als vielmehr das Wissen um die Erschliessung des schier unerschöpflich scheinenden Informationsangebotes gefragt scheint, verlangen eine Reaktion und eine Positionierung der Lehrenden in einem Spannungsfeld, das noch lange nicht ausdiskutiert scheint. Diese Nummer nimmt in mehreren Beiträgen zur Geographie in der Schule des 21. Jahrhunderts Stellung.


Geographie und Schule an der Wende zum 21. Jahrhundert
Der Zusammenhang - Fachwissenschaft - Schule - Praxis - Öffentlichkeit

Hartmut Leser

Die Diskussion um das Schulfach Geographie ist so alt wie die Schulgeographie. Wegen der Zugewandtheit zur Fülle des praktischen Lebens ergeben sich daraus Umfangs- und Vermittlungsprobleme. Vermeintliche Unschärfen verleiten jeden, bei "Geographie" - oder gar bei "Geographie an der Schule" - mitzureden. Das führt zu Missverständnissen in Politik und Öffentlichkeit über die Notwendigkeit des Schulfaches Geographie. Es wird übersehen, dass Geographieunterricht heutzutage handlungsorientiert ist und zugleich Schlüsselkompetenzen vermittelt, die im praktischen Leben generell eine Rolle spielen. Geographie ist und bleibt ein Kernfach, das auf allen Schulstufen mit mindestens zwei Wochenstunden vertreten sein muss. Solche Einsichten kamen in Grossbritannien oder den USA bereits vor Jahren, und sie führten dazu, Geographie wieder fest an den Schulen zu installieren. Eine immer kompliziertere Welt muss dargestellt und verstanden werden können. Durch "Wegsehen" ist das nicht möglich.


Schulstrukturelle Anforderungen an die Ausbildung von Geographielehrerinnen und Geographielehrern der Sekundarstufe I
Die Sicht der Schulpraxis und des Pädagogischen Instituts

Thomas Meyer

Die Vermittlung von Fachinhalten, von ioStoffll, ist nur eine Aufgabe des Geographieunterrichts. Daneben muss er - wie andere Fächer auch - dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen lernen, die nicht fachgebunden sind.Die Fachinhalte verlieren an Bedeutung. Um in dieser Situation auch den Fachansprüchen gerecht zu werden, ist eine breite fachwissenschaftliche, fachdidaktische und auch exkursionsdidaktische Ausbildung nötig. Im Rahmen der Sekundarlehramts I-Ausbildung sollte die Zusammenarbeit zwischen fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildungsteilen verstärkt werden. 


Das Interesse der Schüler/innen am Schulfach Geographie auf der Sekundarstufe I in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft
Ergebnisse einer empirischen Untersuchung

David Golay

Dieser Aufsatz zeigt die Interessen der Schüler/innen am Schulfach Geographie auf der Sekundarstufe I auf, die anhand einer quantitativen Befragung in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft erfasst wurden. Das Interesse der Schüler/innen an verschiedenen Themen aus der Geographie steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Dabei ergeben sich geschlechtsspezifisch grosse Unterschiede: Während sich die Mädchen für Umweltprobleme und fremde Völker interessieren, weisen die Knaben ein starkes Interesse für die Wirtschaftsgeographie und die Topographie auf. Des weiteren gehört die Geographie bei den befragten Schüler/innen nicht zu den ausgesprochenen Lieblingsfächern. Ein abschliessender Vergleich zwischen den themenspezifischen Interessen der Schüler/innen am Fach und den derzeitigen Lehrplanzielen der beiden Kantone zeigt ein erhebliches Defizit des Kantons Basel-Landschaft auf. 


Internet im Geographieunterricht der Mittelschule

Hanspeter Meier und Dieter Opferkuch

Das Internet bringt als Bestandteil der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien die Globalisierung ins Klassenzimmer. Den Benützern eröffnet es auf einfachste Weise eine schier unerschöpfliche Fülle von Informationen. Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass es letztlich ein zwar äusserst vielseitiges Medium darstellt, im Unterricht aber - wie jedes andere Medium - sehr bewusst eingesetzt werden muss. Die Autoren haben aus über 500 "Homepages" eine Auswahl getroffen und diese nach unterrichtsrelevanten Kriterien beurteilt.


Systemdenken im Geographieunterricht - Beispiel "Bodenerosion"
Eine Unterrichtseinheit für die Sekundarstufe II

Armin Rempfler

Der Geographieunterricht von morgen braucht neue Konzepte. Angesichts der rasanten Wissensvermehrung muss es ihm gelingen, über die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten hinaus auch Wissen über das Funktionieren von räumlichen Systemen mit viel höherem Allgemeinheitsgrad in problemorientierter Form aufzubereiten, so dass sich Schülerinnen und Schüler damit selbsttätig und entdeckend auseinander setzen und ihr erworbenes Wissen kompetent in neuen Situationen anwenden können. Der folgende Beitrag ist direkt als Unterrichtseinheit anwendbar. Darüber hinaus ist er Anstoss für eine notwendige Diskussion über den Aufbau von strategischem Wissen auf Schul- und Hochschulebene. 


Nr. 41/3 - 2000

Nr. 41/3 - 2000

Ein- und Ausblicke - Meinhard Schuster und die Ethnologie in Basel

Die vorliegende Nummer der Regio Basiliensis ist diesmal einer Persönlichkeit der Universität Basel und der Geographisch-Ethnologischen Gesellschaft Basel gewidmet: Der Ethnologe Meinhard Schuster feiert seinen 70. Geburtstag und nimmt gleichzeitig Abschied von der Lehrtätigkeit an der Universität.

Der Abschied vom aktiven Berufsleben bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, Rückblick - hier aber auch Ein- und Ausblick - auf eine langjährige erfolgreiche Tätigkeit zu halten. Die Redaktion freut sich deshalb besonders, Meinhard Schuster zu diesen Anlässen von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfasste "Zustandsprotokolle" der Basler Ethnologie präsentieren zu dürfen.


 

Ethnologie in Basel - Meinhard Schuster zum 70. Geburtstag

Christian Kaufmann

Acht gegenwärtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ethnologischen Seminars skizzieren in diesem Band ihre Wahrnehmung dessen, was Ethnologie in Basel heute bedeutet und was sie leistet. Drei Dinge springen dabei ins Auge: Die acht Positionen bestimmen zusammen genommen ein weitaus markanteres Profil der Disziplin in Basel, als dies die Öffentlichkeit wahrnimmt - der einleitende Beitrag versucht, dies zu verdeutlichen. Zum Zweiten wird klar, dass in den Arbeiten und Projekten der Basler Ethnologie der Elfenbeinturm einer solitären Universitätswissenschaft längst verlassen worden ist. Und schliesslich springen bei aller Unterschiedlichkeit der Ansätze und der Methoden einige Konstanten des Denkens und der Praxis von Meinhard Schuster ins Auge, zu dessen 70. Geburtstag und Abschied von der Lehrtätigkeit dieses Zustandsprotokoll entstanden ist - Anlass genug, auch das Engagement des Jubilars für das Museum der Kulturen und dessen Anteil an der ethnologischen Arbeit in Basel festzuhalten.


Von der Beobachtung zur Teilnahme

Annemarie Seiler-Baldinger

1973 führte meine erste Feldforschung, ein interdisziplinäres, internationales Projekt unter Beteiligung des SNF (SEG/SSE 1975), an den Oberen Amazonas, wohin ich in den folgenden Jahren mehrfach zurückkehrte. Sie stand ganz unter dem methodischen Ansatz der teilnehmenden Beobachtung. Mit dem Wechseln des Arbeitsgebietes nach Venezuela änderte sich auch der Blickwinkel. Fortan war es die indianische Bevölkerung, insbesondere eine ethnische Minderheit, die mir im Laufe der Jahre auf sanfte Weise Hausaufgaben diktierte und mich aktiv in ihr Leben integrierte.


Ethnologie und Literatur. Literarische Darstellungsformen in ethnologischen Texten

Florence Weiss

Seit dem Beginn der modernen Ethnologie lassen sich zwei unterschiedliche Darstellungsweisen in der ethnologischen Berichterstattung erkennen. Die AutorInnen der einen Gruppe stellen die Resultate ihrer Forschung in einem streng wissenschaftlichen Bericht, in rein wissenschaftlicher Sprache dar. Diese Auffassung hat weit reichende Folgen. Sie klammern die eigene Person aus, die Personen, von denen sie ihre Informationen erhalten haben, kommen nur am Rande vor, und sie verzichten darauf, die fremden Verhältnisse anschaulich darzustellen. Die andern AutorInnen, welche einen lebhaften Eindruck der Forschungsbedingungen und der fremden Verhältnisse vermitteln wollen und ihren GesprächspartnerInnen mehr Platz einräumen oder gar selbst als Akteure auftreten, bedienen sich literarischer Darstellungsformen. Diese Formen bauen sie in einem sonst in wissenschaftlicher Sprache geschriebenen Text als Einschübe ein.


Kumasi – Gansurugu – Ouagadougou. Eine westafrikanische Migrationsgeschichte

Lilo Roost Vischer

Im folgenden Artikel wird Salif Simbre aus Burkina Faso portraitiert. Mit 17 Jahren nahm er den klassischen Weg vom Dorf in die Stadt unter die Füsse. Bereits sein Grossvater und sein Vater verliessen auf der Suche nach einem besseren Leben den heimischen Hof. Trotz der räumlichen Trennung sind die verwandtschaftlichen Beziehungen zentral. Ich lerne Salif 1983 in Ouagadougou kennen, im Verlauf verschiedener Forschungsaufenthalte (vgl. Roost Vischer 1997) und Besuche wird er zu einem engen Familienfreund und Bruder. Im Frühling 2000 rekonstruieren wir in Basel seine Migrationsgeschichte.


Glaube oder Wissen? Oder glauben an Wissen? Zum Umgang mit Gesundheit und Krankheit aus ethnologischer Sicht

Brigit Obrist van Eeuwijk

Welche Rolle spielen “Glaube” und “Wissen” im Umgang mit Gesundheit und Krankheit? Dieses Thema hat bereits Generationen von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen beschäftigt. Während in der Ethnologie zuerst der Glaube und dann das Wissen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stand und die beiden Begriffe in der Gesundheitsforschung einander oft gegenübergestellt wurden, drängt sich heute eine andere Sichtweise auf. Wollen wir untersuchen, was die Menschen beispielsweise in einem Land wie Tansania beschäftigt, müssen wir uns damit befassen, was “glauben an Wissen” in der alltäglichen Lebenspraxis bedeutet.


Émergence d’une société civile au Kirghizstan? Point de départ d’une recherche
Caroline A. Eichenberger

Zusammenfassung

Kirgistan, einer der neu gegründeten zentralasiatischen Staaten, steht heute einer mehrfachen Herausforderung im sozialen, ideologischen, politisch-strategischen und ökonomischen Bereich gegenüber. Der von den Behörden initiierte Prozess der Demokratisierung und Privatisierung stimulierte das Engagement zahlreicher internationaler Organisationen. Dieser Artikel geht der Frage nach, inwieweit mit der Adoption eines ‘civil society’ Modells nicht ein Modell sozialer Interaktion importiert wird, welches im wesentlichen westlicher Prägung ist.

Résumé

Devenu un état indépendant après l’effondrement de l’URSS en même temps que les quatre autres républiques d’Asie Centrale, le Kirghizstan fait face à un multiple défi, à la fois identitaire, idéologique, politique, stratégique, économique et social. Les autorités s’engagent rapidement dans des processus de démocratisation et de privatisation, qui engendrent l’arrivée en masse de représentants d’agences internationales et d’organisations de développement. Encouragés, les Kirghizes osent peu à peu créer des coopératives et divers types d’organisations non-gouvernementales, créant une société civile à la croisée d’un destin de nomades sédentarisés et de nouveaux citoyens d’une ancienne nation en quête d’un retour à leur droits humains dans un contexte économico-politique toujours plus difficile.


Ordnung im St. Johann – Soziale Beziehungen und Gruppenbildung in einem Basler Quartier

Rebekka Ehret

In der Ethnologie verstehen wir Raum immer als etwas kulturell Geprägtes, das wahrgenommen wird durch eine Brille, deren Gläser von der gesamten Lebenswelt “der Schauenden” geschliffen wurden und werden. Die sozialen Akteure, durch deren “Brillen” wir im Folgenden das Quartier St. Johann betrachten wollen, sind die Quartierbewohnerinnen und -bewohner. Bei der Betrachtung wird ersichtlich, dass sozio-kulturelle Klassifikationen nicht ausschliesslich aufgrund des herkömmlichen Kriteriums ethno-nationale Zugehörigkeit gemacht werden, sondern dass bei der Gruppenzuschreibung vor allem transkulturelle, konventionelle Vorstellungen von Ordnung zum Tragen kommen.


Amboss und Gebläse

Ein historisches Photo aus Westneuguinea

Andrea Schmidt

Die Verbreitung der Kenntnis der Eisenbearbeitung in Neuguinea vor der direkten europäischen Kontaktzeit gehört zu den ethnologischen Bereichen, denen, auch aus wissenschaftshistorischen Gründen, relativ wenig Beachtung geschenkt wurde. Um so wertvoller sind heute noch feststellbare Daten, die der über vierhundert Jahre alten Geschichte dieser Technik in Neuguinea hinzugefügt werden können. Solchen Angaben, meist nicht spezifisch unter diesem Thema gesammelt, mangelt es allerdings häufig an den nötigen Informationen zu ihrer Erhebung, die sie für die historische und ethnologische Analyse per se auswertbar machen. Dies macht ihre Aufbereitung nötig, bei der alle ethnologischen Arbeitsbereiche gefordert werden, um letztendlich zu einem kohärenten Bild des Eisen-Komplexes in Neuguinea beizutragen.


Ethno-Food und Tribals. Überlegungen zum Gebrauch und Missbrauch eines Begriffes

Nigel Stephenson

Das breite und vor allem vielschichtige Arbeitsfeld der Ethnologie wird in der breiten Öffentlichkeit weder überblickt noch verstanden. Im öffentlichen Diskurs haben lediglich die Begriffe “ethnisch” und “Ethno-” Eingang gefunden. Der erste ist politisch und negativ konnotiert, letzterer wird als Etikett in der bunten Konsumwelt verwendet. Der nachfolgende Artikel versucht die Bedeutungsfelder dieser beiden Begriffe nachzuzeichnen und kommt zum Schluss, dass hier althergebrachte Stereotypen wirksam werden, die die fremden “Anderen” entweder als barbarische Wilde oder als ungetrübte Naturmenschen darstellen.



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